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Full text of "Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft; ein Beitrag zum Problem der Schutzbriefgesellschaften und zur Geschichte Deutsch-Ostafrikas"

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Abhandlungen 

des 

staatswissenschaftlichen Seminars 

zu Jena 

herausgegeben von 

Professor Dr. J. Pierstorff 

Zwölfter Band. Erstes Heft: 

Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft 

Ein Beitrag zum Problem 
der Schutzbriefgesellschaften und zur Geschichte Deutsch-Ostafrikas 

Von 

Dr. Bruno Kurtze 

Mit einer Kart© 



Jena 
Verlag von Gustav Fischer 

1913 



Die 

Deutsch-Ostafrikanische 
Gesellschaft 



Ein Beitrag zum Problem der Schutzbriefgesellschaften 
und zur Geschichte Deutsch - Ostafrikas 



Von 



Dr. Bruno Kurtze 



Mit einer Karte im Anhang 




Jena 
Verlag von Gustav Fischer 

1913 



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Alle Rechte vorbehalten 




Fürstlich priv. Hof buchdruckerei (F. Mitzlaff) Rudolstadt 



Vorwort. 



Die vorliegende Arbeit über die Deutsch-Ostafrikanische Ge- 
sellschaft, deren Werdegang bis zur Ablösung ihrer Hoheits- 
rechte, nicht auch in seinem späteren Verlaufe, verfolgt wird, 
ist als ein monographischer Beitrag zum Problem der Schutz- 
briefgesellschaften gedacht. Diese Organisationen haben seit 
den Tagen des Merkantilismus, bald Handelskompagnien, bald 
Kolonisationsgesellschaften genannt, im Wirtschaftsleben Europas 
eine bedeutsame Rolle gespielt. Daß sie auch in der politischen 
Geschichte hervorgetreten sind, geht eine rein . wirtschaftliche 
Problemstellung zunächst nichts an. Sie hatten ihre Blütezeit 
zwischen 1650 und 1750 und verloren mit dem Aufkommen und 
Erstarken des wirtschaftlichen Liberalismus nicht nur praktisch, 
sondern auch theoretisch jeden Boden unter den Füßen. Erst die 
neuerlichen Expansionsbestrebungen der europäischen Staaten, seit 
Anfang der achtziger Jahre etwa, haben auch wieder Organisationen 
dieser Art geschaffen, wie die North-Borneo-Company, die hier 
betrachtete Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft und andere. Viele 
dieser Gesellschaften, und namentlich jene älteren, sind in der 
politischen Geschichte sowohl, wie unter dem Gesichtspunkte ihrer 
formalen, handelsrechtlichen Organisation und ihrer Bedeutung in 
der Geschichte der Unternehmungsformen behandelt worden. Eine 
Darstellung jedoch, die im besonderen ihre wirtschaftlichen Funk- 
tionen und ihre Stellung in der jeweiligen Wirtschaftspolitik ihrer 
Heimatstaaten berücksichtigt hätte, ist ihnen bisher in deutscher 
Sprache nicht und, soweit ich es feststellen konnte, auch in keiner 
fremden zuteil geworden, und so wird einstweilen neben anderen 
auch die Frage offen bleiben müssen, ob die älteren Kompagnien. 
wie die englisch-ostindische und die holländisch-ostindische, ge- 
messen an dem Maßstab unserer geltenden sozialökonomischen 
Begriffe, als handelspolitische oder als kolonialwirtschaftliche 
Organisationen anzusehen seien. 



— VI - 

Das spezifisch wirtschaftliche Schutzbriefproblem nun, um das 
es sich hier handelt, läßt sich etwa folgendermaßen formulieren: 
Ist eine Erwerbsgesellschaft ohne Vernachlässigung ihres eigent- 
lichen Zweckes, der Erwirtschaftung einer Rente, in der Lage, in 
kolonialem Neuland die Regierung und alle mit ihr verbundenen 
zivilisatorischen Verpflichtungen, gegebenenfalls unter dem militäri- 
schen, maritimen und diplomatischen Schutz des Heimatstaates, 
zu übernehmen? Den Kernpunkt des Problems bildet demnach 
die Rentabilitätsfrage. Die andere, ob das Rechtsgefühl der Zeit, 
wie die Institutionen des geltenden Rechts es zulassen, daß öffent- 
liche Funktionen in größerem Umfange in die Hände Privater 
gelegt werden, wie das bei den Schutzbriefgesellschaften geschieht, 
scheidet hier ganz aus. Sie ist eine Rechtsfrage und mit sozial- 
ökonomischem Rüstzeug nicht zu beantworten. Überhaupt sollten 
wir uns, wenn es gestattet ist, in diesem Zusammenhang einen 
allgemeineren Gesichtspunkt zu erwähnen, in kolonialpolitischen 
Dingen nachgerade energischer um eine strenge Scheidung der 
Rechts- und Wirtschaftsprobleme bemühen. Die Wissenschaft der 
Kolonialpolitik, oder besser vielleicht der Kolonialwirtschaft, dürfte 
ihren Vorteil dabei finden. 

Wie schon einleitend gesagt, will die vorliegende Arbeit eine 
Monographie sein, die als solche erst eine der Unterlagen für die 
Lösung des aufgeworfenen Problems schafft. Die Lösung selbst 
liegt der Arbeit fern und muß ihr fern liegen; denn, hat man sich 
einmal entschlossen, sie auf historisch-induktivem Wege zu suchen, 
dann läßt es eben die Relativität der Einzelerscheinung nicht zu, 
aus den an ihr beobachteten Verhältnissen auf eine jeder Bedingt- 
heit entkleidete Frage die entsprechende absolute Antwort zu 
finden. Vielmehr sind möglichst zahlreiche Einzelbeobachtungen 
nötig: das liegt im Wesen induktiver Forschung, zumal auf kolonial- 
wirtschaftlichem Gebiete, wo, im Gegensatz zu Vorgängen inner- 
halb derselben Volkswirtschaft oder desselben Kulturkreises, fast 
jede Einzelerscheinung unter besonderen kulturgeschichtlichen und 
besonderen natürlichen Voraussetzungen steht. 

Durch die liebenswürdige Vermittlung Professor Antons, 
meines verehrten Lehrers, ist mir das Kolonialschriftstellern selten 
beschiedene Glück zuteil geworden, Zugang auch zu archivalischen 
Quellen, zu den Akten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft zu 
erhalten. Ihr und besonders Herrn Direktor Warn hol tz fühle ich mich 
in dieser Angelegenheit lebhaft verpflichtet und möchte nicht ver- 
säumen, gleichzeitig auch der bereitwilligen Unterstützung der Herren 



— VII — 

Konsul Vohsen und Bibliothekar Henoch bei Beschaffung weiterer 
quellenmäßiger Unterlagen dankbar zu gedenken. Wenn nun auch 
die Veröffentlichung dieses Materials in allen mit der Geschichte 
der Gesellschaft in Zusammenhang stehenden politischen Vor- 
gängen nicht das letzte Wort bedeutet — das wird erst mit 
der Publikation des beim Auswärtigen und Kolonialamt befind- 
lichen Aktenmaterials gesprochen werden können — , so dürfte 
sich doch in wirtschaftlicher Beziehung und speziell über 
die aufgeworfene Rentabilitätsfrage im Tatsächlichen nichts wesent- 
lich Neues mehr ergeben. 

Die Anregung zur Arbeit habe ich im kolonialwissenschaft- 
lichen Seminar zu Jena von Herrn Professor Anton erhalten, 
dessen Belehrung und Kritik mich bei der Verarbeitung des 
Stoffes außerordentlich gefördert haben. Herrn Professor Anton 
an dieser Stelle meinen herzlichen Dank auszusprechen, ist mir 
ein Bedürfnis. 

Durch das liebenswürdige Entgegenkommen Herrn Geheim- 
rat Pierstorffs bin ich in der Lage, die Arbeit in den Ab- 
handlungen des staatswissenschaftlichen Seminars zu Jena er- 
scheinen zu lassen. 

Berlin, im Mai 1913. 

Dr. Bruno Kurtze. 



NB. Im Text wird die »Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft < 
immer »DOAG« genannt. 



t 

Inhalt. 

Seite 

Vorwort V 

I. Abschnitt. Einleitung. 

1. Kapitel. Vorbereitungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation zur 

Erwerbung des Schutzbriefgebietes i 

2. Kapitel. Der Schutzbrief der DOAG 8 

3. Kapitel. Die Eigenart des Tätigkeitsgebietes der DOAG. 

§ 1. Englische Interessen in Ostafrika 14 

§ 2. Politische und wirtschaftliche Zustände in Ostafrika vor Erteilung 

des Schutzbriefes an die DOAG 23 

II. Abschnitt Die DOAG als Schutzbriefgesellschaft 

(1885-1891). 

1. Kapitel. Die DOAG mit vorherrschend politischem Charakter (1885 — 1887). 

§ 1. Die Entwicklung der inneren Verfassung der DOAG 40 

§ 2. Sicherung und Erweiterung des Schutzbriefgebietes 50 

a) Erweiterung des Territorialbesitzes der DOAG durch eigene Ex- 
peditionen 52 

b) Sicherung des Territorialbesitzes der DOAG durch die Reichs- 
regierung 57 

2. Kapitel. Die DOAG mit vorherrschend privatwirtschaftlichem Charakter 

(1887— 1891). 

1. Teil. Die Ära Peters (1887— 1888). 

§ 1. Die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Zanzibar bis zum 

Abschluß des Küstenvertrages 62 

§ 2. Die Wirtschaftstätigkeit der DOAG unter Dr. Peters 76 

2. Teil. Die Ära Vohsen (1888— 1891). 

§ 1. Die Entwicklung der politischen Verhältnisse nach Abschluß des 

Küsten Vertrages 105 

§ 2. Die Wirtschaftstätigkeit der DOAG unter Konsul Vohsen. . . . 140 
§ 3. Kompetenzkonflikte zwischen der Reichs Vertretung in Zanzibar und 
dem Generalbevollmächtigten der DOAG im Geltungsbereich des 
Küstenvertrages 153 

III. Abschnitt. Ablösung der Hoheitsrechte der DOAG. 

1. Kapitel. Der Vertrag vom 20. November 1890 160 

2. Kapitel. Die fernere Entwicklung der Privilegien der DOAG 172 

Anhang 178 

Literaturverzeichnis 197 



I. Abschnitt. 
Einleitung. 



i. Kapitel. 

Vorbereitungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation 
zur Erwerbung des Schutzbriefgebietes. 

I. Kolonisationsprojekt. — 2. Kolonisationskapital. — 3. Die Gesellschaft für deutsche 
Kolonisation als politischer Verein. 

Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation, am 28. April des 
Jahres 1884 in Berlin von einigen Männern, unter denen sich 
schon damals Dr. Peters auszeichnete, ins Leben gerufen, trat vom 
Anbeginn ihrer Wirksamkeit an zu den bestehenden Vereinen ähn- 
licher Tendenz, besonders dem Deutschen Kolonialverein, in einen 
bewußten Gegensatz. Der Deutsche Kolonialverein, unter dem 
Präsidium des Fürsten Hohenlohe-Langenburg, trat zwar den- 
noch mit der Gesellschaft im Sommer desselben Jahres zwecks 
Zusammenschlusses in Unterhandlungen, wurde aber zurückhal- 
tender, als im August und September 1884 Gerüchte von ihrem 
kühnen Kolonisationsprojekt und ihren noch kühneren Finanzierungs- 
plänen in der Öffentlichkeit besprochen wurden. Ein bereits im 
Manuskript fertig gestellter freundschaftlicher Brief des Präsidiums 
des Kolonial Vereins wurde nicht abgeschickt und dafür kurz und 
kühl eine ablehnende Ansicht formuliert. In diesen Tagen er- 
schien auch in der Kolonialzeitung, dem offiziellen Organ des 
Deutschen Kolonialvereins, ein Artikel der Redaktion 1 ), in welchem 
im Anschluß an den offenbar fingierten Brief eines Vereins- 
mitgliedes Gelegenheit genommen wurde, die gegensätzlichen 
Überzeugungen der beiden Vereinigungen in höchst interessanter 



*) Deutsche Kolonialzeitung, I. Band, Heft 19, abgeschlossen 25. August 1884 
(Kolonialverein und Kolonisations-Gesellschaften). 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft 1. 1 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



und für die damaligen kolonialpolitischen Ansichten charakte- 
ristischer Weise gegenüberzustellen. 

Die Ziele des Deutschen Kolonialvereins waren, wie es an 
einer anderen Stelle desselben Bandes der Zeitschrift heißt, »das 
Verständnis der Notwendigkeit, die nationale Arbeit der Koloni- 
sation zuzuwenden, in immer weitere Kreise zu tragen.« »Ist 
dieser Gedanke einmal in Fleisch und Blut unseres Volkes über- 
gegangen, so wird er auch dem Nationalwillen das machtvolle 
Können verleihen: Denn noch ist die Welt nicht vergeben.« So 
glaubte der Verein, mit theoretisierender Aufklärungsarbeit der 
Forderung des Tages Genüge getan zu haben. Die Erwerbung 
von Kolonien selbst könne erst Sache des zwanzigsten Jahrhunderts 
sein, meinte Dr. Fabri. 

Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation aber steuerte von 
vornherein darauf los, deutsche Ackerbau- und Handelskolonien 
zu begründen, und insbesondere für »Beschaffung eines ent- 
sprechenden Kolonisationskapitals«, »Auffindung und Erwerbung 
geeigneter Kolonisationsdistrikte« und »Hinlenkung der deutschen 
Auswanderung in diese Gebiete« zu sorgen 1 ). Dieser Gegensatz, 
wie die Kühnheit und Entschlossenheit des Handelns, schufen der 
Gesellschaft für deutsche Kolonisation bald zahlreiche Feinde, die 
jahrelang erbittert jede ihrer Lebensregungen bekämpft haben. 



i. Kolonisationsprojekt. 

Die geschäftsführende Körperschaft der Gesellschaft für 
deutsche Kolonisation war ein Ausschuß von höchstens 12 Mit- 
gliedern, von denen 6 von der Hauptversammlung mit dem Recht 
der Kooptation von 6 weiteren Mitgliedern gewählt wurden. In 
der Zeit vom März 1884 bis Oktober 1884, also bis zur Aussen- 
dung der Usagara-Expedition, wechselte das Präsidium im Aus- 
schuß dreimal: Bis 26. Mai führte Graf Behr-Bandelin, bis 24. Juli 
Freiherr Molitor v. Mühlfeld, dann Dr. Carl Peters den Vorsitz. 
Es ist falsch, diese Unbeständigkeit so zu deuten, daß innerhalb 
der Organisation große Meinungsverschiedenheiten über die Zwecke 
der Gesellschaft bestanden; geschlossen stand vielmehr der ganze 
Ausschuß gegen die theoretisierende Untätigkeit und Unfruchtbar- 
keit der übrigen kolonialpolitischen Vereine. Nur über das Koloni- 
sation sprojekt konnte man sich lange nicht einigen. 

1 ) Satzungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation aus dem Jahre 1884. 



— 3 — 

Es war noch unter dem Vorsitz des Freiherrn Molitor 
v. Mühlfeld, als sich die Sympathien der Ausschußmehrheit dem 
von einem Reeder ausgehenden Plan zuwandten, in Argentinien 
eine deutsche Kolonie ins Leben zu rufen. Gerade auf Süd- 
amerika richteten sich im Anfang der achtziger Jahre hoffnungs- 
voll die Blicke vieler Kolonialfreunde x ). Hier gab es Siedelungs- 
land, das sich für den Ackerbau und die Viehzucht eignete; das 
Klima war gesund, und, was die meisten anzog, in Südbrasilien 
hatte das Deutschtum seine ersten Siedelungserfolge errungen, 
während Afrika, wenigstens für die breite Öffentlichkeit und die 
als Siedler in Betracht kommenden Kreise noch immer eine terra 
incognita und darüber hinaus ein gefürchtetes Land war. Es darf 
darum nicht wunder nehmen, wenn sich auch im Ausschuß der 
Gesellschaft für das argentinische Projekt eine starke Mehrheit 
einsetzte. Nur der energische Widerstand der von Dr. Lange ge- 
führten Minderheit verhinderte seine Ausführung. Dieser Gruppe 
schien Südamerika für einen Gebietserwerb seitens des Deutschen 
Reiches, oder, wie im Ausschuß vorsichtig gesagt wurde, für eine 
»deutsch-nationale Kolonie« nicht geeignet. Der ganze Plan ging 
zudem von den anfechtbaren Interessen jenes Reeders aus 2 ). 

Außer Argentinien standen im Juni und Juli 1884 noch zwei 
Gegenden Afrikas als eventuelle Kolonisationsprojekte im Aus- 
schuß zur Besprechung. Das eine betraf die Länder am Kuango 3 ) 
und wurde von einem Major v. Mechow, der die Gegenden be- 
reist hatte, empfohlen, das andere bezog sich auf das Humpata- 
gebirge im Hinterlande von Mossamedes und ging von dem 
Missionsinspektor und Superintendenten Merensky aus. 

Jenes fand keine Gnade vor den Augen des Ausschusses, 
dessen Vorsitz übrigens seit dem Fall des südamerikanischen Pro- 
jektes nicht mehr Freiherr Molitor v. Mühlfeld, sondern Dr. Carl 
Peters führte. Unter ihm 4 ), jedoch gegen seinen Willen, wurde 
der Vorschlag Merensky angenommen und am 19. August 1884 
einer nach Berlin berufenen Versammlung von Anteilscheininhabern 



x ) »Export«, redigiert von Dr. Jannasch. Deutsche Kolonialzeitung, I. Bd., 
Heft 19. Ferner die Kolonisationspläne des Vereins für Handelsgeographie in Leipzig. 

2 ) Lange, Reines Deutschtum. 4. Aufl., 1904. Anh. 1: Kolonialpolitische 
Erinnerungen. 

3 ) Wagner, Deutsch-Ostafrika. Berlin 1888. S. 22, 23. Dr. Lange, a. a. O. 
Graf von Pfeil, Zur Erwerbung von Deutsch-Ostafrika. Berlin, Curtius, 1907. 

4 ) Dr. Carl Peters, Die Gründung von Deutsch-Ostafrika. 1906. S. 46 ff 
Wagner, a. a. O., S. 22, 23. Graf von Pfeil, a. a. O. 

1* 



— 4 — 

unterbreitet. »Sie billigten dasselbe vollkommen« 1 ). Da die Reichs- 
regierung jedoch durchblicken ließ, daß sie den Plan keineswegs 
begünstigen werde und ihre eventuelle Unterstützung versagte, 
so kam man noch in letzter Stunde von seiner Ausführung zurück 
und faßte, zunächst in privaten Besprechungen zwischen Dr. Peters, 
Dr. Lange und Graf Pfeil und auf Empfehlung des letzteren, die 
Landschaft Usagara ins Auge. Die Initiative vor dem Ausschuß 
überließ man Dr. Peters, der am 16. September unter seinem 
Namen den Antrag einbrachte, »daß Mossamedesprojekt fallen zu 
lassen und dafür an der Ostküste Afrikas, Zanzibar gegenüber, 
in Usagara, falls dies nicht möglich, an einem anderen Punkt der 
Ostküste die Landerwerbung der Gesellschaft für Deutsche Koloni- 
sation vorzunehmen.« Diese neuen Vorschläge wurden ange- 
nommen 1 ) und Dr. Carl Peters, Dr. jur. Jühlke und Graf Pf eil 
mit der Ausführung der Expedition beauftragt. 

2. Kolonisationskapital. 

Mit der Annahme des Antrages Dr. Peters' vom 16. Sep- 
tember war die Frage nach dem Kolonisationsgebiet endgültig 
beantwortet. Schon einen Monat früher war es gelungen, dem 
Unternehmen eine finanzielle Grundlage zu geben und damit die 
zweite wichtige Voraussetzung für die beabsichtigte koloniale Tat 
zu schaffen. Jedoch auch in dieser Hinsicht bedurfte es erst eines 
regen Gedankenaustausches zwischen den führenden Männern des 
Ausschusses, Dr. Lange und Dr. Peters, ehe ein festumrissener 
Plan vorlag. Man kam schließlich dahin überein, den Grundstock 
des Kolonisationskapitals durch einen Aufruf, der sich an alle 
Kreise der Nation wenden sollte, zu schaffen, daneben aber den 
Versuch zu machen, auch Kapitalisten zur Beteiligung heran- 
zuziehen. 

Am 25. Juli wurde ein Aufruf zur Zeichnung von Beträgen 
von mindestens 5000 Mk. beschlossen und veröffentlicht 2 ). Im 
Gegensatz zu dem weiter unten besprochenen Aufruf an kleine 
Zeichner, der die Zeichnungen ausdrücklich als ä fonds perdu ge- 
geben wissen will, fehlte im vorliegenden ein solcher Hinweis. 
Er möchte aus rein taktischen Gründen unterblieben sein. Es ist 
aber anzunehmen, daß jeder, der 5000 Mk. zeichnete, sich bewußt 
war, ein Risiko, das einer Weggabe ä fonds perdu gleichkam, 



x ) Wagner, a. a. O , S. 23. 

2 ) Mitgeteilt bei Wagner, a. a. O., S. 16. 



zu laufen. Spätestens jedenfalls mußte ihm diese Erkenntnis in 
der auf den 19. August einberufenen orientierenden Versammlung 
gekommen sein. 

Während dieser Aufruf der Peters sehen Idee, auch Kapita- 
listenkreise für die Gründung einer Kolonie zu interessieren, ent- 
sprang 1 ), folgte der zweite, welcher »fast gleichzeitig erging« 2 ), 
dem Vorschlage des Dr. Lange 3 ). Er wandte sich allgemein an 
kleine Zeichner, indem er zu Spenden in jeder beliebigen Höhe 
aufforderte, richtete sich also nicht an einen begrenzten Personen- 
kreis und gab auch dem verhältnismäßig Unbemittelten Gelegen- 
heit, sich an einer nationalen Großtat direkt zu beteiligen. Die 
Einschränkung, daß jeder dieser kleinen Zeichner auch Mitglied 
der Gesellschaft für deutsche Kolonisation zu werden bereit sein 
müsse, ändert den Grundgedanken nicht. Die Beteiligung unbe- 
mittelter Kreise gibt dem ganzen ostafrikanischen Unternehmen 
eine Eigentümlichkeit, die es von anderen ähnlichen, wie der Neu- 
Guinea-Kompagnie oder der Deutschen Kolonialgesellschaft für Süd- 
westafrika durchaus unterscheidet. Wir werden in einem fol- 
genden Abschnitt zu zeigen haben, wie weit und inwiefern sich 
diese sogenannten kleinen Zeichner als ein Hindernis für die nor- 
male Entwicklung des Unternehmens erwiesen und wie sie in- 
folgedessen allmählich in den Hintergrund gedrängt und durch 
kapitalkräftigere Kreise ersetzt wurden. 

Daneben interessieren an diesem Aufruf zur Bildung eines 
Kolonisationsfonds der Gesellschaft für deutsche Kolonisation noch 
zwei andere Dinge: die Natur der Zeichnungen und der Einfluß 
der Zeichner auf die unmittelbare Verwendung des Fonds. Die 
Summen wurden »ausgesprochenermaßen« ä fonds perdu verlangt, 
wenn man auch Eventualitätsrechte an kolonialem Landbesitz zu- 
sicherte. Einen Einfluß auf die Verwendung hatte keiner der 
Fondszeichner, die, wie oben dargelegt, alle Mitglieder der Gesell- 
schaft sein sollten; denn laut Satzungen durfte der Ausschuß die 
»eingegangenen Gelder« ganz nach seinem Ermessen verwenden, 
sich freilich von den Gesellschaftszwecken nicht entfernen. Ein 
anderer Abschnitt der Satzungen gab dem Ausschuß die Initia- 
tive in der Erledigung aller inneren und äußeren Angelegenheiten 
und das Verfügungsrecht über das Gesellschaftsvermögen. Ab- 
schnitt V, 7 ebenda enthob ihn gleichzeitig jeder Verantwortung 

x ) Dr. Peters, a. a. O., S. 52. 

2 ) Wagner, a. a. O., S. 16. Der Aufruf mitgeteilt bei Wagner, S. 17. 

3 ) Dr. Peters, a. a. O., S. 52. 



— 6 — 

in der Geschäftstätigkeit. In diesem Zusammenhang wird es ver- 
ständlich, warum die Fondszeichner nicht, wie gleichzeitig doch 
die großen Zeichner, zu einer orientierenden Versammlung ge- 
laden, vielmehr »nach glücklichem Gelingen des Kolonisations- 
planes« auf einen Bericht vertröstet wurden. Die Maßnahme lag 
aber auch im Interesse einer schnellen und ungehinderten Durch- 
führung des Projektes. Trotzdem setzte fast die gesamte Presse 
diesem Finanzierungsplan den heftigsten Widerstand entgegen. 

Die auf den 1 9. August einberufene Versammlung der großen 
Zeichner führte, weil sich nicht genug Persönlichkeiten gefunden 
hatten, die gleich 5000 Mk. für ein zwar patriotisches, aber höchst 
riskantes Unternehmen hergeben wollten, zu dem Entschluß, neben 
den großen und kleinen Anteilscheinen auch solche zu 500 Mk. 
auszugeben. Sie brachten zusammen mit der ersten Rate der 
5000 Mk.-Anteile (in Höhe von 1000 Mk.) 45000 Mk., die kleinen 
Zeichnungen 20000 Mk. 1 ). Dr. Lange 2 ) nennt kleinere Summen; 
auch bei Dr. Peters finden sich andere Zahlen 3 ). Zur Überwachung 
der Verwendung des gesamten Kapitals wurde aus den Anteil- 
scheinzeichnern eine Kontrollkommission gebildet. 

Eine besondere Schwierigkeit entstand, als das Mossamedes- 
projekt ersetzt werden mußte, ohne daß die Zeichner des Koloni- 
sationskapitals um ihre Zustimmung gefragt worden wären. Ein 
namhafter Rechtsgelehrter, wie es bei Wagner heißt, äußerte sich 
über die damit geschaffene Rechtslage, insbesondere über die 
Verpflichtung der Zeichner, auch unter den veränderten Verhält- 
nissen ihr eingegangenes Zahlungsversprechen aufrecht zu erhalten, 
folgendermaßen 4 ): »Die Unternehmer der Gründung einer deutschen 
Kolonie in Afrika hatten solche Herren, die sich für ein solches 
Projekt interessieren möchten, eingeladen, um sie zur Zeichnung 
von Beiträgen zu veranlassen. Den Versammelten wurde nur 
mitgeteilt, daß ein solches Projekt zu unterstützen, resp. durch 
Beiträge möglich zu machen sei, und es wurde von ihnen daraufhin 
die Zeichnung von Beiträgen gewährt. In dem vollen Vertrauen, 
daß die Unternehmer, das heißt die Mitglieder des Ausschusses, 
die besten Schritte zur Ausbildung des Unternehmens tun würden, 
zeichnete darauf eine Mehrzahl von Herren bestimmte Beiträge 
und verpflichtete sich zu deren ratenweiser Zahlung. Darin lag 



*) Wagner, a. a. O., S. 19, 23. 

2 ) Dr. Lange, a. a. O. 

3 ) Dr. Peters, a. a. O., S. 54. 

4 ) Mitgeteilt bei Wagner, a. a. O., S. 27, Anmerkung. 



die unbeschränkte Vollmacht für den Ausschuß, nach bestem Er- 
messen zu handeln. Wenn den Zeichnern nachträglich das in 
Aussicht genommene Projekt vertrauensvoll mitgeteilt wurde, so 
ist aus dem Zusammenhang dieser Vorgänge doch nicht zu ent- 
nehmen, daß die Zeichner an ihre Zeichnung nur gebunden blieben, 
wenn das speziell ihnen nachträglich mitgeteilte Projekt ausgeführt 
wurde, vielmehr war es Recht und Pflicht des Ausschusses, das 
Projekt den Umständen und Konjunkturen entsprechend zu ändern, 
nachdem sich herausgestellt hatte, daß das ursprüngliche Projekt 
unmöglich war. Hiernach bedurfte es weder einer vorherigen 
Mitteilung, noch einer Genehmigung der Zeichner, denn der Aus- 
schuß handelte innerhalb der Grenzen seiner Vollmacht.« 

5. Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation als 
politischer Verein. 

So waren denn alle Vorbereitungen zur Gründung einer 
deutschen Kolonie getroffen: Man hatte ein Projekt und »für den 
ersten Wurf« das nötige Kapital. Nicht die Interessen eines 
Kaufmanns oder eines hanseatischen Kaufhauses veranlaßten dies- 
mal die vorbereitenden Schritte zur Gründung einer deutschen 
Kolonie, sondern das in der Gesellschaft für deutsche Kolonisation 
zusammengefaßte kolonialpolitische Interesse weiter Kreise der 
Nation. Die Gründung Deutsch-Ostafrikas war eine nationale Tat 
nicht nur im Hinblick auf ihre Bedeutung, sondern vor allem 
auch in Ansehung der Tatsache, daß sie durch national und nicht 
wirtschaftlich orientierte Kreise inauguriert wurde. 

Dieser Eigenart entsprach auch die in der Geschichte der 
Kolonisation einzigartige Tatsache der Organisation des kolonial- 
politischen Wollens in Gestalt eines eigentlich politischen Vereins, 
dessen Mitgliedschaft jeder Deutsche gegen einen geringen Jahres- 
beitrag erwerben konnte. Der Verein besaß weder Erwerbs- 
interessen, noch glich er in seiner Verfassung einer Erwerbs- 
gesellschaft. Hier lag aber gleichzeitig eine Fehlerquelle für die 
ganze spätere Entwicklung des Unternehmens, das in fast drei- 
jähriger Arbeit einen guten Teil seiner Kräfte in Organisations- 
fragen festlegen mußte, ehe es ihm gelungen war, sich von den 
Eierschalen des politischen Vereins zu befreien und als eine regel- 
rechte Charter- oder Schutzbriefgesellschaft seine eigentliche koloni- 
satorische Tätigkeit beginnen zu können. 



2. Kapitel. 

Der Schutzbrief der DOÄG. 

I. Kompetenzverteilung zwischen der Reichsregierung und der Gesellschaft. — 2. Rechts- 
verhältnis zwischen Schutzgebiet und Reich. — 3. Eigenart des Schutzbriefes der DO AG. 

Nachdem Dr. Peters, Dr. Jühlke und Graf Pfeil in den 
Monaten November und Dezember 1884 die Landschaften Usagara, 
Useguha, Nguru und Ukami durch eine Anzahl von Verträgen 1 ) 
mit zehn einheimischen Häuptlingen erworben hatten 2 ), kehrte 
Dr. Peters Anfang Februar nach Deutschland zurück. Die Ver- 
träge wurden dem Auswärtigen Amte vorgelegt, welches am 
27. Februar 1885, einen Tag nach Beendigung der Kongokonfe- 
renz, einen Schutzbrief für die erworbenen Gebiete erteilte. Die 
Rechtsgültigkeit der mit den Häuptlingen abgeschlossenen Ver- 
träge war damit anerkannt. 

Offenbar lag Bismarck daran, von der nunmehr vollzogenen 
Tatsache einer deutschen Erwerbung im sogenannten konven- 
tionellen Kongobecken möglichst wenig Aufhebens zu machen, 
um die Signatarmächte nicht vor den Kopf zu stoßen. Aus diesem 
Grunde dürfte er den Schutzbrief erst nach Beendigung der Konfe- 
renz am 26. Februar erteilt haben. Seine Presse, die Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung, wie die Kreuzzeitung, nahmen nicht einmal 
Notiz von dem Ereignis, während sie in langatmigen Artikeln den 
Schlußakt der Kongokonferenz bis auf höchst nebensächliche 
Einzelheiten beschrieben, oder, wie die Kreuzzeitung, es sich an- 
gelegen sein ließen, das in der Konferenz zutage getretene 
freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich 3 ) 
in den Vordergrund der Betrachtung zu stellen. 

Erst allmählich, nachdem schon von Kreisen, welche der Ge- 
sellschaft für deutsche Kolonisation nicht freundlich gesinnt waren, 
Gerüchte von dem Scheitern der Gesellschaftsexpedition verbreitet 
worden waren, sickerte die Neuigkeit durch. Zuerst in der Täg- 
lichen Rundschau besprochen, gingen dann auch die Blätter der 
Regierung darauf ein, jedoch nicht, ohne vorher die Veröffent- 
lichung des Schutzbriefes am 3. März im Reichsanzeiger abge- 
wartet zu haben. Und auch dann noch begnügte sich die Nord- 



1 ) Es waren 12 Verträge. Einige sind im Anhang I abgedruckt. 

2 ) Über den Verlauf der Expedition siehe Dr. Peters, a. a. O., S. 70 ff., und 
Wagner, a. a. O., S. 25 ff. 

3 ) Vgl. Anton, Entwicklung des französischen Kolonialreiches. Dresden 1897. S. 26ff. 



deutsche Allgemeine Zeitung mit der bloßen Wiedergabe des 
Schutzbriefes unter Verzicht auf jeden Kommentar, während die 
Kreuzzeitung im Anschluß an die Notizen in der Täglichen Rund- 
schau und der Frankfurter Zeitung sich mit dem Gegenstande 
etwas ausführlicher beschäftigte. 

Der Kaiserliche Schutzbrief hatte folgenden Wortlaut: 

»Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, 
König von Preußen, tun kund und fügen hiermit zu wissen: 
Nachdem die derzeitigen Vorsitzenden der »Gesellschaft 
für deutsche Kolonisation« Dr. Carl Peters und Unser 
Kammerherr, Felix, Graf Behr-Bandelin, Unsern Schutz 
für die Gebietserwerbungen der Gesellschaft in Ostafrika, 
westlich von dem Reiche des Sultans von Zanzibar, 
außerhalb der Oberhoheit anderer Mächte, nachgesucht 
und Uns die von besagtem Dr. Carl Peters zunächst mit 
den Herrschern von Usagara, Nguru, Useguha und Ukami 
im November und Dezember vorigen Jahres abgeschlos- 
senen Verträge, durch welche ihm diese Gebiete für die 
deutsche Kolonisationsgesellschaft mit den Rechten der 
Landeshoheit abgetreten worden sind, mit dem Ansuchen 
vorgelegt haben, diese Gebiete unter Unsere Oberhoheit 
zu stellen, so bestätigen Wir hiermit, daß Wir diese Ober- 
hoheit angenommen und die betreffenden Gebiete, vorbe- 
haltlich Unserer Entschließungen auf Grund weiterer Uns 
nachzuweisender vertragsmäßiger Erwerbungen der Ge- 
sellschaft oder ihrer Rechtsnachfolger in jener Gegend, 
unter Unseren Kaiserlichen Schutz gestellt haben. Wir 
verleihen der besagten Gesellschaft unter der Bedingung, 
daß sie eine deutsche Gesellschaft bleibt, und daß die 
Mitglieder des Direktoriums oder die sonst mit der Lei- 
tung betrauten Personen Angehörige des Deutschen Reiches 
sind, sowie den Rechtsnachfolgern dieser Gesellschaft unter 
der gleichen Voraussetzung, die Befugnis zur Ausübung 
aller aus den Uns vorgelegten Verträgen fließenden Rechte, 
einschließlich der Gerichtsbarkeit gegenüber den Einge- 
borenen und den in diesen Gebieten sich niederlassenden 
oder zu Handels- und anderen Zwecken sich aufhaltenden 
Angehörigen des Reiches und anderer Nationen, unter der 
Aufsicht Unserer Regierung und vorbehaltlich weiterer 
von Uns zu erlassender Anordnungen und Ergänzungen 
dieses Unseres Schutzbriefes. 



IO 

Zu Urkund dessen haben wir diesen Schutzbrief Höchst- 
eigenhändig vollzogen und mit Unserem Kaiserlichen In- 
siegel versehen lassen. 

Gegeben Berlin, den 27. Februar 1885. 

(gez.) Wilhelm 
(gegengez.) v. Bismarck. 
In seiner fast lakonischen Kürze und summarischen Aus- 
drucksweise könnte man den Schutzbrief als ein Symptom dafür 
ansehen, daß das Gebiet der Kolonialpolitik und des Kolonial- 
rechtes für alle Kreise Deutschlands, die kaufmännischen wie die 
gelehrten, insbesondere aber auch für die Reichsregierung ein 
absolut unbekanntes war, auf dem man zunächst erst einmal die 
Anfangsgründe lernen mußte, wenn es überhaupt vorwärts gehen 
sollte. Schon der der Neu-Guinea-Kompagnie wenige Monate 
später erteilte Brief war detaillierter, ohne doch von anderer Art 
zu sein und den englischen Vorbildern auch nur einen Schritt 
näher zu kommen. 

1. Kompetenzverteilung zwischen der Reichsregierung 

und der DOAG. 

Inhaltlich können wir den Schutzbrief trotz seiner Dürftig- 
keit im Materiellen in zwei Teile zerlegen: Kompetenzen der Ge- 
sellschaft und solche der Reichsregierung. Das einzige der DOAG 
zugewiesene Recht war »die Befugnis zur Ausübung aller aus 
den uns vorgelegten Verträgen fließenden Rechte«, welch letztere 
der Schutzbrief selbst an einer anderen Stelle als »Rechte der 
Landeshoheit« bezeichnet. Die Verleihung der Landeshoheit ist 
nun zwar die einzige Konzession, welche der DOAG im Schutz- 
brief gemacht wird; sie ist aber gleichzeitig so umfassend, daß 
neben ihr kaum noch eine andere Platz gehabt hätte. Erstreckt 
sie sich doch sogar auf »die Angehörigen des Reiches und anderer 
Nationen« und nicht nur bloß auf die »Eingeborenen«. Hätte sie 
doch selbst der DOAG das Recht gegeben, alle privatrechtlichen 
Erwerbszweige autonom zu monopolisieren, wenn in Ostafrika 
nicht die Gültigkeit der Kongoakte derartige Aspirationen we- 
nigstens für einen Staat unmöglich gemacht hätte, der sich seiner 
internationalen Verpflichtungen bewußt war. 

Während nun die DOAG die staatsrechtliche Landeshoheit 
erhielt, übernahm die Reichsregierung die völkerrechtliche Ver- 
tretung mit den Worten des Schutzbriefes: »So bestätigen Wir 
hiermit, daß Wir . . . die betreffenden Gebiete . . . unter Unseren 



— II — 

Kaiserlichen Schutz gestellt haben.« Eine praktische Anwendung 
fand dieser Passus noch im Jahre 1885, als die Reichsregierung 
sich genötigt sah, die Grenzen des Schutzgebietes gegen die An- 
sprüche des Sultans von Zanzibar sicher zu stellen. Neben der 
völkerrechtlichen Vertretung beanspruchte das Reich aber auch 
eine staatsrechtliche »Oberhoheit«, die in den letzten Worten der 
Urkunde inhaltlich dahin bestimmt wird, daß die Ausübung der 
Landeshoheit stattfinden solle »unter der Aufsicht Unserer Re- 
gierung und vorbehaltlich weiterer von Uns zu erlassender An- 
ordnungen und Ergänzungen dieses Unseres Schutzbriefes.« Die 
Reichsregierung behielt sich also erstens ein Aufsichtsrecht über 
die Ausübung der Landeshoheit und zweitens autonome Eingriffe 
in die Kompetenzen der DOAG vor. Übrigens ist durch die 
ganz eigenartige Entwicklung der ostafrikanischen Verhältnisse, 
welche dahin führte, daß die DOAG nach der kurzen Episode 
der Generalvertretung Dr. Peters' ihr Tätigkeitsgebiet aus dem 
eigentlichen Schutzbriefgebiet weg an die Küste verlegte, eine 
praktische Anwendung der in jener Urkunde aufgestellten staats- 
rechtlichen Normen nicht eingetreten. In diesem Betracht können 
wir überhaupt kein objektives Urteil darüber aussprechen, ob der 
Schutzbrief der DOAG den praktischen Anforderungen, die an 
ihn zu stellen waren, genügt haben würde. Meine Überzeugung 
geht dahin, daß es zu schweren Konflikten zwischen der Reichs- 
regierung und der Gesellschaft hätte kommen müssen, wenn jene 
es nicht sollte vorgezogen haben, beizeiten den embryonalen Zu- 
stand des Schutzbriefes durch eine detaillierte und die Einzelheiten 
präzisierende Bearbeitung zu beseitigen, bzw. Ergänzungen durch 
Ausführungsverordnungen zu schaffen. 

2. Rechtsverhältnis zwischen Schutzgebiet und Reich. 
Juristischen Theoretikern hat das eigentümliche Rechtsinstitut 
zu tiefgründigen Erörterungen und weitschichtigen Auseinander- 
setzungen über die Staats- oder auch völkerrechtlichen Beziehungen 
des Schutzgebietes zum Reich schon in den 80 er Jahren Veran- 
lassung gegeben 1 ). Es war vornehmlich der Begriff Oberhoheit, 
dem verschiedene Deutungen gegeben wurden, so daß die einen 

x ) Pann, Das Recht der deutschen Schutzherrlichkeit. Eine Staats- und völker- 
rechtliche Studie. Wien, Manzsche Hofbuchhandlung, 1887. Joel in den Annalen 
des Deutschen Reiches, Jahrg. 1887, S. 191 ff. Ferner bei Laband, in den zahlreichen 
Schriften v. Stengels über Kolonialrecht, bei G. Meyer, Die staatsrechtliche Stellung 
der deutschen Schutzgebiete, Leipzig 1888. 



12 

das Schutzbrief gebiet ein Protektorat, die anderen einen sekun- 
dären Staat, die dritten eine Provinz des Reiches nannten. In 
engem Konnex mit der Erörterung des Begriffes Oberhoheit 
standen zwei andere Fragen: Hatte die Schutzbrief gesellschaft ihre 
Hoheitsrechte als Eigentum bekommen oder war ihr nur die Aus- 
übung derselben überlassen worden? Von wem erhielt die Schutz- 
briefgesellschaft ihre Hoheitsrechte, vom Reich oder von den 
Häuptlingen, mit denen sie ihre Verträge abgeschlossen hatte? 

Diese Erörterungen waren rein akademischer Natur. Die 
Reichsregierung hat jedenfalls nicht nur die Einziehung des Schutz- 
briefes der DOAG, 1890, als ihr gutes Recht angesehen, sondern 
es für selbstverständlich gehalten, daß die Hoheitsrechte der Ge- 
sellschaft ohne weiteres an das Reich übergingen, ganz unbe- 
kümmert darum, ob das formell überhaupt zulässig war oder nicht. 

3. Eigenart des Schutzbriefes der DOAG. 

Von besonderem Interesse sind nun nicht die formalen, zu- 
dem durchaus strittigen Fragen nach dem Wesen der Oberhoheit, 
der Herkunft der Hoheitsrechte und dem Gegenstande der Ver- 
leihung, sondern die im Schutzbrief genannten Kompetenzen selbst. 

Wir haben schon eingangs angedeutet, daß die DOAG mit 
den Rechten der Landeshoheit ausgestattet wurde, und können 
hier hinzufügen, daß der Schutzbrief dies Gebiet staatsrechtlicher 
Kompetenzfragen — von einer einzigen Stelle abgesehen — über- 
haupt nicht verläßt. Er beschäftigt sich weder mit der Organi- 
sation der DOAG als Gesellschaft, noch mit ihren etwaigen privat- 
wirtschaftlichen Unternehmungen, noch mit ihrer kolonisatorischen 
Tätigkeit überhaupt. Er oktroyiert in keiner dieser Beziehungen 
besondere Verpflichtungen, wenn wir von der einzigen absehen, 
daß sie eine deutsche Gesellschaft bleiben und mit der Leitung 
nur Angehörige des Deutschen Reiches betrauen soll. Diese Be- 
dingung fand sich schon in den ältesten Charters des 17. und 
18. Jahrhunderts und hatte da ihre Ursache in den herrschenden 
merkantilistischen Grundsätzen der Wirtschaftspolitik. Sie rettete 
sich in die modernen englischen Schutzbriefe hinüber und fand 
von dort Eingang auch in die deutschen. Mit wirtschaftlichen 
Gründen, wie das die Zeit des Merkantilismus getan hat, wird 
man sie heute kaum stützen können. Um so mehr aber fallen po- 
litische Momente ins Gewicht, die gerade bei einer Schutzbrief- 
gesellschaft wie der DOAG mit ihren weitgehenden öffentlich- 
rechtlichen Befugnissen den Ausschlag geben mußten. 



— 13 — 

Abgesehen also von der Verpflichtung der DOAG, ihren 
nationalen Charakter zu bewahren, enthält der Schutzbrief nichts 
als eine noch dazu sehr unbestimmte Verteilung der aus der Staats- 
gewalt fließenden Hoheitsrechte im Schutzgebiet zwischen der 
Reichsregierung und der Gesellschaft. Ähnlich sagt Jäckel 1 ), daß 
man »unter Erteilung eines Schutzbriefes gegenwärtig die Ver- 
leihung staatlicher Hoheitsrechte zu verstehen hat, wenn die über 
den Verleihungsakt ausgestellte öffentliche Urkunde die Bezeich- 
nung »Schutzbrief« führt. Damit soll gesagt sein, daß das Reich 
seinen Schutz zusagt, d. h., es verspricht, das völkerrechtlich bis- 
her herrenlose Land dem Ausland gegenüber als Inland zu ver- 
treten.« Nach Romberg 2 ) wird den Gesellschaften im Schutzbrief 
Auftrag erteilt, das Schutzgebiet in effektiver Weise in Besitz zu 
nehmen. Hinzuzufügen ist allen drei Definitionen, daß es sich da- 
bei nur um deutsche Schutzbriefe handelt, eine Tatsache, die wir 
darum mit aller Schärfe hervorheben müssen, weil der Inhalt der 
englischen modernen Charter wesensverschieden von dem der 
deutschen Schutzbriefe ist 3 ). 

Der Staatssekretär Graf Herbert Bismarck äußerte sich ein- 
mal in einer Unterredung, die er mit Konsul Vohsen von der DOAG 
hatte, über die englische Charter dahin, daß sie ein auf republi- 
kanischer Staatsorganisation begründetes Dokument sei und sich 
darum für die DOAG und deutsche Verhältnisse nicht eigne. Er 
lenkte dann allerdings diplomatisch -widerspruchsvoll ein und 
meinte, ein Kaiserlicher Schutzbrief bedeute genau dasselbe. Es 
ist aus dem Zusammenhang leider nicht ersichtlich, welche Be- 
sonderheiten den Staatssekretär veranlaßt haben könnten, die englische 
Charter republikanisch zu nennen, und ob er den deutschen Schutz- 
brief etwa als eine monarchische Institution dachte. 

Wir sehen hier auch davon ab, den letzteren als Charter oder 
Oktroi zu bezeichnen. Die beiden Benennungen haben nach ihrer 
ganzen Vergangenheit und dem ihnen durch die Geschichte ge- 

*) Jäckel, Die Landgesellschaften in den deutschen Schutzgebieten. Jena 
1909. S. 23. 

2 ) Romberg, Die rechtliche Natur der Konzessionen und Schutzbriefe in den 
deutschen Schutzgebieten. Heft 17 und 18 der kolonialen Abhandlungen. Berlin 1908. 
Zitiert bei Jäckel a. a. O., S. 23. 

3 ) Die englische Charter regelt 1. die innere Organisation der Kompagnie, spe- 
zialisiert 2. das Aufsichtsrecht der Regierung, begrenzt und detailliert 3. den politischen 
und wirtschaftlichen Wirkungskreis der Kompagnie und auferlegt ihr 4. gewisse humani- 
täre und öffentliche Verpflichtungen. Siehe Carton de Wiart, Les grandes compag- 
nies coloniales anglaises du XIX e siecle. Paris 1899. Besonders S. 220 ff. 



— i 4 — 



gebenen Inhalt nichts mit einem deutschen Schutzbrief gemein. 
Ein solcher ist lediglich eine Urkunde über Kompetenz -Verleihung 
und -Verteilung bezgl. der Hoheitsrechte im Schutzgebiet. 



3. Kapitel. 

Die Eigenart des Tätigkeitsgebietes der DOÄG, 

§ 1. 
Englische Interessen in Ostafrika. 

Seit England sich im 17. Jahrhundert in Indien festzusetzen be- 
gonnen hatte, bestanden Beziehungen zwischen dem Vereinigten 
Königreich und der Küste Ostafrikas und Arabiens. Inder trieben 
nach dem Südosten Arabiens, manche auch nach Zanzibar und 
Mombas Handel, den die Englisch-Ostindische Kompagnie zu schützen 
und zu pflegen sich veranlaßt sah. In diesem Bestreben hatte sie 
1820 von Bombay eine Expedition von Sepoys nach Maskat ent- 
sandt, um einen räuberischen arabischen Stamm, der im Gebiet 
des Seyyid Said von Maskat saß, zu züchtigen. 

Vier Jahre später, 1824, war es ein Kapitän der englischen 
Marine, Owen, der in die Kämpfe zwischen den Saids in Maskat 
und den Msara in Mombassa eingriff, zwei Dynastien, von denen 
die erstere die Souveränität auch über das Gebiet der letzteren 
beanspruchte 1 ). Die Msara, hart bedrängt, baten Owen um eng- 
lischen Schutz, den er auch gewährte, indem er über Mombassa 
und seine Dependencen, mit Einschluß von Pemba und der Küste 
zwischen dem Flusse Pangani und Malindi, das britische Protek- 
torat erklärte. England erkannte sein Vorgehen aber nicht an und 
annullierte 1826 die Protektoratserklärung. Unter dem Einfluß 
liberaler Wirtschaftsideen stehend, war das Vereinigte Königreich 
zu kolonialen Neuerwerbungen damals nicht zu bewegen. 

Die Ostindische Kompagnie aber verlor den Kontakt mit 
Ostafrika nicht, zumal die erstarkende amerikanische, französische 
und später auch deutsche Konkurrenz sie seit den 30 er Jahren 
zwang, der Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Ver- 
hältnisse in den arabischen Sultanaten am Indischen Ozean erhöhte 
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Umstand, daß Seyyid Said seine 
Residenz im Jahre 1840 von Maskat nach Zanzibar verlegte und 

x ) Kolonial-Politische Korrespondenz, 2. Jahrg. 1886, Nr. 12, S. 45 f. 



— i5 — 

auch alsbald nach der Insel einen starken Zuzug arabischer Siedler 
veranlaßte, verlegte den politischen Schwerpunkt im Westen des 
Indischen Ozeans von Südostarabien nach Ostafrika. Durch einen 
Seeoffizier im Dienste der Englisch-Ostindischen Kompagnie 1 ), 
Cogan, wurde für Groß-Britannien im Jahre 1839 e i n Handels- 
vertrag mit Said abgeschlossen, der allerdings erst 1848 durch 
den Königlich Englischen Residenten im Persischen Golf ratifiziert 
wurde. Schon 1841 hatte die Kompagnie nach Zanzibar einen 
Agenten entsandt, dem noch in demselben Jahre auch die Funk- 
tionen eines britischen Konsuls übertragen wurden. 

Seit dieser Zeit versuchte die Ostindische Kompagnie syste- 
matisch, politischen Einfluß in Zanzibar-Maskat zu erlangen, der 
bisher nur sporadisch, wenn es gerade das wirtschaftliche Interesse 
der Gesellschaft oder ihrer indischen Untertanen verlangt hatte, 
geübt worden war. Sie mischte sich in die Thronstreitigkeiten, 
welche 1856 zwischen Thuwaini und Majid, den beiden ältesten 
Söhnen von Seyyid Said, ausbrachen. Said, der über Zanzibar 
und über Maskat, zwei Gebiete, die 3000 Seemeilen voneinander 
entfernt lagen, gleichzeitig geherrscht hatte, hatte zum Gouverneur 
von Maskat Thuwaini und von Zanzibar Majid noch zu seinen 
Lebzeiten eingesetzt. Da die arabischen Gesetze und Gebräuche 
keine geregelte Thronfolgeordnung kannten, so wollte nach dem Tode 
des Vaters keiner der Brüder dem andern weichen. Im Verlaufe 
der Auseinandersetzung drohte dann der Krieg auszubrechen, der 
die indischen und englischen Handelsinteressen direkt und indirekt 
zu schädigen geeignet gewesen wäre und die große Handelsstraße 
von Europa nach Indien beunruhigt hätte. So legte sich denn 
Lord Canning, der Generalgouverneur von Indien, ins Mittel und 
schlichtete den Streit, immer mißtrauisch von den damals am Hofe 
zu Zanzibar bevorzugten Franzosen beobachtet. Er entschied 1861 
dahin, daß Zanzibar ein selbständiges Sultanat unter Majid bleibe, 
und daß es an Maskat alljährlich eine Entschädigungssumme von 
70000 Kr. zu entrichten habe. Als die Auszahlung dieser Summe 
Schwierigkeiten machte, scheute Indien auch vor pekuniärer Unter- 
stützung Zanzibars nicht zurück. 

Frankreich hatte mit wachsender Sorge den englischen Ein- 
fluß erstarken sehen und traf, um wenigstens vor einer plötzlichen 
Annexion sicher zu sein, am 10. März 1862 mit England eine Ab- 
machung, in welcher sich beide Staaten gegenseitig verpflichteten, 

*j Über Beziehungen der Ostindischen Kompagnie zu Ostafrika im 19. Jahr- 
hundert vgl. Lyne, Zanzibar in Contemporary Times. London 1905. 



— i6 — 

die Souveränität der Sultane von Zanzibar und Maskat zu respek- 
tieren. Solche retardierenden Momente in der Entwicklung seiner 
Beziehungen zu den beiden Staaten wußte England mit diplo- 
matischer Gelassenheit zu ertragen, gewann es doch gewöhnlich 
in Kürze — und so auch hier — seine alte Machtstellung wieder. 

Es waren nach der Auflösung der Ostindischen Kompagnie 
im Jahre 1858 freilich staatliche Organe, welche die britischen 
Interessen in Zanzibar vertraten. Noch bis in ihre letzten Jahre 
aber hatte die Gesellschaft die Veränderungen, welche in Ostafrika 
vor sich gingen, aufmerksam verfolgt und politischen Einfluß 
im Sultanat zu gewinnen versucht. 

Seit Zanzibar politisch unabhängig geworden war, wandte 
sich ihm wegen seines größeren Reichtums und seiner günstigeren 
Verkehrslage die Aufmerksamkeit der Kaufleute fast ausschließ- 
lich zu, während Maskat vernachlässigt wurde. Auch die englisch- 
indische Regierung blieb nicht müßig und bediente sich seit der 
Deklaration von 1862 einer weniger geräuschvollen Methode, ihren 
Einfluß zu konsolidieren. Es begann damals die wirtschaftliche 
Eroberung des Sultanats durch die englischen Inder, geschickt 
geleitet und gefördert von Sir John Kirk, seit 1873 in Zanzibar 
Generalkonsul und Political Agent. Der Zuzug von Indern war 
außerordentlich stark. Arm kamen sie in der Regel an die ost- 
afrikanische Küste, trieben Handels- und Wuchergeschäfte und 
gingen in vielen Fällen als wohlhabende oder reiche Leute schon 
nach Monaten oder Jahren wieder in ihre Heimat zurück. Dar- 
unter litt der Wohlstand des Landes, und zahlreiche vornehme 
arabische Familien kamen in wirtschaftliche Abhängigkeit von den 
Indern, die, unter Englands Schutz und Jurisdiktion stehend und 
der arabischen Rechtsprechung entzogen, ihre ökonomische Über- 
legenheit in der rücksichtslosesten Weise auch politisch auszunützen 
verstanden. 

England tat alles, um Zanzibar zu seiner sicheren Beute zu 
machen, und scheute, von jener indischen Invasion abgesehen, 
auch keine Kosten, um eine friedliche Eroberung noch auf anderen 
Wegen einzuleiten. So begannen in den 70 er Jahren englische 
Missionen ihre Arbeit im Sultanat. Die »Central African Mission« 
gab für ihre Stationen im später deutschen Gebiet von 1875 bis 
1888 allein ca. 5 Millionen aus, die »Missionary Society« in ganz 
kurzer Zeit für den gleichen Zweck und in demselben Territorium 
60000 Mk. Jährlich sollen die englischen Missionen in den 
80 er Jahren nach einer deutschen Schätzung im späteren Deutsch- 



— i 7 — 

Ostafrika allein ca. 45000 Mk. ausgegeben haben; das Britische 
Konsulat kostete die englische Regierung pro Jahr 120000 und 
das englische Geschwader 720000 Mk. An Prämien für befreite 
Sklaven wurden im Jahre 60000 Mk. gezahlt, so daß alle Aufwen- 
dungen englischersei ts in Ostafrika sich jährlich auf 1 350000 Mk. 
und von 1875 bis 1888 auf ca. 20 Millionen Mk. beliefen, wie jene 
Schätzung feststellt. 

Man wird begreifen können, daß England nach solchen Aus- 
gaben und in Anbetracht seiner durch die Tätigkeit der Inder 
starken wirtschaftlichen Vormachtstellung im Zwischenhandel, wenn 
auch nicht im Großhandel, von den deutschen Erwerbungen im 
Hinterlande des Sultanats unangenehm berührt ward und die 
deutsche Aktion als »Überraschung« empfand. Diese Eindrücke 
mußten am stärksten gerade bei Sir John Kirk sein, der sein 
Lebenswerk in der friedlichen Durchdringung und Eroberung 
Zanzibars für die englische Nation gesehen hatte. Es erklärt das 
manchen unfreundlichen Zug der englischen Politik in den nächsten 
Jahren während der Verhandlungen mit Deutschland und ist 
andererseits geeignet, die tatsächlichen Erfolge der deutschen 
Diplomatie, die ja manchem Kolonialpolitiker zu gering waren, 
ins rechte Licht zu setzen. 



§ 2. 

Politische und wirtschaftliche Zustände in Ostafrika vor Erteilung 

des Schutzbriefes an die DOÄG. 

I. Politische Verhältnisse: 1. Politische Zustände im allgemeinen. — 2. Die 
Bevölkerung des Sultanats Zanzibar. — 3. Bodenrecht. — 4. Rechtspflege. — 
5. Finanzen: a) Einnahmen, b) Ausgaben für die Verwaltung, c) Verwendung des 
Überschusses. — II. Wirtschaftliche Verhältnisse: 1. Zanzibar als Agrarstaat. — 
2. Zanzibar als Handelsstaat. — 3. Geldwesen. 

I. Politische Verhältnisse. 
1. Politische Zustände im allgemeinen. 
Zur Zeit der deutschen Erwerbungen war das einzig höher 
entwickelte Gemeinwesen in Ostafrika das Sultanat Zanzibar. 
Ein selbständiger Staat seit dem Jahre 1856, hatte es früher eine 
Provinz des Sultanats Maskat gebildet. Bis 1840 ein wenig be- 
achtetes Anhängsel desselben, gewann es erst politische Bedeutung, 
als Seyyid Said in diesem Jahre seine Residenz von Maskat nach 
Zanzibar verlegte, und gleichzeitig eine stärkere Zuwanderung von 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft i. 2 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



Vollblutarabern zunächst nach den Inseln Zanzibar und Pemba 
stattfand. Die Herrschaft des Sultans von Maskat-Zanzibar auf 
dem Festlande reichte von Warscheich im Norden bis zum Kap 
Delgado im Süden, war aber namentlich an der Somaliküste auf 
einige Küstenstädte beschränkt. Die Suahelibevölkerung dieser 
Gegenden, von Dynastien regiert, welche, wie die Msara in 
Mombas, bis 1750 noch rein arabisch gewesen waren, hatte sich 
lange und oft mit Erfolg den Unterjochungs versuchen der Mas- 
karenen widersetzt. Nach dem Innern zu bestanden überhaupt 
keine festen Grenzen; die dort wohnenden Negerstämme zahlten 
nur in seltenen Fällen Abgaben und erkannten die Autorität des 
Sultans in der Regel nicht an 1 ). In Anbetracht dieser Zustände 
setzte die internationale Grenzkommission, der die Vorarbeiten 
zum englisch-deutschen Vertrage von 1886 übertragen waren, als 
Inlandsgrenze des Sultanats eine Linie fest, die der Küste parallel 
in einem Abstände von 10 Seemeilen verlief. Im Norden sprach 
man dem Sultan nur einige Plätze zu. So auf dem Festlande 
vielfach nur lokal, war die Herrschaft der Zanzibariten nicht ein- 
mal auf Pemba und Zanzibar eine vollkommen territoriale. 

An diesem Zustande mag außer Rassegegensätzen und der 
militärischen Ohnmacht des Sultans die anarchisch-individualistische 
Verfassung der arabischen Gesellschaft überhaupt Schuld gewesen 
sein. Sie bestimmte auch den Charakter des Staatswesens und 
verurteilte die Staatsgewalt zur Bedeutungslosigkeit. Nur zeit- 
weise, wenn ein besonders kraftvoller Mann das Zepter führte 
und seine Persönlichkeit durchzusetzen verstand — Seyyid Said 
von 1806 — 1856 und auch Seyyid Bargasch von 1870 — 1888 — , 
wurde der Staat ein bestimmender Faktor des öffentlichen Lebens. 
Den Vollblutarabern galt Seyyid Bargasch nur als der primus 
inter pares 2 ), als ihr Sprecher; sie kleideten sich ihm gleich, und 
selbst der Gebrauch eines gespitzten Turbans war nicht bloß 
dem Sultan, sondern allen Mitgliedern des regierenden Hauses 
gestattet. Sie sprachen jeden Tag bei ihm vor, und diese 
»barazas« glichen viel mehr familiären Besuchen als etwa 
Audienzen. Am stärksten aber kam die faktische Ohnmacht des 
Seyyid darin zum Ausdruck, daß er sich den Wünschen der zahl- 



*) Kolonial-Politische Korrespondenz, 2. Jahrg. 1886, Aufsätze v. Grimms 
über die staatsrechtlichen Verhältnisse der Städte Brawa, Merka, Makdischu und im 
Somalilande. 

2 ) Lyne, a. a. O., S. 142. 



— i 9 — 

reichen mohammedanischen Sekten bei der Bestallung des Kadi 
unbedingt unterordnen mußte. 

Eine offizielle Autorität kannte man nicht. Eine Stelle, die 
die Interessen der Allgemeinheit vertreten hätte, gab es nicht. 
Alle Schichten und alle Berufskreise durchdrang eine Korruption, 
für die uns die Geschichte der DOAG noch manches Beispiel 
liefern wird. Wo, wie im Küstengebiete, die ständige persönliche 
Anwesenheit des Herrschers fehlte, da mußte diese Korruption die 
üppigsten Blüten treiben und den fruchtbarsten Boden für 
Rebellionen abgeben, wenn der Seyyid in Zanzibar sich einmal 
durch eine Regierungsmaßregel mißliebig machte. 

2. Die Bevölkerung des Sultanats Zanzibar. 

Nähere Angaben über die Größe der Bevölkerung fehlen 
ganz. Die meisten Reisenden haben Schätzungen vorgenommen, 
die begreiflicherweise im Resultat auseinandergehen: 

Smee (1811) 200000 Einwohner, 

Dr. Ruschenberger (1835) 150000 „ 

Guillain (1846) 60 — 200000 „ , 

Burton (1857 — 59) 300000 „ , 

Britischer Konsul (1860) 250000 „ 

Die Angaben beziehen sich auf die Insel Zanzibar. Der 
britische Konsul nahm für die Stadt Zanzibar allein ungefähr 
60000 Seelen an. Neuere Schätzungen, bis 1884, bestehen nicht. 
Die Sklaven bildeten 2 / 3 bis 3 / 4 der Bevölkerung. Sie be- 
wohnten und bewirtschafteten größtenteils die Schambas, während 
die Herren meistens in der Stadt lebten. Die Zahl der freien 
Neger war gering. 

Die Vollblutaraber schätzte Guillain auf 3000 1 ), Burton 2 ) 
zehn Jahre später auf 5000; im Verhältnis zur gesamten Ein- 
wohnerschaft also nur ein verschwindender Teil. 

Inder und Europäer waren exterritorial und unterstanden 
der Rechtsprechung ihrer Konsuln. Sie stellten insofern ein 
Imperium in imperio dar, ein Zustand, der da, w r o stärkere sitt- 
liche Hemmungen und ein ausgebildeteres Verantwortlichkeitsge- 
fühl im allgemeinen fehlten, wie bei den Indern, die arabische 
Korruption auch seinerseits befruchtete und in der Tat tiefgreifende 
wirtschaftliche und politische Mißstände schuf. 

x ) Siehe Guillain, Documents sur la geographie et Phistoire etc. Paris 1856. 
2 ) Siehe Burton, Zanzibar, City, Island and Coast. London 1872. 

2* 



— 20 — 

Die Inder Zanzibars bezifferte noch Guillain 1 ) auf nur 500 
und konstatierte gleichzeitig, daß sie einen besonders stark fluk- 
tuierenden Bestandteil der Bevölkerung ausmachten. Schon Bur- 
ton 2 ) aber weiß von 4000 englisch-indischen Untertanen zu be- 
richten, deren Zahl überdies beständig im Steigen begriffen war. 
Daneben lebten im ganzen Sultanat, also auch an der Küste, noch 
14000 Banjanen. In der Tat ist erst, seit im Jahre 1840 Zanzibar 
politische Bedeutung gewann, eine starke Zuwanderung von In- 
dern eingetreten. Sie ist auch darauf zurückzuführen, daß eben 
damals im Betrieb des ostafrikanischen Handels durch den for- 
cierten Anbau der Gewürznelken und die stetig wachsende Nach- 
frage nach Elfenbein und Kautschuk Veränderungen eintraten. 
Die Einwanderung hat dann in den nächsten Jahrzehnten eine 
solche Ausdehnung angenommen, daß man von einer indischen 
Invasion gesprochen hat. 

Jahrtausendelang, wie man immer wieder hört, haben die 
Inder ihre heutige eigenartige Stellung im ostafrikanischen Handel 
also durchaus nicht inne. Viele ihrer Handelsgepflogenheiten, die 
man nur wegen ihres ehrwürdigen Alters nicht im deutschen 
Schutzgebiet beseitigt hat, obwohl gewerbepolizeiliche und handels- 
rechtliche Gründe dafür sprachen, sind erst ganz jungen Datums. 
Ist doch beispielsweise auch die Rupie erst in den siebziger Jahren 
als Zahlungsmittel aufgekommen. 

Ein besonderes Charakteristikum der Bevölkerung Zanzibars 
ist die starke Fluktuation. Nicht nur die vorübergehend als Last- 
träger und Kärrner tätigen Araber aus Hadramaut, welche 1 / 8 bis 
1 / 10 der arabischen Bevölkerung ausmachten, auch die reichen 
Grundbesitzer der herrschenden Klasse verließen das Sultanat 
häufig, da sie auch im Jemen, in Hadramaut oder Maskat Be- 
sitzungen hatten. Am stärksten kam der Zu- und Abfluß bei den 
Banjanen zum Ausdruck, die oft in zwei bis drei Jahren durch 
ganz neue Leute ersetzt waren. Was bei solchen Zuständen im 
wirtschaftlichen Leben Treu und Glauben bedeutete, läßt sich ja 
leicht ausmalen. 

3. Bodenrecht. 
Die tatsächlichen politischen Verhältnisse in ihrer anarchisch- 
individualistischen Struktur standen theoretischen Vollmachten des 
Sultans gegenüber, die in ihrer Art Absolutismus und Despotie 

1 ) a. a. O., S. 78. 

2 ) a. a. O., S. 318. 



21 



in gleicher Weise atmeten. In der Person des Sultans vereinigte 
sich der oberste Richter, der höchste Geistliche, die militärische 
Behörde, der alleinige Großgrundbesitzer und einer der ersten 
Großhändler des Reiches 1 ). Die Auffassung der Abusaidis, des 
zanzibaritischen Herrschergeschlechts, ging bezüglich des Boden- 
eigentums dahin, daß ihnen alles Land zivilrechtlich gehöre. 

In der Erhaltung und Stärkung ihres Immobiliareigentums 
sahen sie die Konsolidierung ihrer politischen Macht. Infolge- 
dessen hatte es sich zu einem Rechtssatze herausgebildet, daß 
Landübertragungen zwischen Arabern ohne die Zustimmung des 
Sultans unmöglich seien. Es genügte jedoch nach der formalen 
Vorschrift, daß sich die Kontrahenten beim Kadi, als dem Bevoll- 
mächtigten des Seyyid, einfanden. Falls er vom Sultan autorisiert 
war, machte seine Mitwirkung den Kaufakt rechtskräftig. Bei 
Landverkäufen an Neger waren die Kadis durch eine »recht- 
mäßige Anordnung« des Seyyid angewiesen, ihre Mitwirkung zu 
versagen. Besitzrechte an Grund und Boden konnten die Neger 
also rechtens nicht erwerben. Der arabischen Oberschicht allein 
war ein Nutzeigentum vorbehalten, während der Sultan für sich 
eine Art Obereigentum in Anspruch nahm. Es herrschten Ver- 
hältnisse, unseren lehnsrechtlichen Zuständen ähnlich, wie wir sie 
in den germanischen Staatenbildungen des frühesten Mittelalters 
finden, unter stärkster Betonung aber der herrschenden Rassen- 
unterschiede und mit einem entschiedenen Zug ins Despotische, der 
uns zum Beispiel in dem »ausgleichenden Erbrecht« 2 ) entgegen- 
tritt, wonach der Sultan von dem Eigentum eines Beamten, der 
sich vom »hungrigen Lumpen zum Haupte der Stadt und des 
Staates emporgeschwungen«, nach seinem Tode ohne weiteres 
Besitz ergriff. 

Eine Steuer oder Auflage belastete den Boden nicht; jedoch 
hatte jeder Grundbesitzer die Pflicht, in Kriegszeiten mit seinen 
Hintersassen zum Sultan zu stoßen 3 ). 

Die Okkupation herrenlosen Landes war den Arabern ge- 
stattet; da in Ostafrika schafeitisches Recht herrscht, so wird man 
als Voraussetzung der Inbesitznahme aber wohl die vorangegangene 
Kultivierung des Grundstückes angesehen haben. 



*) G. Rohlfs, Quid novi ex africa. Kassel 1886. 

2 ) Carl Claus v. d. Decken, Reisen in Ostafrika in den Jahren 1859 bis 
1861. Bearbeitet von Otto Kersten. Leipzig und Heidelberg 1869, I. Buch, Ab- 
schnitt VI, S. 115 ff. 

3 ) Bericht des britischen Konsuls. 



— 22 — 

4. Rechtspflege. 

Der Sultan galt als der oberste Richter in allen bedeutenden 
Fällen 1 ), gegen dessen Entscheidungen es keine Berufung gab, 
und dessen Urteile sofort vollstreckt wurden. Er übte seine Juris- 
diktion zwar ungehindert und in despotischer Form, aber doch 
gewöhnlich nur in Angelegenheiten, in denen er auch zugleich 
der Kläger war. Sein richterlicher Beamter, der Kadi, häufig 
nicht einmal autonom von ihm ernannt, sondern nach den Wünschen 
der am Orte herrschenden religiösen Sekte, saß in allen anderen 
Sachen zu Gericht. Das Prozeßverfahren war mündlich; die Ver- 
handlungen wurden nicht aufgezeichnet. Alle Sklaven unterstanden 
dem Spruch ihrer Herren und waren somit der Gewalt des Sultans 
und seiner Beamten entzogen, was natürlich auch von den exterri- 
torialen Europäern und Indern galt. 

Gerichtsbarkeit wie Bodenrecht charakterisieren Zanzibar als 
einen despotisch regierten Feudalstaat. Wie schon angedeutet, 
waren diese Rechte des Sultans aber immer dann theoretischer 
Natur, wenn hinter ihnen nicht eine starke Persönlichkeit stand, 
die auch die Kraft besaß, sie praktisch anzuwenden. So wechselten 
denn je nach dem Charakter oder der Laune des Herrschers im 
öffentlichen Leben anarchische Zustände mit patriarchalischen 
Szenen und despotischen Brutalitäten ab. 

5. Finanzen. 

a) Einnahmen. 

Dem Charakter des Staatswesens entsprechend galten die 

öffentlichen Einkünfte als private Einkünfte des Sultans; sie 

flössen aus Zöllen, Steuern, Gebühren und den Krongütern und 

betrugen 



181 1 (nach Capt. Smee) 60000 $, 
unter Seyyid Said 

(Burton) 170000 $, 

1846 (Guillain) 349000 $, 



1860 (Brit. Consul) 206000 $, 

1863/64 (Burton) 181 000 $ 2 ), 
1870 70000 £, 

1888 200000 £ 3 ). 



x ) v. d. Decken, a. a. O. 

2 ) Unter den Einnahmen finden sich auch regelmäßig ioooo $ (bei Guillain 
12000) aus einer Kopfsteuer, welche die Mukhadim zahlten. Jedes Familienhaupt ent- 
richtete sie und war damit von Zwangsarbeit frei. Bis 1860 etwa wurde pro Kopf 
eine Auflage von 2 $ erhoben; später wurde die Summe bedeutend verringert. Die 
Mukhadim bewohnten den östlichen Teil der Insel Zanzibar und hatten vor der arabi- 
schen Invasion auf der ganzen Insel geherrscht. 

3 ) Lyne, a. a. O., S. 144. 



23 — 



Bargasch ließ in Geldsachen nicht mit sich spaßen und wandte 
bei den Zöllen ein System der Erhebung an, dessen Grundprinzip 
war, die selbstischen Interessen seiner Beamten gegeneinander 
auszuspielen. Unter den Einnahmen hatten die Zölle die erste 
Stelle inne; jedenfalls gibt v. d. Decken 1 ) für 1866 nur 15000 $ 
oder Maria Theresien-Taler als Ertrag der Krongüter an, eine 
Summe, die sich unter Seyyid Bargasch dadurch vergrößerte, daß 
er alle von seinem Vater Said unter seine Erben verteilten Güter 
wieder in seiner Hand vereinigte 2 ). 

Die Gesamtzolleinnahme des Sultanats soll nach Erhebungen, 
welche das deutsche Generalkonsulat 1889 angestellt hat, betragen 
haben : 

1879/80 8,70335 Laks $ (ein Lak $ = 100000 $; 

47 $ = 100 Rps.), 

1880/81 10,90434 

1881/82 11,10354 

1882/83 10,11299 

1883/84 9.25315 

1884/85 8,85835 

1885/86 8,10182 

1886/87 12,29798 



Sa. 79'33552 Laks $, 
durchschnittlich pro Jahr 9,91694 Laks $. Setzt man die Zollein- 
nahme für Güter von und nach Pemba und diejenige für die später 
englische Küstenstrecke zwischen Wanga und Warscheich mit 
4,91694 Laks $, also etwa der Hälfte ein, so bleiben für die später 
deutsche Küste an Einkünften aus den Zöllen im Jahre 5,00000 Laks $ 
= ca. 1063829 Rps. Diese Summe hätte der DOAG zufallen und 
ihre Rentabilität ein für allemal garantieren können, wenn eben nicht 
der Sultan gewesen wäre, dem sie rechtmäßig gehörte und dem 
sie nur unter Anwendung von Gewalt oder doch nur mit Zustim- 
mung der übrigen europäischen Mächte entrissen werden konnte. 
Die ureigenste Domäne englischer Charter gesellschaften, die Aus- 
nützung von Regalien, war der DOAG unter diesen Umständen, 
zumal sie bis ins Jahr 1888 keinen rechtlich begründeten Einfluß 
im Sultanat besaß und auf die absolut unentwickelten Negerterri- 
torien des Schutzbriefgebietes beschränkt blieb, ganz verschlossen. 
Einige Jahre (1879 — 1 <385, nach anderen gelegentlichen Be- 
merkungen in den Akten der DOAG bis 1883) hatte Seyyid 

x ) v. d. Decken, a. a. O. 
2 ) Lyne, a. a. O., S. 143. 



— 2 4 — 

Bargasch die Zölle an den Inder Jeeram Sajwe verpachtet, der 
jährlich 5 Laks $ an ihn gezahlt haben soll. Anscheinend war 
der Sultan nicht mit ihm zufrieden. Er entschloß sich daher bald, 
die Zölle in eigene Verwaltung zu nehmen. Es soll ihm gelungen 
sein, von der später deutschen Küste allein 14 Laks Rps. dadurch 
zu vereinnahmen, daß er durch eine brutal gehandhabte Aufsicht 
seine Beamtenschaft von jedem Versuch einer Veruntreuung zurück- 
schreckte. Wir erleben hier den bezeichnenden Vorgang, daß eine 
riesige Steigerung der Zolleinnahmen 1 ) nur durch verschärfte 
Überwachung des Personals erzielt wird und nicht, wie wir unter 
normalen Verhältnissen zu schließen berechtigt wären, durch eine 
Steigerung von Wert oder Maß des Handelsverkehrs. 

b) Ausgaben für die Verwaltung. 
Die Einnahmen wurden fast ausschließlich für private Zwecke 
des Sultans verwendet; Straßenbauten und andere öffentliche Ar- 
beiten wurden nur soweit ausgeführt, als sie dem Herrscher 
nützten. In den meisten Fällen bezahlte er nicht einmal seine 
Zollerheber, ganz zu schweigen von den Gouverneuren und an- 
deren höheren Verwaltungsbeamten. 
So erhielten im Jahre 1888 
in Lindi der Wali und 54 Soldaten monatlich 201V2 $* 

„ Sudi 30 Soldaten „ 92% $, 

„ Kilwa Kiwindsche der Wali und 60 Soldaten monatl. 304 $, 
„ Mikindani der Wali, 1 Akida und 100 Soldaten 

monatlich 32o 1 / 2 $, 

„ Kilwa Kissiwani 1 Akida, 6 Soldaten monatlich i4 1 / 2 $, 
„ in Daressalam Wali, Akida, 47 Soldaten „ 164 $, 

„ Bagamoyo Wali, 2 Akidas, 1 Jemmadar und 90 Sol- 
daten monatlich 341 $. 
Rechnet man den Sold eines Soldaten auf ca. 3 $, was etwa 
dem damals gezahlten Arbeitslohn im Monat an Ort und Stelle 
entspricht, so bleiben für Wali und Akida, den höchsten Zivil- 
und den höchsten Militärbeamten am Platze, Gehälter von 20 oder 
40 $ monatlich und nur in zwei Fällen größere Summen übrig. 
Der Posten des Wali, des Zivilgouverneurs, galt direkt als eine 
Ehrenstelle. Er war nur mit geringen rechtmäßigen Neben- 
einnahmen, die im Jahre einige 100 $ nicht überstiegen, ver- 
bunden. 



J ) Vgl. die Zahlen auf S. 23. 



— 2 5 — 

Nach seiner eigenen Angabe erhielt der Sultan von den 
Walis an den verschiedenen Festtagen des Jahres mindestens eben- 
soviel an Wert in Geschenken zurück, als ihre Jahresbezüge aus- 
machten. 

Bei anderen Beamten, namentlich bei den Zollerhebern, die 
oft überhaupt kein Gehalt bekamen, erklärt sich die auch für ost- 
afrikanische Verhältnisse kärgliche Besoldung durch die Neben- 
einnahmen, welche man sich kraft seiner amtlichen Stellung zu 
verschaffen verstand. Nicht selten erhöhten sich die Zollsätze 
durch derartige Erpressungen auf das zwei- und dreifache. Der 
Elfenbeinhandel mag unter solchen Zollrepressalien vielleicht nicht 
gelitten haben; wenn es aber eine deutsche Kolonialgesellschaft 
unternahm, mit Waren geringeren Wertes zu handeln, so for- 
derten einfach schon wirtschaftliche Gründe, daß die Verwaltung 
des Küstenzolles jener geradezu systematisch arbeitenden Kor- 
ruption aus der Hand genommen wurde. Daß man die fetten 
Pfründen nicht ohne Widerstand aufgeben würde, war vorauszusehen. 

Schon einleitend konnten wir feststellen, daß die Macht des 
Sultans längs der Küste im allgemeinen nicht eigentlich eine terri- 
toriale, sondern nur eine lokale war. Das gilt auch von der 
Strecke südlich von Daressalam bis zur Tunghibai und nördlich 
von Wanga bis Warscheich. Wo der Sultan dauernde Gewalt 
auch über den nächsten Umkreis eines von seinen Beamten be- 
setzten Ortes hinaus besaß, da hatte er zu seinen Stellvertretern 
in den Negerdörfern ergebene Dorfhäuptlinge oder Jumben — zu- 
weilen aus dem Heer seiner Sklaven stammend — gemacht, die 
in ihrer Beamteneigenschaft, als Dorfschulzen also gewissermaßen, 
Schaves hießen. In den größeren Küstenplätzen war der Zivil- 
gouverneur, der Wali, der höchste Beamte. Neben ihm und häufig 
völlig unabhängig von ihm stand der richterliche Beamte, der 
Kadi. Zuweilen wurden die am Orte befindlichen Sultanssoldaten, 
Askaris, von besonderen militärischen Befehlshabern, den Akidas, 
geführt, welche der Sultan dann mit Vorliebe aus den persön- 
lichen Feinden des Wali ernannte, weil er in der Feindschaft 
dieser beiden Beamten das beste Mittel sah, sich vor Veruntreu- 
ungen und Hintergehungen zu schützen. Nicht selten fehlten, wie 
obige Aufstellung zeigt, die Akidas ganz, zuweilen auch die 
Walis. Oft wurden deren Funktionen von vornehmen einge- 
sessenen Arabern nebenamtlich versehen. Dies war z. B. in 
Sadani der Fall, wo der als Nachfolger Buschiris bekanntgewor- 
dene Bana Heri die Stelle innehatte. Untere und mittlere Be- 



— 26 — 

amte gab es nicht; für untergeordnete dienstliche Angelegenheiten 
gebrauchte der Wali seine eigenen Sklaven. 

Alles in allem beliefen sich die Ausgaben des Sultans für 
die Verwaltung in dem dem deutschen Gebiet vorgelagerten 
Küstenstreifen auf ca. 170000 Rps., nach einer anderen Angabe 
auf 130000 Mk. Nimmt man 500000 Mk., was gewiß hoch ge- 
griffen ist, für die gesamte Verwaltung an, so stehen sie einer 
gleichzeitigen Einnahme von ca. 4 Millionen Mk. gegenüber. 

c) Verwendung des Überschusses. 

Der große Überschuß diente den Privatzwecken des Sultans. 
Seyyid Bargasch hatte sich in Chukuani südlich und in Chuini 
nördlich der Stadt Zanzibar kostspielige Paläste bauen 1 ), eine 
kleine Trambahn' 2 ) zur Beförderung von Bausteinen aus den 
Brüchen anlegen lassen und eine Zuckerfaktorei rein zu seinem 
Vergnügen eingerichtet. Unter Seyyid Khalifa verschlang der 
Hofhalt im Minimum monatlich 80000 Rps. 3 ). 

Seyyid Bargasch aber war nicht nur ein prunkliebender 
orientalischer Herrscher, sondern auch einer der geschicktesten und 
großzügigsten Händler und Unternehmer seines Staates, ein Mann, 
dessen kaufmännische Fähigkeiten und Kapitalkraft sich gelegent- 
lich auch die DOAG zu nutze zu machen versuchte. Neben 
seinen Zuckerfaktoreien auf Zanzibar waren es insbesondere Schiff- 
fahrtsunternehmungen, denen er sich mit Vorliebe zuwandte. Vor 
den deutschen Erwerbungen schon hatte er eine Aden-Linie und 
eine Suez-Linie eingerichtet; da sie sich jedoch nicht rentierten, 
zog er sie bald nach den ersten Fahrten wieder ein. Bis an sein 
Lebensende betrieb er aber eine Linie Bombay-Zanzibar, die mit 
200000 Rps., nach Lyne 3 ) mit 20000 £ jährlichem Verlust ar- 
beitete. Darauf aufmerksam gemacht, soll er geantwortet haben, 
daß seine Verluste durch die Erweiterung des Außenhandels und 
demzufolge durch die Vergrößerung der Zolleinnahmen wieder 
eingebracht würden. 

Nur ganz ausnahmsweise legte er seine Mittel auch in öffent- 
lichen Arbeiten an, wie dem Bau einer Wasserleitung nach Zanzibar 
und der Herstellung von Straßen. Niemals aber hat diese Tätig- 
keit die Insel Zanzibar überschritten und beschränkte sich in der 



x ) Lyne, a. a. O., S. 143. 

2 ) G. Rohlfs, a. a. O. 

3 ) Lyne, a. a. O., S. 143. 



— 27 — 

Regel auf die unmittelbare Umgebung der Residenz oder seiner 
Schlösser. 

Wir haben es also mit einem für moderne europäische Be- 
griffe zwar unentwickelten, aber für ostafrikanische Verhältnisse 
und in Anbetracht der kolonialpolitischen Unerfahrenheit Deutsch- 
lands immerhin komplizierten Staatswesen zu tun, dessen ver- 
wickelte Struktur dadurch noch unübersichtlicher wurde, daß es 
kein geschriebenes Gesetz gab. Zanzibar war ein despotisch re- 
gierter Feudalstaat, der aber durch die Berührung mit der modernen 
Weltwirtschaft schon viel von seiner Reinheit verloren hatte, wie 
wir im folgenden zu zeigen haben werden. Ein Staat zudem, der 
infolge der Korruption der arabischen Gesellschaft in sich selbst 
schon lange wurmstichig war. 



II. Wirtschaftliche Verhältnisse. 

i . Zanzibar als Agrarstaat. 

Entsprechend seiner politischen Organisation war das Sultanat 
wirtschaftlich ein Agrarstaat von gutsherrlicher Verfassung. Teil- 
weise, namentlich auf Zanzibar und Pemba, produzierte die Land- 
wirtschaft für den Export. Die Stadt Zanzibar war der Zentral- 
markt des Staates und vermittelte Ein- und Ausfuhr ganz allein. 
Die agrarischen Stapelprodukte waren Nelken und Kokosnüsse. 
Die vornehmen Araber, hier und da auch eine Suahelifamilie, re- 
präsentierten den Stand der Gutsherren. Ihre Landgüter, Schambas 
genannt, lagen verstreut längs der Küste und auf Pemba und 
Zanzibar. Oft gehörte einem Gutsherrn eine ganze Anzahl solcher 
Schambas, die sich teils an der Küste, teils auf den Inseln be- 
fanden. Natürlich konnte der Eigentümer nicht überall anwesend 
sein; dann bewirtschafteten Aufseher mit Sklaven die Besitzung 
selbständig. Nach Burton 1 ) gab es Araber, welche 80000 Nelken- 
bäume, ein oder zwei Schiffe und 1000 bis 2000 Sklaven ihr 
eigen nannten. 

Diese Grundbesitzer bildeten mit ihren Sklaven den Grund- 
stock der Bevölkerung. Inder und Europäer, deren wirtschaftliche 
Bedeutung für das Sultanat auf einem ganz anderen Gebiete als 
dem der agrarischen Produktion lag, hatten nicht einmal auf 
Zanzibar, geschweige denn an der Küste nennenswerte Besitzungen. 
Nach einer Schätzung betrug ihr Gesamtwert auf der Insel im Jahre 

*) a. a. O., S. 378. 



i886 nur 700000 bis 1300000 $ 1 ), der größere Teil gehörte 
den Indern. 

Bewirtschaftet wurden die Schambas von Sklaven und Skla- 
vinnen, die ihren Herren als völlig unfrei gehörten. Insbesondere 
übte der Herr uneingeschränkte Jurisdiktion über sie — nicht 
einmal der Sultan hatte da hineinzureden — , besaß, wenn er sie 
irgendwo in Dienst gegeben hatte, Eigentumsrecht an ihrem vollen 
Lohn und überließ ihnen in der Regel nur das Poscho, die Ver- 
pflegung. Männer, Frauen und Kinder erhielten im allgemeinen 
denselben Lohn. Soweit die Sklaven als Landarbeiter beschäftigt 
waren, wohnten sie auch auf dem Gut, wo ihnen außer einem 
Haus oder einer Hütte ein Stück Land zugewiesen war, auf dem 
sie ihre tägliche Nahrung bauten. Zwei Tage der Woche, der 
Donnerstag und Freitag, gehörten nur ihnen. Der Herr stellte 
dann keinerlei Ansprüche an sie. Auch alles, was sie selbst auf 
ihren Äckern erzeugten, durften sie an diesen Tagen, ohne eine 
Abgabe abgeliefert zu haben, auf den Markt bringen. Für ihre 
Tätigkeit auf der Schamba erhielten sie keine Entschädigung, auch 
nicht Naturalverpflegung. 

Die agrarische Produktion der Araber arbeitete nun nicht 
nur für den Eigenbedarf und war auch nicht für den Bedarf des 
Inlandmarktes allein bestimmt, sondern stellte namentlich Produkte 
für den Export bereit. Allerdings handelte es sich dabei um 
zwei Früchte, die keiner besonderen Pflege und Kultur bedurften, 
um zu gedeihen. Das gilt für den Nelkenbaum wie für die Kokos- 
palme. Einzig die Ernte der Gewürznelke war eine feinere Arbeit, 
die geschicktere Hände erforderte. Nach dem Bericht des briti- 
schen Konsuls 2 ) waren die Araber zu träge, feinere Kulturen, wie 
die der Baumwolle und des Zuckerrohrs zu pflegen, ja, seit mit 
der Einführung 3 ) der Gewürznelke ein einträglicher Exportartikel 
gefunden war, vernachlässigte man zu seinen Gunsten auch den 
Anbau von Reis so, daß alljährlich von Indien und Madagaskar 
größere Quantitäten eingeführt werden mußten. Weite Strecken 
Landes lagen brach und wurden von niemandem verwertet. Die 
wirtschaftliche Indolenz der Araber ist in ihren religiösen Anschau- 
ungen und in ihrer ganzen psychischen Disposition, dann aber auch 
darin begründet, daß man nur mit Negersklaven wirtschaftete, von 
deren Zahl es abhing, wieviel Hektar der einzelne Grundbesitzer 

x ) Kolonial-Politische Korrespondenz, 2. Jahrg. 1886, Nr. 24, S. 151. 

2 ) a. a. O. 

3 ) Nach Stuhlmann um 1800. 



— 2 9 — 

bearbeitete, und deren zurückgebliebene Wirtschaftsmethode die 
Araber wohl oder übel annehmen und beibehalten mußten. 

Die aus Zanzibar und Pemba, sowie dem schmalen arabischen 
Küstenstreifen ausgeführten Ackerbauprodukte, einschließlich der 
Sesamsaat, welche die Suaheli der Küste erzeugten, machten ca. 
30% der gesamten Ausfuhr in den Jahren 1869 bis 1871 aus. 
Dieser Anteil vergrößerte sich von da bis zur deutschen Besitz- 
ergreifung wahrscheinlich noch 1 ). Von den ca. 30%' waren (1869 

bis 187 1) 

Nelken nebst Nelkenstengeln 12%, 
Sesamsaat 9%, 

Kopra nebst Kokosöl 6%, 

Rohrzucker 1 % 

der Gesamtausfuhr. Nicht also, wie das im Somalilande und im 
Gebiete der Witugesellschaft der Fall war, arbeitete die agrarische 
Exportproduktion für den Lebensmittelbedarf, sondern erzeugte 
hochwertige Genußmittel, Rohstoffe für die industrielle Produktion 
und sogar auch Halbfabrikate, wenn auch in bescheidenem Um- 
fang. Darin offenbart sich freilich weniger Intelligenz und Rührigkeit 
der Bewohner, als die Natur des Landes. Gerade in der Nelken- 
produktion besaßen und besitzen Pemba und Zanzibar mit einigen 
kleinen hinterindischen Inseln, die ihre Nelkenbäume aus der Zeit 
der holländischen Kompagnie herübergerettet haben, ein natürliches 
Monopol. 

2. Zanzibar als Handelsstaat. 
Zanzibar war nun seit 1840 in stärkerem Masse das Arbeits- 
feld indischer, amerikanischer und europäischer Kaufleute geworden. 
Das erste amerikanische Handelsschiff hatte Zanzibar im Jahre 
1830 angelaufen. Es fand arme Araber, die weder Waren kaufen, 
noch auch nur eintauschen konnten. Auch an der Küste des 
Festlandes fand sich keine Gelegenheit, eine Ladung einzunehmen. 
Der Handel mit Sklaven nach dem Persischen Golf und Bourbon 
allein war im Schwung. Günstigeres konnte auch der Befehls- 
haber eines englischen Schiffes im Jahre 1834 nicht berichten 2 ). 
Im Jahre 1833 hatten nur erst 13 fremde Handelsschiffe Zanzibar 
angelaufen, von denen 9 amerikanische und 4 englische waren. 
Am 21. September 1833 schloß Amerika einen Freundschafts- und 

*) Laves im »Export«, Organ des Centralvereins für Handelsgeographie usw., 
mitgeteilt in der Kolonial-Politischen Korrespondenz, 3. Jahrg. 1887, Nr. 24., S. 185 ff. 
2 ) Bericht des brit. Konsuls. 



— 30 — 

Handelsvertrag mit Zanzibar, am 31. Mai 1839 England; der eng- 
lische wurde jedoch erst 1848 ratifiziert. Dann folgte Frankreich 
mit der Unterzeichnung eines bereits 1844 verabredeten Vertrages 
im Jahre 1846 und 1859 die deutschen Hansestädte, deren Ab- 
machung später auf das Deutsche Reich überging 1 ). Inzwischen 
hatte auch die friedliche Invasion der Inder größere Dimensionen 
angenommen, so daß sich allmählich in Zanzibar ein Handelsstand 
aus exterritorialen Fremden bildete. Sie pflegten entweder mittel- 
bar oder unmittelbar den legitimen Export und Import — im 
Gegensatz zum Sklavenhandel — und regten Eingeborene und Araber 
zur Sammeltätigkeit und zu intensiveren Kulturen an. 

Ein Agrarstaat war Zanzibar durch seine arabische Be- 
völkerung, ein Handelsstaat durch seine Exterritorialen: so etwa 
würde man den Zustand der zanzibaritischen Wirtschaft zur Zeit 
der deutschen Erwerbung charakterisieren können. Schon oben 
zeigten wir, daß die Araber und Suaheli ca. 30% der Ausfuhr, 
die nämlich an Ackerbauprodukten, auf ihrem Grund und Boden 
erzeugten. Jedoch auch an den übrigen 70% waren die Araber 
nicht unbeteiligt; während sie dort aber die Produzenten waren, 
hatten sie hier, wo es sich um okkupatorische Güter handelte, die 
Rolle der Aufkäufer und Kommissionäre im Dienste der Inder. 

Ehe wir jedoch die Organisation des Handels und einige 
interessante wirtschaftliche Begleiterscheinungen besprechen, wollen 
wir uns eine Vorstellung von seinem Umfang und seiner Art zu 
schaffen versuchen. 

Alle Angaben, auch die offiziellen der Konsuln einzelner 
Staaten, beruhen auf Schätzungen. Schon aus diesem Grunde 
sind Vergleiche mit den Handelsumsätzen anderer Staaten un- 
möglich; sie sind es umsomehr, als die auf jene Weise ermit- 
telten Werte weit auseinandergehen. So stellt z. B. Lyne 2 ) für 
1859 einen Import im Werte von 90591 1 £ fest, gleich ca. 18 Mil- 
lionen Mk., für 1861 von 245981 £, nahezu 5 Millionen Mk., indem er 
für das erste Jahr den Sklavenhandel mit einbezieht, im zweiten 
jedoch nur den legitimen Handel wertet. Nach dem Journal der 
Londoner Handelskammer, Band I Nr. 8 3 ) soll der Gesamthandel 
32 Millionen Mk. im Jahre 1888 betragen haben, nach einer amt- 
lichen amerikanischen Quelle 4 ) 1883 40 Millionen Mk., während 



x ) Lyne, a. a. O., S. 33 ff. 

2 ) Lyne, a. a. O., S. 69. 

3 ) Kolonial-Politische Korrespondenz, 3. Jahrg. 1887, Nr. 24, S. 186. 

4 ) United States Consular Reports, Nr. 45. 



— 3i — 

die Angaben des deutschen Konsuls immer viel kleinere Zahlen 
enthalten, so für 1870 nur 17 Millionen Mk., für 1875 nur 22 Mil- 
lionen Mk. Er bezog in seine Schätzungen den Handel mit der 
Festlandsküste nicht ein. 

Wir beschränken uns deshalb darauf, die einzelnen Positionen 
in ihrem Verhältnis zum gesamten Import bzw. Export zu be- 
trachten, um auf diese Weise wenigstens ein ungefähres Bild von 
der relativen Bedeutung der einzelnen Handelszweige im Sultanat 
zu gewinnen und geben die Zahlen nach der deutschen Schätzung 
für die Jahre 1869 bis 1871 1 ). 

1869/70/71. 
Gesamthandel Zanzibars jährlich 1 
Export. 

1. Elfenbein 

2. Gummi-Kopal 

3. Orseille 

4. Ebenholz 

Okkupatorische Güter 

5. Trockene Rindshäute 

6. Nelken, Nelkenstengel 

7. Sesamsaat 

8. Kopra, Kokosöl 

9. Rohrzucker 

Ackerbau-Produkte 
10. Palmkerne, Erdnüsse, roter Pfeffer, Reis, 
Mais, Kaurimuschel, 

"00%. 

Import. 

1 . Rohe oder gebleichte Baum woll waren (aus 

England, den Verein. Staaten, Ostindien) 51 %, 

2. Andere Manufakturwaren, vornehmlich 

bunte Baum woll waren 2 3%> 

3- Rest 26%, 

Davon: a) Glas- und Ton waren 8%, 

b) Metalle, Metallfabrikate und 

-waren 5 %, 

c) Waffen, Munition 6%, 

d) Steinkohlen 1 %, 



Millionen 


Mk. 


• 36%, 




»%. 




»%. 




1% 






59%, 




9% 


"%, 




9%. 




6%, 




«%. 




ieis 


*«%. 




4% 



00% 



2 ) Kolonial-Politische Korrespondenz 1887, Nr. 24, S. 186 f. 



— 32 — 

Zirka 60% also des Exports waren okkupatorische Güter, 
welche nicht im Sultanat, sondern in den Negerterritorien des 
Innern gesammelt wurden. 

Die trockenen Rindshäute kamen aus den südlichen Somali- 
häfen. Daß die okkupatorischen Güter gerade aus später deutschen 
Gegenden kamen, mußte bei der herrschenden Stellung, die sie im 
ostafrikanischen Handel einnahmen, für die DOAG Bedeutung 
gewinnen. Allerdings wird man hinzufügen müssen, daß sie nur 
vorübergehend sein konnte. Einerseits sind okkupatorische Güter 
als solche erschöpfbar, dann aber liegt, wie die Tatsachen lehren, 
der Schwerpunkt moderner europäischer Kolonisationsarbeit in 
einem intensiven Wirtschaftssystem. 

Da die okkupatorischen Güter nicht im Reiche des Sultans 
gesammelt wurden, so ist man berechtigt, von einer Einfuhr dieser 
Waren ins Sultanat zu sprechen. Da sie sämtlich wieder ausge- 
führt wurden, erscheint Zanzibar als Durchgangsland. Doch zogen 
nicht die Araber den Gewinn aus diesem Handel, sondern die 
exterritorialen Fremden. Nur der Zoll, den die Sultane erhoben, 
blieb im Lande. 

Vier Fünftel des auswärtigen Handelsumsatzes lag in den 
Händen von Europäern und Amerikanern, die damit den Über- 
seehandel beherrschten, wie folgende Aufstellung aus den Jahren 
1869 bis 187 1 zeigt 1 ): 

Am auswärtigen Handel in Zanzibar waren beteiligt 

1. Firmen der Vereinigten Staaten mit 23,2%, 

2. deutsche Firmen „ 22,2%, 

3. französische Firmen „ 16,7%, 

4. englische Firmen „ 15,4%, 

5. indische und arabische Firmen „ 21,4%, 

98,9%. 

In den achtziger Jahren war in diesem Status insofern eine 
Veränderung eingetreten, als die großen Inder Zanzibars, wie Taria 
Top an und Seewa Haji, schwache Versuche machten, direkt, unter 
Umgehung der europäischen Häuser, nach Europa zu exportieren. 
Die radikale Umgestaltung der ostafrikanischen Handelsverhältnisse, 
die damit begonnen hatte, wurde durch die politischen Vorgänge 
im Keim erstickt. Nichtsdestoweniger machen diese Versuche 
dem Unternehmungsgeist der Inder alle Ehre. 

Die Inder bildeten den Stand der Zwischenhändler. Sie 



l ) Kolonial-Politische Korrespondenz, 3. Jahrg. 1887, Nr. 24, S. 187. 



— 33 — 

kauften durch Agenten in den Küstenplätzen von den ankom- 
menden selbständigen Negerkarawanen der Wasukuma und Wa- 
niamwezi. In Bagamoyo und Pangani beschäftigten sie auch Araber 
kommissionsweise mit dem Aufkauf im Innern. Diese organisierten 
mit eigenen oder fremden Sklaven Karawanen, waren aber durch 
die ihnen in großem Umfange gewährten Kredite wirtschaftlich 
völlig in der Hand der Inder. 

Um diese Beziehung zwischen den handeltreibenden Indern 
und den sklavenhaltenden feudalen Arabern klarer zu erkennen, 
führen wir uns die Organisation des ostafrikanischen Elfenbein- 
handels vor Augen. Ein Konsortium von wenig vermögenden 
Indern oder auch ein einzelner reicher Inder schob einen Stroh- 
mann vor, welcher mit einem arabischen Grundherrn und Sklaven- 
besitzer, der Karawanen führte, wegen Ausrüstung einer solchen 
verhandelte. Dem Araber wurde nach den getroffenen Verein- 
barungen das Geld für das aufzukaufende Elfenbein gegeben — 
gewöhnlich pro frasilah 1 ) 35 bis 40 $ — , wogegen er als Sicher- 
heit in erster Linie seine eigenen Häuser, Gärten und Palmenhaine 
usw. verpfändete, in zweiter Linie, wenn es sich um große Summen 
handelte, auch die etwaigen Besitzungen seiner Pagazis (Träger) 
und Aufseher. 

Der Araber hatte damit ein vielfaches Risiko übernommen, 
während sich der Inder davon ganz frei zu machen verstanden 
hatte. Mit dem Gelde kaufte der Araber Tauschwaren — wobei 
der Inder schon wieder verdiente — und warb soviel Träger an, 
als er über die Zahl seiner eigenen Sklaven hinaus benötigte. 
Der Verlust an Trägern und Aufsehern oder durch sie belief sich 
in Werten in der Regel auf ein Drittel bis ein Viertel der vor- 
geschossenen Summe, und schließlich konnte es leicht geschehen, 
daß man im Innern höchst ungünstige Ankaufsverhältnisse traf. 
Das ganze Geschäft war eine höchst gewagte Spekulation, deren 
Risiko der Araber allein trug. Dem Inder brachte es jedoch 
gewöhnlich, bei Einrechnung aller mittelbar und unmittelbar ent- 
stehenden Verdienste, 50% Gewinn. 

Die wirtschaftlich bedenklichste Erscheinung an diesem 
Handel war aber die zunehmende Verschuldung des Grundbesitzes 
der Araber. Sie, wie die in den Jahren vor der deutschen Besitz- 
ergreifung wachsende Entwertung des arabischen Grundeigentums, 
sind zwei Ursachen des damals häufiger beobachteten Landüber- 



x ) Frasilah =35 lbs. (englische Pfund). 
Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft 1. 
Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 34 — 

gangs an die Inder gewesen. Soweit es dazu nicht kam, blieb 
doch eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit des arabischen Ele- 
ments vom indischen übrig. 

Die Entwertung des Grund und Bodens war besonders da- 
durch eingetreten, daß, seit Zanzibar immer mehr der Konkurrenz 
des Weltmarktes ausgesetzt und eine stärkere Zollbelastung der 
Nelkenproduktion eingetreten war, die Bewirtschaftung der Schambas 
durch die Sklaven nach den primitiven Methoden sich als irrationell 
herausgestellt hatte. Andere Betriebssysteme einzuführen, war die 
von der Überlieferung und Tradition beherrschte Intelligenz der 
Zanzibararaber nicht fähig. So lag denn der Boden brach, sank 
im Preise und wurde von spekulierenden Indern gekauft, die auf 
die Zukunft rechneten, in welcher die Europäer rationelle Betriebe 
einführen und dadurch eine Wertsteigerung des Landes hervorrufen 
würden. Das Kapital mancher Araber beschränkte sich damals 
schon häufiger auf ihre Sklaven, die sie als Lohnarbeiter ver- 
mieteten. Jede Maßregel gegen die Sklaverei mußte gerade diese 
enteigneten Araber hart treffen. 

Die Verschuldung des arabischen Grundbesitzes, von der wir 
eben sprachen, w T ar bei den Rechtsverhältnissen des Sultanats 
eigentlich ein Unding 1 ). Für ein Hypothekenwesen fehlte jede 
Voraussetzung, da es weder Grundbücher gab, noch eine Subha- 
station dem arabischen Recht geläufig war. Dieser Umstand 
fand wirtschaftlich darin seinen Ausdruck, daß der Zinsfuß für 
Kredite, welche gegen Verpfändung der Liegenschaften oder der 
Ernten gegeben wurden, dem für ungedeckte Kredite entsprach. 
Er betrug 8% pro Jahr und stieg in manchen Fällen bis zu 40%. 
Die Höhe dieses Satzes wurde übrigens auch durch die andauernde 
Entwertung des Silbers bedingt. 

3. Geldwesen. 
Es kursierten im Sultanat in den Jahren 1840 bis 1891 die 
verschiedenartigsten Münzen. Nicht alle jedoch waren in größeren 
Mengen vorhanden, und zu verschiedenen Zeiten standen auch ver- 
schiedene Münzen im Mittelpunkt der Wertschätzung. Bis in die 
sechziger Jahre hinein bildete der Maria - Theresien - Taler »die 
Basis des Münzsystems«' 2 ), dann folgte, wenn Noback 3 ) richtig 
unterrichtet ist, der amerikanische Golddollar und in der zweiten 



x ) Kolonial- Politische Korrespondenz, 2. Jahrg. 1886, Nr. 24, S. 151. 

2 ) Peez u. Raudnitz, Geschichte des Maria-Theres.-Talers, Wien 1898, S. 113. 

3 ) Noback, Münz-, Maß- und Gewichtsbuch, 1877. 



— 35 — 

Hälfte der siebziger Jahre etwa die indische Rupie 1 ). Der Maria- 
Theresien-Taler oder Schwarze Taler wurde von den arabischen 
Fürsten nach Ostafrika gebracht, die ihn neben den sogenannten 
Kolonnaten, den Säulentalern oder spanischen Piastern in ihren 
Ländern bevorzugten. Ein selbständiges Münzsystem hatte keines 
dieser Sultanate, wohl aber hatte sich der Regel nach eine be- 
stimmte fremde Geldsorte unter den zahlreichen umlaufenden 
Münzen einen herrschenden Platz erobert. An ihr wurde der 
Wert aller übrigen Stücke gemessen; war sie selten, so fielen 
die anderen im Werte, war sie häufiger, so stieg dieser. Zu solcher 
Basis des Geldverkehrs war nun seit Ende des 18. Jahrhunderts 
am Roten Meer und weiterhin in ganz Nordafrika der Schwarze 
Tal er mit dem Bilde der Kaiserin Maria Theresia geworden 2 ). 
Er gewann dann eine ähnliche Stellung in Ostafrika unter Said 
und Majid und behielt sie auch trotz der starken Einwanderung 
von Indern und deren Herrschaft im Zwischenhandel, wurde aber 
durch besondere Umstände während des Sezessionskrieges vom 
amerikanischen Golddollar abgelöst. Die Händler der Union 
waren damals nicht in der Lage, mit Merikani oder anderen 
Baumwollstoffen zu zahlen und bedienten sich ihrer heimischen 
Münze. Sie wurde in Zahlung genommen, und der Maria-There- 
sien-Taler war infolge davon, wie Noback schrieb, 1877 we- 
nigstens in Zanzibar schon so selten geworden, daß er nicht ohne 
ein Aufgeld von 6% zu haben war. Was Guillain 1846 bei 
Seyyid Said mit dem französischen Fünffrankstück nicht gelungen 
war, das brachte dann Kirk mit der indischen Rupie in den sieb- 
ziger Jahren fertig. Seyyid Bargasch setzte damals auf seine Ver- 
anlassung ihren Kurs auf 0,47 des amerikanischen bzw. öster- 
reichischen Dollars fest und entschied damit die Herrschaft des 
indischen Geldes. Unterstützt wurde der englische Generalkonsul 
in seinen Bestrebungen durch die Inder, deren ökonomische Macht 
groß genug war, um Maßregeln dieser Art zur Wirkung kommen 
zu lassen oder nicht. Sie wechselten Schwarze Taler in großer 
Zahl ein und verschickten sie nach Bombay, wo sie von Silber- 
schmieden eingeschmolzen oder in den Münzstätten mit Vorteil 
umgeprägt wurden. 



*) v. König in den Beiträgen zur Kolonialpolitik, 1900/01, S. 317. 

2 ) Über die Vorzüge der Münze s. Peez, a. a. O., S. 21 ff., der auch Baker, 
Nilzuflüsse, zitiert. Als wesentlicher Vorzug möchte hinzukommen, daß die Aus- 
prägungen in Österreich immer wieder von neuem erfolgten, wodurch man dem tat- 
sächlichen Bedarf entgegenkam. 

3* 



— 36 — 



Die übrigen Münzsorten haben im Sultanat immer nur eine 
untergeordnete Rolle gespielt. Man nahm sie nicht gern oder 
doch nur für bestimmte Zwecke. Die Nachfrage war gering, und 
alle, die Piaster vielleicht ausgenommen, hatten ein größeres oder 
geringeres Disagio. Wir lassen hier eine Übersicht der kur- 
sierenden Stücke nach Gewicht, Feinheit, Feingewicht und Wert 
in Reichsmark folgen: 







Gewicht 


Feinheit 


Feingewicht 


: Wert 


l ) 


I. 


Kompag- 














nie-Rp.: 


11,6638 g, 


916,667, 


10,6918 g, 


i,9245 


Mk. 


2. 


Maria-There- 














sien -Taler: 


28,0668 g, 


833,333, 


23,3890 g, 


4,2100 


„ 


3- 


Span. Piaster 2 ): 












1707 — 1728 


27,4682 g, 


930,500, 


25,5607 g, 


4,6009 


:, 




1728 — 1772 


27.0643 g, 


909,722, 


24,6210 g, 


4,43i8 


,, 




1772 — 1848 


27,0643 g, 


902,778, 


24,4330 g, 


4,3979 


,, 




1848— 1850 


26,2910 g, 


900,000, 


23,6619 g, 


4,259i 


,, 




1850— 1854 


26,1046 g, 


900,000, 


234941 g, 


4,2289 


„ 




1854— 1868 


25,9601 g, 


900,000, 


23,3641 g, 


4,2055 


,, 




1868 


25,0000 g, 


900,000, 


22,5000 g, 


4,0500 


,» 


4- 


Silbernes 5- 














Frs.-Stück : 


25,0000 g, 


900,000, 


22,5000 g, 


4,0500 


,, 


5- 


Goldenes 5- 














Frs.-Stück : 


1,6129 g, 


900,000, 


i,45i6 g, 


4,0500 


,, 


6. 


Goldenes 10- 














Frs.-Stück : 


3*2258 g, 


900,000, 


2,9032 g, 


8,1000 


,, 


7- 


Goldenes 20- 














Frs.-Stück : 


6,45i6 g, 


900,000, 


5,8065 g, 


16,2000 


,, 


8. 


Pfd. Sterling: 


7,988i g, 


916,667, 


7,3224 g, 


20,4295 


Mk. 






Aus dieser Tabelle ist zu ersehen, daß die spanischen Ko- 
lonnaten fortwährend verschlechtert wurden und, was wichtig ist, 
dabei nicht nur an Feingehalt, sondern auch an absolutem Ge- 
wicht und Wert einbüßten. In Ostafrika fanden die älteren Rei- 
senden, wie Krapf und Burton, die spanische Münze noch, 
v. d. Decken aber und andere jüngere Berichterstatter erwähnen 
sie nicht mehr. Ein Zusammenhang zwischen der Verschlechte- 
rung und dem Verschwinden dürfte anzunehmen sein, jedenfalls 



x ) Der Silberwert gilt für das Jahr 1877. 

8 ) In Afrika liefen namentlich die vor dem Jahre 1848 geprägten Piaster um. 
Die vor 1772 ausgegebenen Stücke fanden sich in Spanien nur noch äußerst selten. 



— 37 — 

trifft es nicht zu, wenn bei Peez und Raudnitz 1 ) gesagt wird, 
daß der Piaster niemals im Werte verändert worden sei. In 
Zanzibar liebte man die Münze nicht besonders. B u r t o n be- 
richtet 2 ), daß sie dem Maria-Theresien-Taler gewöhnlich gleich- 
gestellt war, zuweilen jedoch nur gegen ein Aufgeld von 2 % zu- 
gunsten des letzteren genommen wurde. Dabei gab es Gegenden 
in Arabien und Afrika, wo namentlich die älteren Piaster bis zu 
8 % mehr wert waren als der Schwarze Taler. Als Krapf reiste, 
hatte der Säulentaler wechselnden Wert 3 ). 

Ähnlich erging es den französischen 5-Frs.-Stücken. Guillain 
hatte 1846 von seiner Regierung den Auftrag erhalten, in Ver- 
handlungen mit dem Sultan darauf hinzuwirken, daß das Disagio 
der französischen Münze im Verkehr mit Zanzibar verringert 
würde 4 ). Für 100 Schwarze Taler forderte man dort 112 5-Frs.- 
Stücke. Da Frankreich in seinen afrikanischen Kolonien damals 
einen Zwangskurs für seine Münzen festgesetzt hatte 4 ), indem es 
bestimmte, daß fortan gegen 100 spanische oder österreichische 
Taler nur 110 5-Frs.-Stücke einzuwechseln wären, so lag ihm 
daran, dasselbe Wertverhältnis auch in dem mit Nossi Be und 
Bourbon in engen Handelsbeziehungen stehenden Zanzibar in Gel- 
tung zu sehen. Der Sultan weigerte sich zuerst, gestand dann 
eine Relation von 1 1 1 zu 1 1 o und nach gewissen schriftlichen 
Garantien Guillains 5 ) das geforderte Verhältnis von 110: 100 zu, 
indem er gleichzeitig versprach, eine entsprechende Verfügung zu 
erlassen. Das geschah denn auch. Aber der französische Unter- 
händler selbst gab sich nicht der geringsten Hoffnung auf ein 
günstiges Resultat hin. In der Tat blieb der amtliche Tarif ohne 
Wirkung. Nach Burton 6 ) forderte man 1857 — 59 im Handel 
nach wie vor 112 5-Frs.-St.ucke. v. d. Decken (1859 — 65) 
schreibt 7 ) allerdings, daß man schon gegen ein 5-Frs,-Stück und 
8 Pesas einen Maria-Theresien-Taler erhielt, doch ist diese An- 
gabe für eine Vergleichung unbrauchbar, weil die Pesas selbst 
wechselnden Kurs hatten, und sich daher nicht sagen läßt, 
wieviel solcher Kupfermünzen im Augenblick der Erhebungen 



x ) a. a. O. 

2 ) a. a. O., I, S. 325. Ähnlich Guillain. 

3 ) Peez, a. a. O., S. 107 ff. 

4 ) Guillain, a. a. O., 2. Teil, Bd. I, S. 43 ff. 

5 ) a. a. O. 

6 ) a. a. O., Bd. II, S. 419. 

7 ) Peez, a. a. O., S. 110. 



- 38 - 

v. d. Deckens für einen Schwarzen Taler bzw. ein 5«Frs.-Stück 
zu haben waren 1 ). 

Auch die Kompagnie-Rupie 2 ) wurde zu verschiedenen Zeiten 
in verschiedener Anzahl gegen einen Maria-Theresien-Taler um- 
gewechselt. Nach Guillain standen 2,20 bis 2,23 Rps. im Werte 
einem Taler gleich; er fügt ausdrücklich hinzu, daß die indische 
Münze nur in geringer Zahl in Zanzibar vorhanden sei. Burton 
nennt an einer Stelle seines Werkes dieselben Zahlen 3 ), gibt an 
einer anderen Stelle aber das Verhältnis von 214 bzw. 220: 100. 

Wie fein der Zanzibarmarkt auf jeden Versuch, geringwertigere 
Münzen zu höheren Kursen auszugeben, reagierte, zeigt ein Vor- 
gang aus den siebziger Jahren, als schon die Rupies im Sultanat 
vorherrschten. Damals. 1877, hatte Seyyid Bargasch in Paris Taler 
prägen lassen und sie zu Kursen von 2,4 Rps. abgegeben. Die 
Kaufleute wiesen sie jedoch zurück, weil ihr Silbergehalt dem 
Kurs nicht entsprach. 

Auch Noback 4 ) konstatiert, daß die fremden Geldsorten — 
als Basis des Geld Verkehrs galt zur Zeit, für welche Nobacks 
Angaben zutreffen, der amerikanische Golddollar — im Werte je 
nach dem Vorrat schwankten und ferner, daß auch ihr Gold- bzw. 
Silbergehalt, vom Kurswert abgesehen, nicht voll bezahlt, sondern 
immer unterschätzt wurde. 

Aber auch die Kupfermünzen, die indischen Pesas, wurden 
nicht immer in gleicher Zahl gegen den Levantiner- oder Maria- 
Theresien-Taler eingetauscht. Bis 1840 zahlte man Bruchteile dieser 
Münze, 1 / 2 = Soumouni, Y 4 = Robo, y 8 = Summi, in Tauschgegen- 
ständen. Erst in diesem Jahre brachte Seyyid Said zum ersten 
Male für 5000 Taler Pesastücke, die in Bombay geschlagen worden 
waren, durch Vermittlung des englischen Konsuls ins Land. Eigene 
amtliche Münzstätten besaß nicht einmal Maskat, geschweige denn 
Zanzibar. Doch gab es im ersten etwa 16 private Münzstätten, 
in denen das Prägegeschäft sich wie jedes andere Handwerk 
mitten im freien Wettbewerb abwickelte und der Schlagschatz in 
verschiedener Höhe erhoben wurde 5 ). Anfangs nun erhielt man 
132 — 133 Pesas für einen Dollar oder Taler, später, wie Burton 

x ) v. d. Decken selbst gibt einen Maria-Theresien-Taler auf 110 bis 132 Pesas, 
ein 5-Frs.-Stück auf 120 Pesas an. 

2 ) Der English East-India-Company. 

3 ) Burton, a. a. O., Bd. I, S. 325. 

4 ) Noback, a. a. O., Artikel Zanzibar. 
6 ) Burton, S. 405 ff. 



— 39 — 

schreibt, nur 98, weil die Geldwechsler die Kupferstücke aufge- 
kauft hatten. Burton selbst zahlte nach seiner Landung im Bazar 
107 — 108 Stücke, an der Küste forderte man 112 — 113. Seyyid 
Said versuchte, einen amtlichen Tarif einzuführen, indem er an- 
ordnete, daß 128 Pesas für einen Dollar gegeben und genommen 
werden sollten. Der Tarif verfehlte wie jener andere, den er aus 
Vorliebe für die Franzosen Guillain zediert hatte, seine Wirkung. 
Nach einem Bericht des britischen Konsuls Rigby 1 ) schwankte 
die Zahl der Pesastücke, welche man für einen Taler hingeben 
mußte, zwischen 110 und 130. Ähnliche Angaben macht v. d. 
Decken. Auch als die indische Rupie den österreichischen und 
amerikanischen Dollar verdrängt hatte, und damit eine Münze den 
Markt beherrschte, welche durch das indische Geldwesen in kon- 
solidierten Beziehungen zum Kupferpesa stand, blieb der Wert 
dieses Stückes schwankend. Der regelmäßigen Versorgung Zan- 
zibars mit Rupien durch die Chartered Bank of India, die jährlich 
mehr als eine Million Rupien einführte 2 ), stand bezüglich der 
Kupferstücke keine ähnliche regulierende Maßnahme gegenüber. 
Kurz vor der endgültigen deutschen Besitzergreifung fing dann 
auch der Sultan an, Pesas auszugeben. Eine französische Gesell- 
schaft hatte die Prägung übernommen. Dadurch wurde der Kurs 
der Kupfermünzen gegenüber der Rupie noch ungünstiger beein- 
flußt als bisher. 

Im Verkehr der Inder mit den europäischen Großfirmen hatten 
sich Dollar und Cent wenigstens als Rechnungseinheiten auch in 
der Rupienzeit noch erhalten; gezahlt wurde freilich auch hier in 
indischer Münze, soweit es nicht durch Anweisungen auf Bombay 
oder andere Plätze geschah 3 ). 



x ) Peez, a. a. O., S. I09f. 

2 ) Deutsche Kolonial-Zeitung, 1889, S. 250. 

3 ) Diese Schilderung der politischen und wirtschaftlichen Zustände in Ostafrika 
war lange abgeschlossen, als Ende 191 2 bei Tetzlaff in Berlin eine Arbeit von 
Schwarze über »Die wirtschaftlichen Verhältnisse im Sultanat Zanzibar vor und nach 
der Errichtung der englischen Herrschaft« erschien. Schwarze kommt in den Haupt- 
punkten zu denselben Ergebnissen wie ich. Die älteren Quellen, namentlich der un- 
gewöhnlich unterrichtete und vielseitige Guillain, wie die englischen Konsulatsberichte 
bleiben bei ihm unberücksichtigt. Auch die Akten der DOAG, denen ich eine Fülle 
von Einzeltatsachen verdanke, konnten von ihm nicht verwertet werden. Im Gegensatz 
zu Schwarze kam es mir darauf an zu zeigen, welche Hemmung und Förderung die 
DOAG als Schutzbriefgesellschaft in den politischen und wirtschaftlichen Zuständen 
Ostafrikas fand; es stehen daher andere Momente im Vordergrund meiner Darstellung. 



IL Abschnitt. 

Die DOAG als Schutzbriefgesellschaft 
(1885—1891). 



i. Kapitel. 

Die DOÄG mit vorwiegend politischem Charakter 
(1885—1887). 

§ i. 
Entwicklung der inneren Verfassung der DOÄG. 

Die Charters oder Oktrois der älteren privilegierten Gesell- 
schaften des 17. und 18. Jahrhunderts regelten mit der Privile- 
gierung zugleich die Verfassung der Körperschaft wenigstens 
in großen Zügen 1 ). Auch darin unterscheidet sich die DOAG 
von den älteren Kompagnien und den modernen englischen 
Chartergesellschaften. Ihr Schutzbrief formulierte die Normen 
ihrer staatsrechtlichen Kompetenz und ließ die Frage der privat- 
rechtlichen Organisation ganz beiseite. In dem Falle der DOAG, 
in welchem die Gesellschaftsverfassung den ganz neuartigen kolo- 
nialen Verhältnissen und Aufgaben anzupassen war, hätte in dieser 
Freiheit ein großer Vorzug liegen können. Er wurde aber von 
der DOAG nicht ausgenützt. Vom direkten Oktroi der Reichs- 
regierung frei, hatte sie die Wahl zwischen einer ganzen Anzahl 
von Unternehmungsformen. Sie konnte eine der eigentlichen 
handelsrechtlichen Organisationsformen annehmen, dann aber stand 
ihr auch die Möglichkeit offen, sich nach Teil II, Titel VI des 
Allgemeinen Landrechts als Korporation zu konstituieren. 

Angesichts dieser Situation entsteht die Frage, warum die 
DOAG nacheinander mehrere dieser Gesellschaftsformen ange- 
nommen hat, jede folgende für ihre Zwecke geeigneter fand als 

x ) Schmoller, Umrisse und Untersuchungen. Leipzig 1898. S. 469^ 



— 4i — 

die vorhergehende und sich doch schließlich wieder einer anderen 
zuwandte. Dies Hin und Her hat manche tüchtige Persönlichkeit 
und große Geldmittel den eigentlichen kolonialen Aufgaben ent- 
zogen, dazu dem Kredit der Gesellschaft und dem Vertrauen der 
Öffentlichkeit in die Solidität der gesamten jungen deutschen 
Kolonialbewegung mehr Abbruch getan als gut war. Veit 
Simon 1 ) sieht die Ursache dieser Erscheinung darin, daß unser 
damaliges Recht keine den besonderen überseeischen Aufgaben 
angepaßte Organisationsform kannte. 

Dem widersprechen doch die Tatsachen. Am 15. April 1885 
schon hatte die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika 
als Korporation nach preußischem Landrecht die Rechte einer 
juristischen Person erhalten. Damit war allen anderen Kolonial- 
gesellschaften der Weg vorgezeichnet und besonders denjenigen 
unter ihnen, welche, wie die DO AG, Hoheitsrechte auszuüben ge- 
dachten. Über gewisse formelle Bedenken der Juristen hatte sich 
die Reichsregierung bzw. die preußische Landesregierung bei der 
Inkorporierung hinweggesetzt, so daß jeder Einwand gegen diese 
Art der Konstituierung beseitigt war. Auch das andere trifft 
nicht zu, daß sich die Form der landrechtlichen Korporation nicht 
bewährt habe. Das ist im Gegenteil der Fall gewesen und zwar 
in einem Maße, daß die Novelle zum Schutzgebietsgesetz vom 
15. März 1888 die Korporationsverfassung auch in die Reichs- 
gesetzgebung hinübernahm und ihr durch Gesetz vom 2. Juli 1899 
sogar noch ein erweitertes Anwendungsgebiet gab; das wird aber 
ferner auch dadurch widerlegt, daß eine größere Zahl von in den 
Kolonien tätigen Gesellschaften, unter ihnen die DO AG, noch 
heute als Korporation unter der Bezeichnung »Kolonialgesell- 
schaften« mit Erfolg arbeitet und keine Klage über ihre Organi- 
sation laut werden läßt. 

Wir sehen im Gegensatz zu Veit Simon die Ursache der 
unsteten Entwicklung, welche die DOAG bezüglich ihrer inneren 
Verfassung durchgemacht hat, darin, daß sie es verschmähte, die 
Form einer Korporation anzunehmen; denn sowohl die Neu-Guinea- 
Kompagnie wie die vorhin genannte Kolonialgesellschaft für Süd- 
westafrika, beides Korporationen, haben ihre Rechtsform niemals 
geändert, und auch die DOAG blieb vor weiteren Erschütterungen 
bewahrt, seit sie am 27. März 1887 ebenfalls eine Korporation 
geworden, war. 

x ) Veit Simon in dem Artikel »Deutsche Kolonialgesellschaften«, Zeitschrift f. 
d. gesamte Handelsrecht, Bd. 34, I. und 2. Heft. 



— 42 — 

Erklären müssen wir freilich noch, wie die DO AG dazu kam, 
sich die unmöglichen, jedenfalls nicht normalen handelsrechtlichen 
Verfassungen zu geben, die Veit Simon in dem zitierten Artikel 
zunächst beschreibt und dann zu klassifizieren versucht. In den 
folgenden Ausführungen wollen wir zeigen, daß dabei im wesent- 
lichen zwei Eigentümlichkeiten der Gesellschaft mitgewirkt haben, 
die bei den beiden anderen Hoheitsgesellschaften niemals auf- 
getreten sind und darum keine Hemmungen in ihrer Entwicklung 
zeitigen konnten. Es ist dies einmal die bunte Zusammensetzung 
der »Aktionäre« der DO AG, verschieden nicht nur an Interessen 
und Plänen, sondern vor allem hinsichtlich der Größe ihres finan- 
ziellen Engagements; es ist dies sodann das unverkennbare und 
mehrfach ausgesprochene Bestreben des Leiters Dr. Peters, eine 
Organisation zu wählen, die alle Kräfte des Unternehmens, die 
Mittel wie die Personen, möglichst von einer im Zentrum stehenden 
Persönlichkeit abhängig machte, um so den stärksten Effekt und 
die denkbar größte Stoßkraft in den afrikanischen Aspirationen 
zu erzielen. Namentlich das letztere aber schien in einer durch 
die Korporationsverfassung demokratisch organisierten Gesellschaft 
unerreichbar, in der auf Generalversammlungen oder bei anderen 
Gelegenheiten die Mehrzahl der »Aktionäre« die Bestimmung über 
die Geschicke der Gesellschaft in die Hand bekam. 

Der Schutzbrief hatte die Verträge, welche mit den afrikanischen 
Häuptlingen in den vier bekannten Landschaften abgeschlossen 
worden waren, vollinhaltlich anerkannt. Demgemäß standen der 
zu bildenden Gesellschaft in den fraglichen Gebieten nicht nur die 
Hoheitsrechte zu, sondern auch das ausschließliche Eigentumsrecht 
am Grund und Boden, von unwesentlichen, in den Verträgen ge- 
nannten Ausnahmen abgesehen. Wer, das war zunächst die Frage, 
war der Eigentümer dieser Rechte: Die Gesellschaft für deutsche 
Kolonisation, welche namentlich als Inhaberin der Rechte im 
Schutzbrief genannt war, oder die Geldgeber, mit deren Mitteln 
die Expedition überhaupt erst hatte ausgerüstet werden können? 

Laut Satzungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation 
(§ V, 3) hatte »der Ausschuß alle inneren und äußeren Angelegen- 
heiten der Gesellschaft selbständig zu erledigen«. Und weiter: 
»Er faßt bündige Beschlüsse über alles, was den Zweck der Ge- 
sellschaft fördern kann, und hat das Recht, rechtsgültige Verträge 
im Namen der Gesellschaft zu schließen. Er verfügt für die 
Zwecke der Gesellschaft über die eingegangenen Gelder«. Ferner 
konnte kein Mitglied auf Grund der gezahlten Mitgliedsbei- 



— 43 — 

träge irgendwelche Eigentumsansprüche an etwa erworbenen kolo- 
nialen Ländereien bei der Gesellschaft geltend machen. Man hatte 
lediglich Rechenschaft darüber zu fordern, daß die aus den Mit- 
gliederbeiträgen aufgesammelten Gelder keine Verwendung fanden, 
welche den Vereinssatzungen zuwiderlief. Darauf gestützt, schloß 
man die Gesellschaft für deutsche Kolonisation als solche und ihr 
Vermögen soweit, als es aus regelmäßigen Beiträgen der Mitglieder 
bestand, von der zu gründenden Erwerbsunternehmung aus, und 
rechtfertigte den Schritt späterhin damit, daß »der Ausschuß den 
Geldgebern gegenüber die Verpflichtung anerkenne, das durch ihr 
Geld erworbene und ihnen vorzugsweise gehörige Land von dem 
Einfluß der Gesellschaft, deren Mitgliedschaft durch einen Beitrag 
von 5 Mk. erreichbar sei und sonst keine Verpflichtungen auf- 
erlege, unabhängig zu machen« 1 ). 

Der Schritt war formell durchaus zulässig. Sieht man aber 
von dem formalrechtlichen Gesichtspunkte ab und. betrachtet die 
Wirkung der Maßregel, so könnte man zu dem Urteil kommen, 
daß sie immerhin bedauerlich bleibt. Gerade darin hatten wir 
schon in den ersten Erörterungen eine Eigentümlichkeit der DO AG 
gesehen, daß sie auch den weniger bemittelten, aber doch für 
Kolonialfragen interessierten Kreisen der Nation Gelegenheit gab, 
unmittelbar an der deutschen Kolonisationsarbeit teilzunehmen. 
Als man im März 1885 daran ging, die Gesellschaft für deutsche 
Kolonisation als solche von der finanziellen Beteiligung an dem 
ins Leben zu rufenden Unternehmen auszuschließen, verließ 
man jenes bisher beachtete Prinzip zum ersten Male. Es steht 
dabei gar nicht zur Diskussion, ob der Entschluß etwa im Interessse 
einer finanziellen Gesundung und sicheren Fundierung des Unter- 
nehmens lag. Das ist möglich, aber nicht zu beweisen. Sicher 
ist nur, daß weiten Kreisen der Nation die Verbindung mit der 
DO AG und das unmittelbare Interesse an dem Schicksal der Ko- 
lonie genommen wurde. Dr. Peters hat noch im Jahre 1887 in 
Heimatsberichten immer wieder betont, daß die DO AG eigentlich 
durch die größere Zahl von Kleinkapitalisten, welche Anteilscheine 
der Gesellschaft in Händen hatten, ein Unternehmen ganz anderer 
Art sei, als etwa die Neu-Guinea-Kompagnie, deren Aktien sich 
im Besitze einiger weniger Finanziers, wie Hansemanns, befanden. 
Das traf in gewissem Umfange damals auch noch zu, hätte aber 
in ganz ändern Ausmaßen bestehen und vielleicht der charakte- 



x ) Zitiert bei Veit Simon, a. a. O., S. 96 ff. 



— 44 — 

ristische Zug des Unternehmens auf die Dauer werden können, 
wenn man sich im März 1885 nicht zum Ausschluß der Gesell- 
schaft für deutsche Kolonisation als solcher entschlossen hätte. 

Aus den Geldgebern, den kleinen und den großen, wurde ein 
Konsortium gebildet, auf das alle Rechte aus den abgeschlossenen 
Verträgen übergingen. Es bestand aus den Eigentümern der An- 
teilscheine a 50, 500 und 5000 Mk. Dazu kamen noch die so- 
genannten Klein- oder Fondszeichner, denen in dem Aufruf, der 
an sie ergangen war, versprochen war: »Sobald die Gesellschaft 
als solche die Rechte einer juristischen Person erlangt hätte, würde 
auch für die kleineren Beiträge, je nach der Höhe des Betrages, 
ein entsprechender Anteil Land entfallen«. Neben den oben ge- 
nannten Anteilscheinen auf runde Summen gab es also noch eine 
größere Anzahl, die auf die verschiedensten Beträge bis zur Höhe 
von 50 Mk. lauteten. Ihre Vielgestaltigkeit ist eine der Ursachen, 
die in der Folge öfters hemmend auf die Entwicklung der Gesell- 
schaft wirkten. 

Der Ausschuß der Gesellschaft für deutsche Kolonisation beauf- 
tragte am 12. Februar 1885 fünf Herren, Dr. Peters, Graf Behr-Ban- 
delin, Dr. Lange, Hofgartendirektor Jühlke und Konsul Roghe, 
mit der Organisierung jener Anteilscheininhaber. Sie bildeten im 
Laufe des Monats Februar eine »Deutsch-Ostafrikanische Gesell- 
schaft« x ), deren Struktur sich leider nur in den allgemeinsten Zügen 
ermitteln läßt. Die eigentlichen Mitglieder waren nur jene fünf Herren. 
Sie bildeten, wie es in einer bei Wagner mitgeteilten Erklärung 
heißt, eine »offene Gesellschaft«, zu der die Inhaber der Anteil- 
scheine wie Interessenten, d. h. »stille Teilnehmer«, standen. Die 
fünf Herren, in ihrer Gesamtheit Direktorium genannt, obwohl sie 
doch die »Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft« bildeten, »konsti- 
tuierten sich als Gesellschaft mit Haftung sämtlicher Mitglieder. 
Die Anteilscheininhaber aber und solche Personen, welche ferner- 
hin Anteilscheine nehmen würden, sollten mit den fünf Mitgliedern 
des Direktoriums als stille Teilnehmer in ein Vertragsverhältnis 
treten, das seinen Ausdruck eben durch den von sämtlichen Direk- 
toren unterzeichneten Anteilschein erhält« 1 ). Sie hafteten nur mit 
ihrem Anteil, ernannten eine Kontrollkörperschaft von fünf Mit- 
gliedern und hatten im übrigen keine anderen Rechte als die von 
Gläubigern; ihr Unternehmercharakter war jedenfalls recht pro- 
blematischer Natur. Die Degradation der Anteilscheininhaber zu 



J ) Wagner, a. a. O., S. 77f. 



— 45 — 

»stillen Teilnehmern« und »Interessenten« einerseits und die Aus- 
stattung des »Direktoriums« mit der »Ausübung« der in Afrika 
erworbenen Rechte fast allein und ausschließlich auf der anderen 
Seite gibt der Verfassung eine aristokratische Tendenz, die man 
mit den besonderen afrikanischen Aufgaben, vor allem der Un- 
übersichtlichkeit der Verhältnisse für einen weiteren Kreis, recht- 
fertigte. 

Außer den bestehenden Anteilscheinen wurden weitere in 
Höhe von 500 bzw. 1000 Mk. ausgegeben. 

Schon nach ca. fünf Wochen erhielt diese »Deutsch-Ostafrika- 
nische Gesellschaft« eine andere Struktur. Das Direktorium kon- 
stituierte sich nunmehr als eine Kommanditgesellschaft unter dem 
Namen »Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft Carl Peters und Ge- 
nossen«. Graf Behr-Bandelin trat aus dem Direktorium aus, so 
daß die Kommanditgesellschaft nur aus vier Personen bestand, von 
denen nur ein Mitglied Kommanditist war 1 ). Das Verhältnis der 
Anteilscheininhaber zu diesem Direktorium blieb dasselbe wie in 
der vorigen Gesellschaft, d. h. sie galten als stille Teilhaber. In 
dieser Änderung zeigt sich die Neigung zur Zentralisation noch 
in verstärktem Maße. Sie fand ihren prägnantesten Ausdruck 
übrigens darin, daß Dr. Peters in einem Revers, in dem er sich 
verpflichtete, nichts ohne Übereinstimmung mit den Mitgliedern 
des Direktoriums zu unternehmen 2 ), Generalvollmacht in der ad- 
ministrativen und politischen Leitung der Gesellschaft erhielt. 

Eine Neuregelung der Geschäftsführung wurde schon am 
9. Mai notwendig. Neben dem Posten eines Verwaltungschefs 
bestanden die beiden anderen eines Finanzdirektors und Handels- 
direktors, welche Dr. Lange bzw. Konsul Roghe übertragen 
worden waren. Sie wurden wieder aufgehoben, weil sich für 
keines der Ressorts eine entsprechende Tätigkeit finden wollte. 
Zum mindesten galt das von dem Amt des Handelsdirektors; 
denn Konsul Roghe zog sich bald darauf gänzlich von der Ge- 
sellschaft mit der Begründung zurück, daß eine »Verwirklichung 
der geschäftlichen Ausbeutung der neuen Kolonie durch die mit 
dem Sultanat Zanzibar ausgebrochenen Differenzen einstweilen 
nicht zu erwarten sei« 3 ). So blieb denn Dr. Peters als Verwal- 
tungschef der einzige leitende Beamte der Gesellschaft. Er ist es, 
der die »Politik der Überstürzung«, der Ausdehnung des ostafri- 

x ) Veit Simon, a. a. O., S. ioo. 

2 ) Peters, a. a. O., S. no. 

3 ) Wagner, a. a. O., S. 98. 



— 4 6 - 

kanischen Besitzes, welche die Tätigkeit der Kommanditgesell- 
schaft kennzeichnet, inscenierte und damit diejenige Arbeit ge- 
leistet hat, zu der die Gesellschaft historisch allein berufen und 
auch befähigt war. 

Mitte Juli 1885 trat Karl von der Heydt, Chef des Elber- 
felder Bankhauses v. d. Heydt, Kersten & Söhne, als Komman- 
ditist in das Direktorium »Kommanditgesellschaft Carl Peters und 
Genossen« ein, und damit nimmt die Geschichte der Gesellschafts- 
verfassung eine neue Wendung. Hatte die Sache Ostafrikas an- 
fänglich in den Händen der Nation gelegen oder stand doch we- 
nigstens durch Zahlung eines geringfügigen Jahresbeitrages den 
breitesten Schichten die direkte Teilnahme an praktischer kolonial- 
politischer Tätigkeit offen, so ging die Kolonie mit der Kom- 
manditgesellschaft an einen kleineren Kreis bemittelter Patrioten 
über, die ihrerseits schließlich großkapitalistischen Kaufleuten den 
Platz räumen mußten. Diese letzte Episode bereitete sich mit 
dem Eintritt v. d. Heydts vor, der, von Dr. Lange unterstützt, 
schon am 7. September 1885 im Direktorium den Antrag ein- 
brachte, »die heutige Gesellschaftsform aufzugeben und im Prinzip 
zu beschließen, eine korporative Form anstatt ihrer zu wählen, in 
welcher die Gesamtgesellschaft Trägerin der Gesellschaftsrechte 
wird« 1 ). Der Antrag wurde angenommen, jedoch in seiner weit- 
tragenden Bedeutung zum Teil durch gleichzeitige Annahme der 
folgenden Anträge Dr. Peters' paralysiert: »1. Die bestehenden 
Rechte des Direktoriums und einzelner Gesellschafter sind für die 
Umgestaltung zu berücksichtigen und als Vorrechte statutarisch 
festzustellen. 2. Den gegenwärtigen Satzungsentwurf mit seiner 
aristokratischen Tendenz für die Ausübung der Gesellschaftsrechte 
dem neuen Statut zugrunde zu legen, denselben indes nach dem 
Vorbilde der Satzungen der Südwestafrikanischen Gesellschaft 
formell und nach Bedarf auch materiell umzuarbeiten. 3. Als 
Grundzüge der Verfassung der Deutsch-Ostafrikanischen Gesell- 
schaft festzuhalten, daß eine Direktionskörperschaft von etwa 
15 Personen auf eine näher zu bestimmende Reihe von Jahren 
durch Wahl der Hauptversammlung mit der Ausübung der Ge- 
sellschaftsrechte zu betrauen sei. Neben dieser aber ist einer 
Kontrollkörperschaft, welche jährlich aus der Hauptversamm- 
lung zu wählen ist, die Vertretung der speziell finanziellen Inter- 
essen der Gesellschaftsmitglieder zu überlassen und ihr zu dem 



*) Wagner, a. a. O., S. 99. 



— 47 — 

Behuf eine kalkulatorische Kontrolle und ein gewisser Einfluß 
auf die Bestimmung einer etwaigen Dividende einzuräumen. Von 
der Direktionskörperschaft ist eine Verwaltung einzusetzen mit 
genügenden Kompetenzen, um eine einheitliche und starke Exe- 
kutive darzustellen.« Man merkt diesen Anträgen an, daß sie 
sich gegen die Demokratisierung der Gesellschaftsverfassung, wie 
sie der Antrag v. d. Hey dt befürchten ließ, wenden. Sie um- 
schreiben zudem nur mit anderen Worten den bestehenden Zu- 
stand und weichen nur an wenigen unerheblichen Stellen 
davon ab. In diesem Widerstreit Peters- v. d. Hey dt, der 
noch im Jahre 1887 in den Petersschen Vorschlägen zur 
Reorganisation der Geschäftsführung, die häufig in den Be- 
richten von Zanzibar aus gemacht wurden, nachklang, in diesem 
Kampfe aristokratischer und demokratischer Tendenzen standen 
eigentlich die politischen Interessen der DOAG gegen ihre 
wirtschaftlichen im Kampf. Ihr Interesse als Hoheitsgesell- 
schaft forderte strikte Bindung aller verfügbaren Mittel unter 
einen souveränen Willen, eine Tatsache, die ihren wunder- 
lichsten Ausdruck wohl in jenem Direktorium »Kommandit- 
gesellschaft Carl Peters und Genossen«, das sich seinerseits 
wieder in der Generalvollmacht an Dr. Peters jeder Initiative ent- 
hielt, fand. Das Interesse der finanzierenden Geldleute aber ver- 
langte eine Kontrolle und darüber hinaus tätige Mitwirkung bei 
der Verwendung ihrer Kapitalien, die einer zentralistisch-aristo- 
kratischen Organisation gefährlich werden mußte. Als die Mittel 
der Kommanditgesellschaft zur Neige gingen, war der Augenblick 
gekommen, in welchem das Interesse des Kapitals die Vormacht 
gewinnen mußte. 

Auf den v. d. Heydtschen Antrag vom 7. September 1885 
folgte am 3. Dezember desselben Jahres der Beschluß des Direk- 
toriums, die bisher ausgegebenen Anteilscheine der Kommandit- 
gesellschaft einzulösen und zwar zu Kursen von 120 für Zeich- 
nungen im Höchstbetrage von 100 Mk., zu Kursen von 1 10 bzw. 100 
für alle übrigen 1 ), differenziert nach dem Gesichtspunkt des kürzeren 
oder längeren Engagements. Das bedeutete die Abfindung der 
kolonialfreundlichen Patrioten, welche bisher das deutsch-ostafri- 
kanische Unternehmen finanziert hatten und zielte insbesondere 
auf die Beseitigung aller Inhaber von kleinen Anteilscheinen 
a 50 Mk. und weniger. Seine kaufmännisch-großkapitalistische 



*) Kolonial-Politische Korrespondens, 2. Jahrg. 1886, Nr. I. 



- 4 8 - 

Tendenz ist unverkennbar 1 ). Es muß aber festgestellt werden, 
daß beiden Teilen damit geholfen wurde: jenen Patrioten finanziell, 
die ihr schon verloren gegebenes Geld mit teilweiser Verzinsung 
von ca. 13% und 6%% zurückerhielten, und der DO AG ge- 
schäftlich, deren breitere finanzielle Basierung auf den trag- 
fähigeren Schaltern des Großkapitals nur unter der Voraussetzung 
möglich war, daß die kleinsten Anteilzeichner beseitigt wurden. 
Es ist in mancher Hinsicht bezeichnend, daß die Maßregel jedoch 
nur geringen Erfolg hatte, so daß fast ein ganzes Jahr später alle 
Inhaber von Anteilscheinen von weniger als 10 000 Mk. (!) noch 
einmal aufgefordert wurden, ihre Anteile einzulösen 2 ). Es wurden 
diesmal sogar Aufschläge von 50, 35, 25% je nach dem Zeitpunkt 
der Einzahlung geboten, was einer Verzinsung von etwa 25% im 
Jahr entsprach. Dies geschah zu einer Zeit, als die Finanzierung 
der Korporation im vollen Zuge war und beweist, wie viel den 
Großkapitalisten daran gelegen war, die kleinen Zeichner auszu- 
schalten. 

Der bedeutungsvollste Schritt in der Richtung auf die Demo- 
kratisierung der Organisation wurde am 20. März 1886 mit der 
Löschung der Kommanditgesellschaft im Handelsregister nach 
kaum einjährigem Bestehen vollzogen, nachdem diesbezügliche Be- 
schlüsse schon am 14. Dezember 1885 in einer Hauptversammlung 
gefaßt worden waren. Alle Rechte und Pflichten der Kommandit- 
gesellschaft gingen zunächst an ein provisorisches Syndikat 
»Deutsch -Ostafrikanische Gesellschaft« über, dessen vornehmste 
Aufgabe war, die notwendigen Schritte zur Bildung einer Kor- 
poration nach preußischem Landrecht zu tun. Das Syndikat nahm 
von vornherein nur noch Zeichnungen in Höhe von mindestens 
10 000 Mk. auf 3 ). Die gesamte Leitung hatte Dr. Peters mit dem 
Titel Syndikus. Die Anteilscheininhaber delegierten eine Anzahl 
von Bevollmächtigten, die neben dem Leiter standen, in das Syn- 
dikat. Die Kalkulationen und die Entgegennahme der Zeich- 
nungen wurde dem Bankhause v. d. Hey dt, Kersten & Söhne 
übertragen 4 ). 

1 ) Damals traten Delbrück, Oechelhäuser, Langen und Mendelssohn, 
sowie einige Mitglieder des Hofadels in Beziehungen zur DOAG. Vgl. darüber Kolonial- 
Politische Korrespondenz, 1886, Nr. 10 und die Mitteilungen v. Poschingers in der 
Zeitschrift für Kolonialpolitik usw., 1908. 

2 ) Kolonial -Politische Korrespondenz v. 27. November 1886, 2. Jahrg., Nr. 48, 
Beilage. 

3 ) Kolonial-Politische Korrespondenz v. 2. Januar 1886, 2. Jahrg., Nr. I. 

4 ) Mitgeteilt bei Wagner, a. a. O., S. 99 ff- 



— 49 — 

Die Vorbereitungen zur Bildung der Korporation »DOAG« 
machten nur langsame Fortschritte. Mancherlei Umstände mögen 
dazu beigetragen haben. So nahm die Aufstellung der Satzungen, 
die eine Berücksichtigung der neuartigen, den beteiligten amt- 
lichen und privaten Kreisen unbekannten kolonialen Verhältnisse 
erforderte, viel Zeit in Anspruch. Vor allem aber zeigte das 
Großkapital, welches nach Erschöpfung der bisherigen Quellen 
zur Finanzierung herangezogen wurde, eine starke Zurückhaltung 
von diesem kolonialen Engagement. Die Unklarheit über die 
Grenzen des deutschen Interessengebietes und die noch nicht 
abgeschlossenen Verhandlungen mit England taten ein übriges. 
Erst als sich die Seehandlung mit 500000 Mk., also 50 bei- 
tragspflichtigen Anteilen, beteiligt hatte, und die Zusammen- 
ziehung der kleineren Anteile zu Stücken von mindestens 200 Mk. 
gelungen war, zeigte das Großkapital ebenfalls mehr Interesse. 
Nach Dr. Peters 1 ) soll auch die persönliche Verwendung des 
Fürsten Bismarck von Einfluß auf die günstigere Haltung ge- 
wesen sein. 

Die geringe Aktionsfähigkeit des Syndikats in den eigentlich 
kolonialen Angelegenheiten, wie seine fast ausschließliche Be- 
schäftigung mit Organisationsfragen und Finanzierungsproblemen 
brachte die Sache der Kolonie nahezu zum Stillstand. Der An- 
fang 1886 erreichte Status ist wesentlich weder in wirtschaftlicher, 
noch in politischer Hinsicht während der Dauer des Syndikats er- 
weitert worden. Frisch hatte ehemals die Gesellschaft für deutsche 
Kolonisation die Gründung der Kolonie durchgeführt, und auch 
die Kommanditgesellschaft hatte sich noch fähig gezeigt, das 
Schutzgebiet territorial weiter zu entwickeln 2 ). Beide waren 
private Körperschaften gewesen, beide aber waren nicht nach ge- 
schäftlichen, sondern vorwiegend nach patriotischen und nationalen 
Gesichtspunkten orientiert gewesen und hatten dementsprechend 
nach Verzinsung und Rentabilität wenig gefragt. Mit dem Syn- 
dikat, d. h. mit dem Vorbereitungsstadium der DOAG, kamen 
kaufmännische Grundsätze, welche mit dem Namen v. d. Hey dt 
in der Kommanditgesellschaft zum ersten Male aufgetreten waren, 
endgültig zum Durchbruch. Es wäre falsch, wollte man für diese 
Wendung eine einzelne Persönlichkeit verantwortlich machen; sie 
lag ganz und gar in der Sache selbst, die in dem Stadium, in 
welches sie. mit den großen Erwerbungsexpeditionen und schließ- 

J ) Peters, a. a. O., S. 147 ff. 

2 ) Kolonial-Politische Korrespondenz Nr. 24 vom 26. Dezember 1885. 
Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft 1. 4 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, 



— 5 o — 

lieh mit der Schaffung einer deutschen Interessensphäre im Ver- 
trage mit England eingetreten war, Kapital und abermals Kapital 
forderte, an die nationale Opferfreudigkeit also Forderungen hätte 
stellen müssen, die schlechterdings nicht zu befriedigen gewesen 
wären. Das von Peters zitierte Wort 1 ) des späteren Kolonial- 
direktors Dr. Kayser, in welchem Dr. Peters, v. d. Hey dt und 
Delbrück als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der DOAG 
bezeichnet wurden, trifft den Nagel auf den Kopf, sofern sich in 
diesen Namen die Entwicklung der Gesellschaft aus einem politi- 
schen zu einem kaufmännischen Unternehmen manifestiert. 

Am 27. März 1887 wurden der DOAG vom König von 
Preußen die Korporationsrechte verliehen. Als dann durch Gesetz 
vom 15. März 1888 Korporationen auch nach Reichsrecht möglich 
wurden, beschloß die DOAG die Umwandlung in eine solche und 
benutzte die Gelegenheit, um die Befugnisse des Vorstandes gegen- 
über dem Verwaltungsrat in etwas zu erweitern und dadurch die 
Organisation etwas straffer zu gestalten, während sie sonst in 
wesentlichen Punkten unverändert blieb. Die Erteilung der Kor- 
porationsrechte durch den Bundesrat wurde am 18. September 1889 
im Deutschen Reichsanzeiger veröffentlicht. 

§ 2. 
Sicherung und Erweiterung des Schutzbriefgebietes. 

Die rege Anteilnahme, welche die Reichsregierung an den 
Erwerbungen der Gesellschaft für deutsche Kolonisation nahm, 
kam noch vor Erteilung des Schutzbriefes durch die Entsendung 
von Dr. Gerhard Rohlfs als Generalkonsul nach Zanzibar zum 
Ausdruck. Er traf am 27. Januar 1885 dortselbst ein und über- 
nahm am folgenden Tage die Geschäfte. Es ist eine Tatsache, 
die für die Beurteilung der Situation in Ostafrika von nicht ge- 
ringer Bedeutung ist, daß nun die Reichsregierung alle politischen 
Maßnahmen gegen den Sultan in ihre starke Hand nahm, be- 
herrscht von der Vorstellung, daß die DOAG dem Sultan und 
seinen europäischen Hintermännern nicht gewachsen sei. Diese 
vollauf gerechtfertigte Einschätzung der politischen Lage hat sich 
leider nicht die Jahre hindurch im Programm der Reichsregierung 
erhalten. Es wäre sonst konsequent gewesen, die DOAG von 
anderen als privatwirtschaftlichen Beziehungen zum Sultan fern zu 
halten. Fürs erste jedoch galt das Sultanat dem Kanzler als eine 

J ) Peters, a. a. O., S. 152L 



— 5i — 

»Macht«, gegen deren eventuelle Übergriffe und Angriffe er ver- 
sprochen hatte, die Interessen der Gesellschaft in völkerrechtlichen 
Formen zu vertreten. In dieser tatsächlichen Anerkennung des 
Sultanats als ein den Mitgliedern der Völkerrechtsgemeinschaft 
gleichwertiges Staatswesen liegt die Quelle der schweren Verwick- 
lungen, in welche die DO AG späterhin geraten sollte. 

An sich hatte das Sultanat weder nach seiner kulturellen 
Entwicklung, noch nach seiner Machtstellung ein Anrecht darauf. 
Der Umstand aber, daß Frankreich und England im Jahre 1862 
ihm die Unabhängigkeit garantiert hatten, und der andere, daß 
England sich finanziell in Ostafrika bereits stark engagiert hatte, 
machten das Sultanat für Bismarck, der wegen kolonialer An- 
gelegenheiten keine Schwierigkeiten mit europäischen Großmächten 
wollte, zu einem »noli me tangere«. So war faktisch das Sultanat 
von Englands Gnaden ein Staat, dem man mit Schutzverträgen, 
wie sie mit den innerafrikanischen Negerhäuptlingen abgeschlossen 
v/orden waren, nicht beikommen konnte. Es wiederholte sich hier 
in Ostafrika der in der Weltpolitik so häufig beobachtete Vorgang, 
daß ein machtloses exotisches Staatswesen internationale Geltung 
erhält, weil die europäischen Interessenten im Augenblick weder 
den Mut noch die Gelegenheit fanden, an eine Aufteilung heran- 
zutreten. 

Diese Situation bestand auch fort, als die DOAG im Jahre 
1887 direkt mit dem Sultan wegen des Küstengebietes zu ver- 
handeln begann. Bis dahin aber war die Gesellschaft von diplo- 
matischen Sorgen frei und konnte ihren ganzen wagemutigen 
Tatendrang in anderer. Richtung entfalten. Das geschah denn 
auch. Sie führte mit viel Geschick auf einer ganzen Anzahl von 
Expeditionen die Erwerbung von Territorien auf Kosten der un- 
abhängigen Negerhäuptlinge des Innern durch. Einer solchen 
Aufgabe hatte sie sich bereits auf der Usagara-Expedition ge- 
wachsen gezeigt. 

So gliedert sich die Bearbeitung der Periode von der Er- 
teilung des Schutzbriefes bis zur Konstituierung der DOAG als 
Korporation in zwei Teile: Die Erweiterung des Schutzbrief- 
gebietes durch die Expeditionen der DOAG und seine Sicher- 
stellung gegen die Ansprüche des Sultans durch die Tätigkeit der 
Reichsregierung. 



— 52 — 

a) Erweiterung des Territorialbesitzes der DOAG 
durch eigene Expeditionen. 

Die Tätigkeit der DOAG in Ostafrika während der Jahre 
1885/87 ist dem rein politischen Ziele gewidmet gewesen, das 
Schutzbrief gebiet durch Neuerwerbung von Territorien zu ver- 
größern. Es ist nur ganz gelegentlich auch zu wirtschaftlichen 
Maßnahmen gekommen, die aber auch dann noch nur keimhaft 
in den allerersten Anfängen stecken blieben. Es ist die Zeit der 
Erwerbungsexpeditionen, die »Periode des Flaggenhissens«, wie 
sie oft ironisch von gegnerischer Seite genannt worden ist. Schon 
oben wurde angedeutet, daß Gesellschaft und Regierung, wenn 
nicht formell, so doch tatsächlich eine Abgrenzung ihrer politischen 
Arbeitsgebiete vornahmen. Fürst Bismarck stellte sich vor das 
neue Schutzbrief gebiet gegen den Sultan und verstand es, die 
Grenzen des Territoriums und darüber hinaus einer deutschen 
Interessensphäre mit den Mitteln der Diplomatie festzulegen. Die 
DOAG dagegen suchte ihr Tätigkeitsfeld unter den Negerhäupt- 
lingen des Innern, denen internationale Geltung auch nur im Sinne 
des Sultans von Zanzibar nicht zukam und für die sich demgemäß 
kaum ein europäischer Staat zu eventueller Intervention veranlaßt 
sah. In diesen Territorien schuf sie fast ungestört neue deutsche 
Rechtsansprüche. Die Teilung der politischen Arbeitsgebiete kommt 
auch in den seinerzeit viel gebrauchten Bezeichnungen »Zanzibar- 
Krisis«, an welcher deutscherseits allein die Reichsregierung be- 
teiligt war, und »Politik der Überstürzung«, welche die DOAG 
mit ihren zahlreichen Erwerbungsexpeditionen betrieb, zu charakte- 
ristischem Ausdruck. 

Die Ereignisse in den beiden Arbeitsgebieten blieben natür- 
lich nicht ohne Einfluß aufeinander. In diesem Umstand liegt die 
Schwäche, aber auch die Stärke des Verfahrens. Als im Dezember 
1885 die deutsch-französisch-englische Grenzkommission ihre Ar- 
beiten begann, hörten die Erwerbungsexpeditionen der DOAG im 
wesentlichen auf. Ein Zusammenhang ist unverkennbar und er- 
klärt sich wohl daraus, daß eine Fortsetzung der Expeditionen als 
eine versuchte Beeinflussung der Kommission hätte erscheinen 
müssen, ein Effekt, den Bismarck wohl vermieden wissen wollte. 
Die zwölfte und dreizehnte, die Sabaki- und Gasi-Expedition, welche 
von der Gesellschaft dennoch gerade in das Untersuchungsgebiet 
der Kommission entsandt wurden, und die auf ihnen abgeschlos- 
senen Verträge wurden denn später auch nicht als vollgültig an- 



— 53 — 

erkannt, vielmehr ein großer Teil dieser Territorien den Englän- 
dern zugesprochen. Schon im Anfang der Zanzibarkrisis waren 
die Dispositionen der DOAG bezüglich des Tätigkeitsgebietes 
ihrer Erwerbungsexpeditionen wesentlich beeinflußt worden. In 
den Monaten Februar, März, April 1885 glaubte man in den 
leitenden Kreisen der Gesellschaft, die Expeditionen hauptsächlich 
in das Hinterland des Schutzbrief gebietes, in die Hochebenen 
zwischen den drei großen Seen, entsenden zu müssen. Als dann 
die Unternehmungen des Sultans von Zanzibar in Lamu und 
namentlich in dem Gebiet des Kilimandscharo bekannt wurden, 
als die englische Regierung ferner der deutschen mitteilte, daß 
englische Unternehmer den Bau einer Bahn von Mombas zum 
Kilimandscharo beabsichtigten, Tatsachen, die die Zanzibarkrisis 
einleiteten, verlegte die DOAG ihr Tätigkeitsgebiet mit der fünften 
Expedition, der sogenannten ersten Kilimandscharo-Expedition 
aus dem Hinterlande in die Küstengebiete vom Rovuma bis zum 
Kap Guardafui und Bender Gasen 1 ). 

Doch die Expeditionen der DOAG hatten ihrerseits auch 
wieder Einfluß auf die Intentionen der Reichsregierung. Die 
zahlreichen Erwerbungen der Gesellschaft schufen die Grundlage 
für die Abgrenzung der deutschen und englischen Interessen- 
gebiete im Londoner Abkommen vom 1. November 1886 und 
bildeten hier und da auch Kompensationsobjekte, wo wider- 
streitende Interessen der beiden Regierungen einen Ausgleich 
nötig machten. In diesen Momenten liegt die Rechtfertigung 
jener oft geschmähten »Politik der Überstürzung«. Sie zeitigte 
in mancher Beziehung nicht neue Reibungspunkte zwischen Eng- 
land, Frankreich und Deutschland, sondern schuf vielfach Gelegen- 
heiten, die vorhandenen Unstimmigkeiten zu beseitigen. Die 
territoriale Abrundung unserer ostafrikanischen Kolonie, die sie 
so vorteilhaft von Togo, Kamerun und auch Südwest unterscheidet, 
ist nicht weniger eine Folge jener Expeditionspolitik. Ja, man 
kann so weit gehen, in ihr die koloniale Tat par excellence, die 
der DOAG gelungen ist, zu sehen. Die Reichsregierung hätte 
von sich aus eine solche Erwerbungspolitik nie durchführen 
können, was in den internationalen Beziehungen der großen 
Völker und in der Eigenart unserer modernen völkerrechtlichen 
Denkungsweise und Weltpolitik begründet ist. Eine Privatgesell- 
schaft aber, wie die DOAG, ohne völkerrechtliches Gewissen, 



*) Siehe weiter unten die Übersicht über die Expeditionen. 



— 54 — 

deren Erfolge oder Mißerfolge nicht gleich das Schicksal einer 
ganzen Nation aufs Spiel setzten, war besonders geeignet, jene 
Politik zu vertreten, die einer weltpolitischen Spekulation gleich- 
kam. Auf Vorposten in der deutschen Kolonialpolitik gestanden 
und diesen Platz mit Auszeichnung behauptet zu haben, darin 
gipfelt das geschichtliche Verdienst und die historische Recht- 
fertigung der DOAG. 

Im ganzen sind nach der Kolonial-Politischen Korrespondenz x ) 
18 Expeditionen in den Jahren 1884, 1885 und 1886 ausgerüstet 
worden, deren größter Teil, nämlich die Expeditionen 2 bis 14, in 
die Zeit fällt, als die DOAG eine Kommanditgesellschaft auf Aktien 
war und die Zanzibarkrisis noch schwebte. Nur eine dieser 18 Ex- 
peditionen, die 17., war eine Explorations-Expedition. Sie wurde 
von einem Geologen geführt und galt der Erforschung des ur- 
sprünglichen Schutzbriefgebietes im Herbst 1886. Alle übrigen 
dienten der Erwerbung neuer Landschaften; sie führten nur in 
wenigen Fällen auch zur Anlage einer Station; einige verliefen 
völlig ergebnislos. Mit der Art dieser Expeditionen ist der poli- 
tische Charakter der Tätigkeit der DOAG während der in Frage 
stehenden Periode bewiesen. 

Nach der angeführten Stelle in der Kolonial-Politischen Korre- 
spondenz gebe ich eine Übersicht der Expeditionen: 

1. Erste Usagara Expedition. Ausfahrt am 1. Oktober 1884. 
Resultat: Erwerbung der Landschaften Useguha, Nguru, 
Usagara, Ukami. 

2. Zweite Usagara-Expedition. Ausfahrt am 24. Februar 1885. 
Sie führte zum Ausbau der Sima-Station, welche Graf 
Pfeil in Usagara nahe Muininsagara angelegt hatte. 

3. Tana-Expedition. Ausfahrt am 24. März 1885. Sie scheiterte 
an dem Widerstand des Sultans von Zanzibar, welcher 
damals gegen die deutsche Protektorats-Erklärung über 
Witu remonstrierte. 

4. Nyanza-Expedition. Ausfahrt am 21. April 1885. Die Er- 
krankung des Führers verhinderte die Durchführung. 

5. Erste Kilimandscharo-Expedition. Abgang von Zanzibar 
im Mai 1885. Sie war gegen die Expedition des Sultans 
in dieselben Gegenden gerichtet und führte zur Erwerbung 
von Usambara, Bondei, Pare, Aruscha, Dschagga, Kahe 
Ugeno. 

a ) Kolonial-Politische Korrespondenz, 3. Jahrg. 1887, Nr. 3, S. 21 f. 



— 55 — 

6. Khutu-Expedition, von Sima-Station nach der Küste, geführt 
vom Grafen Pfeil. Die Landschaft Khutu am mittleren 
Rufiji wurde erworben. 

7. Usaramo-Expedition. Abmarsch von Zanzibar im Septem- 
ber 1885. Usaramo auf dem Nordufer des unteren Rufiji 
wurde erworben. 

Mit diesen sieben Expeditionen war die gesamte Küsten- 
landschaft des heutigen Schutzgebietes nördlich des Rufiji, aus- 
genommen der dem Sultan von Zanzibar gehörige Küstenstreifen 
von 10 englischen Meilen, in deutschen Händen. 

8. Njassa-Expedition. Abmarsch von Zanzibar im November 

1885. Sie führte zur Erwerbung von Ubena, Wamat- 
schonde, Mahenge, Wangindo. 

9. Erste Somali-Expedition, Abmarsch von Lamu nach Halule 
September 1885. Die Somali-Küste von Bender Gasen bis 
Warscheich wurde erworben. Die Ansprüche wurden 
späterhin zugunsten Italiens preisgegeben. 

10. Erste Komoren-Expedition. Ausfahrt 15. Oktober 1885 
von Berlin. Sie scheiterte. 

1 1 . Zweite Kilimandscharo-Expedition. Ausfahrt von Berlin 
im Dezember 1885. Resultat: Anlage der Station Korogwe 
am unteren Pangani. 

12. Sabaki-Expedition, im Januar 1886 ausgeführt. Resultat: 
Erwerbung von Giriyama, den Wanika-Ländern, den Galla- 
gebieten und Ukamba. 

13. Gasi-Expedition, im Januar 1886 ausgeführt. Erwerbung 
von Gasi. 

14. Zweite Somali-Expedition. Ausfahrt von Berlin im Januar 

1886. Resultat: Gründung der Station Halule. 

15. Zweite Komoren-Expedition. Abmarsch von Zanzibar im 
Mai 1886. Resultat: Ratifizierung eines Kaufvertrages 
über 1000 Morgen Land als Privateigentum der Gesell- 
schaft auf Groß-Komoro und Erwerbung der Ostküste von 
Groß-Komoro. Die völkerrechtlichen Ansprüche wurden 
später zugunsten Frankreichs aufgegeben. 

1 6. Dritte Somali-Expedition. Ausfahrt von Hamburg im August 
1886. Resultat: Erwerbung der Wabuschi-Mündung an 
der Benadir-Küste. 

17. Einzige Explorations-Expedition eines Geologen durch die 
Landschaften Useguha, Ukami, Usagara im Herbst 1886. 

18. Vierte Somali-Expedition. Ausfahrt von Berlin im Dezember 



- 56 — 

i886. Zweck: Ausbau der Station Hohenzollernhafen an 
der Wabuschi-Mündung. Die Station ist nicht eingerichtet 
worden. 
Die ii Expeditionen 8 — 18 dieser zweiten Gruppe, soweit 
sie überhaupt Erwerbungsexpeditionen waren und nicht nur, wie 
ii, 14, 18, die Anlage einer Station bezweckten, oder, wie 17, reine 
Explorations-Expeditionen sein sollten, führten zur Erwerbung von 
Gebieten, die in späteren Staatsverträgen und Abmachungen zwischen 
Deutschland, England, Frankreich und Italien wieder aufgegeben 
wurden. Eine Ausnahme macht allein die vom Grafen Pfeil ge- 
führte 8. Expedition, deren Tätigkeit uns den dauernden Besitz 
weiter Stecken südlich desRufiji bis zum Rovuma und Njassa brachte. 
Die ganze Expansionspolitik der DOAG hatte die Tendenz, 
möglichst weite Strecken an der Küste und auf den vorgelagerten 
Inseln in deutsche Hände zu bringen und verzichtete auf eine 
Ausdehnung des Kolonialgebietes ins Innere des Kontinents. Sie 
verlief in die Breite und nicht in die Tiefe, ein Umstand, der in 
der scharfen Konkurrenz Englands, Frankreichs und später auch 
Italiens, die mit ähnlichen Absichten wie Deutschland in Ostafrika 
tätig waren, seine Erklärung findet. Als dann mit dem englisch- 
deutschen Abkommen vom November 1886 eine Begrenzung der 
Interessensphären eingetreten war, kamen die Erwerbungen längs 
der Küste naturgemäß zum Stillstand. Warum aber setzte man 
sie nunmehr nicht ins Innere hinein mit frischen Kräften fort? 
Die Bismarc k sehe Theorie vom »Hinterland«, welche den Marsch 
ins Innere überflüssig erscheinen ließ, mag ihr Teil dazu beige- 
tragen haben; gleichzeitig aber kamen in der DOAG mit der 
neuen Organisation als landrechtlicher Korporation neue Männer 
und damit neue Vorstellungen vom Wesen, Zweck und den Auf- 
gaben einer modernen Schutzbriefgesellschaft auf. Sie lehnten 
die Expansionspolitik ab und erstrebten den Ausbau und die Pflege 
des seither Erworbenen. Daß die Hinterlandstheorie nur ganz be- 
schränkte Gültigkeit hatte und sich nur auf die sogenannten »un- 
strittigen Interessensphären« bezog, d. h. auf die Territorien, welche 
seitlich durch Demarkationslinien begrenzt waren, sollte später der 
Reichskanzler v. Caprivi in seinen Verhandlungen mit England 
gelegentlich des Zanzibarvertrages erfahren. Alle nicht seitlich 
begrenzten Territorien im Hinterlande wurden damals als »strittige 
Interessensphären« bezeichnet 1 ). Um ihre Aufteilung (Uganda) 
wurde hart gekämpft. Hätte die DOAG, als sie Korporation ge- 

J ) Rede des Reichskanzlers v. Caprivi im Reichstage vom 5. Februar 1891. 



— 57 ~ 

worden und das deutsch-englische Abkommen von 1886 abge- 
schlossen war, ihre politischen Erwerbungsexpeditionen nicht auf- 
gegeben, sondern sie mit neuen Aufgaben in die strittigen Inter- 
essensphären des Hinterlandes entsendet, dann zeigte unser Besitz 
in Ostafrika wohl trotz des Capri vi sehen Hosenknopf Vertrages 
ein anderes Gesicht 1 ). Die deutsche Emin-Pascha-Expedition, 
die noch dazu nur mit 30000 Mk. aus Mitteln der DO AG unter- 
stützt wurde, kam zu spät, wie der Mißerfolg gezeigt hat. 

Die Konstituierung der DO AG als Korporation bedeutet also 
auch hinsichtlich der kolonialen Aufgaben, welche sich die Gesell- 
schaft stellte, einen System Wechsel. Die eigentlich politischen Ziele, 
d. h. die territoriale Erweiterung des deutschen Besitzes, wurden 
bewußt beiseite gesetzt und machten einer kolonisatorischen Tätig- 
keit Platz, die sich allerdings nicht auf privatwirtschaftliche Unter- 
nehmungen beschränkte, sondern hier und da gouvernementale 
Probleme zu lösen versuchte. 

b) Sicherung des Territorialbesitzes der DO AG 
durch die Reichsregierung. 

Generalkonsul Rohlfs war im Januar 1885 mit doppeltem 
Auftrag nach Zanzibar gekommen. Er sollte einmal, wie es in 
der Kongoakte, Kap. 1, Art. 2 heißt, »beim Sultan gute Dienste 
einlegen, um die fragliche Zustimmung (zu der in der Akte 
stipulierten Handelsfreiheit) zu erhalten und für alle Fälle der 
Durchfuhr aller Nationen (durch das Gebiet des Sultans) die 
günstigsten Bedingungen zu sichern«, sodann aber, speziell für 
Deutschland, mit Seyyid Bargasch einen Freundschafts- und 
Handelsvertrag abschließen. Am Sultanshofe wurde der weit über 
Deutschlands Grenzen hinaus bekannte Afrikareisende mit hohen 
Ehren empfangen. Die Neigung Seyyid Bargaschs verwandelte 
sich aber schnell in Abneigung, als am 25. April 1885 die Er- 
teilung des Schutzbriefes an die DOAG in Zanzibar bekannt 
wurde. Die Engländer, schon bei Entsendung von Gerhard 
Rohlfs in der Furcht, daß Deutschland das Sultanat zu annek- 
tieren beabsichtige 2 ), steiften Bargasch den Nacken, so daß er 

*) Siehe die Karte im Anhang. Die dort gegebene Begrenzung des deutschen 
Gebietes im Innern entspricht den Hoffnungen und Wünschen, die man in der DOAG 
hegte, nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Trotzdem oder gerade darum ist sie ein 
Dokument von hervorragendem historischen Wert. 

2 ) Note von Lord Granville an die Reichsregierung vom 14. Januar 1885 und 
Antwort Bismarcks. 



- 58 - 

bereits am 27. April 1885 ein Telegramm an den deutschen Kaiser 
sandte 1 ), in welchem in höchst anmaßenden Worten gegen die 
Protektoratserklärung Einspruch erhoben wurde. Am 1 1 . Mai ließ 
er eine Beschwerde an die Regierungen Englands, Frankreichs 
und der Vereinigten Staaten 2 ) folgen und schickte am 2 1 . an den 
Fürsten Bismarck einen brieflichen Protest 3 ). In diesem Schreiben 
reklamierte er für sich das ganze Gebiet von der Tunghi-Bai bis 
Warscheich mit dem gesamten Hinterlande bis zu den Gebieten 
der Massai und den großen Seen. Und nicht genug damit, unter- 
nahm er gleichzeitig direkte Feindseligkeiten gegen Deutschland, 
als deren Inspirator in Berlin wohl mit Recht Sir John Kirk, 
der englische Generalkonsul und Berater des Sultans, angesehen 
wurde. So schickte Seyyid Bargasch nach dem Kilimandscharo 
und selbst nach Usagara Expeditionen, ließ dort seine Flagge 
hissen und versuchte einzelne Häuptlinge zum Abschluß von 
Schutzverträgen zu bewegen, was auch hier und da gelang. Und 
als ihm mitgeteilt wurde, daß Deutschland auch über das Sultanat 
Witu das Protektorat übernommen habe, legte er nach Lamu eine 
starke Truppenmacht. 

Jetzt entschloß sich der Reichskanzler zu energischer Ab- 
wehr. Am 27. Mai wurde durch die Tageszeitungen bekannt, daß 
ein starkes deutsches Geschwader Befehl erhalten habe, nach 
Zanzibar zu gehen. Es sollte dem Sultan der Beweis erbracht 
werden, daß Deutschland, entgegen den Einflüsterungen des eng- 
lischen Generalkonsuls, auch als Seemacht stark genug sei, seine 
Ansprüche eventuell unter Anwendung von Gewalt geltend zu 
machen. Gleichzeitig wurden die Regierungen in London und 
Paris von den bevorstehenden Schritten in Kenntnis gesetzt und 
ihnen über etwaige weitergehende Absichten beruhigende Er- 
klärungen gegeben 4 ). Frankreich enthielt sich in der Folge jeder 
Einmischung, während das englische Kabinett versprach, seinen 
Einfluß beim Sultan dahin zu verwenden, daß er seine ungerecht- 
fertigten Forderungen fallen lasse. Diese Verständigung unter 
den europäischen Mächten verfehlte denn auch ihre Wirkung auf 
Seyyid Bargasch nicht. 

Am 19. Juni wurde durch Generalkonsul Rohlfs die Ant- 



x ) Englisches Blaubuch: Correspondence relating to Zanzibar. January 1886. 
Nr. 20, Anlage. 

2 ) Ebenda. Nr. 47 nebst Anlagen. 

3 ) Ebenda. Nr. 63, Anlage I. 

4 ) Ebenda. Nr. 31, 43. 



— 59 — 

wort Bismarcks auf das Telegramm des Sultans überreicht. 
In ihr war nachgewiesen, daß den Sultanen von Zanzibar 
keinerlei Hoheitsrechte im Innern, insbesondere nicht im jetzigen 
deutschen Schutzgebiete zuständen, und die Erwartung ausge- 
sprochen, »daß Se. Hoheit den Wünschen Sr. Majestät in dieser 
Hinsicht entgegenkommen und Ihre Beamten und Truppen aus 
dem deutschen Gebiet zurückziehen werde« 1 ). England unter- 
stützte diese Forderungen, so daß am 24. Juni schon der Abzug 
der Sultanstruppen aus den umstrittenen Gebieten gemeldet 
werden konnte. 

Allerdings waren damit lange nicht alle Reibungspunkte be- 
seitigt. Es fehlte namentlich noch immer an der formellen An- 
erkennung des Schutzbriefgebietes seitens des Sultans. Fürst 
Bismarck erklärte sich nun bereit, die Feststellung der beider- 
seitigen Gebietsgrenzen einer internationalen und unparteiischen 
Kommission zu übertragen, während Seyyid Bargasch in seinem 
brieflichen Protest vom 21. Mai ein Schiedsgericht, nur aus Eng- 
ländern und Franzosen bestehend, angeregt hatte 2 ). Ferner ver- 
sprach der Fürst seinen Beitritt zum französisch-englischen Vertrag 
über die Souveränität des Sultans vom 10. März 1862. Darüber 
aber zogen sich die Verhandlungen in die Länge und stockten 
sogar eine Zeitlang. Wieder wurde von der Reichsregierung der 
Verdacht ausgesprochen, daß das Verhalten Sir John Kirks die 
Schuld daran trage, was die englische Regierung jedoch als un- 
begründet bezeichnete. Schließlich wurde Rohlfs nach Deutsch- 
land zurückberufen und provisorisch durch den Generalkonsul 
Travers ersetzt. 

Als dann am 7. August das deutsche Geschwader vor Zanzibar 
eintraf, kamen die Verhandlungen wieder lebhaft in Fluß. Sie 
wurden von Travers anfangs in Gemeinschaft mit Kommodore 
Paschen, später mit Admiral Knorr geführt. Auf die deutschen 
Forderungen 3 ) antwortete der Sultan am 14. August mit der An- 
erkennung der Schutzherrschaft Sr. Majestät über »besagte Länder« 
(Usagara, Useguha, Ukami, Nguru und Witu). Die Zusage des 
Fürsten, nach erfolgter Anerkennung dem Pariser Unabhängig- 
keitsvertrage vom Jahre 1862 beizutreten, fand am 20. Dezember 
1886 durch eine entsprechende Erklärung des deutschen General- 
konsuls ihre Erledigung. In weiteren Verhandlungen stellte der 

*) Englisches Blaubuch, Nr. 59, Anlage. 

2 ) Ebenda. Nr. 67, 68. 

3 ) Ebenda. Nr. 107, Anlage I. 



— 6o — 

Sultan am 26. September dem Admiral Knorr den Hafen Dares- 
salam zur Verfügung, gestattete Deutschland dort die Anlage einer 
Kohlenstation und erlaubte die Benutzung der Sultansruinen für 
Zwecke der Marine, behielt sich jedoch ausdrücklich die Souveränität 
über den Platz vor. 

Von größter Wichtigkeit war, daß Admiral Knorr auch 
die von Rohlfs bereits eingeleitete Aussprache über einen neuen 
Freundschafts- und Handelsvertrag wieder aufnahm, der bestimmt 
war, das mit den Hansastädten im Jahre 1859 geschlossene Ab- 
kommen zu ersetzen. Die außerordentlichen Schwierigkeiten, die 
bis zu seiner Unterzeichnung am 20. Dezember 1886 zu über- 
winden waren, zeigen deutlich, wie recht die Reichsregierung 
daran tat, das neue Schutzgebiet auch im Verkehr mit dem Sultan 
politisch und diplomatisch selbst zu vertreten, die DO AG aber 
ganz im Hintergrunde zu lassen. Die Absicht, den Sultan zum 
Beitritt zur Kongoakte zu bewegen, ließen die deutschen Unter- 
händler zunächst auf sich beruhen. Erst im Londoner Abkommen 
verabredeten Deutschland und England gemeinsame Schritte in 
dieser Richtung, die den Erfolg hatten, daß Seyyid Bargasch 
der Akte am 8. November 1886 mit dem Vorbehalt beitrat 1 ), das 
Prinzip der Handelsfreiheit, wie es in Art. I der Konvention 
statuiert war, nicht akzeptieren zu brauchen. 

Schon am 10. Dezember 1885 war eine Kommission, bestehend 
aus je einem Vertreter Deutschlands, Englands und Frankreichs, 
zusammengetreten, um die endgültige Abgrenzung des Sultanats 
herbeizuführen. In Anbetracht dieser Arbeiten versagte es sich 
die Reichsregierung, der DO AG einen neuen Schutzbrief für ihre 
inzwischen in erheblichem Umfange gemachten Erwerbungen aus- 
zustellen. Man wollte bis zur endgültigen Regelung der Besitz- 
verhältnisse jede Verwicklung vermeiden. Der Sultan, von irgend 
welchen Einflüssen beherrscht, störte jedoch die objektive Arbeit 
der Kommission dadurch, daß er ihr Soldaten vorauf schickte, welche 
die Bevölkerung zu seinen Gunsten zu beeinflussen die Aufgabe 
hatten, und trotz mehrmaliger Aufforderung keinen Vertreter in 
die Kommission delegierte, mit der Begründung, daß nach seiner 
Auffassung gar nicht die Grenzen seines Landes, sondern die des 
deutschen Gebietes festzulegen wären. Schließlich erklärte er, sich 



*) Englisches Blaubuch II, dem Parlament am 2. März 1887 vorgelegt, Nr. 119, 
Beilage. 






— 6i — 

»in keiner Weise an die Ergebnisse der Arbeiten für gebunden 
zu erachten« 1 ). 

Im Sommer und Herbst 1886 wurden die Resultate der Kom- 
missionsarbeiten in Verhandlungen zwischen den beteiligten Kabi- 
netten für ein Abkommen verwertet, welches am 1. November 1886 
geschlossen wurde. Seyyid Bargasch scheint seine anfänglichen 
Befürchtungen bald fallen gelassen zu haben, denn er beeilte sich 2 ), 
seine Zustimmung zu dem Vertrage unumwunden auszusprechen. 

Als das Gebiet des Sultans wurde in ihm anerkannt eine 
Anzahl von Inseln, Zanzibar, Pemba, Mafia, Lamu und einige 
kleinere, sodann ein ununterbrochener Küstenstreifen von der 
Mündung des Mininganiflusses bis Kipini in einer Breite von 
10 Seemeilen landeinwärts und endlich mehrere Städte der süd- 
lichen Somaliküste, Kismaju, Barawa, Merka, Makdischu und 
Warscheich, mit ihrer nächsten Umgebung (Art. 1). Über das 
Kilimandscharogebiet sollte Deutschland sich mit Zanzibar friedlich 
auseinandersetzen (Art. 4). Für die DO AG von höchster Bedeu- 
tung war, daß der Sultan veranlaßt werden sollte, ihr die Pacht 
der Zölle in Daressalam und Bagamoyo zu überlassen (Art. 2). 
Schließlich enthält der Vertrag eine Abgrenzung der deutschen 
und englischen Interessensphäre (Art. 3), des Sultanats Witu (Art. 5) 
und die Verpflichtung der beiden Mächte, Seyyid Bargasch zu 
veranlassen, der Kongoakte beizutreten (Art. 6), sowie die Deutsch- 
lands, den zwischen England und Frankreich 1862 abgeschlossenen 
Garantievertrag auch für sich verbindlich zu machen. 

Eine Betrachtung der Verhandlungsergebnisse in der Kolonial- 
Politischen Korrespondenz, dem Organ der DOAG, gibt der 
Meinung Ausdruck, »daß Deutschland alle Ursache hat, mit dem 
erzielten Resultat vollauf zufrieden zu sein«. Man empfand also 
auch in der von Landhunger scheinbar besessenen DOAG, daß 
eine Klarstellung des Besitzstandes der in Ostafrika interessierten 
Staaten viel Zündstoff aus den internationalen Beziehungen be- 
seitigen mußte, und war es zufrieden, nunmehr dem eigenen 
kolonialpolitischen Wollen eine andere Gestalt geben zu können. 
Hatte man sich bisher von dem politischen Ziel einer größt- 
möglichen Ausdehnung des Territorialbesitzes leiten lassen, so er- 
strebte man jetzt, nach Festlegung der Grenzen, die wirtschaftliche 
Erschließung desselben. 



*) Englisches Blaubuch, Nr. 28, Beilage, Nr. 33, 34, 37 und 56, Beilage. 
2 ) Ebenda. Nr. 118, Beilage I und 2. 



— 62 — 

Der folgende Abschnitt wird zeigen, wie die DOAG sich 
diese kolonisatorische Arbeit gedacht und welche Erfolge ihre 
diesbezügliche Tätigkeit gehabt hat. 



2. Kapitel. 

Die DOÄG mit vorherrschend privatwirtschaftlichem 
Charakter (1887—1891). 

i. Teil. 

Die Ära Peters (1887—1888). 

§ i. 

Die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Zanzibar bis zum 
Abschluß des Küstenvertrages. 

Von Anbeginn an belebte die Ära Peters die Verhältnisse 
in Ostafrika, die sich im Laufe des Jahres 1886 ganz unerquick- 
lich gestaltet hatten. Als Dr. Peters Mitte Mai 1887 in Zanzibar 
eintraf, fand er den Generalkonsul Dr. Arendt als Nachfolger des 
nur provisorisch tätigen Travers mit der Vertretung der deutschen 
Interessen im Sultanat beauftragt. Den Beamten des Reiches war 
von Bismarck die strikteste Weisung geworden, sich mit dem Sultan 
auf freundschaftlichen Fuß zu stellen. An sich hätte ein Einvernehmen 
aller Beteiligten den Interessen der Gesellschaft nur dienlich sein kön- 
nen, unter den obwaltenden Umständen aber bedeutete jene Anord- 
nung für sie eine Gefahr. Die Jahre 1885 und 1886, als die Zeit der 
Flaggenhissung, hatten dauernd dem Sultan wie der Gesellschaft Ver- 
anlassung gegeben, sich gegenseitig beim deutschen Generalkonsul 
zu verklagen. In diesen Tagen kleinlicher Zänkereien ergriff der 
Vertreter des Reiches, unter dem Druck der Weisung des Aus- 
wärtigen Amtes stehend, gewöhnlich für den Sultan Partei. Es 
läßt sich auf Grund des zugänglichen Materials nicht recht ent- 
scheiden, ob den Generalkonsul nicht etwa auch sachliche Gründe 
zu seiner Stellungnahme veranlaßt haben, genug, die Gesellschaft 
stand beim Sultan nicht nur in höchster Ungnade, so daß er bei 
Beendigung des Ramadans 1886 es sich sogar versagte, ihr das 
konventionelle Geschenk von zwei Ziegen zu machen, sondern 
wurde auch das Objekt neuer Übergriffe und plumper Rechts- 
verletzungen seitens Sr. Hoheit. So erschienen in Muininsagara 



- 6 3 — 

im Schutzbriefgebiet am 6. April 1887, ohne etwa von der dort 
herrschenden Sultanin gerufen worden zu sein, Truppen Seyyid 
Bargaschs, wie sich später herausstellte, vom Wali von Bagamoyo 
geschickt, und benahmen sich, als wären sie im eigenen Lande. 
Sie erklärten, die Deutschen nicht zu kennen, von ihrer Herrschaft 
nichts zu wissen, und nahmen für sich das Recht, von den durch- 
ziehenden Karawanen Abgaben erheben zu dürfen, mit der Begrün- 
dung in Anspruch, daß sie das seit Jahren getan hätten. Da sie Mitte 
Mai den Ort noch nicht verlassen hatten, sah sich Dr. Peters 
als Generalvertreter der DOAG genötigt, den Sultan durch 
den Generalkonsul um Zurückziehung der Truppen ersuchen zu 
lassen und drohte gleichzeitig mit Schadenersatzforderungen. Die 
Angelegenheit verlief zwar später im Sande, bleibt aber insofern 
symptomatisch, als sie zeigt, daß der Sultan zwei Jahre nach Er- 
teilung des Schutzbriefes und ein halbes Jahr nach seiner Zu- 
stimmungserklärung zum deutsch - englischen Abkommen vom 
29. Oktober/i. November 1886 das Schutzbriefgebiet zu respek- 
tieren noch nicht für nötig hielt. 

Solche mehr oder minder gefährlichen Sticheleien waren in 
Zanzibar an der Tagesordnung und hörten zunächst auch mit 
dem Erscheinen des Dr. Peters noch nicht auf, wenn er 
schon nach einem Aufenthalt von nur wenigen Wochen er- 
kannte, daß sie nach Lage der Dinge am besten durch eine 
Politik der geheimen Intrigue, der Bestechung und der Schmeichelei 
zu ersetzen waren. 

Gleich nach seiner Ankunft hatte der neue Generalvertreter 
mit Unterhandlungen wegen der Abtretung der Häfen Daressalam 
und Pangani begonnen und damit eine Aufgabe in die Hand 
genommen, von deren glücklicher Lösung das wirtschaftliche Ge- 
deihen der jungen Kolonie ganz überwiegend abhing, deren tat- 
sächliche Durchführung sich jedoch unter der Einwirkung mannig- 
facher Umstände derart komplizierte, daß schließlich für die 
DOAG und für die Existenz der Kolonie die schwersten Ge- 
fahren entstanden. Zu diesen Verhandlungen hatte man durch 
Artikel II des englisch-deutschen Vertrages freie Hand bekommen, 
in dem es hieß: »Großbritannien macht sich verbindlich zur Unter- 
stützung derjenigen Verhandlungen Deutschlands mit dem Sultan, 
welche die Verpachtung der Zölle in den Häfen von Daressalam 
und Pangani an die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft gegen 
eine dem Sultan seitens der Gesellschaft zu gewährende jährliche 
Zahlung bezwecken.« 



— 64 — 

Von der Ansicht ausgehend, daß der Artikel keinesfalls 
wollte, daß die Gesellschaft bloß in die Rechte und Pflichten der 
bisherigen zanzibaritischen Zollpächter in den beiden Plätzen ein- 
gesetzt werden sollte, daß ihr vielmehr eine weitere kolonisatorische 
Betätigung dortselbst gestattet sei, forderte Dr. Peters vom Sultan 
schon am 31. Mai neben der Zollerhebung einmal die Berechti- 
gung, in den beiden Städten Ländereien entweder okkupieren oder 
erwerben zu dürfen, wenn sie sich im Privatbesitz befänden, und 
gleichzeitig die Einwilligung zum Bau von Straßen und anderen 
Kommunikationen zwischen den Häfen und dem Schutzbriefgebiet. 
Diese Interpretation des Artikels II begründete Dr. Peters in 
einem Promemoria an die Gesellschaft folgendermaßen: Wenn in 
der Tat die bloße Zollpacht in die Hand der Gesellschaft gegeben 
werde sollte, so beraube der Londoner Vertrag dieselbe um be- 
stehende Anwartschaften auf die Küste und stelle sie gleichzeitig 
vor eine unlösbare Aufgabe, weil sich die Zollpacht ohne gleich- 
zeitige Verfügung über die Polizeigewalt nicht durchführen lasse. 
Der Sultan antwortete auf das Schreiben vom 31. Mai nicht, ent- 
schuldigte sich jedoch mit dem Ramadan und ließ durch Michalla, 
den Dragoman des deutschen Generalkonsulats, wissen, daß er auf 
die Forderung, nichtbenutzte Terrains in Daressalam und Pangani 
abzutreten, nicht eingehen würde. Er betrachte die beiden Stadt- 
gebiete als sein Privateigentum. Um dieser Auffassung die Spitze 
zu nehmen, verstand sich Dr. Peters zu einem Schritte, der zwar 
von ihm selbst in Kürze wieder rückgängig gemacht wurde, aber 
doch so recht zeigt, daß auch er sich noch nicht von der Politik 
der Zänkereien vergangener Monate losgesagt hatte. Mit einem 
Schlage nämlich wurde in einem Umkreise von 10 engl. Meilen 
das ganze Gebiet Daressalams von der DOAG aufgekauft. Der 
Sultan war empört, als er davon hörte, und versuchte die Nichtig- 
keit dieser Verträge durch die Behauptung zu erweisen, einer der- 
selben sei mit der Pistole in der Hand erzwungen worden. Er 
wandte sich wieder, wie schon in vielen Fällen vorher, mit einer 
Beschwerde an den Generalkonsul. 

Denselben Erfolg hatte ein anderer Schritt des General- 
vertreters, der ebenso, wie jener erste, in dem Glauben getan 
wurde, daß der Sultan durch einen gelegentlichen Bluff am wirk- 
samsten von dem Recht des Stärkeren zu überzeugen sei. Als 
jener Vorschlag vom 31. Mai nicht gleich bei Sr. Hoheit ein 
williges Ohr fand, wurde in beiden Häfen doch sofort mit der 
Anlage von Stationen begonnen. Man entsandte Baumeister 



- 6 5 - 

Hörnecke mit mehreren Weißen und 20 Askaris nach Pangani 
und Leue nach Daressalam, ebenfalls in Begleitung einiger Weißer 
und einer Truppe schwarzer Soldaten in derselben Stärke. Für 
Daressalam schloß man mit Siwa Hadschi einen Mietsvertrag, 
in welchem der Inder für je 100 Dollar jährlich einige Häuser 
dortselbst zur Verfügung zu stellen versprach. Der Wali des 
Platzes gab dem Kaufmann einen Wink und ließ ihn seine Un- 
zufriedenheit mit dem Geschäfte merken, so daß der Inder plötz- 
lich erklärte, in Daressalam gar keine Häuser zu besitzen. Erst 
nach einer energischen Demonstration und der Besetzung zweier 
Häuser durch die Gesellschaftsbeamten war die Gegenpartei ein- 
geschüchtert. Auch darüber führte der Sultan beim Generalkonsul 
Beschwerde, indem er behauptete, die Gesellschaftsbeamten hätten 
sich wie die Herren geriert und das Haus des Wali mit Truppen 
umstellt. 

Das Generalkonsulat nahm beide Beschwerden entgegen und 
betraute den Vizekonsul Steifensand mit der Untersuchung der 
Angelegenheit. Wahrscheinlich hätte dies wieder zu einer Nieder- 
lage der Gesellschaft geführt, zumal man auch in Europa in heller 
Aufregung über das Vorgehen der Kompagnie war, und das 
britische Parlament sogar die Regierung interpellierte 1 ), wenn die 
Generalvertretung in Zanzibar sich nicht zu jener anderen, oben 
bereits skizzierten Politik verstanden hätte, die die Beschwerden 
und gegenseitigen Nörgeleien grundsätzlich beiseite ließ. Man 
vertrat nicht mehr den Machtstandpunkt oder den Rechtsstand- 
punkt, sondern richtete sich auf eine eben echt orientalische Politik 
mit Intriguen, gemachter Loyalität, Schmeicheleien usw. ein. 

Der Erfolg hat gezeigt, daß sie der Situation am meisten 
Rechnung trug. In den Instruktionen, die Dr. Peters mit hinaus 
nach Afrika gegeben waren, war ihm unter anderem die Voll- 
macht erteilt worden, die Verhandlungen mit dem Sultan zwecks 
Abtretung der Häfen direkt, ohne den offiziellen Vertreter des 
Reichs, führen zu dürfen. Natürlich wurde dem deutschen General- 
konsul Dr. Arendt Mitteilung davon gemacht, der sich auch be- 
reit erklärte, die Nachricht an den Sultan weitergeben zu wollen, 
jedoch den Weg der mündlichen Mitteilung vorschlug und dann 
auch wählte. So ist es denn wohl gekommen, daß die Vollmacht 
niemals Sr. Hoheit bekannt wurde, zumal die mündliche Über- 
mittlung vom Generalkonsul über den Dragoman Michalla und 



x ) Dr. Peters, a. a. O., S. 160. 
Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft x. 
Kurtie, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 66 — 

den Minister des Sultans, Muhamed ben Selim, einen weiten 
Weg nahm. Dr. Peters, der schon lange vergeblich auf eine 
Antwort zu seinen Zollvertragsvorschlägen wartete, ließ den Sultan 
Ende Juni wissen, daß er schriftliche Vollmacht habe, direkt mit 
ihm zu verhandeln, worauf Se. Hoheit antwortete, daß ihm bisher 
darüber nichts bekannt geworden sei, der Dragoman des deutschen 
Generalkonsulats vielmehr in den letzten Tagen darauf gedrängt 
habe, daß er, der Sultan, schriftlich um Zuziehung des Konsulats 
zu den Zollverhandlungen bitte. Gleichzeitig erklärte der Sultan, 
auf die Vorschläge zum Zollvertrage darum bisher keine Antwort 
erteilt zu haben, weil er nicht gewußt habe, wer sein Opponent 
sei, und sprach seine Freude darüber aus, direkt mit Dr. Peters 
verhandeln zu können. Aus Anlaß dieses Vorfalls telegraphierte 
Seyyid Bargasch noch denselben Tag an den Fürsten Bismarck 
und interpellierte ihn in der Angelegenheit. In den folgenden 
Tagen wurde dem Sultan die Tatsache der Petersschen Vollmacht 
vom Generalkonsul schriftlich mitgeteilt und ihr gleichzeitig durch 
ein besonderes Telegramm des Grafen Herbert Bismarck eine 
offizielle Bestätigung verliehen. 

Der Zwischenfall hat für die kritische Betrachtung ein doppel- 
tes Gesicht. Zeigt er einmal die Unhaltbarkeit einer doppelten 
politischen Vertretung des Reiches in Zanzibar, so ist er doch für 
den außerordentlichen Bevollmächtigten der erste Anstoß gewesen, 
seine Politik zu ändern. Verstanden es die Vertreter der Reichs- 
regierung nicht, durch delikate Behandlung der schwierigen 
Situation Herr zu werden, so blieb, wenn anders ein Erfolg nicht 
überhaupt in Frage gestellt werden sollte, dem Generalvertreter 
nichts anderes übrig, als seinerseits neue diplomatische Fahrstraßen 
zu verfolgen, jedoch mit der Gefahr, das deutsche Generalkonsulat 
als politischen Faktor überhaupt in die Ecke zu drängen. Ent- 
weder litt das Ansehen der Gesellschaft oder das des General- 
konsulats, und da Dr. Peters sich in durchaus berechtigtem Selbst- 
erhaltungsinteresse in der oben skizzierten Form selbständig machte, 
so war der Generalkonsul der leidende Teil. 

Die neue Lage der Dinge verfehlte ihre Wirkung auf den Sultan 
nicht. Es vergingen nur wenige Tage und Se. Hoheit sandte über 
den ganzen Vorfall eine Beschwerde an die Kaiserliche Regierung, 
während er sich gleichzeitig mit der DOAG in Verhandlungen wegen 
der Zollabtretung einließ. Ende Juni wurden Dr. Peters die Gegen- 
vorschläge des Sultans bekannt. Sie waren geeignet, die Ange- 
legenheit auf eine ganz neue Basis zu stellen und besagten im 






- 67 - 

einzelnen folgendes: Der Gesellschaft sollte genau der Vertrag zu- 
gestanden werden, welcher vom Sultan soeben mit den Engländern 
vereinbart worden war 1 ). Die DO AG hatte dem Sultan die Ein- 
künfte zu garantieren, welche er augenblicklich erhielt. Vom zu 
erwartenden Mehrertrag der Zölle waren ihm 50% zu zedieren. 
Die Tätigkeit der Gesellschaft in Ausübung des Übereinkommens 
sollte im Namen des Sultans geschehen. Die Rechte Sr. Hoheit 
und seiner Untertanen, wie sie durch Handels- und andere Staats- 
verträge festgelegt worden waren, durften unter der Administration 
der Gesellschaft nicht angetastet werden. Dr. Peters akzeptierte 
freudig diesen Gegenvorschlag, bemerkte jedoch, daß die endgültige 
Zustimmung von einer entsprechenden Erklärung der Reichsregie- 
rung und der Gesellschaft selbst, als deren außerordentlicher Be- 
vollmächtigter er nur zu gelten habe, abhängig sei. Der Sultan 
seinerseits war von der Bereitwilligkeit der Generalvertretung 
ebenso angenehm berührt und gab diesem Gefühl in einem Schreiben 
an Dr. Peters vom 3. Juli Ausdruck. 

Unterdes hatte sich der Generalvertreter an das englische 
Generalkonsulat um eine Inhaltsangabe des englischen Vertrages 
gewandt und in allen wesentlichen Punkten eine Übereinstimmung 
mit dem Sultansentwurf gefunden. Darauf gestützt und fest ent- 
schlossen, die britische Vorlage für Verhandlungen über die Einzel- 
heiten zur Grundlage zu machen, hatte er in Berlin empfohlen, 
die Vorschläge anzunehmen, und sich gleichzeitig Vollmacht er- 
beten, da, wo die besondere Gestaltung der Verhältnisse dem 
Sultan eine Erweiterung der Konzessionen über den Rahmen der 
englischen hinaus begreiflich machen würde und, ohne Groll in 
ihm zu hinterlassen, erreichbar wäre, da noch über die Mindest- 
forderungen des englischen Entwurfs hinausgehen zu dürfen. 

Im Verlauf der Besprechungen des Entwurfs war zwischen 
Dr. Peters und dem Sultan auch die Frage nach der Gültigkeits- 
dauer des Pachtvertrages angeschnitten worden. Da Artikel II 
des englisch-deutschen Abkommens darauf direkt keine Antwort 
gab, so forderte Dr. Peters anfänglich einen Vertrag auf die 
Ewigkeit, entschloß sich jedoch auf Einreden des Sultans zu dem 
Modus, den übrigens auch die Engländer gewählt hatten, die 
Gültigkeit auf 50 Jahre zu beschränken, hielt aber grundsätzlich an 
seiner Interpretation des deutsch -englischen Abkommens, Ar- 
tikel II fest. 



x ) Einzelheiten dieses Abkommens S. 68. 

5* 



— 68 — 

Auch in dieser Frage gab die Generalvertretung aus prak- 
tischen Gründen klein bei, wie sie das mit der Annahme des Ver- 
tragsentwurfs Sr. Hoheit unter Aufgabe ihrer eigenen Vorschläge 
vom Mai bereits getan hatte. Man kalkulierte, daß das Sultanat 
nicht für die Ewigkeit gebaut sei, und daß es nur einer geschickten 
Leitung bedürfe, um im gegebenen Augenblick, bei einem Thron- 
wechsel beispielsweise, neue Konzessionen zu erwerben. 

Während der Besprechung des Sultansentwurfs vom 27. Juni 
wurden nun Anfang Juli in Zanzibar Einzelheiten des englischen 
Vertrages bekannt. Man erfuhr unter anderem, daß der englischen 
Gesellschaft die Erhebung des Zolls nicht nur in Mombassa, sondern 
an der ganzen Küste überlassen werden sollte, und daß ihr auch 
die Verwaltung des Hinterlandes im Namen Sr. Hoheit und unter 
Übernahme der jetzigen Sultansgarnison versprochen war. Ange- 
sichts der Tatsache, daß der Sultan selbst vorgeschlagen hatte, zur 
Grundlage der Verhandlungen die den Engländern zugestan- 
denen Konzessionen zu machen, regte Dr. Peters an, den mit 
der DOAG abzuschließenden Vertrag nicht auf Daressalam und 
Pangani zu beschränken, sondern auf die ganze, dem deutschen 
Schutzgebiet vorgelagerte Küste auszudehnen. Es verging eine 
Woche, dann erklärte sich der Sultan am 1 9. Juli bereit, die Zoll- 
erhebung von Wanga bis Manangeni abzutreten. »If you like to 
do this, we also like it«, heißt es etwas fatalistisch resigniert in 
der englischen Übersetzung des bezüglichen Schreibens Seyyid 
Bargaschs. 

Der Sultan hat sich offiziell nie über die Gründe ausge- 
sprochen, die ihn veranlaßt haben, seine Zustimmung zur Erweite- 
rung der Konzession zu geben. Dr. Peters meint, daß es die 
Befürchtung war, durch die Konkurrenz der deutschen Küsten- 
plätze Pangani und Daressalam, namentlich nach Fertigstellung 
einer Eisenbahn von letzterem Orte aus ins Innere, einen erheb- 
lichen Teil seiner Zolleinnahmen einzubüßen. Dr. Peters be- 
stärkte Seyyid Bargasch und seine geschäftsklugen Ratgeber in 
diesem Glauben, wenn er auch zu seinem Vorgehen im wesent- 
lichen durch andere Überlegungen sich gedrängt fühlte. Das 
Prestige der DOAG forderte, mindestens das zu erstreben, was 
die Engländer erreicht hatten, ganz abgesehen davon, daß ihr 
solches durch den Sultan auf alle Fälle garantiert war. Dann aber 
konnte eine Dreiteilung der ZoDerhebung zwischen der DOAG, 
der englischen Gesellschaft und dem Sultanat dem Handel nur 
schaden, sicherlich aber die eigene Gesellschaft, wenn sie im Besitz 



- 6 9 - 

von nur zwei Häfen blieb, gegen die kapitalkräftigen Engländer 
ins Hintertreffen bringen. 

So wurden denn Ende Juli in Verhandlungen, die teils beim 
Sultan, teils im Gesellschaftshause geführt wurden, unter Zugrunde- 
legung des englischen Entwurfes die zehn Artikel des deutschen 
Vertrages festgelegt. Am 30. Juli lag er fertig vor. Dr. Peters 
gab sich der Hoffnung hin, daß er in Kürze würde ratifiziert 
werden, obwohl er zugeben mußte, daß eine Zollaufstellung auf 
keinen Fall vor dem 18. August, dem Ende des arabischen Jahres, 
zu haben sein würde, und damit fürs erste die finanziellen Ver- 
pflichtungen der Gesellschaft noch eine unbekannte Größe blieben. 
Allerdings glaubte er mit dem Konsul O'Swald nicht an die 
Möglichkeit eines Geldverlustes. 

In Berlin stand man gerade dieser allzu optimistischen An- 
sicht etwas skeptisch gegenüber und ließ sich bei der Beurteilung 
der bezüglichen Stellen des Vertrages mehr von kaufmännischen, 
als von machtpolitischen Gesichtspunkten leiten. Ehe der Direk- 
tionsrat sich zur Ratifikation entschloß, erwartete er die in Aus- 
sicht gestellten Zollstatistiken, und wirklich gelang es der General- 
vertretung in der zweiten Hälfte des August, eine Zollabrechnung 
wenigstens für das Jahr 1885/86 zu bekommen; sie bezog sich 
jedoch nur auf den Export und enthielten nichts über die zweifels- 
ohne noch beträchtlichere Einfuhr. Der Versuch, das Ergebnis 
des Jahres 1886/87 festzustellen, scheiterte noch kläglicher. Auch 
hier stellte sich wieder heraus, daß die Importen überhaupt nicht 
verzeichnet, die Zahlen über die Exporten aber exakt gar nicht 
anzugeben waren, da in den Zollbüchern höchste Unordnung 
herrschte. Bei dieser Sachlage schien es dem Direktionsrat in 
Berlin geboten, die Fassung des Juli Vertrages, in dem dem Sultan 
der »Jetztbetrag« allgemein garantiert war, als riskant abzulehnen, 
um darauf zu dringen, daß eine bestimmte Summe genannt werde. 
Gleichzeitig versicherte man sich in den bevorstehenden Ver- 
handlungen des Wohlwollens der Reichsregierung, die Anfang 
September den neuen Generalkonsul Michahelles anwies, die 
Gesellschaft zu unterstützen. 

Noch im August berichtete Dr. Peters aus Zanzibar, daß 
der Einfluß der Gesellschaft im Wachsen sei: Generalkonsul Holm- 
wood habe Zanzibar verlassen und führe eine große englische 
Expedition zum Kilimandscharo, der Vertreter der British -East- 
African Company sei gestorben, und überhaupt sei der Sultan auf 
die Engländer schon darum schlecht zu sprechen, weil sie ihn 



_ 7 o — 

durch ihre Haltung in den letzten drei Jahren verstimmt hätten. 
Auf der anderen Seite, so schrieb Dr. Peters, habe sich die 
Politik des Reiches, der Gesellschaft selbst die Erledigung ihrer 
politischen Angelegenheiten zu überlassen, durchaus bewährt. 
Diese günstige Situation sollte man ausnützen und den Zollvertrag 
schnellstens in der vorliegenden Form ratifizieren. Auch die Eng- 
länder hätten die allgemeine Fassung der Garantiesumme an- 
genommen und dem Vertrag sofort auf telegraphischem Wege 
zugestimmt. Zudem sei der Sultan, wie bekannt, gar nicht in der 
Lage, einen bestimmten Zollbetrag herausrechnen zu können, so 
daß die Gesellschaft mehr oder weniger der Willkür ausgeliefert 
und schließlich doch zu nachträglichen Modifikationen gezwungen 
wäre. 

Wenn der Sultan der DOAG im August also noch unkritisch 
sein Vertrauen schenkte, so zeigten sich schon im September die 
ersten Anzeichen einer beginnenden Mißstimmung, von denen 
Dr. Peters durch den deutschen Vizekonsul Steifensand Mit- 
teilung erhielt. Als aber auch der Monat September ohne greif- 
bares Resultat verlaufen war, zeigte es sich deutlicher, daß der 
Sultan unzufrieden war. Vielleicht auch war schon zu ihm einiges 
über die eigentlichen Ursachen der Verschleppung gedrungen; 
denn zwei Monate boten in Zanzibar genug Gelegenheit dazu, wo 
überall und jederzeit alle Hintertüren offen standen. Das ganze 
politische Leben dort trug den Stempel der Korruption an sich. 
Das böse Beispiel der arabischen Praktiken, die am Sultanshofe 
blühten, machte auch unter den Europäern Schule, denen will- 
fährige und bestechliche indische und arabische Elemente das 
beste Material lieferten. Kurz, der Sultan machte seinem Unwillen 
in arabischer Weise Luft. Anfang Oktober wurde er krank und 
ließ, der Etikette gemäß, keinen Europäer ins Haus. Um dieselbe 
Zeit fiel Muhamed ben Selim in Ungnade. Er war ein eifriger 
Anhänger der DOAG und ein Verfechter ihrer Interessen bei 
Seyyid Bargasch gewesen. Ihm war auch ein bedeutender Anteil 
an der schnellen Erledigung des Präliminar Vertrages zu danken. 
In der DOAG hatte er die Zukunft Zanzibars gesehen und sich 
bei ihr durch seine Gefügigkeit gnädige Berücksichtigung ge- 
sichert, wenn ihm einmal die Laune seines Herrn gefährlich 
werden sollte. Dies Schicksal hatte ihn nun schon jetzt ereilt. 
Er lag in seinem Hause und starb Mitte Oktober, wie man sich 
in Zanzibar erzählte, an den Wirkungen des Giftes, das ihm der 
Sultan hatte reichen lassen. 



— 7i 

Es war Anfang Oktober, als Dr. Peters vom Direktionsrat 
die Nachricht erhielt, daß eine Abänderung des Präliminarvertrages 
gewünscht werde. Ausgehend von der neuen Situation in Zanzibar, 
antwortete der Bevollmächtigte, daß der Sultan bereits bereue, die 
Abmachungen vom 30. Juli getroffen zu haben. Er bat, die An- 
gelegenheit in Kürze im Sinne des ursprünglichen Übereinkom- 
mens zu erledigen, und wies noch besonders darauf hin, daß der 
Sultan, selbst wenn er vom besten Willen beseelt wäre, in die 
Änderung nicht willigen könne, da er sich den Engländern ver- 
pflichtet habe, der DOAG nicht mehr als ihnen zu zedieren. In 
Berlin wollte man die Änderungen jedoch um jeden Preis, weil 
man sie für annehmbar hielt, war aber erschrocken, als man hörte, 
daß der Sultan »bereue«, die Präliminarien eingegangen zu sein. 
In dem Glauben, daß Seyyid Bargasch positiv den Rückzug an- 
getreten habe, wandte man sich an das Auswärtige Amt mit der 
Bitte, die Verhandlungen durch das Generalkonsulat in Zanzibar 
wiederum zu beleben. Dr. Michahelles erhielt daraufhin eine 
entsprechende Weisung aus Berlin, konnte jedoch feststellen, daß 
ein positiver Entschluß seitens Sr. Hoheit gar nicht vorlag, und 
war diskret genug, von einem Einschreiten seinerseits abzusehen. 
Damit war der Direktionsrat fürs erste beruhigt. 

Dr. Peters aber, einerseits zufrieden, daß sich die Vertretung 
des Reiches einer Einmischung enthielt, mußte sich andererseits 
entschließen, die Abänderungsvorschläge des Direktionsrats dem 
Sultan zu unterbreiten. Er tat dies schriftlich und erhielt wenige 
Tage darauf eine ablehnende Antwort. Sofort erbat er sich eine 
Audienz, die ihm auch gewährt wurde. Im Verlauf derselben er- 
klärte sich der Sultan mündlich und späterhin auch schriftlich be- 
reit, einem »kukumu« des Reiches nachgeben zu wollen, »kukumu« 
bedeutet einen Schieds- oder Richterspruch, gegen den es keinen 
Einspruch gibt. In diese Verhandlungen aber sollte auch der 
Generalkonsul gemäß dem Wunsche des Direktionsrates eingreifen. 
Man gab sich dabei der Hoffnung hin, daß es dem offiziellen Ver- 
treter des Reiches, hinter dem die Reckengestalt des Fürsten 
Bismarck stand, gelingen müsse, den Sultan umzustimmen. So 
begab sich denn auch Dr. Michahelles am 6. November zum 
Sultan und erreichte in einer zweistündigen Verhandlung, daß 
dieser versprach, sich einem formellen Befehl, »amr == amri«, des 
Reiches zu fügen. 

Nach Dr. Peters also genügte ein Richter- oder Schieds- 
spruch, den Sultan zur Annahme zu bewegen, nach Dr. Micha- 



— 72 — 

helles war ein formeller Befehl des Reichskanzlers nötig. Mit 
dieser Dissonanz, die am Ende ganz unbeabsichtigt vom Sultan 
herbeigeführt war, vielleicht auch sich ganz zufällig durch einen 
Übersetzungsfehler des Dolmetschers eingeschlichen hatte, ent- 
schwand die Zollsache endgültig den tatkräftigen Händen des 
Generalbevollmächtigten, da Seyyid Bargasch plötzlich erklärte, 
die Verhandlungen nur noch indirekt durch den Konsul betreiben 
zu wollen. Dr. Peters, dem der Wunsch des Sultans in einem 
Telegramm der Direktion aus Berlin und gleichzeitig durch das 
Konsulat in Zanzibar übermittelt wurde, war damit endgültig kalt- 
gestellt. Ein kluger Schachzug des verschlagenen Arabers, der 
mit der Beseitigung seines gefährlichsten und hartnäckigsten 
Gegners seine Sache gerettet zu haben glaubte. 

Der Generalkonsul führte nunmehr die Besprechungen allein. 
Dr. Peters unternahm Mitte Dezember eine Reise die Küste ent- 
lang von Bagamoyo aus nach Norden. Seine Anwesenheit in 
Zanzibar war ebenso unnötig wie inopportun. Zurückgekehrt — 
es war am 23. Dezember 1 ) — fand er die Aufforderung des 
Direktionsrats vor, nach Berlin zu kommen, und antwortete am 
28. Dezember, daß er mit der nächsten Post Zanzibar verlassen 
würde. Die Abreise des Generalvertreters faßte man auf der 
Insel als einen diplomatischen Sieg Seyyid Bargaschs auf und 
schöpfte frischen Mut und legte neue Hartnäckigkeit bei den Ver- 
handlungen an den Tag. Es ist ein ganz charakteristisches Zeichen 
für die Zustände im Sultanat, daß Araber, Inder und Schwarze 
eben damals sich wieder als die Herren zu fühlen begannen und 
entsprechend auftraten. Ging es dem Sultan schlecht, so resignierte 
sich die ganze Schar seiner dunklen und halbdunklen Untertanen, 
hatte er aber Oberwasser, so kannte ihr Stolz und ihre Verach- 
tung des Europäers keine Grenzen. 

Von der Überzeugung durchdrungen, daß es mit den Deutschen 
aus sei, begannen die Sultansbeamten ein System der Schikane 
und Plackereien, das den Freiherrn v. Gravenreuth, den Ver- 
treter des Dr. Peters nach seiner Abreise im Januar 1888, bald 
veranlaßte, beim Generalkonsul und Sultan vorstellig zu werden. 
Wenn dieser auch tatsächlich auf seine Beamten einwirkte, so 
waren die Herausforderungen damit doch nicht beseitigt. Es ist 
nicht unwahrscheinlich, daß er ein doppeltes Spiel trieb und hinter 
dem Rücken der Gesellschaftsvertreter widerrief, was er vor ihren 



x ) Dr. Peters, a. a. O., S. 194. 



— 73 — 

Augen anordnete. Am Pangani sprachen es die Araber und Dorf- 
schulzen offen aus, daß die Deutschen ausgespielt hätten. Der 
Wali Abdul Kaoni ben Abdallah verbot sogar den Einwohnern 
Panganis, einer Gesellschaftskarawane Träger zu stellen. Und das, 
obwohl er in einem Brief aus Zanzibar zur Nachgiebigkeit ver- 
anlaßt worden war, und obwohl im Hafen ein deutsches Kriegs- 
schiff lag. Vor Deutschenhof bei Pangani demonstrierte mit der 
roten Fahne der Abusaidis, des Herrschergeschlechts von Zanzibar, 
eine Rotte Schwarzer aus dem Dorfe Msa, dessen Jumbe zugleich 
Schave des Sultans war. Ihre Geste war nicht mißzuverstehen 
und ließ die Gefahr deutlich erkennen, in der die deutsche Sache 
schwebte. Dabei lagen alle Stationen der Gesellschaft, außer 
Aruscha und Mpapua, in der Einflußsphäre dieser fanatischen 
arabischen Konspiratoren. 

In dieser Zeit verhandelte der deutsche Generalkonsul Dr. 
Michahelles mit Seyyid Bargasch, um ihm die Ratifikation 
des abgeänderten Präliminarvertrages abzuringen. Es ist bisher 
nicht bekannt geworden, ob er überhaupt im Sinne der letzten Er- 
klärung des Sultans von Anfang November mit dem »Schieds- 
und Richterspruch« oder »dem formellen Befehl« des Fürsten 
Bismarck auf den Herrscher einzuwirken versuchte. Anzunehmen 
ist es nicht, da in solchem Falle die Weigerung des Sultans gleich- 
bedeutend mit einer Herausforderung Deutschlands gewesen wäre, 
die der Vertreter des Reiches nicht ungeahndet hätte hinnehmen 
dürfen. 

In echt orientalischer Weise drückte sich der verschlagene 
Mann zunächst mit allerlei Ausflüchten um eine klare Aussprache 
und wurde schließlich nervös und launisch, als er sah, daß seine 
Position auf die Dauer nicht zu halten war. Sein Hofstaat und 
seine Untertanen litten unter dieser Mißstimmung ihres Gebieters 
am meisten. Mit Hartnäckigkeit erhielt sich damals in Zanzibar 
das Gerücht, er habe zwei seiner Frauen vor seinen Augen zu 
Tode peitschen lassen. Arabern und Eingeborenen suchte er durch 
andere Gewalttätigkeiten zu zeigen, daß er noch immer Herr im 
Lande sei. Im Januar fing er an zu kränkeln und empfing lange 
keinen Europäer. Als er sich nach einer kürzeren Seereise auf 
einem seiner Schiffe wieder frischer fühlte, empfing er den deutschen 
Konsul, entließ ihn aber schon wieder nach einigen Minuten. Wie 
ihm früher Dr. Peters unangenehm geworden war, so beschwerte 
er sich jetzt bei der Reichsregierung über den deutschen Konsul, 
freilich ohne Erfolg. Im Februar unternahm er wieder kleinere 



— 74 — 

Seefahrten, um Anfang März zu einer größeren Reise nach Maskat 
in See zu gehen. Es war ein außergewöhnliches Ereignis, große 
Summen Geldes, der größere Teil des Harems und des Hausstandes 
wurden mitgenommen, mehrere Hundert Soldaten begleiteten ihn. 
Selbst die Fahne des Propheten fehlte nicht. Der Zweck der 
Reise blieb unklar. Er suchte zuerst seinen Bruder, den kriege- 
rischen Sultan von Maskat, auf und weilte dann eine Zeitlang an 
den heißen Quellen am Persischen Golf, da er noch immer unter 
den Nachwirkungen der Elephantiasis litt, die ihn vor Jahren be- 
fallen hatte. Aus letzterem dürfte man schließen können, daß er 
die Reise aus gesundheitlichen Rücksichten 1 ) antrat, wenn nicht 
der Aufenthalt in Maskat nahelegte, daß sie auch politische Zwecke 
hatte. Am 26. März abends gegen 6 Uhr kehrte Seyyid Bar- 
gasch zurück. Schon krank von Bord in den Palast gebracht, 
starb er dort gegen elf Uhr abends 2 ). 

General Mathews, der Kommandeur der Sultanstruppen, 
verstand es, durch geeignete Maßregeln die Ruhe im Lande auf- 
rechtzuerhalten, während sonst der Tod eines zanzibaritischen 
Herrschers immer der Anlaß zu längeren Unruhen gewesen war. 
Am Morgen des 27. März wurde Seyyid Bargasch in der Nähe 
des Palastes beigesetzt. Einer seiner vier jüngeren Brüder 3 ), 
Seyyid Khalifa, übernahm die Regierung, ein ruhiger, aber geistig 
etwas beschränkter Mann, der ganz in den Händen seines Bruders 
Ali war. Während der Europareise Seyyid Bargaschs im Jahre 
1873 hatte er eine Verschwörung angezettelt und war dafür auf 
zwei Jahre nach Bombay verbannt worden. Seitdem hatte er 
zurückgezogen auf seinem Landsitz in der Nähe Zanzibars gelebt. 
Hier traf ihn auch die Nachricht vom Tode seines Bruders. Es 
gelang dem Generalkonsul nun, am 28. April von Seyyid Khalifa 
die Zustimmung zur Abänderung des Präliminarvertrags zu be- 
kommen, nachdem er Anfang April eine bestimmte Frist gesetzt 
und der neue Vertrag länger als eine Woche dem Sultan zur 
Unterschrift vorgelegen hatte. 

Anfangs hatte Seyyid Khalifa Widerstreben gezeigt, den 
Vertrag mit der DOAG zu machen, und verlangt, ihn mit der 
Reichsregierung abschließen zu dürfen. Erst als der General- 



*) Bombay Gazette vom 30. März 1888. 

2 ) Dr. Peters, a. a. O., S. 197, schreibt: »Augenscheinlich als Opfer einer 
Palastrevolution«. Bombay Gazette vom 30. März 1888: »Die Todesursache ist nicht 
festgestellt«. 

3 ) Bombay Gazette vom 30. März 1888. 



— 75 ~ 

konsul vorschlug, in der Einleitung des Abkommens zu erwähnen, 
daß die Bevollmächtigung seiner Person vom Reichskanzler ge- 
nehmigt sei, gab sich der Sultan zufrieden. Artikel I — VIII wurden 
so, wie sie im englischen Vorbilde standen, übernommen, nur, daß 
im deutschen Vertrage von den Worten »the Association or their 
representatives« immer die drei letzten Worte wegfielen. Die 
pekuniären Bedingungen, welche von der Gesellschaftsleitung ge- 
stellt worden waren und die den Anlaß der ganzen Verzögerung 
bildeten, diskutierte der Sultan merkwürdigerweise überhaupt nicht, 
sondern nahm sie en bloc an. Im Artikel IX heißt es demnach 
gemäß den Vorschlägen, daß dem Sultan zunächst 50000 Rps. 
Vorschuß auszuzahlen sind, daß die Maximalhöhe der Entschädigung 
für die Verwaltung der Zölle durch die DO AG 170000 Rps. zu 
betragen hat, und daß der Gesellschaft außerdem 5 % Kommission 
von der Nettoeinnahme zustehen sollen. Vom zweiten Jahre der 
Übernahme der Zölle ab war an den Sultan alljährlich eine Ent- 
schädigungssumme abzuliefern, deren Höhe nach den Erfahrungen 
des ersten Zolljahres bestimmt werden sollte. Von einem Recht 
der DO AG auf Kontrolle der gesamten Zollerhebung des Sultanats 
in Zanzibar hatte der Generalkonsul geglaubt, Abstand nehmen zu 
müssen, weil die Furcht Sr. Hoheit, die Gesellschaft trachte auch 
die Zölle in Zanzibar an sich zu bringen, dadurch nur neue Nahrung 
bekommen hätte; dafür aber wurde im Artikel IX eine Kontrolle 
der Zollbeamten genannt, die die Unterhändler des Sultans kaum 
bemerkten. Artikel X und XI entsprachen den Wünschen der 
Gesellschaft. Artikel XV, der mehrsprachige Ausfertigung des 
Vertrages und Gültigkeit der englischen in Zweifelsfällen stabilierte, 
war deswegen angefügt worden, weil der arabische Text nach der 
Ansicht des Dragomans ungenau und undeutlich in den Aus- 
drücken war 1 ). 

Gerade dieser letztere Umstand zeigt deutlich, daß die ganzen 
Verhandlungen im Grunde nichts als eine Farce waren, eine Form 
nur, die vor den neidischen Blicken der konkurrierenden europäischen 
Mächte gewahrt werden mußte. Wenn Engländer wie Deutsche 
den Sultan überhaupt der Verhandlungen würdigten, so geschah 
das einzig, um europäischen Verwicklungen und tiefgreifenden 
Mißverständnissen zwischen den Großmächten aus dem Wege zu 
gehen. Es war eine Konsequenz der Rivalität unter den in 
Zanzibar interessierten Völkern, daß der Sultan nicht schon damals 
der Macht eines Stärkeren hat weichen müssen. 

a ) Siehe die deutsche Übersetzung des Vertrages im Anhang IV. 



- 7 6 - 

Seine Enterbung war dennoch eine beschlossene Sache. Die 
englischen Verträge mit dem Sultan über Sklavenhandel und Sklaverei 
in den siebziger Jahren hatten damit den Anfang gemacht. Das 
deutsch-englische Abkommen hatte ein zweites Mal Bresche in 
seine Rechte gelegt; der Abschluß des englischen Küsten Vertrages 
und nun des deutschen waren neue und bedeutsame Schritte in 
der Richtung auf dasselbe Ziel. 

Fast ein ganzes Jahr hatten die Zollverhandlungen gewährt 
und namentlich in den letzten Monaten oft gestockt, während die 
Engländer den ähnlichen Vertrag für die Mombasküste schon im 
Jahre 1887 nach wenigen Wochen telegraphisch ratifiziert hatten; 
über einige Details dieses Abkommens fanden dann nachträglich 
Erörterungen statt, ohne daß es aber die englische Regierung für 
nötig gehalten hätte, amtlich zu intervenieren. Also auch hier 
fanden die Engländer unter genau den gleichen Verhältnissen eine 
befriedigende Lösung desselben Problems auf eine Weise, welche 
zeigt, daß sie ihre in harten Kämpfen und unter bitteren Ent- 
täuschungen in Jahrhunderten erworbene Kolonialerfahrung auch 
anzuwenden verstanden. Sie wiesen sich als Meister auf dem Ge- 
biete der Kolonial-Psychologie aus, indem sie die Bereitwilligkeit 
und Zugänglichkeit des Sultans schnell handelnd auszunützen 
wußten und dadurch Komplikationen verhinderten, ohne doch ihr 
pekuniäres Interesse aus den Augen zu verlieren. 



§ 2. 
Wirtschaftstätigkeit der DOÄG unter Dr. Peters. 

I. Stationenpolitik und ihre Grundlagen. 

I. Arbeitsgebiet und Arbeitsplan der DOAG. — 2. Urteil des Grafen Pfeil über die 
Stationenpolitik. — 3. Die einzelnen Stationen: A. Wirtschaftsstationen: a) Kin- 
gani-Stationen, b) die übrigen wirtschaftlichen Binnenstationen, c) die Depots Zanzibar 
und Bagamoyo. B. Die politischen Stationen. — 4. Ergebnisse der Stationenpolitik 
auf wirtschaftlichem Gebiete. — 5. Ergebnisse auf administrativem Gebiete. — 
6. Abhängigkeit der Stationenpolitik von den Verhandlungen zum Küsten vertrage. 

1. Arbeitsgebiet und Arbeitsplan der DOAG. 

Die Stationenpolitik ist recht eigentlich der Prüfstein, an 
welchem der Charakter der Gesellschaft während der einzelnen 
Phasen ihrer Entwicklung sich ermitteln läßt. 

Unter Dr. Peters als Generalvertreter erstreckte sich das 
Tätigkeitsgebiet der DOAG auf die Landschaften zwischen Kin- 



— 77 — 

gani (Ruwu) im Süden und den Usambarabergen bzw. dem Ki- 
limandscharo im Norden. Es umfaßte also mit Ausschluß des 
Küstenstreifens die ganze Tiefebene bis zum inneren Hochlande, 
reichte mit gewaltigem Griff an den Usambara- und Parebergen 
vorbei bis hin an den Kilimandscharo und streckte vorsichtig zwei 
Fühler bei Pangani und Daressalam an das Meer 1 ). 

Der nördliche Teil dieses Gebietes überschritt bei weitem 
die Grenze, welche der Gesellschaft im Schutzbrief vom 27. Februar 
1885 gezogen worden war. Er schloß bekanntlich nur die Land- 
schaften Useguha, Nguru, Usagara und Ukami ein. Welche 
Kompetenzen besaß die DOAG in den nördlichen Landschaften 
Usambara usw.? Da ein Schutzbrief niemals auch für sie gegeben 
worden ist, Verfügungen und Erlasse des Reichskanzlers zu dieser 
Frage nicht ergangen, mindestens nicht bekannt geworden sind, 
so fehlen schriftliche Urkunden darüber ganz. Die Gesellschaft 
hat aber tatsächlich in jenen Gebieten Hoheitsrechte geübt, insbe- 
sondere Landabtretungen, z. B. an die Deutsch - Ostafrikanische 
Plantagengesellschaft, vorgenommen. So bleibt nur der Schluß, 
daß die Reichsregierung nach Begrenzung der deutschen Interessen- 
sphäre im Jahre 1886 stillschweigend anerkannte, daß die der Gesell- 
schaft im Schutzbrief nur für eine Anzahl von Landschaften verliehenen 
öffentlich-rechtlichen Kompetenzen auch außerhalb dieser, in der 
ganzen Interessensphäre, zu Recht beständen. 

Als Dr. Peters im Mai 1887 nach Zanzibar kam, ging er 
daran, der DOAG auch wirtschaftlich eine Existenz zu schaffen. 
Bisher hatten die kostspieligen Erwerbungsexpeditionen lediglich 
Kosten verursacht; Einnahmen fehlten ganz. Dieser Zustand hielt 
die großen deutschen Kapitalisten lange von der Beteiligung an 
der Gesellschaft ab. Es wurde bereits gezeigt, daß mit der Um- 
bildung der DOAG in eine Korporation der erwerbswirtschaft- 
liche Gedanke den politischen der Expansion in den Hintergrund 
zu drängen begann und nur insoweit gelten ließ, als er sich die 

*) Eine offizielle Regulierung der Grenzen dieses Gebietes hat niemals stattge- 
funden. Man begnügte sich in amtlichen Urkunden damit, als Schutzbriefgebiet ganz 
allgemein die vier bekannten Landschaften zu nennen. Ihre Ausdehnung und Grenzen 
kannte man ja auch nicht. Mit dieser Fiktion ist in allen Verträgen zwischen der 
Regierung und Gesellschaft gearbeitet worden. In konkreten Fällen, wie z. B. der 
Trassierung der Zentralbahn, hat man an einzelnen Punkten sich über den Verlauf der 
Grenze geeinigt, doch gingen die Meinungen der beiden Parteien immer ziemlich stark 
auseinander. Eine unmaßgebliche Vermessung des Schutzbriefgebietes soll die DOAG 
nach Stuhlmann, Die wirtschaftliche Entwickelung Deutsch-Ostafrikas, 1898, in den 
Jahren 1897/98 vorgenommen haben. 



- 7 8 - 

Erwerbung des dem deutschen Schutzbriefgebiet vorgelagerten 
Küstenstreifens und weiterhin eine Invasion ins Sultanat Zanzibar 
zum Ziele setzte. 

Das neue Problem, das übrigens, wenn auch nur unklar, 
schon den Gründern der Gesellschaft vorgeschwebt hatte, war, 
den unter harten Kämpfen und bedeutendem Aufwand von Kapital 
erworbenen Besitz zu einer Quelle dauernder und wachsender 
Einnahmen zu machen. Wie das zu verwirklichen war, darüber 
gingen die Meinungen innerhalb der DOAG weit auseinander. 
Vorbilder hatte oder kannte man nicht. Die zeitweiligen Hinweise 
auf die alte Englisch-Ostindische Kompagnie lassen nur erkennen, 
daß man sich des grundverschiedenen Charakters dieser und der 
eigenen Gesellschaft nicht bewußt war; die Tätigkeit der North- 
Borneo blieb fürs erste in Dunkel gehüllt, und was von der Neu- 
Guinea- Kompagnie verlautete, rief eher den Widerspruch der Ge- 
sellschaft wach, als es zur Nachahmung reizte. 

Nicht aber die Frage, ob Bodenkultur oder Handelsgeschäfte 
oder beides zusammen oder ob ein anderer privatwirtschaftlicher 
Erwerbszweig gepflegt werden solle, machte die Entscheidung so 
schwer. Klarer kaufmännischer Blick, vom bloßen Gedanken an 
die größtmögliche Rentabilität geleitet, hätte hier bald das Richtige 
gefunden. Was das Problem komplizierte und schließlich auch 
dem einfachen kaufmännischen Urteil entzog, war die neuartige 
Verknüpfung der bloßen Erwerbsabsicht mit der Verpflichtung 
zur Verwaltung und Regierung des Territoriums, oder kaufmän- 
nisch gesagt, eine Belastung des Unternehmens mit einer Reihe 
absolut unproduktiver Ausgaben, die unter keinen Umständen 
unterbleiben durften, mochte selbst die Gesellschaft darüber wirt- 
schaftlich zugrunde gehen. - Diese Forderung war zwar formell 
im Schutzbrief nicht gestellt, wie in den gleichzeitigen englischen 
Charters, dennoch nötigte die Haltung der öffentlichen Meinung 
Deutschlands, wie der tatsächlich von der Regierung eingenommene 
Standpunkt zu den weitgehendsten Konzessionen in dieser Richtung. 
Die DOAG wäre unmöglich gewesen, hätte sie die Verpflichtung 
zur Bildung einer Polizeitruppe, ordentlicher Gerichte, der Pazifi- 
zierung des Landes und andere öffentliche Aufgaben verleugnet. 

Es ist das Verdienst Dr. Peters, erstmalig ein Programm 
entworfen zu haben, dessen Ziel die wirtschaftliche Erschließung 
der Kolonie im Renteninteresse der DOAG unter gleichzeitiger 
vollständiger Anerkennung aller gouvernementalen Verpflichtungen 
war. Er knüpfte dabei an die auf den Erwerbungsexpeditionen 



— 79 — 

gegründeten Stationen an, empfahl, in ihrer Umgebung Plantagen 
auzulegen und den Anbau tropischer Gewächse im großen Stile 
zu betreiben. Dem Handelsbetrieb war er nicht sehr geneigt und 
tat nur wenig zu seiner Entwicklung. 

Im Juni 1887 bestanden folgende Stationen: Madimula, Dunda, 
Usungula im Kinganital, Petershöhe am Wami in der Landschaft 
Useguha, Sima und Kiora in Usagara, Korogwe und Mafi im 
Panganital, Tanganiko an der englischen Grenze nahe der Küste, 
Bagamoyo und Zanzibar. Ihren Mittelpunkt hatten diese Stationen 
in Zanzibar, wo sich der Sitz der Generalvertretung befand und 
wegen der persönlichen Verhandlungen des Generalvertreters mit 
dem Sultan auch fürs erste bleiben mußte. Daressalam und 
Pangani, die Städte, welche im Wege der Verhandlungen mit 
Seyyid Bargasch zu erwerben waren, gehörten der Gesell- 
schaft noch nicht. Aruscha und Mpapua aber sollten eben be- 
gründet werden. 

Man kann diese Plätze, je nach dem Zweck, dem sie vor- 
wiegend während der Ära Peters dienten, in administrativ-poli- 
tische und Wirtschaftsstationen gruppieren. Zu den ersteren sind 
dann Pangani, Daressalam, Aruscha-Moschi und Mpapua zu stellen, 
während alle übrigen zur zweiten Gruppe gehören, in der, dem 
wirtschaftlichen Wert entsprechend, weiter folgendermaßen zu 
klassifizieren wäre: 

a) Die Kingani-Stationen: Dunda, Madimula, Usungula. 

b) Die übrigen wirtschaftlichen Binnenstationen: Petershöhe, 
Tanganiko, Kiora, Sima, Mafi und Korogwe. 

c) Die Depots Bagamoyo und Zanzibar. 

2. Urteil des Grafen Pfeil. 

Graf Pfeil hat in den Monaten März und April 1887 alle 
diese Stationen einer Inspektion unterworfen und sowohl über die 
Durchführung des Agrarprogramms im allgemeinen, wie auch 
über einzelne Plätze ein herbes Urteil ausgesprochen 1 ). Indem 
er davon ausgeht, daß eine Konzentration der Kräfte der Gesell- 
schaft nach der Küste hin stattfinden müsse, bemängelt er die Lage 
der Usagarastationen Sima und Kiora, wie auch die von Peters- 
höhe in Useguha. Die Kinganilinie sei schlecht gewählt, besser 
schon Korogwe und Mafi am Pangani. Im allgemeinen mangele 



*) Dr. Joachim Graf von Pfeil, a. a. O. 



— öo — 

den Stationen die Möglichkeit einer einheitlichen wirtschaftlichen 
Entwicklung, insbesondere darum, weil sie zu weit auseinander 
lägen. Der Gedanke aber, sie zu gesonderten und voneinander 
unabhängigen Plantagenunternehmungen zu machen, scheint ihm 
unausführbar, weil ihre Lage sowohl in klimatischer Beziehung, 
wie auch in Rücksicht auf die möglichste Dichtigkeit der Bevöl- 
kerung schlecht gewählt sei. Vor allem aber belasteten die erst- 
maligen Ausgaben die Stationen zu hoch. 

Es kann heute gesagt werden, daß dieses Urteil durch die 
tatsächliche Entwicklung bestätigt worden ist. Auch Dr. Peters 
gab damals zu, daß einige Stellen planlos ausgewählt seien und 
die Stationen sich nicht in rationellem Betriebe befanden. Im 
Gegensatz zum Grafen Pfeil erhoffte er aber eine Gesundung der 
Verhältnisse, und wies mit Recht darauf hin, daß eine Kritik die 
administrativen und militärischen Zwecke der Binnenstationen nicht 
übersehen dürfe. 

3. Die einzelnen Stationen. 
Die Wirtschaftsstationen sollten nach Dr. Peters' Plänen vor 
allem die tropische Landwirtschaft pflegen, im Handel mit Elfen- 
bein, Kautschuk und anderen Sammelprodukten sich jedoch nur 
ganz vorsichtig und nur insoweit engagieren, als dadurch Ansatz- 
punkte für eine spätere Ausdehnung und Ausbildung dieses Be- 
triebszweiges geschaffen wurden. Dementsprechend drängte Peters 
auf allen Stationen zur Pflege tropischer Kulturen, als deren aus- 
sichtsreichste im Jahre 1887 allgemein die Tabakskultur galt. Noch 
im Oktober, nachdem die negativen Ergebnisse der Versuche 
bereits Tatsache geworden waren, glaubte er von einer beginnen- 
den Tabaksära in Ostafrika sprechen zu dürfen, die nach den An- 
sichten eines Pflanzers der Deutsch-Ostafrikanischen Plantagen- 
gesellschaft der west- und ostindischen ebenbürtig zu werden 
versprach. Zu dieser Überzeugung war man auf der einen Seite 
wohl durch die Beobachtung der natürlichen Wachstumsbedin- 
gungen in Usambara und anderen Landschaften gekommen, die 
in mancher Beziehung denen des indischen Archipels ähnelten. 
Nicht weniger wahrscheinlich ist es aber, daß die offenbar ge- 
lungenen Versuche, die im Jahre 1887 der Hamburger Kaufmann 
und österreichische Konsul O'Swald auf seiner Musterschamba auf 
der Insel Zanzibar unternahm, die Aufmerksamkeit des General- 
vertreters und seiner wirtschaftlichen Hilfskräfte gerade auf diese 
Kultur gelenkt haben. Stellte doch Konsul O'Swald bei der 



— 8i -— 

Gesellschaftsleitung den Antrag, ihm im folgenden Jahre, 1888, 
auf dem Kontinent 20000 ha zur Anlage einer großartigen 
Tabaksplan tage zu überlassen. 

A. Wirtschaftsstationen: 

a) Kingani-Stationen. 

Auf allen drei Kingani-Stationen wurde noch 1887 Tabak 
angebaut. Der Erfolg des Jahres war eine sehr kleine Ernte von 
Usungula. An krampfhaften Versuchen, andere Kulturen we- 
nigstens allmählich zu einer Einnahmequelle zu machen, hatte man 
es in den Niederungen des Kingani auch nicht fehlen lassen. 
Neben Tabak und Baumwolle wurden Kaffee, Tee, Vanille und 
andere tropische Gewächse gezogen, jedoch mit dem ausge- 
sprochenen Zweck, nicht gleich Massenernten erzielen zu wollen, 
sondern zu erproben, wieweit sie das ostafrikanische Klima würden 
ertragen können. Selbst europäische Gemüse wurden angepflanzt, 
und es fehlte nicht an Ermunterungen seitens der Generalvertre- 
tung, mit den Erzeugnissen den immer kaufkräftigen und kauf- 
lustigen Markt in der Stadt Zanzibar zu beschicken. Über einige 
Körbe Kartoffeln aus Dunda, die für je 4 Rps. in Zanzibar ver- 
kauft wurden, und einige in Daressalam, die aber nur dem eigenen 
Bedarf der Station dienten, kam man jedoch auf diesem Gebiete 
nicht hinaus, so daß, alles in allem, selbst diese drei meist be- 
günstigten Stationen das Jahr 1887/88 absolut unproduktiv ab- 
schlössen. Man hatte einige Morgen Land klargelegt und die 
Stationshäuser aufgebaut, aber keine der Investitionen hatte sich 
bezahlt gemacht. 

Auch die Arbeiterverhältnisse gaben zu größeren Klagen 
Anlaß. Es gelang nicht, einen festen Stock von Arbeitern heran- 
zuziehen, der eingearbeitet und in der Ausübung der zahlreichen 
Handgriffe geschickt gewesen wäre, obwohl sich namentlich auf 
Usungula genug Leute meldeten. Schon wenige Stunden von 
der Küste und im Innern überhaupt war der Arbeiter für 6 bis 
7 Rps. per Monat zu haben, auf Zanzibar und an der Küste 
zahlte man 10 bis 11 Rps., und nur zeitweise war in Daressalam 
das Angebot so groß, daß der Monatslohn von 10 auf 8 und auch 
6 Rps. fiel. Besonders stark machte sich der Arbeitermangel zu 
Anfang des Jahres 1888 fühlbar, als Seyyid Bargasch mit allerlei 
Ausflüchten die Zollverhandlungen in die Länge zu ziehen wußte 
und seine Mißstimmung sich allen seinen Organen an der Küste, 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft i. 6 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 82 — 

selbst den Schaves und Jumben der ihm untergeordneten Neger- 
dörfer mitteilte. Damals schaffte Freiherr v. Gravenreuth Plan- 
tagenarbeiter durch Vermittlung des englischen Generalkonsulats 
herbei, dem häufiger Neger, die von englischen Kriegsschiffen 
aus den Händen der Sklavenräuber befreit worden waren, zur 
Verfügung standen. Wenn dann die englische Mission ihrer nicht 
bedurfte, nahm sie die Gesellschaft als Lohnarbeiter in ihre Dienste. 



b) Die übrigen wirtschaftlichen Binnenstationen. 

Neben den Kingani-Stationen bestand eine Reihe anderer 
Wirtschaftsstationen, die durchweg Sorgenkinder der Generalver- 
tretung in Zanzibar waren; gaben sie doch, von Petershöhe und 
Tanganiko vielleicht abgesehen, das ganze Jahr 1887 hindurch 
nicht einmal wenigstens Gelegenheit, an ihre Zukunft Hoffnungen 
zu knüpfen. Außer den beiden eben genannten gehörten zu ihnen 
Mafi, Korogwe, Kiora und Sima. 

Tanganiko lag schon in der englischen Interessensphäre, nicht 
weit vom Meere. Der kümmerliche Zustand, in dem es sich be- 
fand — im Sommer 1887 waren dort ca. 10 ha oder Y20 der 
ganzen Fläche urbar gemacht, jedoch nur in einzelnen Teilen be- 
pflanzt — , fand in Petershöhe, der Wamistation in Useguha, ein 
Seitenstück. Auch hier war in ganz ähnlichen Ausmaßen ge- 
arbeitet und Kapital investiert worden. Einige Proben Baum- 
wolle stellten die Ernte dar. 

Weiter im Innern, in der Richtung auf Mpapua, lagen in 
Usagara zwei andere Siedlungen, Kiora und Sima. Die letztere 
hatte noch Graf Pfeil angelegt, der mit dem Kaufmann Otto 
nach Jühlkes und Peters Abreise zur Küste hier zurückgeblieben 
war. Die Berichte des Jahres 1887 tun der Station kaum Er- 
wähnung, so daß es den Anschein hat, als wäre sie überhaupt 
nicht einmal besetzt gewesen. Dennoch repräsentierte sie mit allen 
Investitionen einen immerhin respektablen Wert. In ihrer Nähe 
lag Kiora, das zwar eine Besatzung hatte und nach der Etats- 
aufstellung jährlich ca. 7000 Rps. verschlang, dessen Bedeutung 
jedoch bis jetzt ausschließlich auf strategischem Gebiete in die Er- 
scheinung getreten war. Es bildete eine Etappenstation für das 
weit ins Innere vorgeschobene Mpapua. Da der Handel sich ganz 
auf dieses konzentrierte, die um Kiora wohnende Bevölkerung zu- 
dem gar keine tauschfähigen Waren hatte, so wurde versucht, 
'•eh Gartenbau und Viehzucht zu einem bescheidenen Grade 



- 83 - 

von Produktivität zu kommen. Im Jahre 1887 war der Erfolg 
jedoch gleich Null. 

Korogwe und Mafi lagen im Panganital. Das letztere war 
wie Kiora als Etappenstation für die Karawanen der Gesellschaft 
gedacht, die den Weg zum Kilimandscharo nehmen würden, befand 
sich jedoch nicht einmal unmittelbar an der eigentlichen Straße. 
In den Berichten des Jahres 1887 wird Mafi selten erwähnt; es 
dürfte nicht falsch sein, daraus seine absolute Unproduktivität zu 
erschließen. Korogwe lag weiter unterhalb von Mafi am Pan- 
gani, günstig für den Handelsbetrieb und weit genug im Innern, 
um von den feigen indischen Händlern und Wucherern frei zu 
sein. Es hatte 1887 durch ein eigenartiges Geschick entweder 
unter kranken oder unfähigen Leitern gestanden, so daß es während 
des ganzen Jahres nicht recht vorankam, und blieb, wie die anderen 
wirtschaftlichen Binnenstationen, unproduktiv, zumal auch die in 
der Umgegend außerordentlich hohen Vieh- und Fleischpreise trotz 
der günstigen Zuchtmöglicheiten nicht ausgenutzt wurden. An Ort 
und Stelle stand eine Kuh mit Kalb auf 45 Rps., ein fetter Ochse auf 
35 Rps., während man z. B. in Mpapua ein Rind schon für 5 — 8 Rps. 
haben konnte. Pangani und Zanzibar, die beide leicht zu erreichen 
waren, hätten außerdem für Butter gute Absatzmärkte gegeben. 

c) Depots: Zentralstation Zanzibar und Bagamoyo. 
Die Niederlassung in Bagamoyo, die vierzehnte und in der 
Trockenzeit des Jahres 1887 als die letzte angelegte Festlands- 
station, verdankt ihre Entstehung der veränderten zollpolitischen 
Situation, wie sie am 30. Juli 1887 mit dem Abschluß des Prä- 
liminarvertrages geschaffen wurde. Da er alle Häfen auf der 
Mrima zwischen Umba und Rovuma der Gesellschaft überließ, so 
verstand es sich von selbst, daß sie sich in dem bedeutendsten 
von ihnen, in Bagamoyo, schon vor der endgültigen Ratifikation 
eine Position zu schaffen strebte. Eine Handelsniederlassung 
gründen zu wollen, schien aber nach den Erfahrungen in Pangani 
und Daressalam nicht ratsam. So beschloß man denn die Ein- 
richtung eines Depots. Es hat in den folgenden Monaten, nament- 
lich auch im Jahre 1888, die Binnenstationen in bescheidenem 
Maße mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, hier und 
da auch mit kleinen Mengen von Tauschartikeln versorgt. Diese 
Bestände haben aber nie einen nennenswerten Umfang erreicht, 
da der Bedarf der Stationen im Innern infolge ihrer noch ganz 
im Keime stehenden Entwicklung naturgemäß gering war. 

6* 



- 84 — 

Wäre nicht der Gedanke gewesen, sich im Hinblick auf die 
Übernahme der Zölle an diesem wichtigsten Platze der Küste schon 
immer einzuleben, so hätte Bagamoyo neben der Zentralstation in Zanzi- 
bar eine Existenzberechtigung überhaupt gefehlt. Dort bestand seit 
Anfang 1886 das Usagarahaus, der Sitz der Generalvertretung. Ihm 
war keine landwirtschaftliche oder Handelsunternehmung direkt an- 
gegliedert. Es trug gouvernementalen Charakter, beherbergte die 
Bureauräume und das Zentraldepot der Gesellschaft, das, wie bereits 
berichtet, im Sommer 1887 zum Teil nach Bagamoyo übergesiedelt 
war. Die Bestände des Zentraldepots waren, wie im letzteren 
Orte, ganz vorwiegend Gegenstände, die dem eigenen Bedarf der 
Stationen dienten; nur gelegentlich lagerte hier auch eigentliche 
Handelsware. Im Hafen lag ein Leichter, der sich aber bald als 
zu schwach gebaut erwies, um den Verkehr mit der Küste, die 
sich teilweise durch eine ziemlich heftige Brandung auszeichnete, 
mit Erfolg aufrecht zu erhalten. 



B. Die politischen Stationen. 

Dieser Gruppe von Stationen gehören nur solche Plätze an, 
bei denen man von vornherein auf landwirtschaftliche Ergebnisse 
und Erfolge verzichtete. Sie waren als Zoll- und Handelsstationen 
einerseits, und anderseits als die vier stärksten Bollwerke gedacht, 
die das unter Kultur genommene Gebiet militärisch und admini- 
strativ beherrschen sollten. Die tatsächliche Entwicklung der Ver- 
hältnisse, namentlich die Stagnation der Zoll Verhandlungen aber 
brachte es dahin, daß sie als Zoll- und Handelsstationen sich nicht 
entwickeln konnten und daß, um wenigstens etwas zu leisten, 
Versuche mit tropischen Kulturen unternommen wurden. Somit 
trat eine völlige Verschiebung der beabsichtigten Zwecke ein. 

Im Laufe des Jahres 1887 wurden in der Nähe von Daressalam 
zwei Stationen angelegt, deren bedeutendere Pugu war, und auch 
hier, den Hoffnungen des Tages gemäß, von tropischen Pflanzen 
vor allem Tabak angebaut. Über die Ergebnisse schweigen sich 
die Berichte aus. Wichtiger war Pugu schon dadurch, daß sich 
in seiner Umgebung Kautschuk gewinnen ließ. Jedoch sind auch 
die Ernten in diesem Artikel nicht nennenswert gewesen. 

Ähnlich wie Daressalam vegetierte Pangani dahin. Hier 
hatte der Stationsleiter im Sommer 1887 eine in der Nähe des 
Meeres und der Stadt gelegene Schamba, Kikogwe, erworben. 
Noch im Dezember aber waren, auch infolge von Mangel an 



- 8 5 — 

Ackergeräten, nur wenige Flächen geklärt und gereinigt, und zu 
Anfang der großen Regenzeit 1888 standen 35 preußische Morgen 
als »urbares Land« bereit. Vier davon benutze man als Versuchs- 
beete, als Baumwoll- und Bananenpflanzungen, der Rest war zur 
Hälfte gepflügt und zur Hälfte von Bäumen und Sträuchern be- 
freit, die jedoch noch abzuräumen und zu verbrennen waren. 

Handelspolitische Stützpunkte für Pangani, bzw. Daressalam, 
wie ursprünglich geplant, sind endlich auch Aruscha-Moschi und 
Mpapua nicht geworden. Die Verhältnisse waren mächtiger als 
der gute Wille der Stationsleiter, und als schließlich der Küsten- 
vertrag auf sämtliche Festlandshäfen ausgedehnt wurde, war der 
ganzen Politik eigentlich auch die Lebensader und zwingende 
Notwendigkeit genommen. Aussichtsreicher erschien z. B. in 
Mpapua der Versuch, größere Mengen von Mhogo und Mtama 
anzubauen, die mit Gewinn an die Karawanen und die um- 
wohnenden Stämme abzugeben gewesen wären. Mit größeren 
Getreide Vorräten hätte man auch daran denken können, einen 
Teil des ziemlich hohen Arbeitslohnes, der 8 Rps. pro Mann und 
Monat betrug, mindestens aber das Poscho in Naturalien zu 
begleichen. Die Absicht ist jedoch nicht zur Ausführung ge- 
kommen. 



4. Ergebnisse der Stationenpolitik auf wirtschaftlichem 

Gebiete. 
Betrachten wir nun die Ergebnisse der Stationenpolitik. 
Auf wirtschaftlichem Gebiete läßt sich ein voller Mißerfolg kon- 
statieren. Die vielseitigen und höchst anerkennenswerten Versuche 
mit dem Anbau tropischer Gewächse, in der Anbahnung von 
Handelsbeziehungen, auf die wir noch einmal zurrückkommen 
werden, waren allesamt ein Schlag ins Wasser. Die Ursache 
dieser Erscheinung sehe ich, namentlich soweit die landwirtschaft- 
liche Produktion in Frage kommt, in der absoluten Unkenntnis 
der herrschenden Produktionsbedingungen. Es wäre völlig ver- 
fehlt, wollte man der Gesellschaftsleitung, wie das tatsächlich ge- 
schehen ist, daraus einen Vorwurf machen. Ein Land, das heute, 
nach einem Vierteljahrhundert stetiger Arbeit, noch immer in 
seinen Produktionsbedingungen Gegenstand der sorgfältigsten und 
geschicktest organisierten Untersuchung ist, in dem noch heute 
hinsichtlich der Produktionsbedingungen über ungeheure Strecken 
völliges Dunkel liegt, während nur für einzelne Distrikte erst eine 



— 86 — 

gewisse Stabilisierung der Meinungen eingetreten ist, ein solches 
Land konnte einfach nicht bereits beim ersten Anhieb Erfolge 
auf dem Gebiete der agrarischen Produktion zeitigen. Und wer 
da meint, daß das von Peters beliebte extensive System zahlreicher 
kleiner Wirtschaftsstationen die eigentliche Ursache der Mißerfolge 
ist, daß er besser daran getan hätte, die landwirtschaftlichen 
Kulturen an einer Stelle zu konzentrieren, dem ist nur insofern 
Recht zu geben, als es allerdings unzweifelhaft ist, daß auf diese 
Weise die wahrscheinlich zu erwartenden Verluste hätten auf ein 
Minimum beschränkt werden können. Aber die andere Tatsache 
war damit nicht aus der Welt geschafft, daß es damals eigentlich 
niemanden gab, der die natürlichen Wachstumsbedingungen in 
Ostafrika wirklich kannte; das beweist das völlige Fiasko der 
schon erwähnten Tabakskulturen des Konsuls O'Swald, eines 
Mannes, der in jenen Jahren nicht nur wegen seiner persönlichen 
Erfahrung, sondern auch wegen der alten Traditionen seines 
Hauses als einer der hervorragendsten Kenner Ostafrikas gelten 
mußte; das beweist ferner der Mißerfolg der gewiß zentralistisch 
und unter bewährten Pfanzern in Lewa-Deutschenhof in Usam- 
bara arbeitenden Deutsch-Ostafrikanischen Plantagengesellschaft; 
das beweist schließlich der Glaube an eine ostafrikanische Tabaks- 
ära überhaupt, von der schon in den neunziger Jahren niemand 
mehr sprach, die aber in den achtziger Jahren die gewiegtesten 
Sachkenner in ihren Bann zog. Und endlich vergesse man bei 
Fragen der Bodenkultur ein anderes nicht: Wir halten schon in 
unserem Vaterlande einen häufigen Besitzwechsel auf landwirt- 
schaftlich genutzten Gütern für eine Gefahr, weil wir, abgesehen 
von der Möglichkeit des Raubbaues, wissen, daß rationeller Anbau 
nur möglich ist, wo der Bauer auch ein wirklicher Kenner seiner 
Äcker ist. Wie aussichtslos muß da die Bodenkultur in einem 
völlig unerforschten Lande, wie es Ostafrika war, erscheinen. 
Auch die tüchtigen Pflanzer, welche man von fremden Inseln und 
fremden Erdteilen heranzog, konnten unter diesen Umständen 
keine positiven Resultate erzielen 1 ). Alle diese Überlegungen 
berechtigen uns zu dem Schlüsse, daß die tropische Landwirt- 
schaft in neu erschlossenen, unbekannten Gebieten Kapitalien er- 
fordert, die gewillt und in der Lage sind, eine rentenlose Zeit zu 

*) Die Beamten der DOAG entstammten den verschiedensten Berufen. Die 
nachfolgende Übersicht darf als Beleg der Tatsache gelten, daß es in den achtziger 
Jahren in Deutschland nur recht wenig Leute gab, die eine eigentliche Kolonialerfahrung 
besaßen. Von den unten genannten Berufsarten waren es nur die Kaufleute bzw. Händler 



- 8 7 - 

überstehen. Dieser Erkenntnis haben sich denn auch die leiten- 
den Berliner Kreise der DOAG nicht entzogen, als deren Be- 
vollmächtigter Konsul Vohsen im Jahre 1888 die landwirtschaft- 
lichen Engagements der Gesellschaft auf zwei Plantagen beschränkte 
und den Handel als das vornehmste Arbeitsfeld pflegte. 

Warum hat Peters diesen Schritt nicht schon getan? Eine 
Abneigung, die vielleicht Voreingenommenheit war, gegen den 
Handelsbetrieb mußten wir schon im Anfang unserer Darlegungen 
konstatieren. Dann aber lagen gewichtige Gründe gegen den 
Handel während der Ära Peters auch in den gegebenen Ver- 
hältnissen. Der Küstenstreifen fehlte der Gesellschaft und damit 
der Zugang zum Meere; die Zölle fehlten, und damit war die 
DOAG auf Gnade oder Ungnade den Schikanen des Sultans aus- 
geliefert. Und neben mancherlei anderen Ursachen, die wir unten 
beim Abschnitt über den Handelsbetrieb der DOAG erörtern 
werden, war die Verpflichtung der Gesellschaft schuld, für die 
Dr. Peters wohl mehr als irgendein anderer Direktor oder Be- 
vollmächtigter Verständnis hatte, die Verpflichtung, das Schutz- 
gebiet nicht nur wirtschaftlich zu erschließen, sondern auch politisch 



und die Landwirte, unter denen sich eine größere Zahl von Persönlichkeiten befand, die 
zuvor in fremden Kolonien tätig gewesen waren. 











Status vom 19. Ai 


[ai 1888. 








Stationen 




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I. Aruscha .... 




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2. Moschi . 












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3. Bagamoyo 








1 


I 














4. Daressalam 












1 






I 


I 




5. Dunda 










2 


1 












6. Kiora 










I 














7. Kikogwe 








1 






I 










8. Korogwe 








1 


I 














9. Madimula 










I 










! 




10. Mpapua . 








1 




1 




I 








1 1 . Pangani . 








1 




1 


I 










12. Usungula 














2 










13. Eisenbahnexp. 








I 


2 




I 


I 






14. Zanzibar . . 






6 


I 


1 


I 


2 


I 




2 






(der auch 


















Zollbeam 


















-ter war) 






















11 


IO 


8 


6 


4 


3 


2 


2 



— 88 — 

und administrativ zu beherrschen. Der Handel bedurfte der Sta- 
tionen nicht, er mußte durch sie vielmehr unnötig verteuert und 
konkurrenzunfähig werden. 

Aber blieben schon die Früchte aus, so ist doch gar nicht 
zu leugnen — was in den achtziger Jahren des öfteren geschehen 
ist — , daß auf 14 Stationen gearbeitet worden ist und Kapital- 
investitionen getätigt worden sind. In den Sommermonaten 1887 
wurde ein Etat aufgestellt, nach welchem die vier größeren Stationen, 
die politischen Handels- und Zollstationen, je 2000 Mk. monatlich, 
die kleineren je 1000 Mk. verbrauchen durften, Summen, die nach 
Bedarf entweder in bar oder in Waren von Zanzibar bzw. Ba- 
gamoyo ausgegeben werden sollten. Das bedeutet einen jährlichen 
Aufwand von 216000 Mk., die größtenteils unmittelbar produktiv 
anzulegen waren. Diese Sätze zeigen ohne Zweifel den guten 
Willen der Generalvertretung in Zanzibar zur wirtschaftlichen Er- 
schließung, die ja auch im wohlverstandenen, eigenen Interesse 
der Gesellschaft gelegen hätte; aber in seiner Uniformität ist der 
Etat zugleich ein Symptom für die völlige Unklarheit über die 
konkreten Produktionsbedingungen und Anforderungen der einzelnen 
Plätze. Als sich Licht über diese zu verbreiten begann, bekamen 
die Etatsanforderungen ein ganz anderes Gesicht, und Korogwe 
und Kiora, wie die meisten der landwirtschaftlichen Binnenstationen, 
waren in nüchterner Erkenntnis ihrer Unproduktivität mit einem 
Jahreszuschuß von 7176 bzw. 4000 Rps., also mit 600 bzw. 350 Rps. 
per Monat zufrieden. Ist dieser Individualisierungsprozeß der Etats- 
voranschläge an sich schon symptomatisch, so ist es noch mehr 
die Richtung, das Ziel, dem er entgegensteuert. Er zeigt in dieser 
Beziehung, daß die aktuelle Stationenpolitik, wirtschaftlich wenig- 
stens, ein Unding war. Und diesem Phantom hatte man vom 
1. April 1887 bis zum 1. April 1888 tatsächlich ca. 420000 Mk. 
geopfert, eine Summe, die bei weitem den oben erwähnten Vor- 
anschlag von 216000 Mk. übersteigt. Zur Erklärung hat man zu 
berücksichtigen, daß dieser die Gehälter der weißen Beamten nicht 
enthält, daß er ferner die Anlagekosten der größeren Stationen 
Mpapua, Moschi, Aruscha, sowie außerordentliche einmalige Aus- 
gaben der verschiedensten Art unberücksichtigt läßt. Alle diese 
Investitionen fanden einen fingierten Ausdruck in dem Preise, der 
seitens der Gesellschaft für urbar gemachtes Land aufgestellt wurde. 
Man rechnete 1 ha = 50 Rps. Er blieb weit hinter dem zurück, was 
man nach allen Aufwendungen zu fordern berechtigt, und überschritt 
doch das, was eventuelle Käufer zu zahlen geneigt gewesen wären. 



- 8 9 - 
5. Ergebnisse auf administrativem Gebiet. 

Das Ergebnis der Stationenpolitik unter der Generalvertretung 
des Dr. Peters war ein wirtschaftliches Fiasko. Es wurde schon 
im Beginn des Etatsjahres von ihm vorausgesehen; er schloß auch 
durchaus kaufmännisch, das man ein anderes, ausgesprochen zentra- 
listisches System mit einigen wenigen größeren Stationen an ihre 
Stelle setzen müßte. Dennoch versagte er sich eine Änderung des 
Kurses, weil sich nur im Zusammenhang mit der augenblicklichen 
Stationenpolitik in größerem Maßstabe eine administrative Durch- 
dringung des Schutzgebietes möglich machen ließ. 

In dem administrativen Moment liegt die Bedeutung der 
extensiven Stationenpolitik des Dr. Peters und läge eine Recht- 
fertigung der negativen wirtschaftlichen Ergebnisse, wenn sich 
der Nachweis erbringen ließe, daß die DO AG ihren diesbezüglichen 
Aufgaben nun auch wirklich gerecht geworden ist. 

Der Zweck aller Verwaltungsmaßregeln war möglichste Pa- 
zifizierung des Schutzgebietes. Die Stationen sollten die natürlichen 
Herren des Landes werden; man wollte es dahin bringen, daß die 
Eingeborenen Schutz und Recht auf ihnen suchten. Nur auf dieser 
Basis war eine erfolgreiche wirtschaftliche Erschließung des Landes 
durchzuführen. Damit aber statuierte die DOAG die Priorität 
der Administration. Es läßt sich an vielen Stellen unserer Kolonial- 
politik zeigen, daß bei aller Abneigung gegen das sogenannte 
französische System, das den Soldaten und Verwaltungsbeamten 
dem Kaufmann und Händler voranschickt, die Praxis doch zu 
seiner Anwendung zwang. So war es in Kamerun und Togo 
von vornherein, so war es in Südwestafrika und so ist es auch 
in Ostafrika gekommen. Die Pazifizierung des Schutzgebietes der 
DOAG war aber auch darum eine Notwendigkeit, weil alle Ex- 
territorialen, vom Inder bis zu den französischen und englischen 
Missionaren und deutschen Pflanzern von der Gesellschaft Schutz 
ihres Lebens und Eigentums forderten. Auch in dieser Beziehung 
waren die ostafrikanischen Verhältnisse nicht mehr primitiv genug. 
Es gab dort genug Individuen, auch farbige, die weitgehende An- 
sprüche an die ordnende und regierende Gewalt stellten, und denen 
die Begriffe vom Rechtsstaat, wenn auch in einer unentwickelten 
Form, geläufig waren. Öfter wurde von dieser Seite der Schutz 
der DOAG angerufen, so von französischen Missionaren in der 
Nähe Taboras, die sich von Arabern bedroht sahen, von deutschen 
Pflanzern im Panganital und von Engländern in den Usambarabergen. 



— qo — 

Diesen durchaus berechtigten Ansprüchen konnte die Ge- 
sellschaft jedoch in der gehörigen Form nicht genügen, da ihr 
eine organisierte Polizeimacht fehlte. Die eben genannte Ange- 
legenheit der französischen Mission in Tabora erledigte man z. B. 
durch einen Druck auf den Sultan, indem man ihm sagen ließ, 
die Angehörigen jener Araber Taboras in Zanzibar würden als 
Geiseln dingfest gemacht werden, wenn den Priestern irgendein 
Unrecht geschehe. An Vorschlägen zur Bildung einer Polizei- 
macht hat es zwar nicht gefehlt; dennoch ist sie nie ins Leben 
getreten und wurde namentlich beim Ausbruch des Aufstandes 
1888 entbehrt. Man versuchte die Situation durch eine fliegende 
Abteilung Askaris zu meistern, die auf längere Zeit in bedrohte 
Stationen gelegt wurden, um durch ihre bloße Anwesenheit der 
Bevölkerung den nötigen Respekt vor der Regierungsgewalt ein- 
zuflößen. Die Maßnahme bestand nur vorübergehend, so daß die 
Funktionen der Polizei in der Regel beim Stationschef lagen, der 
sich durch Freundschaftsverträge mit den umwohnenden Häupt- 
lingen auf guten Fuß zu stellen versuchte und im Notfalle eine 
Anzahl Askaris von der Küste requirierte, die dann jedesmal 
erst anzuwerben waren. Die Mängel dieses gelegentlichen Werbe- 
systems liegen auf der Hand. Der größte war aber wohl der, 
daß kaum ein Askari ohne den indischen oder arabischen Ver- 
mieter zu haben war, wodurch man diesen Elementen ganz in 
die Hände gegeben war. 

So wenig nun, wie die Verwaltung polizeiliche Organe besaß, 
gab es besondere richterliche Beamte. Dazu lag allerdings auch 
eine in den Rechtsanschauungen der Eingeborenen begründete 
Veranlassung nicht vor. Jedoch hat es an Anregungen und 
formulierten Vorschlägen zur Organisation einer kolonialen 
Rechtspflege nicht gefehlt. Nach ihnen war eine Zwei- 
teilung der richterlichen Behörde notwendig: Die Stations- 
chefs sollten Richter der Eingeborenen sein und angewiesen 
werden, die Gerichtsbarkeit mit Ausnahme der Verhängung 
der Todesstrafe nach Normen auszuüben, wie sie in Ostafrika 
üblich waren. Ein deutscher Assessor sollte aber die Streitig- 
keiten zwischen Deutschen und solche zwischen Deutschen und 
den Angehörigen anderer völkerrechtlich anerkannter Staaten er- 
ledigen. Dr. Peters forderte in Berlin, daß in diesem Sinne an 
die Reichsregierung ein Antrag gestellt werde, in dem um eine 
formelle Erklärung und Genehmigung der Organisation gebeten 
wurde. Dr. Jühlke war 1885 bald nach Erlaß des Schutzbriefes 



— gi — 

zur Ausübung der Gerichtsbarkeit im Gebiet der DOAG seitens 
der Reichsregierung bevollmächtigt worden. Ein Nachfolger ist 
nach seinem Tode bei Kismayu nicht ernannt worden. 

Neben der Schaffung einer polizeilichen und richterlichen 
Gewalt, die über unscheinbare Anfänge nicht hinauskam, war es 
Aufgabe der Generalvertretung, auch eine diplomatische Behörde 
für den Verkehr mit dem Sultanat Zanzibar ins Leben zu rufen, 
einen auswärtigen Dienst, um ihrer Schutzpflicht vollkommen ge- 
recht zu werden. Die Beunruhigung der Kolonie, die nach Ab- 
bruch der direkten Verhandlungen zwischen Gesellschaft und 
Sultan im November 1887 eintrat, ist der beste Beweis dafür, daß 
die Aufgabe jener diplomatischen Behörde sich keineswegs in 
der Führung der Zollverhandlungen erschöpfte, sondern darüber 
hinaus auch innerpolitischer Natur war. Die besagten diploma- 
tischen Funktionen hat der Generalbevollmächtigte ausgeübt. Sie 
stellen aber zweifelsohne eine Komplikation der politischen Ver- 
hältnisse dar und bereiteten der DOAG im Gegensatz zu anderen 
Schutzbriefgesellschaften ungeahnte Schwierigkeiten. 

Man wird nach diesen positiven Leistungen sagen dürfen, 
daß die DOAG zwar nichts unversucht ließ, um den gouverne- 
mentalen Anforderungen, die die Situation stellte, nachzukommen, 
daß aber alle Maßnahmen dieser Art in den Anfängen stecken 
blieben und seltsam mit der phantasievollen Größe des Entwurfs 
kontrastieren. Es ist ein Bild, das gefangen nimmt, wenn Peters 
gelegentlich in markanten Strichen den strategischen Grundgedanken 
zeichnet, der für die Anlage der Stationen maßgebend gewesen 
sein soll, und von den vier mächtigen Bollwerken Pangani, Dar- 
essalam, Aruscha-Moschi und Mpapua spricht, die bestimmt seien, 
deutsches Kolonialland nach Nord, Süd, Ost und West gegen 
jeden Feind zu verteidigen: Eine schöne Phantasterei, wenn man 
bedenkt, daß es sich um den Schutz von 4 — 5000 Quadratmeilen 
Landes mit ganz unzulänglichen Mitteln handelt, über die auch 
der Name Bollwerk nicht hinwegzutäuschen vermag. Der grandiose 
Entwurf, die kraftvolle Vertretung einer Idee, der bis zur Selbst- 
täuschung gehende Glaube an das Unwahrscheinliche — das waren 
die starken Kräfte, mit denen Peters die großen Erfolge der 
Expansions- und Erwerbungspolitik ertrotzt hatte. Doch nun war 
die ostafrikanische Sache aus dem Stadium des Wagens heraus 
und mit der Statuierung des Rentabilitätsprinzips in die Zeit kühlen 
und ruhigen Wagens getreten. Zu rechnen war vor allem auch 



— 92 — 

mit der durchaus bescheidenen Finanzkraft des Unternehmens, die 
Peters offenbar überschätzte. 

So gelang ihm denn die administrative Durchdringung und 
wirkungsvolle politische Beherrschung des Territoriums so wenig, 
wie es möglich gewesen war, durch Plantagenbau zu einem, wenn 
auch bescheidenen Grade von Rentabilität zu kommen. 



6. Abhängigkeit der Stationenpolitik von den Verhand- 
lungen zum Küstenvertrage. 

Man empfand in den Berliner leitenden Kreisen der DOAG 
die bisher verfolgte administrative Stationenpolitik als eine Last. 
Das beweisen die häufigen Seufzer über die Schmerzenskinder, 
die unproduktiven Stationen im Innern; das beweisen die Pläne 
zur Auflassung oder zum Verkauf derselben, zur Ersetzung der 
extensiven durch eine an wenigen Punkten konzentrierte, intensive 
Bewirtschaftung und endlich die Betrachtungen und Hoffnungen, 
die an die Ratifikation des Küstenvertrages geknüpft wurden. 
Dennoch entschloß man sich zunächst nicht zu einer durch- 
greifenden Reform. Sowohl die Generalvertretung in Zanzibar, 
wie Direktion und Direktionsrat in Berlin zögerten mit dem er- 
lösenden Wort. 

Es ist nicht zu entscheiden, welche Faktoren dabei vor allem 
am Werke gewesen sind, ob der Eigensinn des Generalbevoll- 
mächtigten, ob der Glaube an sein Ideal der Chartergesellschaften, 
ob der Wille Bismarcks oder, was sehr wohl möglich ist, das un- 
glückliche Schicksal des Küstenvertrages, über dessen Ratifikation 
erst ein Sultan sterben mußte. Die DOAG blieb jedenfalls bis 
zum Vertragsabschluß eine Schutzbriefgesellschaft, bei der der 
öffentlich-rechtliche Charakter noch den Grundton abgab. Sie spielte 
diese Rolle nicht ganz freiwillig und wußte sich nur damit zu 
trösten, daß ihre unglückliche Stationenpolitik durch die Not- 
wendigkeit entstanden war, sich Anwartschaften auf ein Terri- 
torium zu sichern, für das es andere Rechtstitel noch nicht gab. 
So fehlte ihr wenigstens die historische Begründung nicht. 

Endgültig wurde diese Politik erst aufgegeben, als der 
Küsten vertrag abgeschlossen war. Damals begann Konsul Vohsen 
eine Reform nach zwei Gesichtspunkten: Konzentration des Ar- 
beitsgebietes nach der Küste und den Zollstationen dortselbst und 
Handel statt Bodenkultur. 



— 93 — 
II. Handelsgeschäfte der DO AG. 

I. Der Konkurrenzvertrag mit den deutschen Zanzibarfirmen. — 2. Der Wettbewerb 
der indischen und arabischen Aufkäufer. — 3. Die Idee der Monopolisierung des 
Handelsgeschäftes im Interesse der DOAG. — 4. Die Organisation des Handels- 
betriebes der DOAG und ihre Erfolge. 

1. Der Konkurrenzvertrag mit den deutschen 
Zanzibarfirmen. 

Auf wirtschaftlichem Gebiete war es der Handel allein, in 
welchem die DOAG deutschen Wettbewerb vorfand. Es handelte 
sich durchweg um Unternehmungen, die eine langjährige Erfah- 
rung und genaue Kenntnis der individuellen Eigentümlichkeiten 
des Marktes besaßen. Dieser Umstand ist neben anderen auch 
Veranlassung gewesen, daß sich die DOAG nicht von vornherein 
dem Handelsbetrieb zuwandte, sondern, wenigstens programma- 
tisch, zuerst die Bodenkultur zum Gegenstande des Erwerbes zu 
machen suchte. 

Die Konkurrenten nun waren die deutsche Witu-Gesell- 
schaft und die seit langem in Zanzibar ansässigen Hamburger 
Firmen W. O'Swald und Hansing & Co. Die Weltfirma in Elfen- 
bein, Ad. Meyer & Co., fürchtete die DOAG anscheinend nicht 
und hielt sich von den folgenden Auseinandersetzungen fern. Um 
die deutschen Wirtschaftsinteressen in Deutsch-Ostafrika nicht durch 
einen schweren Konkurrenzkampf zu erschüttern, regte nämlich 
Fürst Bismarck bereits im Juli 1885 1 ) Besprechungen zwischen 
den Rivalen an. Am ehesten war es schon möglich, mit der 
Witu-Gesellschaft zu einer Einigung zu kommen, weil deren In- 
teressengebiet räumlich von dem der DOAG getrennt war. In 
einer Vereinbarung zwischen Dr. Peters und Dr. Kersten, als den 
Vertretern der beiden Gesellschaften, wurde denn auch am 5. Sep- 
tember 1885 als die Grenzlinie der Handelsgebiete der »Tana- 
fluß bzw. die Wasserscheide des Keniagebietes und Kiliman- 
dscharo angenommen« 1 ). Um aber eine Einigung mit den Ham- 
burger Zanzibarfirmen herbeizuführen, war das Auswärtige Amt 
als Unparteiischer nötig. Der Kampf zwischen den beiden Gegnern 
muß hart gewesen sein und wohl auch manches Unerfreuliche 
darüber an die Öffentlichkeit gedrungen sein; denn die DOAG 
sah sich mehrfach veranlaßt, auf bezügliche Gerüchte hin be- 
ruhigende Erklärungen in der Kolonial-Politischen Korrespondenz 
abzugeben. Am 12. September 1885 kam es endlich im Aus- 

*) Koschitzky, Deutsche Kolonialgeschichte, Leipzig 1888, Teil III, S. 263. 



— 94 — 

wärtigen Amte zu einer Konferenz unter dem Vorsitz des Herrn 
von Kusserow 1 ), in welcher die Firmen W. O'Swald und Hansing 
& Co. einerseits und die DOAG andererseits vertreten waren. 
Ob, wie Koschitzky sagt, die erzielte »Einigung eine für alle 
Teile befriedigende war«, bleibt mir nicht nur wegen der Einzel- 
heiten des Abkommens selbst zweifelhaft, sondern auch wegen der 
zuweilen in den Berichten der Generalvertretung, namentlich unter 
Konsul Vohsen, wiederkehrenden Klagen über die Gebundenheit 
der Aktionsfähigkeit der Gesellschaft in Handelsangelegenheiten. 

Nach diesem Vertrage 2 ) war der DOAG der Zentralmarkt 
Zanzibar verschlossen, so daß sie von den großen Indern, die den 
ganzen Zwischenhandel von dort nach der Küste in der Hand 
hatten, keine Waren zu Exportzwecken kaufen und für eben 
diese Großabnehmer auch nicht importieren konnte. Ein regulärer 
Großhandel, wie ihn europäische Großfirmen seit Jahrzehnten in 
Ostafrika ausgebildet hatten, ließ sich also, und zwar auf 5 Jahre, 
nicht betreiben. Export und Import waren der DOAG nur möglich, 
wenn sie sich entschloß, den Ankaufshandel im Innern auf eigene 
Rechnung und ohne Vermittlung der zanzibaritischen Inder zu be- 
treiben, oder auch, wenn es gelang, mit den selbständigen Neger- 
karawanen, die von Zeit zu Zeit an die Küste kamen, in Geschäfts- 
verbindung zu treten. Auf diesen Gebieten aber hatte sie mit 
scharfer indischer Konkurrenz zu rechnen. 

Zunächst scheint es ja, als läge in der Ausschaltung des 
Zwischenhandels ein Vorteil, besonders auch, wenn man daran 
denkt, daß die Gesellschaft aus administrativen Gründen und 
wegen der geplanten Kulturen ohnedies zur Einrichtung von 
Binnenstationen gezwungen war. Es stellte sich jedoch heraus, 
daß diese Plätze, von einigen, Korogwe vielleicht, abgesehen, gar 

J ) Koschitzky, a. a. O., S. 263. 

2 ) Offenbar über diesen Vertrag berichtete die Kolonial-Politische Korrespondenz, 
1885, Nr. 22: »Zwischen den beiden Hamburger Firmen Hansing & Co. und William 
O'Swald einerseits und der DOAG andererseits ist eine Abmachung getroffen, derzufolge 
die beiden Firmen gegen eine Kommissionsentschädigung den Handelsbetrieb der Ge- 
sellschaft in Zanzibar übernehmen, während dieselbe in ihren Gebieten eigene Faktoreien 
zum Ankauf und Transport der Waren anlegen wird.« Im Jahresbericht der DOAG 
von 1891 heißt es dann: »Die Situation des Jahres 1887 hatte uns bekanntlich eine 
Vereinbarung mit Hamburger Firmen gebracht, wonach es uns verboten war, auf Zanzibar 
mit ihnen in Konkurrenz zu treten.« Und weiter: »Nachdem dieses Vertragsverhältnis nun- 
mehr ein Ende gefunden hat«, also wohl 1891 oder 1892, da der Bericht vom Juni 1892 
datiert ist. Ob es sich dabei um zwei Abmachungen oder ein und dieselbe handelt, 
habe ich nicht ermitteln können. In der Wirkung sind sie beide gleich, und für die in 
Rede stehende Periode der Gesellschaftsgeschichte ist ihre Geltung unbezweifelt. 



— 95 — 

keine Aufkaufsgelegenheiten boten. Nur weit im Innern des Kon- 
tinents gab es solche, und gerade dort hatte die Gesellschaft keine 
Niederlassung. So nebenbei ließ sich also der Exportenaufkauf 
mit den vorhandenen Stationen nicht in die Wege leiten. 

2. Der Wettbewerb der indischen und arabischen 

Aufkäufer. 
Mpapua und Aruscha-Moschi verdanken diesem Umstände 
ihre Entstehung. Sie sollten den direkten Handelsverkehr mit den 
Eingeborenen des Innern anbahnen. Gleich aber entstanden neue 
und größere Schwierigkeiten: die Konkurrenz mit den Indern und 
ihren arabischen Handlangern, die hier seit langem ihr Tätigkeits- 
feld hatten. Diesen Gegnern war die DO AG in Erfahrung und 
fast auch an Kapitalkraft unterlegen. Die großen Zanzibar-Inder, 
die vor allem Elfenbeinkarawanen ins Innere schickten, arbeiteten 
mit enormen Mitteln und einem leichten Gewissen. Sie gingen 
nicht selber in die Elfenbeingebiete, sondern beauftragten sklaven- 
haltende arabische Grundbesitzer und übten schon bei der Begebung 
solcher Aufträge ihre skrupellosen Praktiken 1 ). Mancher ehedem 
reiche Araber verarmte unter ihren wucherischen Händen. Auf 
solche Manipulationen konnte sich die Gesellschaft natürlich nicht 
einlassen, so wenig, wie sie es den Indern in Zollhinterziehung 
und Beamtenbestechungen gleich tun durfte. Die Banjanen der 
Küste, die neben den Zanzibar-Indern mit der DOAG rivali- 
sierten, arbeiteten infolge ihrer geringen Lebensansprüche weit 
billiger als weiße Beamte; sie standen geschlossen zusammen, wenn 
es galt, der Gesellschaft irgendwo ein Geschäft abzujagen, und 
hatten vor allem jene minutiöse Kenntnis des Marktes, die den 
Gesellschaftsorganen mangelte und doch die wichtigste Vorbedingung 
des Erfolges war. 

3. Die Idee der Monopolisierung des Handelsgeschäfts im 
Interesse der DOAG. 
So ist es begreiflich, daß sich die maßgebenden Kreise der 
DOAG lange nicht entschließen konnten, einen größeren Handels- 
betrieb einzurichten. Es fehlten eben alle Voraussetzungen für 
eine in absehbarer Zeit zu erwartende Verzinsung der aufgewen- 
deten Kapitalien. Auf der anderen Seite aber konnte man sich 

*) Siehe den Abschnitt über die »Politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse 
in Ostafrika«. 



- 9 6 - 

der Einsicht nicht verschließen, daß alle in Zanzibar tätigen euro- 
päischen Firmen nur oder doch überwiegend vom Großhandel 
lebten. Wir zeigten an anderer Stelle, in welchen Ziffern sich 
insbesondere der deutsche Export und Import bewegte 1 ). Auf die 
Dauer durfte man sich daher diese Erwerbsquelle nicht entgehen 
lassen. Es galt also, Mittel und Wege zu finden, um, solange der 
Vertrag mit den Zanzibarfirmen bestand, doch wenigstens gegen 
die Schmutzkonkurrenz der Inder aufzukommen. Dies war, neben 
anderen wirtschaftlichen Gründen von nicht geringer Bedeutung, 
auch eine Ursache, warum man mit allen Kräften nach den Zöllen 
und auch nach der Verwaltung der Küste strebte. Sie gab der 
Gesellschaft politische Rechte in die Hand, die eventuell gegen 
die Inder und Banjanen zu wirtschaftlichen Zwecken hätten in 
Anwendung gebracht werden können. Eine Ausdehnung des Re- 
galienrechtes z. B. auf Kopal, Gummi, Orseille usw. — eine Idee, 
die eine Zeitlang wirklich erwogen worden ist — , hätte der DO AG 
das Monopol in diesen Artikeln gegeben und jenen wahrscheinlich 
den wirtschaftlichen Ruin gebracht. Den Widerstand der Araber, 
so glaubte man, würde man mit solchen Maßregeln nicht herauf- 
beschworen haben; sie hätten im Gegenteil wohl die Befreiung 
aus den wucherischen Händen der Inder mit Freuden begrüßt 
und wären die natürlichen Verbündeten der Gesellschaft geworden. 
Welche Verwickelungen aber mußten sich mit der diplomatischen 
Vertretung Englands ergeben, unter deren Schutz die indischen 
Kaufleute standen! Sie waren im Sultanat exterritorial und ge- 
nossen gleiche Rechte wie jeder Europäer. Das englische General- 
konsulat nahm sich ihrer Interessen mit aller Wärme an und hätte 
wohl niemals zugegeben, daß ein Handelsmonopol, welches nach 
Artikel V der Kongoakte nie würde zu Recht bestanden haben, 
dieselben schmälerte. Ja, es ist überhaupt fraglich, ob das 
Reich jemals die Hand zu einer solchen Verwertung des 
Küsten Vertrages geboten hätte. Es ist vielmehr wahrscheinlich, 
daß von dieser Seite unter Hinweis auf eben jenen Artikel V alle 
auf Stabilierung eines Handelsmonopols bezüglichen Anträge der 
Gesellschaft rundweg abgelehnt worden wären. Was aber viel- 
leicht weder einer englischen Intervention, noch einer solchen der 
Reichsregierung gelungen wäre, das hätte sicherlich das Interesse 
der deutschen Zanzibarfirmen zuwege gebracht; denn vor allem 
ihnen konnte an einem Handelsmonopol der Gesellschaft nichts liegen. 

x ) Siehe den Abschnitt über die »Politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse 
in Ostafrika«. 



— 97 — 

Mit einem Worte, für eine Monopolisierung gewisser Ausfuhr- 
artikel im bloßen Erwerbsinteresse der DO AG waren die ost- 
afrikanischen Verhältnisse wirtschaftlich und auch rechtlich zu weit 
entwickelt. Wo man das Problem der Einrichtung des Handels- 
betriebes also anpackte, überall stellten sich turmhoch Schwierig- 
keiten entgegen. Dort verpflichtete ein Vertrag mit den deutschen 
Zanzibarfirmen zum Verzicht auf gerade die lukrativsten Gebiete 
des ostafrikanischen Handels, hier stand die scharfe Konkurrenz 
der Inder, dort wieder ein völkerrechtlicher Vertrag einer 
Entwickelung des Gesellschaftshandels im monopolistischen Sinne 
entgegen. 



4. Die Organisation des Handelsbetriebes der DOAG und 

ihre Erfolge. 

So war man auf den Weg der friedlichen wirtschaftlichen 
Eroberung in Konkurrenz mit den geschäftsgewandten Indern und 
Arabern angewiesen, eine Aufgabe, die man seit Juli 1887 zögernd 
zu erfüllen suchte, und der, wie schon angedeutet, außer Mpapua 
und Aruscha-Moschi auch die Häfen Pangani und Daressalam 
dienten. Die übrigen Plätze des Innern hielten mit kommerziellen 
Aktionen ganz zurück; sie waren zu nahe der Küste gelegen, als 
daß vorbeiziehende Karawanen ihre Güter billiger verkauft hätten 
als an der Küste selbst. 

Die vier genannten Stationen, die wir bisher nur als politisch 
bedeutsam kennen gelernt haben, was sie auch vorwiegend bleiben 
sollten, standen in der Organisation des Handelsbetriebs in einer 
bestimmten Abhängigkeit voneinander, und es ist nicht bloßer 
Zufall, wenn außer Pangani und Daressalam gerade Aruscha- 
Moschi und Mpapua als Stützpunkte des Aufkaufs ins Leben ge- 
rufen wurden. Als Dr. Peters plante, die genannten Häfen zu 
Zoll- und Handelsstationen zu machen, war er sich bewußt, daß 
ihr Verkehr erst künstlich geschaffen werden müsse; denn nament- 
lich Daressalam war gegen das benachbarte Bagamoyo ganz un- 
bedeutend. Man hatte den Kampf gegen die Konkurrenz der 
großen Plätze aufzunehmen, so unnatürlich er war, weil der deutsch- 
englische Vertrag von 1886 diese dem Sultan vorbehielt. Um nun 
die Position der Vertragshäfen zu stärken, errichtete Peters noch 
1887 die beiden großen Binnenstationen Aruscha-Moschi und Mpapua 
und gab ihnen die Aufgabe, nach Möglichkeit alle Karawanen, 
die von weiterher aus dem Innern kämen und andere Häfen als 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Hert i. 7 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 9 8 - 

Pangani und Daressalam aufsuchen wollten, auszukaufen. In diesem 
Zusammenhang glaubte Peters auch an die allmähliche Entwick- 
lung des Handelsgeschäfts. Die eigentümliche Organisation des 
Elfenbeinhandels verhinderte es, daß sie ihrer Aufgabe gerecht 
wurden. 

In Pangani wurde im Sommer 1887 eine Karawane ausge- 
rüstet, die für ca. 2000 Rps. Waren mit sich führte und nach 
Nordnguru ging, um dort selbst Handelsbeziehungen anzuknüpfen. 
Natürlich waren selbständige Gesellschaftskarawanen die einzige 
Form, von der Küste aus überhaupt Handel zu treiben. Dennoch erfüllte 
der Versuch die gehegten Erwartungen nicht, und die erhofften 
Beziehungen zu Nordnguru blieben aus. Für wenige hundert Rps. 
Elfenbein ist später dann von Pangani nach Zanzibar gegangen, 
als in den eigentlichen Marktmonaten, Januar, Februar, März, die 
Nachfrage dort sehr groß wurde. 

In Daressalam wurde nicht einmal, wie in Pangani, der Ver- 
such mit einer Karawane gemacht; man beschränkte sich auf die 
gelegentliche Ausnützung der in der Nähe vorhandenen Kopal- 
und Gummischätze und erwog den Plan, sich durch eine eigene 
Kopalwäscherei von den Zwischenhändlern in Zanzibar, an die 
allein ungewaschene Kopal zu verkaufen war, unabhängig zu machen. 
Im Laufe des Jahres 1887/88 wurden auch kleinere Quantitäten, 
dazu etwas Elfenbein, nach Zanzibar geschickt, doch blieb es hier, 
wie in Pangani, bei »bescheidenen Anfängen«. 

Etwas fruchtbarer war Mpapua. Ganz unproduktiv aber blieb 
Aruscha-Moschi. Von den arabischen Karawanen, welche bei den 
Massai in der um Aruscha gelegenen Steppe kauften, war so wenig 
Elfenbein zu haben, wie von den anderen, die auf der großen 
Straße von Nairobi, aus den Elfenbeingebieten Kavirondo, am Nai- 
wascha- und Barengosee, im heutigen englischen Ostafrika, kommend, 
reich bepackt an Aruscha vorbei zur Küste zogen. Sie arbeiteten 
für Rechnung eines indischen Kaufmannes und hatten daher kein 
Verfügungsrecht über das mitgeführte Elfenbein. Als dritte Auf- 
kaufsgelegenheit kamen Massaimärkte bei Aruscha in Betracht, 
auf denen jedoch nur wenig Elfenbein angeboten wurde. Noch 
geringer waren die Mengen, welche schweifende Massai etwa zur 
Station brachten, so daß es erklärlich ist, wenn die Berichte des 
Stationsleiters von Aruscha-Moschi der Meinung Ausdruck geben, 
daß es besser sei, schon in Pangani Elfenbeinkarawanen auszu- 
rüsten und sich der Kilimandscharostation nur als Etappendepot 
zu bedienen. 



— 99 — 

Die aufgekauften Quantitäten von Ausfuhrartikeln, namentlich 
Elfenbein, dann auch etwas Kopal, repräsentierten, auf allen Sta- 
tionen zusammengenommen, an Wert in einem ganzen Jahre nicht 
mehr als 20000 bis 30000 Rps. Die Handelsabteilung der Ge- 
neralvertretung in Zanzibar hat versucht, diese Waren auf den 
Markt zu bringen, aber auch selbst dabei ging es nicht ohne Lehr- 
geld ab. Sogar bei Elfenbein wurde mit Verlust abgeschnitten. 
Die vollen Teile der Zähne fanden in Europa, die hohlen in Bombay 
ihre Abnehmer, wo ein ansässiger Kaufmann die Agentur der 
Gesellschaft übernommen hatte. Kopal ging nach Hongkong. Es 
ist vorgekommen, daß an der Küste aufgekaufte Posten Häute 
trotz lebhafter Bemühungen nicht zu exportieren waren. Als man 
nach der Ursache forschte, stellte sich heraus, daß dieselben Häute 
von Indern Zanzibars wegen ihrer untergeordneten Qualität, und 
weil sie auf dem Zanzibarmarkte keine Abnehmer gefunden hatten, 
auf die Küstenmärkte zurückgeworfen worden waren. 

Bei solchem immerhin begreiflichen Mißgeschick in der Aus- 
fuhr scheint uns das Fiasko des Aufkaufshandels um so verständ- 
licher. Ja, nicht einmal die Einfuhr von Tauschartikeln wagte 
man nach solchen Erfahrungen selbst in die Hand zu nehmen, 
obwohl die Handelsabteilung in Zanzibar von routinierten Kauf- 
leuten geleitet wurde. Der ostafrikanische Markt war schon da- 
mals zu fein geschnitten, als daß man mit jedem beliebigen Baum- 
wollmuster im Innern Erfolg gehabt hätte, und die Zanzibarfirmen 
bewahrten ihre Geschäftskniffe eifersüchtig, um sich die gefährliche 
Konkurrenz so lange wie möglich fernzuhalten. Man schlug darum 
vor, diesen Firmen gegen eine Kommissionsgebühr den Tausch- 
artikelimport zu übertragen und sah in der Folge auf diesem Ge- 
biete von einer Tätigkeit zu eigenem Risiko ganz ab. Die tat- 
sächlichen Leistungen im Handel stehen demnach noch hinter 
dem zurück, was in schon bescheidenen Ausmaßen im Arbeits- 
programm vorgesehen war. 

III. Andere kolonisatorische Unternehmungen der DOAG. 

1. Eigene Unternehmungen der DOAG: a) Küstenlinie, b) Eisenbahnexploration, 
c) Krankenpflege. — 2. Fremde, durch die DOAG geförderte und unterstützte Unter- 
nehmungen: a) Mission, b) Ansiedlung, c) Nutzbarmachung fremder Kapitalien. 

Die bis jetzt besprochene Stationenpolitik war das vor- 
nehmste Mittel der Ära Peters, sich in Ostafrika kolonisatorisch 
zu betätigen. Daneben aber wurde eine Anzahl anderer Unter- 

7* 



oo — 



nehmungen in die Wege geleitet oder doch geplant, die teils un- 
abhängig von der Stationenpolitik, teils aber in Verbindung mit 
ihr an der Erschließung der Kolonie teilzunehmen bestimmt waren. 



i. Eigene Unternehmungen der DOAG. 
a) Küstenlinie. 
Schon Anfang Juli war von der Generalvertretung der 
Wunsch ausgesprochen worden, zur Schaffung einer Verbindung 
zwischen Zanzibar und den Küstenplätzen Dampfer einstellen zu 
dürfen. Noch im Laufe des Etatsjahres traf ein Fahrzeug in 
Zanzibar ein; es erwies sich jedoch als viel zu leicht gebaut, um 
der an einzelnen Stellen der Küste herrschenden ziemlich heftigen 
Brandung zu widerstehen. 

b) Eisenbahnexploration. 

Die Eisenbahnexploration, die bereits zu Anfang des Sommers 
1887 eingeleitet wurde, war ein hervorragendes Mittel zur Er- 
schließung und administrativen Beherrschung der Kolonie. An- 
fang August begann die für diese Zwecke ausgerüstete Expedition 
ihre Trassierungsarbeiten von Daressalam aus in östlicher Richtung 
auf die Kinganistation Madimula zu und war Ende August schon 
über diesen Ort hinaus vorgedrungen. Sie setzte ihre Arbeit mit 
zeitweiligen Unterbrechungen während der kleinen Regenzeit 
weiter ins Innere fort und hat während des Etatsjahres 1887/88 
eine Ausgabe von 33oooMk. verursacht. Unter Konsul Vohsen 
wurde sie im Zusammenhang mit der Neuorientierung der ge- 
samten Wirtschafts- und Verwaltungstätigkeit aufgehoben. 

Das erste ostafrikanische Eisenbahnprojekt war also nicht die 
Usambarabahn, sondern die Zentralbahn. Die Trassierung gerade 
dieser Strecke war durch den rein zufälligen Umstand veranlaßt 
worden, daß Artikel II des englisch-deutschen Abkommens vom 
Jahre 1886 die Zölle von Pangani und, was für den vorliegenden 
Fall von Bedeutung ist, von Daressalam der Gesellschaft in Aus- 
sicht stellte. Auf den Entschluß des Sultans, an die Stelle der 
Verpachtung der Zölle von nur zwei Küstenorten die Übergabe 
der gesamten Verwaltung an die Gesellschaft zu setzen, haben die 
Arbeiten der Eisenbahnexpedition erheblich eingewirkt. 

Die Unternehmungen der DOAG, welche bisher im Kreise 
unserer Betrachtungen standen, hatten eminent wirtschaftlichen 



IOI — 

Charakter. Das gilt von der Stationenpolitik, von der Einrichtung 
einer Verbindung zwischen Zanzibar und der Küste und auch 
von der Eisenbahnexploration. Bei einigen der nun zu be- 
sprechenden Unternehmungen verschwindet der unmittelbar wirt- 
schaftliche Zweck ganz, wie namentlich bei der Krankenpflege. 



c) Krankenpflege. 

Zur Organisation der kolonialen Krankenpflege wurde im 
Verein mit dem Deutschnationalen Frauenbund von der General- 
vertretung ein großzügiger Plan entworfen. Die Freiin v. Bülow 
war als Vertreterin des Bundes in Zanzibar anwesend, um prak- 
tische Arbeit zu leisten. Die Hauptstation sollte in Zanzibar selbst 
eingerichtet werden; jede Küstenstation sollte eine Kranken- 
pflegerin erhalten. Über diese Anfänge kam die Angelegenheit 
aber trotz der lebhaften Anteilnahme Dr. Peters' nicht hinaus. 

Doch auch er hat nicht daran gedacht, die Krankenpflege 
des Frauenbundes ausschließlich mit Mitteln der DOAG zu 
finanzieren, regte vielmehr die Bildung einer gemeinnützigen 
Korporation an, deren Kapital, etwa iooooo Mk., durch Samm- 
lungen in Deutschland aufgebracht werden sollte. 



2. Fremde, durch die DOAG geförderte und unterstützte 

Unternehmungen. 

a) Mission. 

Schon auf der Ausreise hatte sich Dr. Peters mit dem 
Problem beschäftigt, die Missionen zu einem werktätigen Faktor 
der Erschließung Ostafrikas zu machen 1 ). In München hatte er 
die Benediktiner Mönche, nachmals die Reichenbacher Mission, 
als erste deutsch-katholische Mission für Ostafrika gewonnen. Sie 
ließen sich in Pugu bei Daressalam nieder. Ebenso gelang es, 
die französische Mission »Congregation du St. Esprit et du Coeur 
de Marie« durch einen besonders günstigen Vertrag an die Kolonie 
zu fesseln. Die Genehmigung des Vertrages seitens der Kurie 
blieb jedoch aus, da der starke Einfluß der französischen Partei 
am Vatikan die Erteilung zu verhindern strebte, obwohl sich selbst 
Bismarck dafür einsetzte. 



x ) Dr. Peters, a. a. O., S. I54ff. 



102 

Außer diesen beiden katholischen Missionen arbeitete in der 
Kolonie auch eine evangelische Mission. Die Sympathien der Ära 
Peters lagen jedoch aus rein wirtschaftlichen Gründen bei den 
katholischen Gesellschaften. Dr. Peters glaubte, die Erfahrung 
gemacht zu haben, daß sie mehr als jene sich der praktischen 
Unterweisung ihrer Zöglinge widmeten, und gerade darauf mußte 
es der DOAG ankommen. 

Vorübergehende Verhandlungen mit den algerischen Weißen 
Vätern, einer anderen französischen Mission, deren Tätigkeitsgebiet 
um Tabora und am Tanganjika lag, sind darum von Interesse, 
weil sie die Tatsache zeitigten, daß der Sultan noch im Sommer 
1887 glaubte, jene Landschaften gehörten ihm. 

b) Ansiedlung. 

Die Gesellschaft war der Ansicht, durch Reklame oder 
Agitation eine Auswanderung nach Ostafrika weder direkt, noch 
indirekt empfehlen zu dürfen, weil man auch die moralische Ver- 
antwortung bei fehlgeschlagenen Unternehmungen nicht tragen 
zu können glaubte. Bei der exponierten, von allen Seiten an- 
gegriffenen Position der Gesellschaft ist der Standpunkt jedenfalls 
begreiflich. Die Folge war freilich, daß sich Ende 1887 nur zwei 
Kolonisten im Schutzgebiet befanden, die bei Pugu, nahe Daressalam, 
eine Plantage im großen Stil einrichten wollten. Zu ihnen sollte 
in den nächsten Monaten ein dritter stoßen. 

In Berlin wurden Peters' Ansichten, der eine Förderung der 
Ansiedlung durch Konsignationsverträge empfahl, nicht geteilt, 
vielmehr behandelte man den Boden als eine Ware — pro Hektar 
unbebauten Bodens 1 Rp. — , deren Verkauf man auf Grund der 
Schutzbriefbestimmungen monopolisierte. Selbst heute verlangt 
die Regierung in Usambara bei reger Nachfrage nicht mehr als 
2 — 4 Rps. pro Hektar. Man kann bei dem verhältnismäßig hohen 
Preise, den die DOAG forderte, auf den Gedanken kommen, daß 
sie jene Taxe nur geschaffen habe, um systematisch jede Ansied- 
lung von Einzelpersonen, namentlich Kleinsiedlern, zu ver- 
hindern. Gerade diese Elemente mußten die eigentlichen Re- 
gierungsausgaben für Polizei, Gerichtsbarkeit usw. enorm steigern, 
während Pflanzungsgesellschaften sich viel leichter selbst helfen 
konnten. 

Diese Gründe mögen dazu beigetragen haben, daß die 
Sympathien der DOAG sich der Ansiedlung von Plantagen- 



— 103 — 

gesellschaften zuwandten. Damit nahm die Entwicklung der 
Kolonie eine entscheidende Wendung. Die Siedlungsmöglich- 
keiten für Einzelpersonen wurden fortan kaum mehr beachtet, 
nachdem schon literarische Einflüsse 1 ) am Werke gewesen waren, 
um den Glauben an eine Besiedlungsfähigkeit Ostafrikas zu 
zerstören. 

Bei der Zulassung von Plantagengesellschaften verfolgte die 
DO AG ein Verfahren, das sich sehr gut an der Deutsch- Ost- 
afrikanischen Plantagengesellschaft beobachten läßt. Sie ließ sich 
ioo Aktien ä iooo Mk. der Plantagengesellschaft übertragen und 
verlieh dieser dafür das Recht, »an 20 verschiedenen Stellen nach 
Auswahl Land bis zur Gesamtausdehnung von 100 000 Morgen in 
Besitz zu nehmen« 2 ). Das bedeutet also einen Preis von 1 Mk. 
pro Morgen oder 4 Mk. = 3 Rps. pro Hektar. Die Plantagen- 
gesellschaft zahlte also schon das dreifache des ursprünglich an- 
genommenen Bodenpreises, wenn auch freilich nicht in bar. 

Mit ihren Besitzungen wurde die Plantagen gesellschaft der 
Untertan der DO AG und das Objekt ihrer landes väterlichen Für- 
sorge. Leben und Eigentum ihrer Beamten hatte die DOAG zu 
schützen. Es ist interessant zu beobachten, wie Dr. Peters das 
Problem zu lösen suchte: Er forderte in Berlin strikte Unter- 
ordnung des neuen Unternehmens unter die Generalvertretung 
der DOAG in Zanzibar und im besonderen, daß die Plantagen- 
arbeiter seiner Direktion unterstellt würden. Dies Ansinnen, das 
eine ungewöhnlich weitgehende Beschränkung privater Rechte 
im öffentlichen Interesse enthielt und übrigens unbeachtet blieb, 
begreift sich nur, wenn man bedenkt, daß die DOAG der Groß- 
aktionär der Plantagengesellschaft war. In dieser Tatsache liegt 
denn überhaupt der Angelpunkt der Ansiedlungspolitik der DOAG, 
die alle kapitalistischen Großunternehmungen, die sich an der Er- 
schließung des Landes zu beteiligen gedachten, auf diese Weise 
in sich zu zentralisieren strebte und nur als ihre Untergesellschaften 
gelten lassen wollte. Zu der öffentlich-rechtlichen Abhängigkeit, 
die sich mit dem Umstände ergab, daß die DOAG die Kolonie 
regierte, sollte eine wirtschaftliche und privatrechtliche treten. 
Was an diesem Gedanken für ostafrikanische Verhältnisse richtig 
war, läßt sich leider wegen der Kurzlebigkeit der in Frage 
stehenden Beziehungen nicht zeigen. In einer geographisch, wirt- 



*) Dr. Fischer, Mehr Licht im dunklen Erdteil. 1885. 
2 ) Wagner, a. a. O., S. 123 ff. 



— 104 — 

schaftlich und politisch anders gearteten Situation hat die noch 
heute blühende englische Chartergesellschaft in Nord-Borneo mit 
derselben Idee in allerdings etwas abweichender, eigenartiger 
Ausgestaltung große Erfolge erzielt. 



c) Nutzbarmachung fremder Kapitalien. 
Es war kurz nach Abschluß des Präliminarvertrages im 
Juli 1887; Dr. Peters war von einem Besuch der südlichen Küsten- 
plätze nach Zanzibar zurückgekehrt; man erwartete dort stünd- 
lich die Bekanntgabe der Ratifizierung des Zollvertrages seitens 
des Direktionsrates in Berlin; der deutsche Einfluß war im Begriff, 
die Engländer aus der Gunst des Sultans zu verdrängen. Da 
glaubte der Generalbevollmächtigte die Zeit gekommen, auch die 
Unternehmungslust und Kapitalkraft Seyyid Bargaschs für die 
wirtschaftliche Erschließung Ostafrikas nutzbar zu machen und 
schlug Sr. Hoheit vor, zwei Plantagen, die die DOAG in Kilwa 
Kissiwani und Mtschinge anzulegen beabsichtigte, mit der Gesell- 
schaft gemeinsam auszubeuten. Seyyid Bargasch schob fürs erste 
eine Stellungnahme mit dem Bemerken hinaus, daß er nicht glaube, 
genug Arbeiter zur Verfügung zu haben. Viel geneigter aber 
zeigte er sich einem anderen Projekt, daß die Generalvertretung 
um dieselbe Zeit bei ihm anregte; schlug es doch in eines seiner 
geschäftlichen Spezialgebiete. Seine beiden in Deutschland 1885 
erbauten Dampfer »Kilwa« und »Barawa« sollte er zur ständigen 
und fahrplanmäßigen Verbindung der Küstenplätze hergeben. 
Diese Pläne verschwanden von der Bildfläche, als die schleppen- 
den Zollvertragsverhandlungen den Sultan zu verstimmen be- 
gannen. Sie beweisen aber, wie geschickt die damalige General- 
vertretung den Sultan auch für rein geschäftliche Angelegenheiten 
zu gewinnen verstand. Nur ist es ihr nicht gelungen, ihn auch 
mit seinem Barvermögen zu engagieren. Davor soll Se. Hoheit 
eine eigene Scheu gehabt haben. 



— 105 — 
2. Teil. 

Die Ära Vohsen (1888—1891). 

§ i. 
Die Entwicklung der politischen Verhältnisse nach Abschluß des 

Zollvertrages. 

Am 28. April 1888 war nach fast einjährigen Verhandlungen 
der Zoll vertrag ratifiziert worden. Es galt jetzt, die den Verhält- 
nissen und dem Wortlaut des Vertrages gerecht werdende Inter- 
pretation zu finden und gleichzeitig die Vorbereitungen zur Über- 
nahme der Verwaltung an der Küste in politischer und technischer 
Beziehung zu treffen. 

Schon kurz nach Abschluß des Vertrages war der interimi- 
stische Leiter der Geschicke der Gesellschaft, Freiherr v. Graven- 
reuth, der später in Kamerun fiel, in Besprechungen mit dem 
Bruder des Sultans, Seyyid Ali, zu der Überzeugung gekommen, 
daß die Zollverwaltung zweckmäßig in Zanzibar zu konzentrieren 
sei. Er begründete seine Ansicht unter anderem damit, daß die großen 
Küstenplätze Tanga, Pangani, Daressalam und Bagamoyo, den alten 
Gepflogenheiten entsprechend, ihren Auslandsverkehr über Zanzibar 
leiteten und von dieser Tradition ohne umwälzende Änderungen 
in der Technik des ostafrikanischen Handels nicht lassen würden. 
Auch der Sultan gab dem Generalkonsul gegenüber dem Wunsche 
Ausdruck, die Zollverwaltung künftighin in Zanzibar konzentriert zu 
sehen, und erklärte sich gleichzeitig bereit, zu diesem Zwecke das 
alte Produktenzollhaus dortselbst zur Verfügung zu stellen. Jedoch 
war dies Zugeständnis, das zunächst recht sehr dem Versuche 
ähnelt, den Küstenvertrag zu umgehen und sich seinen politischen 
Konsequenzen nach Möglichkeit zu entziehen, außerdem an zwei 
harte Bedingungen geknüpft: Die Gesellschaft sollte auf dem Fest- 
lande keine Zollstationen einrichten und einer Reihe von »Modi- 
fikationen und Erklärungen« des Sultans zum Zollvertrage statt- 
geben, die ja zum Teil unwesentlich erschienen, zum andern aber 
recht starke Zumutungen enthielten. So lief einer darauf hinaus, 
die Importzölle möglichst dem Sultan vorzubehalten, und ein anderer, 
die Insel Mafia vom Vertrage auszunehmen. 

Der Generalkonsul mochte sich einer Höflichkeitsformel be- 
dient haben, als er versprach, hinsichtlich Mafias in günstigem 
Sinne beim Fürsten Bismarck vorstellig zu werden. Jedenfalls 
hat Konsul Vohsen, der bald darauf, am 14. Mai, in Zanzibar 



— io6 — 

eintraf und fortan die Haltung der DOAG an Ort und Stelle ver- 
antwortlich bestimmte, der Insel Mafia im beregten Sinne nie Er- 
wähnung getan, wie er vor allem den ganzen Konzentrationsplan 
aus guten Gründen überhaupt fallen ließ. Er ging von der An- 
sicht aus, die ja durch die spätere Entwicklung der ostafrikanischen 
Angelegenheit und die endgültige politische Trennung der großen 
Inseln von dem gegenüberliegenden Festlande vollauf gerechtfertigt 
worden ist, daß sich die deutsche Kolonie von Zanzibar nach 
Möglichkeit freimachen müsse. In zwei, 1890 und 1891 erschienenen 
Broschüren zählt Vohsen 1 ) unter anderem die Gründe auf, die ihm 
seinen Plan, der jedenfalls ein Kampf gegen eingewurzelte In- 
stitutionen war, durchführbar erscheinen ließen. 

Wäre die Gesellschaft finanziell in der Lage gewesen, neben 
der Zollverwaltung auf Zanzibar an der Küste eine besondere 
Administration einzurichten, so hätte die Konzentrationsidee viel- 
leicht der geeignete Kompromiß Vorschlag sein können, der der 
Gesellschaft die Ausnützung aller Rechte aus dem Vertrage, der 
administrativen und pekuniären 2 ), sicherte, ohne sie doch aus den 
allerdings noch ganz chimären, in den Kreisen der DOAG aber 
je nach Temperament laut oder leise gestellten Ansprüchen auf 
die beiden großen Inseln zu verdrängen. Unter den obwaltenden 
Umständen freilich war Vohsen s Plan, die Zölle an der Küste 
zu erheben und den Zollverwaltern dort auch die Funktionen der 
Verwaltungsbehörde zu übertragen, der billigere und daher im 
Moment bessere, obgleich er den Nachteil bot, daß die oben ge- 
kennzeichneten Expansionshoffnungen eine natürliche Stütze ver- 
loren. Schließlich hatte Konsul Vohsen auch die Absicht, den 
Zollstationen Plandelsunternehmungen anzugliedern, was wiederum 
voraussetzte, daß sie sich an der Küste etablierten. So wurde die 
Idee der Konzentration durch den Gedanken ersetzt, die Zoll- 
erhebung auf die Hauptküstenplätze zu verteilen. Da er auch den 
Beifall des Generalkonsuls fand, der alle Verhandlungen mit dem 
Sultan führte, wurde jener Zentralisierung keine Beachtung mehr 
geschenkt. 

Von den bestehenden Zollstationen des Sultans wurden Tanga, 
Pangani, Bagamoyo, Daressalam, Kilwa Kiwindsche, Lindi, Mikin- 



x ) Vohsen, Zum deutsch - englischen Vertrag. Berlin, Fontane, 1890 und 
Vohsen, Ein Kolonialprogramm für Ost-Afrika. Berlin, Fontane, 1891. 

2 ) 170000 Rps., welche als Verwaltungskostenbeitrag aus den Erträgen der 
Zölle der DOAG vertragsmäßig zustanden, bildeten die erste nennenswerte Einnahme 
aus der Kolonie. S. den Küsten vertrag, Anhang IV. 



— 107 — 

dani zu Hauptzollstationen, sieben andere: Sadani, Mbweni, Ki- 
kunga, Ssamanga, Kilwa Kissiwani, Sudi und Chobe auf Mafia zu 
Nebenzollstationen gemacht. Außerdem sollte eine größere An- 
zahl von Prohibitiv- oder Küsten wachen eingerichtet werden. 

Die umfangreichen Vorarbeiten für die Einrichtung der Zoll- 
verwaltung ließen es anfänglich ratsam erscheinen, die Übernahme 
bis zum i. Oktober aufzuschieben. Eine Anzahl von Gründen, 
insbesondere der pekuniäre Verlust, der entstanden wäre, wenn 
die Gesellschaft für die Zeit vom 15. August 1888 bis zum 1. Ok- 
tober weder die vereinbarten Verwaltungskosten, noch die Kom- 
missionsgebühr von 5 % erhalten hätte, sprachen jedoch dafür, 
schon mit dem 15. August, dem frühesten Termin, in die Aus- 
übung der vertragsmäßigen Rechte einzutreten. Mit der Mit- 
teilung dieses Entschlusses an den Sultan wurden gleichzeitig 
einige Wünsche hinsichtlich seiner Unterstützung beim Übergang 
der Zölle auf die Gesellschaft formuliert, zu denen er gebeten 
wurde, sich zu äußern. 

Sie waren bis auf die gleich zu erörternde Grenzfrage rein 
formeller Natur und fanden darum auch bald eine zufrieden- 
stellende Beantwortung. 

Im Artikel I des Küstenvertrages hieß es, daß der Gesellschaft 
alle Gewalt zustände, welche der Sultan auf dem Festlande, Mrima, 
und in seinen Territorien und Dependenzen südlich vom Umbafluß 
besitze. Die offene Südgrenze dieses Gebietes forderte, wenn anders 
Schwierigkeiten mit den im Süden angrenzenden Portugiesen ver- 
mieden werden sollten, geradezu auf, den Sultan um eine Präzi- 
sierung zu bitten. Die besonderen Umstände aber, auf die 
Generalkonsul Michahelles verwies, zwangen Vohsen, davon 
Abstand zu nehmen. Im Sommer 1888 nämlich wurden die Ver- 
handlungen über die Absteckung der Südgrenze in Lissabon 
zwischen Portugal einerseits und Deutschland und England als 
Vertretern des Sultans andererseits geführt, so daß Seyyid Khalifa 
wahrscheinlich in Verlegenheit gekommen wäre, wenn man ihn 
nach der Südgrenze seines Gebietes gefragt hätte. Beide, Portugal 
wie der Sultan, beanspruchten die Tunghi-Bai. Der Streitfall ist 
endgültig erst im September 1894 durch einen Vertrag zwischen 
Deutschland und Portugal entschieden worden 1 ). Damals wurde 
Portugal die Tunghi-Bai zugesprochen, die deutsche Südgrenze 
jedoch vom Rovuma an das Kap Delgado bei 10 ° 40' südlicher 

*) L y n e , a. a. O. 



— 108 — 

Breite verlegt. Bis dahin galt die Rovumamündung offiziell als 
der südlichste Küstenpunkt. 

Während die Südgrenze also unerörtert blieb, stellten sich 
wegen der Nordgrenze bald mit der englischen Gesellschaft Diffe- 
renzen ein, die zu lebhaften Auseinandersetzungen führten. Wir 
übergehen den Gegenstand jedoch. 

Nach Ausscheidung jener Grenzfrage blieben noch einige 
andere Streitpunkte übrig. Der Sultan wünschte sie in einer Be- 
sprechung erledigt zu sehen, die auf den 3 1. Mai angesetzt wurde, und 
ordnete dazu als seine Vertreter Seyyid Mohamed ben Soliman, 
Scheich Bakaschmar und General Mathews, den englischen Be- 
fehlshaber seiner Truppen, ab. Sie sollte im deutschen Konsulat im 
Beisein von Dr. Michahelles stattfinden. Unter stillschweigender 
Umgehung zweier wirklich bedeutsamen Punkte, wie der eventuellen 
Teilnahme der Militärmacht des Sultans bei der Übernahme der 
Verwaltung und der Zölle im August und dem Wesen des »Borti« l ) 
genannten Schlagholzes, einigte man sich bald über die anderen. 
Die Ergebnisse der Verhandlungen wurden schriftlich fixiert; der 
Sultan ließ sich jedoch erst nach 14 Tagen herab, die Ab- 
machungen zu unterzeichnen ; er entschuldigte sich mit der Fasten- 
zeit, dem Ramadan. Immerhin erfüllte er noch die gegebenen 
Zusicherungen: Er stellte für eine Küstenreise zur Instruierung 
der Walis über die künftige Situation seinen Dampfer Barawa 
zur Verfügung der DO AG und delegierte einen seiner Würden- 
träger, Soliman ben Nassr, zu dieser Mission. Er forderte die 
Walis auf, nachdem er ihnen von der Absicht der Gesellschaft, 
die Zölle am 15. August in eigene Verwaltung zu nehmen, Mit- 
teilung gemacht, dies der Bevölkerung in der landesüblichen Form 
bekannt zu geben. Zur Besprechung technischer Einzelheiten in 
der Handhabung der Zollerhebung entsandte er später einen 
anderen Würdenträger. 

Vom 20. bis 30. Juni fand dann auf der Barawa die beab- 
sichtigte Inspektionsreise zunächst an der Südküste statt. Vohsen 
suchte nacheinander Kilwa Kiwindsche, Lindi, Sudi, Mikindani, 
Kilwa Kissiwani und Daressalam auf. Die Walis zeigten sich bis 
auf den alten und einflußreichen, aber lumpig und zerrissen ge- 
kleideten Scheich Hamud ben Abdallah in Lindi, der dort mit 
54 Askaris für 201 Dollar monatlich das Regiment führte, will- 
fährig. Überall wurde ihnen mündlich ihre künftige Stellung zu 

l ) Siehe darüber Artikel VI des Vertrages vom 28. April 1888 (Küstenvertrag) 
im Anhang IV. 



— 109 — 

den Zollbeamten der Gesellschaft auseinandergesetzt und Mitteilung 
von den wichtigsten Rechten der Gesellschaft aus dem Vertrage 
gemacht. Sowohl Konsul Vohsen, wie der Bevollmächtigte des 
Sultans überreichten dann Schreiben des Sultans. Diese Prokla- 
mation an dieWalis zeigt, wie wenig Seyyid Khalifa die Situation, 
die mit dem Küstenvertrage geschaffen war, verstand oder ver- 
stehen wollte. Er spricht, was formal vielleicht noch zulässig war, 
von bloß mietweiser Überlassung der Zollverwaltung an die 
Gesellschaft, ergeht sich aber in unklaren und nichtssagenden 
Redensarten in einem Hauptpunkte, nämlich da, wo es galt, das 
zukünftige Verhältnis seiner Regierungsorgane zur DOAG zu 
präzisieren. 

Kaum war die Expedition in den letzten Tagen des Juni 
nach Zanzibar zurückgekehrt, als dem Generalkonsulat von Seyyid 
Khalifa eine Beschwerde über ihr Auftreten an der Küste zu- 
ging. Der Generalbevollmächtigte klärte Dr. Michahelles sofort 
darüber auf, daß alle diese Ausstellungen Sr. Hoheit sich nicht 
etwa auf die Formen des mit den Walis gepflogenen Verkehrs be- 
zögen, sondern besagen sollten, daß sich die DOAG in den Be- 
lehrungen der Beamten Rechte angemaßt hätte, die ihr nicht zu- 
ständen. Die Proklamation schon hatte gezeigt, daß der Sultan 
sich seiner vertraglichen Verpflichtungen nicht bewußt war. Diese 
Beschwerde lieferte einen zweiten Beweis dafür. 

In seinem Unmut ließ sich Seyyid Khalifa noch zu anderen 
launenhaften Unhöflichkeiten hinreißen. Er schickte seine Dampfer 
Barawa und Kilwa mit besonderen Aufträgen aus Zanzibar weg, 
obwohl ihm mitgeteilt worden war, daß der Generalbevollmächtigte 
der Gesellschaft schon in den ersten Tagen des Juli seine Orien- 
tierungsfahrt nach den Nordhäfen fortzusetzen beabsichtige. Sie 
verzögerte sich dadurch bis zum 13. Juli und mußte doch noch 
auf der »Acola«, einem anderen Sultansdampfer, angetreten werden. 
Nacheinander wurden Bagamoyo, Sadani, Pangani und Tanga 
besucht, Wanga aber, der unklaren Rechtslage wegen — 
es bestand ein Streit, ob es zur deutschen oder englischen Inter- 
essensphäre gehöre — , übergangen. Nur der Scheich Abdul 
Kaoni, Wali von Pangani, ein Vollblutaraber aus Maskat und 
fanatischer Christenfeind, querulierte anfangs, während die übrigen 
sich zufrieden gaben. 

Um zu verhindern, daß Seyyid Khalifa diesmal eine ähnlich 
ungerechtfertigte Beschwerde, wie nach der Bereisung der Süd- 
küste, aufsetzte, hatte Vohsen das Generalkonsulat gebeten, den 



HO — 

Vertrag, insbesondere Artikel i, offiziell zu interpretieren. Außer- 
dem wurde dem Sultan durch den Generalkonsul ein Auszug aus 
dem Küstenvertrage vorgelegt, und es heißt, daß er von ihm 
genehmigt worden sei. Dieser Auszug sollte den Sultansbeamten 
an der Küste mitgeteilt werden. Wiederum hatte sich der Sultan 
also nicht herbeigelassen, seinerseits in einer Proklamation unum- 
wunden auszusprechen, welches seine vertraglichen Verpflichtungen 
seien und so alle seine Organe höchstselbst über den neuen Tat- 
bestand aufzuklären. Ängstlich schien er darüber zu wachen, daß 
der wahre Sachverhalt niemandem zu Ohren kam. Andererseits 
»genehmigte« er den von der Generalvertretung in Zanzibar an- 
gefertigten Auszug; durfte er sich doch der Einsicht nicht ver- 
schließen, daß eine Weigerung als direkter Vertragsbruch an- 
gesehen werden würde, und wußte er doch nur zu gut, daß keiner 
seiner Beamten an den Ernst solcher »erzwungenen« Erklärung 
glauben würde, die zwar von Sr. Hoheit »genehmigt«, aber nicht 
dekretiert worden war. Aus Gewohnheit fast witterten diese 
verschlagenen Araber überall Lug und Trug, und ihre von Miß- 
trauen und Unmoral angefressene Logik sagte ihnen, daß die 
tatsächlichen Verpflichtungen des Sultans nur ein von Sr. Hoheit 
eigenhändig verfaßtes Handschreiben enthalten könne. Den Beweis 
dafür, daß sich der Sultan sicher war, mit Genehmigung des Aus- 
zugs keinen seiner Beamten von der Verbindlichkeit des Inhalts 
überzeugt zu haben, lieferte er bald darauf in einem Schriftwechsel 
mit dem Generalkonsulat. Aufgefordert, in einer Proklamation seinen 
Beamten von sich aus bekanntzugeben, daß die DO AG die ge- 
samte Verwaltung an der Küste übernehmen werde und alle Walis, 
Akidas und Askaris fortan nur ihren Befehlen zu gehorchen hätten, 
antwortete er: »Wir sind im Besitz Ihres Briefes vom 24. Juli, dessen 
Inhalt wir verstanden haben. Wir haben Unseren sämtlichen Beamten 
schon früher mitgeteilt, daß Wir die Plätze der Ostafrikanischen 
Gesellschaft mietweise übergeben haben, mit dem Befehl: Bleibt 
alle auf euren Posten und macht euch keines Ungehorsams 
schuldig. Von keinem derselben ist mir eine Benachrichtigung 
zugegangen, daß er darauf nicht eingehe. Jeder, dem es im 
Dienste nicht gefällt und der seinen Obliegenheiten nicht gerecht 
wird, wird entlassen und durch einen anderen ersetzt. So Gott 
will, wird er aber alles zum besten wenden.« Recht betrachtet, 
ist diese Antwort einfach der Versuch einer Verdunkelung des Tat- 
bestandes. 

Aus den eben erörterten Gründen fehlte allen Erklärungen 



— III — 

und Bekanntmachungen der Gesellschaft die überzeugende Kraft, 
obwohl sie inhaltlich durchaus auf dem Boden des Vertrages standen. 
So enthielt jene »genehmigte« Erklärung folgende Tatsachen: 
i. Die Administration der Küste übernimmt die Gesellschaft im 
Namen des Sultans. 2. Niemand als die Gesellschaft hat das Recht, 
Land zu kaufen. 3. Die Gesellschaft hat das Recht, Steuern zu 
erheben. 4. Die Gesellschaft hat das Recht, Beauftragte im Namen 
des Sultans zu ernennen und Gerichtshöfe einzusetzen. 5. Alle 
Forts und unbesetzten öffentlichen Gebäude, ausgenommen die, 
welche der Sultan zum eigenen Gebrauch behalten will, gehören 
der Gesellschaft. 6. Alle Kadis ernennt der Sultan. 7. Jeder Be- 
amte, der von der Gesellschaft beschäftigt und kontrolliert wird, 
wird von ihr bezahlt. 

Den Bezirkschefs der Zollverwaltung, die sich im Laufe des 
Juli auf ihre Posten an der Küste begaben, wurde ebenfalls ein 
Schreiben an die Walis mitgegeben. Es wiederholte in sechs 
Punkten die Titel 1, 4 und 7 der oben erwähnten Erklärung und 
tut den Bestimmungen des Vertrages in keiner Weise Zwang an. 

An der Küste standen die Dinge Ende Juli des Jahres 1888 
also so: Der Sultan leistet passiven Widerstand. Die Gesellschaft 
bemüht sich andauernd, in mündlichen und schriftlichen Erklä- 
rungen die Bevölkerung und die Sultansbeamten über ihre ver- 
tragsmäßigen Pflichten aufzuklären. Zwei Gewalten also, die sich 
nach Übereinkunft gegenseitig unterstützen sollten, stehen in hef- 
tigem Kampf miteinander, der noch dazu mit recht ungleichen 
Kräften geführt wird. Hier papierne Bekanntmachungen, die 
niemand ernst nimmt, dort die Solidarität und verbissene Ent- 
schlossenheit aller arabischen Elemente, ihre Position nicht zu ver- 
lassen. 

Die drei Monate von Mitte Mai bis Mitte August, die dazu 
hätten dienen können, die Bevölkerung an die neuen Herren zu 
gewöhnen, verstrichen mit dem für die zanzibaritische Diplomatie 
höchst schmeichelhaften Erfolg, daß jeder Araber in dem Bewußt- 
sein lebte: Unser Sultan in Zanzibar will die Zölle gar nicht ab- 
treten, sie sollen ihm vielmehr geraubt werden; Seyyid Khalifa 
ist das Opfer der gemeinen Ränke einer Handvoll Ungläubiger. 

Diese Überzeugung hatte das Verhalten des Sultans bei seinen 
Untertanen geweckt, und daraus entwickelten sich späterhin Volks- 
stimmungen, die schließlich zum blutigen Aufstand führten. An- 
fang August war der Tag schon bedenklich nahe, an dem der 
Sultan durch die Tat anerkennen sollte, daß er in einem ordnungs- 



mäßig abgeschlossenen Vertrage sich seiner Rechte begeben hatte. 
Da mag er denn jäh aus seinem Traum von Macht und Größe 
erwacht sein und in einem Augenblick klaren Erkennens der 
harten Tatsache seiner Enterbung seinem Vertrauten Nassr Lilany 
die Weisung gegeben haben, den Küstenbeamten zu befehlen, 
daß sie sich der Gesellschaft unterzuordnen hätten. Aber es war 
zu spät. Keiner von ihnen glaubte mehr an den Ernst solcher Dekrete. 
Seyyid Khalifa hatte die Rolle des Märtyrers zu gut gespielt. 

Ja, er selbst fiel nach jener kurzen Anwandlung von Resig- 
nation in seine alte Politik passiver Resistenz zurück. Konsul 
Vohsen ließ ihn am n. August um eine Audienz bitten und er- 
hielt die Antwort, daß Se. Hoheit jemand zu schicken bereit sei, 
der Tag und Stunde des Empfangs bekannt geben würde. Vohsen 
wartete den 12., und als am 13. August noch immer keine Nach- 
richt eingetroffen war, sandte er seinen Dragoman Cudsy, er- 
neuerte seine Bitte und ließ gleichzeitig den Entwurf zu einer 
Order an die Walis, dem Konsul Vohsen Gehorsam zu leisten, 
zur Unterschrift überreichen. Der Sultan verweigerte die Unter- 
zeichnung, jedoch, wie der Dragoman erzählte, erst unter dem 
Eindruck der Einflüsterungen seines alten Ratgebers Bakasch- 
mar, gewährte aber die Audienz. In ihrem Verlaufe verstand er 
sich schließlich dazu, folgenden Befehl an die Walis auszufertigen: 
»Der Abschluß des Küstenvertrages hat stattgefunden. Konsul 
Vohsen ist Mein Vertreter an der Küste. Alle Walis und As- 
karis haben ihm unbedingten Gehorsam zu leisten und den Be- 
dingungen des Vertrages zwischen Mir und der Gesellschaft nach- 
zukommen.« 

Die Wirkung dieses Schriftstückes auf den Wali von Baga- 
moyo läßt einen tiefen Blick in die Vorstellungen der arabischen 
Beamten vom Verhältnis zwischen der DO AG und Seyyid Khalifa 
tun. Der Generalbevollmächtigte ging selbst nach Bagamoyo, um 
dort persönlich die Zollverwaltung zu übernehmen. Als er am 
15. August eintraf und dem Wali sogleich jenen Befehl übergab, 
war der so konsterniert, daß er sich alsbald die Gnade erbat, 
beten gehen zu dürfen, doch nur, um mit dem gleichzeitig her- 
übergekommenen Abgesandten des Sultans über den offenbaren 
Gesinnungswechsel Sr. Hoheit verhandeln zu können. Das Ver- 
halten des Wali ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt, daß er 
bis zum 15. August künstlich in dem Glauben erhalten war, das 
gute Recht sei auf seiten Sr. Hoheit. Dann aber auch ist es er- 
klärlich, daß er nun trotz aller eigenhändigen Briefe des Sultans 



— H3 — 

nicht mehr von seinen Befugnissen preisgeben wollte, als ausdrück- 
lich befohlen wurde. Darin lag der Keim zum Konflikt, der seit 
dem 15. August an vielen Küstenorten hell aufloderte. Nicht, daß 
die DO AG auf ihrem wohlbegründeten Recht bestand, unter der 
Sultansflagge an demselben Mast die eigene hissen zu dürfen, war 
die Veranlassung zu den Unstimmigkeiten in Bagamoyo. Es ist 
vielmehr die Tatsache, daß der Wali sich noch immer als Beamter 
des Sultans fühlte und daher ein Recht zu haben glaubte, neben 
den beiden Flaggen auf dem Gebäude der Gesellschaft noch die 
rote Zanzibar-Fahne auf seinem eigenen Hause wehen lassen zu 
dürfen. Seiner Unabhängigkeit von der DOAG glaubte er sich 
auch nicht nach vollinhaltlicher Anerkennung der Sultansprokla- 
mation begeben zu haben. Der Generalbevollmächtigte verließ 
Bagamoyo noch am 1 6. August, um sich im Verein mit dem General- 
konsul sofort beim Sultan über die Unbotmäßigkeit des Wali be- 
treffs der Flagge zu beschweren und die nötigen Maßnahmen da- 
gegen zu fordern. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß 
die Gesellschaft formalrechtlich in der Lage gewesen wäre, den 
Wali, der doch bereits ihr Beamter war, abzusetzen. Statt dessen 
verlegte man sich darauf, durch Überredungskünste den Sultan 
zur Vertretung der Gesellschaftsrechte zu bewegen. Am Vormittag 
des 17. August hatte der Generalkonsul, am Nachmittag Vohsen 
eine Audienz bei ihm, in der sie einen Befehl forderten, daß kein 
Wali selbständig die Sultansflagge sollte führen dürfen, daß jeder 
Wali die öffentlichen Gebäude zu übergeben und kein Sultans- 
beamter in ihnen ohne Erlaubnis der Gesellschaft zu verbleiben habe. 

Wieder versprach Seyyid Khalifa, dem Wunsche nachzu- 
kommen, wieder zögerte er die Ausfertigung des Dekrets über 
den 17., über den 18. August hinaus, wieder waren seine Beamten 
in Bagamoyo und die ganze Clique der Araber der Überzeugung, 
daß dem Sultan ein Unrecht geschehen solle. In dieser Gewiß- 
heit drohten sie, Bagamoyo in Brand zu stecken, wenn eine Ent- 
fernung der roten Fahne versucht werde. Abermals hatte die 
passive Resistenz Sr. Hoheit ihre Wirkung getan. Es war kein 
Wunder, daß sich der arabischen Bevölkerung eine ungeheuere 
Erregung bemächtigte. 

Die Politik der Zanzibariten hatte es verstanden, die Gesell- 
schaft ins Unrecht zu setzen; den Uneingeweihten erschien ihr 
Vorgehen als eine Vergewaltigung des Sultanats, während sie doch 
nur die Wahrung legitimer Ansprüche im Auge hatte. So war 
es in Bagamoyo, so in Pangani und an anderen Orten. 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z.Jena, Bd. XII, Heft i. 8 

Kurtze, Die Deutsch -Ost afrikanische Gesellschaft. 



Als nun der Sultan die geforderte unzweideutige Erklärung 
an seinen Wali in Bagamoyo noch immer zurückhielt, war es der 
Generalkonsul Dr. Michahelles selbst, gewiß ein Mann, dem 
Draufgängertum im Interesse der DO AG nicht nachgesagt werden 
kann, der Konsul Vohsen den Vorschlag machte, unter Assistenz 
eines Kriegsschiffes die Sultansflagge vom Walihause in Bagamoyo 
herunterholen zu lassen. Das geschah denn auch unter größter 
Schonung der Plagge, ohne Blutvergießen und ohne Widerstand 
der Araber. Aber merkwürdigerweise nicht ohne eine Rüge der 
Reichsregierung. Der Sultan beschwerte sich bei ihr über die 
Beseitigung der Flagge, worauf aus Berlin prompt der Wunsch 
an die DOAG erging, die Sultansflagge überall zu respektieren. 
Der Generalkonsul selbst, der Urheber jener Idee, kam in die 
Verlegenheit, der Generalvertretung von der Stellungnahme des 
Auswärtigen Amtes Kenntnis geben zu müssen. Nicht genug 
damit, daß Seyyid Khalifa mit seinem zweifelhaften Benehmen 
seinen Untertanen den Widerstand gegen die neue Ordnung der 
Dinge suggerierte und eine unheilvolle Bewegung entfesselte, 
nun brachte er es auch zuwege, die Organe der Reichsregierung 
gegeneinander und gegen die Gesellschaft aufzuhetzen. 

Am 20. August forderte man von Seyyid Khalifa, daß er 
den Wali von Bagamoyo in einem besonderen Erlaß nun auch zu 
seinen übrigen Verpflichtungen anhalte. Er wurde gebeten, jede 
einzelne ausdrücklich zu nennen, so Übergabe des Walihauses, 
Hissung der Gesellschaftsflagge dortselbst, und ferner einen Ge- 
sandten zu ernennen, der den Befehl in Gemeinschaft mit dem 
Generalvertreter der DOAG per »Leipzig« überbringen sollte. 
Auch diese Forderungen enthalten keine Nötigung des Sultans, 
sie überschreiten durchaus den Rahmen der der Gesellschaft ver- 
tragsmäßig zustehenden Rechte nicht; vielmehr sind sie, wie jenes 
erste von Sr. Hoheit verlangte Dekret vom 17. August, Beweis 
weitgehender Nachgiebigkeit der Generalvertretung — ob in der 
militärischen Ohnmacht derselben begründet, lassen wir dahin- 
gestellt — , die den Sultan bei der Übernahme der Verwaltung 
nicht ausschalten wollte oder konnte. Um so mehr aber muß es 
wunder nehmen, daß Seyyid Khalifa auch hier wieder, wie schon 
oftmals vorher, das bewährte Mittel der Verschleppung in An- 
wendung brachte. Er nahm »Kenntnis« von den Anträgen der 
Generalvertretung und — reiste nach seiner Schamba ab. Vohsen 
wartete den folgenden Tag, den 21. August, ab und verließ dann 
zur festgesetzten Stunde auf einem Kriegsschiff Zanzibar, um auch 






— H5 — 

ohne Sultansdekrete nach Bagamoyo zu gehen. Da — die »Leipzig« 
hatte sich schon in Bewegung gesetzt — wurde der Befehl noch 
an Bord gebracht. 

Es ist immer wieder dasselbe Bild: Der Sultan fortgesetzt 
vor absolut gerechtfertigten Forderungen der Gesellschaft; sie er- 
scheinen ihm ungeheuerlich, weil er fühlt, daß sie seine Macht- 
stellung zu untergraben geeignet sind; er kann sich nicht dazu 
aufraffen, sie anzuerkennen, und hofft, durch Verschleppung der 
Antwort den Gang der Ereignisse aufzuhalten; so geht es einen 
Tag und einen zweiten; dann entschließt sich der Generalvertreter 
zu selbständigem Handeln im Interesse der DOAG und des An- 
sehens der deutschen Nation; der Sultan erwacht aus seinem Traum 
vom islamitischen Kalifenideal und gibt seine Zustimmung, aber 
er gibt sie mit Hast, weil er gleichzeitig fühlt, daß er im Begriff 
ist, sich selbst zu vernichten. 

Wir fragen uns, wie sich die passive Resistenz des Sultans 
erklärt, welche psychologischen Wurzeln sie hat. Es ist höchst 
wahrscheinlich, daß er für seine Unabhängigkeit und Macht- 
stellung fürchtete, und daß der ganze Komplex der exklusiv- 
aristokratischen, islamitischen Vorstellungen, die ihn wie jeden 
Araber beherrschten, sich auflehnte gegen die Zumutung, einem 
Ungläubigen Konzessionen zu machen; aber wir haben auch voll- 
gültige Beweise, daß der schwache, etwas beschränkte Khalifa 
unter dem Einfluß einer fanatisch erregten Partei, vom alten 
Bakaschmar geführt, stand. Dieser diktierte ihm jene Kunktator- 
politik, die unter Seyyid Bargasch scheinbar so glänzende Triumphe 
gefeiert hatte. Aber Bargasch war konsequent gewesen; einmal 
angefangen, hatte er mit der Zähigkeit, die ihn auszeichnete, die 
Zollverhandlungen von Monat zu Monat hingezogen, selbst weite 
Seereisen zu diesem Zwecke unternommen, und war schließlich 
gestorben, ohne seine diplomatischen Grundsätze aufgegeben zu 
haben. Vom Schwächling Khalifa erwartete man solche Zähig- 
keit umsonst. Mit jedem Zugeständnis an die DOAG mußte 
Bakaschmar einsehen, daß von diesem Manne keine Rettung der 
arabischen Sache zu erwarten sei. So ließ man ihn fallen und 
begann den Kampf auf eigene Faust gegen die Ungläubigen 
und gegen den Sultan selbst. Erschien Seyyid Khalifa im ersten 
Stadium des Aufstandes noch als der Vergewaltigte, so galt er 
jetzt als der Verräter an der Sache des Propheten. 

Diese Wendung fand Ende August ihren ersten Ausdruck 
in dem Übergang der irregulären Sultanstruppen zu den aufstän- 



— n6 — 

dischen Eingeborenen in Pangani, welche gegen die DO AG rebel- 
lierten. Die in den zanzibari tischen Gewässern kreuzenden Schiffe 
des Reiches waren zum Empfange des Admirals Deinhard 
nach der Mandabucht in der Nähe von Witu gefahren ; der Sultan 
war an seine Pflicht erinnert, die Durchführung des Küstenver- 
trages mit allen Mitteln zu sichern und hatte Truppen nach Pangani 
geschickt, jedoch nicht reguläre, wie verlangt, sondern irreguläre. 
Sie fraternisierten mit den Aufständischen und blockierten die 
dortigen Beamten in der Station. Das veranlaßte Konsul Vohsen 
Anfang September, den Sultan abermals zu bitten, ioo Reguläre 
nach Pangani zu schicken. Wieder sagt der Sultan seine Hilfe 
zu, wieder tut er nichts, sein Versprechen einzulösen. Als er sich 
gar weigert, es zu tun, dampft Konsul Vohsen zum Geschwader 
ab, um hier Hilfe für Pangani zu holen. Erst jetzt bequemt sich der 
Sultan zur Aussendung von ioo Regulären unter General Mathews. 
Doch auch sie machen mit den Aufständischen gemeinsame Sache. 

Unter diesen Umständen wurden die Gesellschaftsbeamten 
von Pangani und Kikogwe zurückgezogen und damit am 8./g. Sep- 
tember der erste Platz an der Küste geräumt. 

Mit Mathews, der trotz der Autorität, die er in allen ara- 
bischen Kreisen genoß, dem Wirbel der Erregung in Pangani 
nur durch schleunige Abreise entgangen war, kam eine Rebellen- 
deputation von ebendort zur friedlichen Beilegung der Diffe- 
renzen nach Zanzibar. Am 16. September trug sie dem 
Sultan ihre Beschwerden und Wünsche vor. Alle Einwendungen 
des Vertreters der DO AG bezeichnete Se. Hoheit als unzutreffend 
und machte dazu so übellaunige Bemerkungen, daß General 
Mathe ws, der als Dolmetscher fungierte, sie sich zu übersetzen 
scheute. So verlief die Audienz resultatlos, zeigte aber, wie unter 
bengalischer Beleuchtung, wo jetzt der Feind stand: Die Küsten- 
araber waren im Begriff, eine pan- arabische Bewegung zu in- 
szenieren. Verlangten sie doch nichts Geringeres als die Entfernung 
aller Europäer vom Festlande; Und dies mutete man dem Sultan 
zu, der eben erst einen Vertrag mit entgegengesetzter Tendenz 
unterzeichnet hatte. Seyyid Khalifa nahm das nicht nur ruhig 
hin, sondern entließ die Gesandtschaft, ohne sie, deren Mitglieder 
doch Rebellen waren, bestraft zu haben. Beides, Mathews 
eiliger Rückzug von Pangani, wie das anmaßende Auftreten der 
Rebellendeputation, erbringt den Beweis, daß Seyyid Khalifas 
Autorität an der Küste bereits Anfang September erschüttert 
war. Er hatte jeden Einfluß auf den Gang der Ereignisse verloren.. 



— iiy — 

Doch, bevor das Heft seinen Händen für immer entglitt, 
machte er noch einmal den plumpen Versuch zur Rettung seiner 
Position. Er verließ den bisher ohne Erfolg betretenen Weg, sich 
mit passivem Widerstand über alle Schwierigkeiten hinwegzu- 
helfen und trat an den Generalkonsul mit zwei positiven Vor- 
schlägen heran. Nach Pangani und Tanga wollte er zwei Gouver- 
neure entsenden und drückte ferner den Wunsch aus, daß sich 
die Gesellschaft vorderhand an der Küste mit den Zöllen be- 
gnügen möchte. Seine Absicht war wohl, zunächst unter Aus- 
schaltung des Rechts der Gesellschaft, Beamte zu ernennen, mit 
eigenen ergebenen Gouverneuren auf der Mrima wieder festen 
Fuß zu fassen und diesen Status durch Verschleppungen auch 
späterhin aufrecht zu erhalten. Man durchschaute ihn. Der General- 
konsul erwiderte, daß er die Vorschläge Sr. Hoheit zur Grund- 
lage weiterer Verhandlungen unter der Voraussetzung machen 
wolle, daß die Maßregeln nur für eine beschränkte Zeit, etwa 
sechs Wochen bis zwei Monate, Gültigkeit hätten und den Küsten- 
vertrag nicht hinfällig machten. Dr. Michahelles berichtete nun 
über die Propositionen nach Berlin. Bismarck erklärte sich mit 
der Ernennung zweier Walis für Pangani und Tanga seitens des 
Sultans einverstanden und traf über den Kopf der Gesellschaft 
hinweg durch den Generalkonsul mit Seyyid Khalifa eine dies- 
bezügliche Verabredung. Die Bewegung der Küstenleute war 
jedoch nicht mehr zu dämpfen, am wenigsten durch derartige 
Beschwichtigungsversuche ihres angestammten Sultans. Mit Seyyid 
Khalifa waren Buschiri und die anderen Führer der Rebellen 
fertig. Die Flamme der Empörung sollte nach ihrer systema- 
tischen Hetze in wenigen Tagen an den bedeutendsten Küsten- 
orten gleichzeitig emporlodern. 

Es war am 22, September, als der Aufstand fast wie auf ein 
gegebenes Zeichen in allen Küstenplätzen gleichzeitig losbrach. 
Erst jetzt war das Schicksal der Gesellschaft besiegelt. Pangani 
und Tanga waren bereits preisgegeben; nun flohen die Beamten 
auch aus Lindi und Mikindani. Sie entkamen noch rechtzeitig, 
während die in Kilwa Kiwindsche stationierten ermordet wurden. 
Nur Bagamoyo und Daressalam hielten sich noch. 

Seit den ersten Zwischenfällen am 1 6. August war die Kaiser- 
liche Marine, wo immer sie für die Gesellschaft eintrat, nicht anders 
engagiert worden, wie das geschehen wäre, wenn irgendwo auf 
fremdem, völkerrechtlich anerkanntem Territorium ein beliebiger 
deutscher Staatsangehöriger Schutz von ihr gefordert hätte. Wo 



— n8 — 

die Marine intervenierte, wie in Pangani, Tanga und Bagamoyo, 
lag nicht die Absicht vor, der DOAG ihre mit dem Küstenvertrage 
überkommenen Hoheitsrechte und -Pflichten, insbesondere die 
Pflicht polizeilichen Schutzes von Leben und Eigentum der Küsten- 
bewohner, abzunehmen und auf Rechnung der Reichsregierung 
durchzuführen. Das hätte dem Bismarck sehen Programm und 
dem Kaiserlichen Schutzbrief widersprochen. Die DOAG konnte, 
wenigstens nach Ansicht des Generalkonsuls und des Admirals, 
einen Anspruch auf die Unterstützung des Reichs nur in den 
Grenzen des üblichen konsularischen Schutzes erheben. 

Nur in diesem Zusammenhang wird es verständlich, daß die 
Kriegsschiffe der ostafrikanischen Station, obwohl es im Küsten- 
gebiet bereits brodelte, am i. September ihren Posten verließen, 
um dem Admiral Deinhard, der zum Höchstkommandierenden 
des ostafrikanischen Geschwaders ernannt worden war, nach Lamu 
entgegenzufahren . 

Mit dem 22. September hatte das Vorspiel des Aufstandes 
sein Ende gefunden. In dieser Zeit hatten sich die Organe der 
Gesellschaft aus ihren Positionen an der Küste bis auf Bagamoyo 
und Daressalam und aus den meisten Stationen des Innern zurück- 
ziehen müssen; die Ausübung der Hoheitsrechte, die Einziehung 
der Zölle und jede wirtschaftliche Tätigkeit war lahmgelegt. Herren 
an der Küste waren die Rebellen. An eine Rückkehr wagte man 
vor Ablauf von ein bis zwei Jahren nicht zu denken, und in den 
Kreisen der Gesellschaft herrschte die Überzeugung, daß die Losung 
für die weitere Entwicklung nur heißen konnte: Entweder über- 
nimmt das Reich die Kolonie, oder die DOAG verlangt eine Ab- 
änderung des Vertrages. 

Langsam und zögernd entwickelten sich die Verhältnisse 
von nun an ab in der ersten Richtung. Der 22. September be- 
deutete einen Wendepunkt in der Geschichte der DOAG und der 
ostafrikanischen Kolonie. 

Die Marine hatte bis Ende September hier und da in einem 
der Häfen ihre Flagge gezeigt, war bedrängten Deutschen auch 
durch Landungskorps zu Hilfe gekommen, hatte es aber ausdrück- 
lich abgelehnt, »für Zwecke der Deutsch-Ostafrikanischen Gesell- 
schaft verwendet zu werden.« Grundsätzlich blieb der Geschwader- 
chef nun zwar auch nach dem Fall der meisten Küstenplätze auf 
diesem Standpunkt, stationierte in Bagamoyo und Daressalam nur 
darum Schiffe, weil er dort die Ankunft der Deutschen aus den 
Kinganistationen erwartete und war entschlossen, die Anker zu 



— no. — 

lichten, wenn die Flüchtigen an Bord wären. Tatsächlich aber 
diente die dauernde Anwesenheit der Kriegsschiffe in den Häfen 
den Zwecken der DOAG. Als dann Anfang Oktober Admiral 
Deinhard Daressalam und Bagamoyo aufgeben wollte, erwirkte 
die Gesellschaft beim Auswärtigen Amt den Befehl, die Plätze 
nicht zu verlassen. Da gab denn auch der Admiral den bisher 
grundsätzlich festgehaltenen Standpunkt auf und setzte sogar zu 
militärischen Operationen gegen die Aufständischen Matrosen ans 
Land. 

Allerdings verdankte die DOAG diese wirkungsvolle Unter- 
stützung weniger einem kühnen Entschluß des Admirals als dem 
glücklichen Zufall. Der leitende Gesellschaftsbeamte in Bagamoyo, 
Herr v. Gravenreuth, hatte den Admiral eines Tages gebeten, 
an Land zu kommen, um in Gemeinschaft mit ihm auf die Nil- 
pferdjagd zu gehen. Der Admiral folgte der freundlichen Ein- 
ladung. Er war noch nicht an Bord des Kriegsschiffes zurück- 
gekehrt, als plötzlich ein Angriff der Aufständischen auf Baga- 
moyo erfolgte. Der Kommandant des Schiffes war sich der Größe 
der Gefahr, in welcher der Admiral schwebte, bewußt und erkannte 
klar, was alles auch in politischer Beziehung auf dem Spiele stand, 
wenn der Oberbefehlshaber des deutschen Geschwaders gefangen 
genommen oder gar getötet wurde. Er ließ darum Truppen ans 
Land gehen, denen es im Verein mit den Streitkräften der Ge- 
sellschaft auch gelang, die Angreifer zurückzudrängen, ohne selbst 
Verluste zu erleiden. Der Admiral war aus der Gefahr befreit. 
Obwohl nun weder der Tod noch die Verwundung eines Ange- 
hörigen der Marine zu beklagen war, soll der Admiral noch Tage 
danach auf dem Deck des Schiffes erregt einhergegangen sein, 
weil er fürchtete, die mit der Truppenlandung vollzogene Über- 
schreitung seiner Befugnisse fühlen zu müssen. 

In der Heimat dachte man jedoch anders. Eine Maßregelung 
erfolgte nicht, vielmehr schien man von der Erkenntnis angenehm 
berührt, daß es offenbar leichter sei, mit den Rebellen fertig zu 
werden, als man es sich bisher gedacht hatte. 

Wenn von nun an auch das Reich sich für Zwecke der Ge- 
sellschaft mit den Kriegsschiffen der ostafrikanischen Station zur 
Verfügung stellte, so glaubte man im Auswärtigen Amt Anfang 
Oktober doch noch immer, daß es der Marine gelingen werde, 
mit Unterstützung der Sultanstruppen den Aufstand niederzuschlagen. 
Man übersah, daß die Autorität des Sultans ein historischer Be- 
griff geworden war und daß nicht nur die Küstenaraber, sondern 



120 

auch seine Regulären selbst sich von ihm losgesagt hatten, ja, 
daß der Sultan noch immer gegen die DO AG intriguierte. Man 
hatte ihn wiederholt aufgefordert, den unzuverlässigen Wali von 
Daressalam abzuberufen. Seyyid Khalifa beließ ihn mit der Be- 
gründung in seiner Position, daß er beauftragt sei, die Revenuen 
Sr. Hoheit einzuziehen und seine Schambas zu verwalten. 

Vom Widerstände des Sultans SeyyidKhalifa führte, wie wir 
in den eben beendeten Ausführungen zeigten, eine direkte Linie zum 
Ausbruch des Aufstandes. Wir sehen in diesem Widerstände die 
eigentliche Ursache der ganzen gegen die Gesellschaft gerichteten 
feindlichen Bewegungen. Dieselbe Überzeugung vertritt ein Be- 
richt des Generalkonsuls Michahelles an das Auswärtige Amt. 
Hätte die Etablierung der deutschen Zollverwaltung noch zur Zeit 
Seyyid Bargaschs geschehen können, so meint der Generalkonsul, 
dann wäre ein Aufstand unmöglich gewesen. Die kräftige Hand 
des energischen, oft brutalen Mannes hätte jede Auflehnung im 
Keim erstickt. Gewiß mag diesen oder jenen der Rebellen die 
Befürchtung in den Kampf getrieben haben, sein seither mit 
reichem Gewinn betriebenes Sklavengeschäft aufgeben zu müssen, 
bei anderen mögen religiöse Motive wirksam gewesen sein; es 
steht aber auf Grund des zugänglichen Materials fest, daß niemals 
im ganzen Verlauf der Aufstandsbewegung der Fanatismus oder 
das materielle Interesse als das die Massen oder auch nur lokal 
begrenzte Teile derselben beherrschende Motiv in Erscheinung 
getreten ist. Ein weniger korruptes Staatswesen als das Sultanat 
mit einer energischen Verwaltungs- oder Militärbehörde oder wenig- 
stens mit einem zielbewußten oder rücksichtslosen Sultan an der 
Spitze hätte allen Aufstandsgelüsten von vornherein den Boden 
entzogen. 

Wieweit etwa die an der Küste ansässigen englischen Inder 
einen aufreizenden Einfluß ausgeübt haben, wird sich nie ermitteln 
lassen. Es ist kein derartiger Fall bekannt geworden, jedoch steht 
es fest, daß sich in den Wochen, welche dem Ausbruch des Auf- 
standes voraufgingen, unter den Indern Mißstimmung gegen die 
Gesellschaft gezeigt hat. Schon von Indien her wurden sie durch 
die Tageszeitungen gegen Deutschland mobil gemacht, insbesondere 
durch die Bombay-Gazette, die keine Gelegenheit vorübergehen ließ, 
um ihrem Unmut darüber Luft zu machen, daß nicht ganz Ost- 
afrika eine Beute Englands geworden war. Dann auch fürchteten 
die Inder damals, daß ihnen durch die Neuordnung der Dinge 
diejenigen Handelsvorteile verloren gehen könnten, welche der 



121 

englisch-zanzibaritische Vertrag einschloß. Natürlich hegte die 
DO AG niemals derartige Absichten, die eine offenkundige Ver- 
letzung ihrer vertraglichen Verpflichtungen gewesen wären und 
den schärfsten Widerspruch Englands hätten heraufbeschwören 
müssen. Was sie allein im Auge hatte, war, sich die ihr recht- 
mäßig zustehenden Zolleinnahmen in ihrem Verwaltungsgebiet in 
vollem Umfange zu sichern und dementsprechend auch die Inder 
zur Zahlung ihrer Zollverpflichtungen anzuhalten. Nun besaßen 
die Inder aber das Recht, den Zoll nach Belieben an der Küste 
oder in Zanzibar entrichten zu dürfen. An diesem Vorrecht stieß 
sich die DOAG. Sie befürchtete, daß es bei den Indern noch 
mehr als bisher Grundsatz werden könnte, überhaupt nur noch in 
Zanzibar zu zahlen. Damit aber hätte die korrupte Zollverwaltung 
des Sultanats, über die man nur ein noch völlig ungeklärtes Kon- 
trollrecht besaß, den weitaus größten Teil der Einnahmen aus den 
Zöllen in die Hand bekommen. Es waren unangenehme Perspek- 
tiven, die sich mit solchem Zustande vor der Gesellschaft auf taten: 
ständige Reibereien mit dem Sultan, Verkürzung der Zollerträg- 
nisse und anderes mehr. Dem suchte die DOAG durch die Ein- 
führung einer Garantie zu begegnen, die — so war es zuerst ge- 
dacht — in Gestalt einer Geldsumme von jedem exportierenden 
Inder bei der Küstenzollstation hinterlegt und nur zurückgezahlt 
werden sollte, wenn der Zoll in Zanzibar ordnungsmäßig gezahlt 
war. Von diesem Modus kam man jedoch bald zurück und er- 
klärte sich mit einem Bürgschaftsschein zufrieden, den zwei solvente 
Persönlichkeiten unterzeichnet hatten. 

Trotzdem verlautete Ende Juni gerüchtweise, daß sich die 
britischen Untertanen zu indirekter Widersetzlichkeit verschworen 
hätten. Noch aber stand man mit dem englischen Generalkonsul, 
Colonel Euan Smith, wenigstens in korrekten Beziehungen. Als 
ihm von dem Gerücht Mitteilung gemacht wurde, versprach er, 
vorbeugende Maßregeln ergreifen zu wollen. Die Unzufrieden- 
heit der Inder war aber nun einmal da. Sie ist jedoch das einzig 
Positive, was sich über die Haltung dieser Leute in den kritischen 
Augenblicken ermitteln läßt. 

Als sich dann Mitte August die Ereignisse in Bagamoyo 
überstürzten, waren es gerade die Inder, welche am lautesten um 
Hilfe riefen. Sie behaupteten, daß der eingeborene Pöbel die 
Absicht hätte, ganz Bagamoyo in Flammen aufgehen zu lassen, 
forderten von der Gesellschaft Schutz und wandten sich schließ- 
lich an den britischen Generalkonsul, der dem Generalvertreter 



122 

seinerseits bekannt gab, daß er ein britisches Schiff zum Schutz 
der bedrohten Interessen der Inder entsenden werde, wenn kein 
deutsches vorhanden sei. Ein Recht dazu hatte er gewiß, handelte 
es sich doch um das Gebiet des Sultanats. Durfte die Gesellschaft 
aber, wenn anders sie das" Prestige des deutschen Namens nicht 
untergraben wollte, einer solchen Intervention mit Ruhe zusehen? 
Es ist glücklicherweise zur Entsendung eines englischen Schiffes 
nicht gekommen, so daß die DOAG von einer Situation verschont 
blieb, die nur neuen Zündstoff in die deutsch -englischen Be- 
ziehungen getragen hätte. 

Trotzdem wurde das Verhältnis der Gesellschaft zu dem eng- 
lischen Generalkonsul von Tag zu Tag schlechter und endete 
schließlich mit einem Eklat. Es trat ein Ereignis ein, welches 
den ganzen Zorn des temperamentvollen Mannes über die DOAG 
heraufbeschwor. Dr. Michahelles war es bei den Verhandlungen 
zum Küstenvertrage fast unbemerkt gelungen, ein Kontrollrecht 
der Gesellschaft über die Zollbeamten des Sultans einzuflechten. 
Da der DOAG in Zanzibar eine direkte Erhebung der Zölle auch 
nicht für diejenigen Waren zustand, welche aus ihrem Vertrags- 
gebiete kamen, so wollte sie wenigstens von jenem Kontrollrecht 
Gebrauch machen, als sie sich Anfang Oktober aus fast allen 
Küstenplätzen zurückgezogen hatte. Der Sultan selbst stellte die 
Räumlichkeiten gegen einen Mietzins zur Verfügung und brachte 
damit sein Einverständnis zum Ausdruck. Bei den ankommenden 
Exporten sollte die Kontrolle nun in der Weise ausgeübt werden, 
daß indische oder syrische Beamte, welche unter dem Befehl der 
Sultansverwaltung standen, von der Gesellschaft aber bezahlt 
wurden, bei der Ankunft der Schiffe zugegen waren. Sie hatten 
die Aufgabe, die Deklaration mit den Gütern zu vergleichen und 
die Erhebung des Zolles zu überwachen. Der Zöllner selbst war 
ein Beamter des Sultans und hatte, wenn die Güter an der deutschen 
Küste verladen worden waren, den Betrag sofort an den Kassen- 
beamten der DOAG weiterzugeben. Allmonatlich machten dann 
die Kassierer der beiden Parteien Abschlüsse und verglichen sie, 
worauf die vereinnahmte Summe mit den vertragsmäßigen Abzügen 
von der Gesellschaft dem Sultan übersandt wurde, der sich die 
Richtigkeit von seinen Behörden bestätigen ließ. 

Man kann der Meinung sein, daß diese Organisation mehr 
als eine Kontrolle war. Aber man dürfte zu weit gehen, wenn 
man, wie das Colonel Euan Smith offenbar tat, die einzelnen, 
ziemlich weitgehenden Eingriffe in die Zollverwaltung des Sultanats 



— 123 — 

allein dem politischen Ehrgeiz der DOAG zuschreibt. Die notorische 
Unzuverlässigkeit der zanzibaritischen Beamten erklärt die Maß- 
nahmen zu einem guten Teil. Der englische Generalkonsul aber 
begann für Zanzibar und die Trümmer des englischen Einflusses 
zu fürchten und ließ nun die Maske fallen. In einer Unterredung 
mit dem Generalvertreter der Gesellschaft erklärte er die Zollver- 
ordnung I 1 ) »als eine Verletzung der Rechte der englischen 
Untertanen«, schwur im Beisein seines Vizekonsuls, daß er die 
DOAG aus dem Zollhause wieder hinausdrängen werde und drohte 
beim Abschiede mit den geheimnisvollen Worten: »Little causes 
may have great results.« 

So war denn auch die Opposition des offiziellen England zur 
Tatsache geworden. Welchen Einfluß sie etwa auf den Fortgang 
des Aufstandes gehabt hat, läßt sich auch hier nicht ermitteln, 
daß sie aber nicht geeignet war, die Schwierigkeiten, vor denen 
die Gesellschaft an der Küste sowohl, wie in Zanzibar, beim 
deutschen Generalkonsul und bei der Reichsregierung stand, einer 
befriedigenden Lösung entgegenzuführen, liegt auf der Hand. 

Übrigens blieb die Bemerkung Colonel Euan Smith' s, nicht 
eher ruhen zu wollen, als bis die Gesellschaft das Zanzibarzollhaus 
wieder verlassen habe, keine leere Drohung. Im Januar 1889 ver- 
breitete sich in der Stadt das Gerücht, daß die Engländer beab- 
sichtigten, die Zentralzollerhebung zu pachten. Es erhielt sich so 
hartnäckig, daß Dr. Michahelles dem Auswärtigen Amte darüber 
Mitteilung machen zu müssen glaubte. Auch dieses hielt die An- 
gelegenheit für ernst genug, um an LordSalisbury eine bezüg- 
liche Anfrage zu richten und gleichzeitig zu erklären, daß eine 
Übernahme der Zölle durch eine rivalisierende englische Gesell- 
schaft nicht wünschenswert sein könne. Lord Salisbur}^ gab, 
ohne das Gerücht selbst anzuzweifeln, derselben Meinung Ausdruck. 
Einige Tage später teilte die englische Botschaft in Berlin der 
Reichsregierung mit, daß Colonel Euan Smith — der sich offen- 
bar grundlos über die Gesellschaftsbeamten beschwert hatte — 
wiederholt angewiesen sei, »mit Mäßigung und Vorsicht im Ein- 
vernehmen mit seinem deutschen Kollegen und der den deutschen 
Beamten schuldigen Rücksicht zu verfahren«. 

Neben der englisch-indischen Opposition ist dann später noch, 
und zwar von amtlicher Stelle, als eine »Triebfeder« des Aufstandes 
die Verordnung der Gesellschaft über die Anlegung von Grund- 



!) Anhang V. 



— 124 — 

büchern 1 ) genannt worden. Dr. Michahelles konstatierte im 
Sommer des Jahres 1889, die Verordnung sei von den Küsten- 
leuten dahin verstanden worden, daß die DOAG sie nach Ablauf 
von 6 Monaten ihres Besitzes berauben wolle. Die Verordnung 
sei auch insofern verfehlt gewesen, als die Grundbesitzer infolge 
der üblichen Wechselwirtschaft beim besten Willen nicht in der 
Lage gewesen wären, die genauen Grenzen ihrer Schamben an- 
zugeben. Dem hielt die Gesellschaft entgegen, daß sie eigentliche 
Besitztitel niemals verlangt, sich vielmehr mit der bloßen Angabe 
der Grenzen begnügt habe. Es seien überdies nur wenige Ein- 
tragungen in Bagamoyo getätigt worden. 

Die Widerlegung ist äußerst schwach. Kam es doch zur 
Durchführung der Verordnung, die erst am 16. August erlassen 
worden war, eben nur darum nicht, weil es der Aufstand ver- 
hinderte, und wenn ferner, wie der Generalkonsul will, die Ver- 
ordnung tatsächlich eine Triebfeder des Aufstandes gewesen sein 
sollte, so versteht es sich, daß eben die in ihr enthaltene rigorose 
Forderung eines »genügenden« Nachweises der Erwerbs- und 
Eigentumsrechte die Bevölkerung erregt haben muß, und daß es 
ganz bedeutungslos ist, ob sich die Gesellschaft nachträglich ent- 
schlossen hat, von der Forderung abzusehen oder nicht. 

Es bestehen noch andere Tatsachen, die es wahrscheinlich 
machen, daß die Verordnung zum mindesten deplaziert war. Als 
ein Motiv des Erlasses nannte die Generalvertretung in der kritischen 
Zeit des Jahres 1888 zwar das Bestreben, folgenschweren Mißver- 
ständnissen bezüglich der Eigentumsrechte von vornherein aus dem 
Wege zu gehen, sie erklärte jedoch gleichzeitig in einem Heimats- 
bericht, daß man auf niemals urbar gemachtes Land überhaupt 
keinen Rechtstitel anerkennen werde. Im August 1888 also war 
die DOAG noch nicht so bescheiden wie ein Jahr später in der 
Entgegnung auf die Anklagen des Generalkonsuls. Als diesem 
ferner Anfang August 1888 nahegelegt wurde, die drei Verord- 
nungen über die Zölle, die Gerichtsbarkeit und das Grundbuch 1 ) 
dem Sultan vorzulegen, hatte er sich nicht dazu verstehen wollen. 
Es läßt sich nicht feststellen, welche Überlegungen Dr. Micha- 
helles zu seiner ablehnenden Haltung veranlaßt haben, noch läßt 
sich ermitteln, ob er seinen Standpunkt später aufgegeben hat. 
Tatsache ist, daß die Verordnungen am 16. August erlassen worden 
sind. Der Aufstand verhinderte an fast allen Plätzen ihre Durch- 



x ) Anhang V und VI. 



— 12$ — 

führung, und wo sie dennoch statthatte, wie in Bagamoyo, befleißigte 
man sich großer Zurückhaltung. 

Die Frage aber, ob sie einen Einfluß auf den Ausbruch des 
Aufstandes gehabt hat, wird offen bleiben müssen, da nichts be- 
kannt geworden ist, was als Beweis dafür angesehen werden könnte. 

Ende Oktober — bis auf Mpapua und Aruscha-Moschi waren 
damals auch alle Binnenstationen verlassen worden — schien der Fluß 
der Ereignisse ins Stocken zu kommen. Die DO AG befand sich in 
einer kläglichen Situation. Erneute energische Vorstellungen der 
Generalvertretung in Berlin aber konnten mit dem verheißungs- 
vollen Hinweis darauf beantwortet werden, daß die Reichsregierung 
energische Maßregeln zur Unterdrückung der Revolution vorbereite. 
Wie leicht konnte Bismarck bei seiner Absicht, der schönsten 
unter den deutschen Kolonien mit Reichsmitteln beizustehen, der 
Vorwurf gemacht werden, daß er seine kolonialpolitischen Grund- 
sätze zu verlassen im Begriff sei. Das hätte den zahlreichen 
prinzipiellen Gegnern einer deutschen Kolonialpolitik ein Recht 
zur Opposition in einer hochbedeutsamen nationalen Frage gegeben 
und die Freunde der Kolonialsache daran gehindert, sich rückhalt- 
los für seine Forderungen einzusetzen. 

Es scheint nur unter dieser Voraussetzung verständlich, daß 
Bismarck in den Monaten November, Dezember, Januar 1888/89 a ^ e 
Forderungen für Ostafrika im Namen der Zivilisation und Humanität 
zur Unterdrückung des Sklavenhandels und der Sklavenjagden 
an den Deutschen Reichstag stellte. In Ostafrika standen diese 
Dinge jedenfalls nicht im Vorder gründe der revolutionären Be- 
wegung, die sich einfach gegen die DOAG richtete, weil sie sich 
nach den arabischen Anschauungen widerrechtlich in den Besitz 
der politischen Herrschaft über das Küstengebiet des Sultanats 
gesetzt hatte. Der Gegenstand der blutigen Auseinandersetzung, 
die sich in Ostafrika vorbereitete, war die politische Selbstbe- 
stimmung der Araber jener Küstenstriche; es gibt in der ganzen 
Vorgeschichte des Aufstandes kein Symptom, das auf eine andere 
Ursache deutet. Es ging um die Zukunft einer deutschen Kolonie, 
den Verlust oder Fortbestand deutschen Territoriums. 

Wenn Bismarck die Millionen für Ostafrika gegen den 
Handel mit Menschen forderte, so rettete er mit einem diploma- 
tischen Kunstgriff die zarte Pflanze der deutschen Kolonialpolitik 
vor einem frühen Tode. Die Kreuzzugspredigten des Kardinals 
Lavigerie in Frankreich, England und Belgien, die Gürzenich- 
Versammlung der deutschen Katholiken in Köln zeigten ihm das 



I2Ö 

Mittel, wie den ostafrikanischen Verhältnissen wieder anf zuhelfen 
war. Gegen Sklavenhandel und Sklavenjagd! war die Devise. 
Unter dieser Flagge forderte Bismarck nun England auf, sich 
aktiv an einer Blockade der ostafrikanischen Küste zu beteiligen. 
Wohl wissend, daß der Aufstand in Ostafrika auch die Mombas- 
gesellschaft, die eben ihre Tätigkeit im britischen Interessengebiet 
begonnen hatte, hinwegfegen konnte, sagte das kluge Albion seine 
Unterstützung zu. Am 2. Dezember mittags wurde die Blockade 
eröffnet. Die Reichsregierung unternahm damit den zweiten 
Schritt zur direkten Unterstützung der DOAG und stellte sich 
neuerdings »für Zwecke der Gesellschaft« zur Verfügung. 

Darüber hinaus bereitete der Kanzler aber auch eine Aktion 
des Deutschen Reichstages vor. Bereits Anfang November 1888 
war der Gesellschaft die Verheißung geworden, daß energische 
Maßregeln gegen den Aufstand ergriffen werden würden. Die 
Thronrede zur Eröffnung des Parlaments vom 22. November 1888 
stellte eine Regierungsvorlage in Aussicht, die sich mit Ostafrika 
beschäftigen sollte. Ein Antrag Windthorst, der am 14. 
Dezember im Plenum verhandelt wurde, kam der Reichsregierung 
gerade recht. Forderte er doch von ihr, daß sie die Versprechungen 
der Thronrede einlösen solle ; sprach er doch aus, daß der Reichs- 
tag bereit sei, auch weitere Maßregeln der Regierung zur Unter- 
drückung des Negerhandels und der Negerjagden zu unterstützen; 
wurde er doch schließlich mit einer imposanten Mehrheit gegen 
Freisinn und Sozialdemokratie angenommen 1 ). Graf Herbert 
Bismarck beeilte sich zu erklären, daß dem Reichstage eine 
diesbezügliche Vorlage zugehen werde, und am 30. Januar 1889 
wurde der Entwurf eines Gesetzes betreffend Bekämpfung des 
Sklavenhandels und Schutz der deutschen Interessen in Ostafrika 
in dritter Lesung vom Reichstage angenommen. Richter und 
Bamberger, die scharfsichtigen Gegner des Fürsten, blieben 
mit dem Vorwurf allein, daß der Kanzler im Begriff sei, den 
kolonialpolitischen Kurs zu ändern. 

Die Expedition Wissmann, die auf Grund dieses Gesetzes 
ausgerüstet wurde, ist somit die dritte Maßregel der Reichsregierung, 
mit der sie sich für Zwecke der Gesellschaft zur Verfügung stellte. 
Sie tat das in einem Umfange, daß der DOAG politische Rechte 
überhaupt nicht mehr verblieben Als Hoheitsgesellschaft hörte 
sie de facto zu bestehen auf, und die erste Reichskolonie, wenn 

x ) Herrfurth, Fürst Bismarck und die Kolonialpolitik. 8. Band der Geschichte 
des Fürsten Bismarck in Einzeldarstellungen. Herausgeg. von Joh. Penzier, Berlin 1909. 



— I2 7 — 

auch nicht offiziell, war geschaffen. Der Reichskommissar Wiss- 
mann gab die Verwaltung der Küste nicht wieder aus der Hand. 

Noch ehe der Reichstag seine Zustimmung zu dem Gesetz 
gegeben hatte, fragte das Auswärtige Amt bei der Berliner 
Direktion der DOAG an, ob gegen eine Übernahme von Gesell- 
schaftsbeamten in die Wissmanntruppe Bedenken beständen. Da 
das nicht der Fall war, ließ das Auswärtige Amt durch das Ge- 
neralkonsulat in Zanzibar, über den Kopf der dortigen General- 
vertretung hinweg, direkt mit den Beamten der DOAG wegen 
des Übertritts zur Reichsexpedition verhandeln. So unerheblich 
der Vorgang an sich ist, so lebhaft zeigt er doch die Fülle von 
Problemen, die entstehen mußten, wenn es neben dem Reichs- 
kommissariat auch weiterhin eine Gesellschaft, die Hoheitsrechte 
ausüben wollte, gab. Eine Beseitigung dieser Schwierigkeiten 
mußte die nächste Aufgabe sein. Um an ihrer Lösung teilzu- 
nehmen, wurde der Generalvertreter Konsul Vohsen nach ca. acht- 
monatiger Anwesenheit in Zanzibar am 15. Januar nach Berlin 
gerufen. Seine Vertretung übernahm v. St. Paul-Illaire, der 
bisherige Leiter des Zolldepartements. 

Am 12. Februar 1889 erhielt Wissmann seine Instruktionen 1 ). 
Sie halten bezüglich der künftigen Stellung der DOAG grund- 
sätzlich daran fest, daß die aus dem Küsten vertrage hergeleiteten 
Rechte der Gesellschaft auch weiterhin verbleiben und unverändert 
fortbestehen sollen. Die dem Reichskommissar zugestandene Be- 
aufsichtigung der Verwaltung in den der Gesellschaft unterstellten 
Gebieten folgte aus Artikel 41 und 42 des Statuts der DOAG 
und gab ihm das Recht, Abänderungen etwaiger Verordnungen 
der Gesellschaft zu verlangen oder die Entfernung von Beamten 
aus irgendwelchen Plätzen herbeizuführen. Wie in allen bisher 
betrachteten Maßnahmen des Kanzlers, so bemerkt man auch hier 
wieder, daß er formell die kolonialpolitischen Grundsätze, die er 
1884 entwickelt hatte, nicht aufzugeben bereit war, und dies selbst 
da nicht, wo, wie hier, eine in den Verhältnissen begründete Not- 
wendigkeit vorgelegen hätte. Tatsächlich aber — und darin liegt 
das Wesentliche — verließ er auch in dieser Instruktion den 
Boden seiner Prinzipien, so, wenn der Reichskommissar über die 
Aufsichtsbefugnisse hinaus das Recht erhielt, die Verwaltung durch 
Organe der Gesellschaft zeitweilig von sich aus zu suspendieren, 
falls militärische Rücksichten dies geboten erscheinen lassen sollten, 



*) Anhang VII. 



— 128 — 

oder falls durch Proklamierung des Standrechts die Zivilbefugnisse 
auf das Militär übergingen. Mit dieser Instruktion war den Hoheits- 
rechten der Gesellschaft trotz aller formellen Beschönigungen das 
Todesurteil gesprochen. Sie blieb nur mehr noch als eine Erwerbs- 
gesellschaft bestehen, woran auch der Umstand nichts änderte, daß 
Wissmann angewiesen wurde, Einmischungen in die Zollverwal- 
tung zu vermeiden. Ohne die übrigen staatsrechtlichen Befugnisse 
des Küstenvertrages war auch die Zollverwaltung nur eine privat- 
wirtschaftliche Transaktion, ein Pachtgeschäft mit freilich eigen- 
artigen Pachtbedingungen. 

Als der Reichskommissar am 31. März in Zanzibar eintraf, 
war die Physiognomie des Aufstandes noch immer dieselbe wie 
in den ersten Wochen der Bewegung, nur daß sich einzelne 
Züge noch kräftiger herausgebildet hatten. Insbesondere war der 
Sultan ostentativ von der Küstenbevölkerung abgelehnt worden, 
indem seine Abgesandten bei Landungsversuchen an der Küste 
ohne weiteres beschossen und mit der Erklärung fern gehalten 
wurden, daß man den Sultan nicht mehr anerkenne. Buschiri, 
der Führer der Aufständischen, hatte sich in den selbständigen 
Negerkarawanen der Waniamwezi und Wasukuma, die zeitweise 
in einer Stärke von fast 4000 Mann zur Küste kamen, erbitterte 
Feinde geschaffen, weil er sie überfallen und ausgeraubt hatte. 
Es war daher nicht selten, daß sich Waniamwezi den Stationen 
Daressalam oder Bagamoyo bei gelegentlichen Kämpfen gegen 
die Aufständischen zur Verfügung stellten. Selbst über die 
Zanzibararaber hatte Seyyid Khalifa die Herrschaft verloren und 
fürchtete, daß ihre Wut sich entfesseln könnte, wenn etwa euro- 
päische Truppen auf der Insel gelandet würden. Besorgt richtete 
er daher ein Schreiben an alle Konsuln, in dem er auf die Gefahr 
aufmerksam machte. Die DOAG war in ihrer politischen und 
militärischen Ohnmacht Anfang 1889 bereits das Objekt zahl- 
reicher Übergriffe seitens der Araber und Neger auf Zanzibar. 
Jene holten sich eigenmächtig ihre schwarzen Sklaven zurück, die 
sie vorher gegen Entschädigung für den Dienst bei der Gesellschaft 
verpflichtet hatten; diese erlaubten sich im Usagarahause einen 
frechen Diebstahl. 

Unter diesen Umständen war es hohe Zeit, daß der Reichs- 
kommissar erschien und durch eine machtvolle Aktion dem deutschen 
Namen wieder zu Ansehen verhalf. 

Die erfolgreiche Tätigkeit Wissmanns gegen Buschiri und 
später gegen Bana Heri haben wir an dieser Stelle so wenig zu 



— i2 9 — - 

betrachten, wie wir bisher die Aufstandsbewegung in militärischer 
Hinsicht verfolgten. Dennoch dürfte es von Wert sein, einen 
Überblick über die Aktionen der Expedition bis zu dem Zeit- 
punkte zu geben, an dem sie sich zur Reichsverwaltung der 
Kolonie umbildete. 

Nachdem Mitte Februar 1889 bereits die ersten Vorläufer 
der Expedition in Zanzibar eingetroffen waren, vor allem auch 
ein kaufmännischer Agent, der die Verpflegung der Truppe vor- 
bereiten sollte, kam Wissmann selbst am 31. März gleichzeitig 
mit Dr. Peters an, welch letzterem bekanntlich die Führung der 
deutschen Emin-Pascha-Expedition übertragen worden war. 
Der englische Generalkonsul Colonel Euan Smith, der seit etwa 
einem Jahre im Amte war, wurde in jenen Tagen abberufen und 
nach kürzerer Vertretung durch einen gewissen Hawes endgültig 
durch Mr. Portal ersetzt. Wie weit dieser Vorgang etwa mit 
der feindseligen Haltung E. Smith 's in den letzten Monaten 
zusammenhing, läßt sich nicht ermitteln. 

Der Monat April war der Organisierung und Disziplinierung 
wie der kriegsmäßigen Ausbildung der Truppe gewidmet und 
wurde gleichzeitig benutzt, um die weiter unten in ihren Einzel- 
heiten zu besprechenden Abmachungen mit der DOAG bezüglich der 
Übergabe der Stationen, Stellung der Gesellschaftsbeamten zu den 
Organen der Wissmanntruppe usw. zu treffen. 

Anfang Mai wurden dann die ersten Aktionen in die Wege 
geleitet. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß sie vor allem 
die vertragsmäßigen Rechte der DOAG schützen bzw. wieder her- 
stellen sollten, während man es in Deutschland immer so darstellte, als 
richteten die Operationen sich gegen Sklavenhandel und Sklaven- 
jagden. An der Küste wurde das Kriegsrecht erklärt, doch nicht, 
ohne daß der deutsche Generalkonsul Bedenken gegen den Passus 
des Dekrets erhoben hätte, in welchem den Staatsangehörigen der 
verschiedensten Länder das Betreten des Küstenstreifens untersagt 
wurde. Er fürchtete Verwicklungen mit England. 

Dann folgten überraschend schnell die Siege über Buschiri, 
die Kämpfe bei Bagamoyo und die Erstürmung seines dortigen 
Lagers. Nach der Säuberung der Umgebung von Daressalam und 
Bagamoyo wandte sich Wissmann nach Pangani und dem Norden 
des Schutzgebietes, wo ebenfalls entscheidende Schläge gegen die 
Rebellen geführt wurden. Allerdings darf man nicht schließen, 
daß nun gleichzeitig auch eine absolute Pazifizierung der Küsten- 
gebiete eingetreten wäre. Vielmehr hieß es noch im Oktober 1889, 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft i. 9 

Kurtze, Die Deutsch -Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 130 — 

also ein volles Vierteljahr später, gelegentlich in einem Bericht, 
daß die Zustände westlich von Pangani noch derart unsicher 
seien, daß eine Benutzung der Plantage Lewa-Deutschenhof der 
Deutsch-Ostafrikanischen Plantagengesellschaft nur möglich wäre, 
wenn eine Besetzung des Platzes mit 50 Soldaten vorgenommen 
würde. Immerhin hatten schon die ersten Siege den Erfolg, daß 
die schwarzen Mitläufer Buschiris sich zu einem guten Teil von 
ihm lossagten und immer wieder beteuerten, daß sie mit den 
Deutschen Frieden wollten. Der Rebellenchef fühlte sich infolge- 
dessen an der Küste nicht mehr sicher und unternahm jenen ver- 
hängnisvollen Zug ins Innere, der Ende Juli 1889 zu einem An- 
griff auf Mpapua, der noch immer gehaltenen Station der Gesell- 
schaft, führte, wobei ein Beamter der Gesellschaft ums Leben kam. 
Ein anderer vermochte sich an die Küste zu retten. 

Anfangjuli hatte der Generalkonsul des Reiches,Dr. Michahel- 
les, zur Berichterstattung in Berlin auf Monate seinen Posten verlassen 
und kehrte erst am 1. Februar 1890 zurück. In die Zeit der Abwesen- 
heit fällt ein diplomatischer Erfolg der Vertreter Englands und 
Deutschlands beim Sultan. Bakaschmar, der einflußreichste Rat- 
geber des Sultans und heftigste Feind der DOAG, wurde im 
August nach Bombay verbannt. Ein zweiter Erfolg, der das 
Resultat langwieriger Verhandlungen der Vertragsmächte mit dem 
Sultan darstellt, war Ende September in der Sklavereifrage zu 
verzeichnen. Damals gab der Sultan am Schlüsse eines Dekrets 
bekannt: »His Highness has also decreed, that all persons, who 
shall enter his dominions after the i st of November next are free.« 
Dies bedeutete die Aufhebung der Sklaverei. Im Dezember dar- 
auf erhielt Seyyid Khalifa den Roten Adlerorden erster Klasse. 

Im August 1889 schon plante Wissmann zur Eröffnung der 
beiden großen Karawanenstraßen von Bagamoyo und Pangani ins 
Innere zwei Expeditionen. Am 9. September begann er die Ope- 
rationen auf der Straße Bagamoyo-Mpapua, die mit der Wieder- 
eroberung Mpapuas und der Anlage einer befestigten Station dort- 
selbst ihren Abschluß Ende Oktober fanden. 

Gerade diese Aktion war für die Entwicklung der Kolonie 
und ihrer Wirtschaft von großer Bedeutung, weil die Engländer, 
insbesondere die Mombas- Gesellschaft, die Wirren bereits be- 
nutzten, um im Trüben zu fischen. Es war ihnen schon ge- 
lungen, Karawanen des Jumbe Kimemeta, die bisher stets die 
Straße Kilimandscharo-Pangani benutzt hatten, durch Geld und 
Versprechungen nach Mombas zu ziehen. Es ging das Gerücht, 



— i3i — 

daß auch auf der Mpapua-Linie Agenten in dieser Richtung tätig 
seien. Zudem hatte die Gesellschaft in Taweta am Kilimandscharo 
einen europäischen Beamten stationiert, der die Karawanen von 
Aruscha und Moschi nach dort zog, sie hier auf Kosten der Ge- 
sellschaft unterbrachte und verpflegte und sie dann nach Mombas 
dirigierte, wo sie auf die gleiche freigebige Weise unterhalten 
wurden. In der Tat eine weitsichtige Wirtschaftspolitik. 

Im Dezember gelang es, Buschiri gefangen zu nehmen. Er 
wurde gehängt. Damals trat Bana Heri, der ehemalige Wali von 
Sadani, an die Spitze der Rebellen, beraten vonjehazie, der auch 
schon Buschiris rechte Hand gewesen war. Die Bewegung war 
mit Bana Heri jedoch in ein neuartiges Stadium getreten. Die 
Rebellen waren jetzt nicht mehr Kriegführende, sondern einfach 
Straßenräuber, die Karawanen überfielen und ohne Unterschied 
der Gesinnung oder Rasse der Chefs plünderten. Selbst lichte 
Araber fielen ihnen zum Opfer. 

Nachdem sich Bana Heri unterworfen hatte, ging Wissmann 
im April 1890 nach dem Süden der Kolonie. Ende Mai kehrte 
er nach Europa zurück und traf Ende November 1890 wieder in 
der Kolonie ein. Der Nachfolger Seyyid Khalifas, der am 
13. Februar 1890 nach kaum zweijähriger Regierung gestorben 
war, handelte übrigens in der Sklavenfrage nach denselben Grund- 
sätzen wie sein Vorgänger. Er erließ am 1. August 1890 ein 
Dekret, in welchem von der zukünftigen Behandlung der Sklaven 
die Rede ist und die allmähliche Abschaffung der Sklaverei auf 
Zanzibar und in den übrigen Gebieten des Sultanats in Aussicht 
gestellt wird. Es entstand daraufhin unter den Arabern eine große 
Aufregung, die wiederum beweist, daß man sich in arabischen 
Kreisen nicht bewußt war, daß die Niederlage der Buschiri-Leute, 
wie man doch in Europa, insbesondere aber in Deutschland 
meinte, den Todesstoß gegen Sklavenhandel und Sklavenjagden 
bedeuten könnte. In Mombas, wo das scharfe Regiment des 
deutschen Expeditionskorps fehlte, kam es sogar zu Unruhen, die 
zu einer Requisition regulärer Sultanstruppen führte. Um allen 
Mißverständnissen vorzubeugen, erließ Seine Hoheit am 24. August 
einen erläuternden Nachtrag zu seinem ersten Dekret. Darin 
wurde erklärt, daß das Dekret ein für allemal gültig und daß 
der Kauf und Verkauf von Sklaven verboten sei, doch hätten sie 
weiterhin ihren Herren treu zu sein, wie diese ferner die Gerichts- 
barkeit, ausgenommen in Mordsachen, wo der Sultan zuständig 
sei, besäßen. Die Araber der Küste aber wollten mit dem Sultan 

9* 



— 132 — 

nichts mehr zu tun haben und wiesen seine Dekrete als für sie 
unverbindlich zurück. 

Für uns hat an der Wissmannexpedition vor allem ihr Ver- 
hältnis zur DOAG ein Interesse. Der Übergang der Regierungs- 
befugnisse und Hoheitsrechte an das Reichskommissariat vollzog 
sich schon bei Beginn der Aktion im Mai 1889 auf Grund der 
Erklärung des Kriegsrechts. Die DOAG hörte damit faktisch 
auf, eine Hoheitsgesellschaft zu sein und ist es auch nicht wieder 
geworden. 

Man sollte nun annehmen, daß mit dem Übergang aller Re- 
gierungsbefugnisse im Küstenstreifen an das Reichskommissariat 
die Kompetenzfrage entgültig entschieden war, um so mehr, als sich 
jene Übernahme doch nicht als ein willkürlicher Okkupationsakt 
darstellte, sondern eine durchaus unanfechtbare moralische Be- 
gründung in dem Umstände hatte, daß das Reich sich mit zwei 
Millionen Mk. fürs erste und weiterhin mit beträchtlichen Summen 1 ) 
die Pazifizierung der Kolonie angelegen sein ließ. Trotzdem machte 
die DOAG hier und da Schwierigkeiten und gab schließlich nur 
zögernd zu, daß alle aus dem Küstenvertrage fließenden öffent- 
lich-rechtlichen Kompetenzen beim Reiche zu liegen hätten. Ihr, 
wenn auch schwacher, Widerstand erklärt sich daraus, daß sie die 
Vorteile ihrer staatsrechtlichen Stellung — z. B. Verfügungsrecht 
über Privatländereien, deren Eigentümer während des Aufstandes 
vertrieben oder erschlagen worden waren — , nicht gern aus der 
Hand geben mochte. Durch Ausnutzung dieser Vorteile gedachte 
sie sich schadlos zu halten für die in der Kolonie investierten 
Hunderttausende, für die der Sultan keine Ersatzpflicht anzuer- 
kennen brauchte, weil sie nicht direkt durch den Aufstand ver- 
nichtet worden waren. 

Im Schöße der DOAG warf man im einzelnen folgende 
Fragen auf: Wer hat das ausschließliche Okkupationsrecht von 
Land zur Zeit des Kriegszustandes, die Gesellschaft oder der 
Reichskommissar? Wer hat die Verfügung über solche im Ver- 
lauf des Aufstandes eroberte Privatländereien, deren rebellierende 
Eigentümer vertrieben oder erschlagen worden sind? Wer hat 
den Kauf und Verkauf von Ländereien unter Privaten zu über- 
wachen und zu genehmigen? Wem gehören die Gefälle, welche 
an der Mtoni-Fähre bei Bagamoyo von den übersetzenden Kara- 
wanen erhoben werden? 



x ) Herrfurth, a. a. O. 



— 133 — 

Zu einem Konflikte, wenn auch ohne schroffe Stellungnahme 
der beiden Parteien, führte eigentlich nur die letzte Frage. Die 
Fähre war mit der Zollerhebung während der Abwesenheit Wiss- 
manns durch seinen Vertreter in Bagamoyo, einen früheren Ge- 
sellschaftsbeamten, der DOAG überlassen worden. Der Kommissar 
bestätigte diesen Akt nicht. Er nahm Fähre und Gefälle für sich 
in Anspruch, indem er erklärte, daß dies zurzeit noch aus politischen 
Gründen notwendig sei und daß er ein Recht auf Platz und Zoll 
auch daher ableiten könne, daß dortselbst sein Posten und sein 
Boot stationiert seien. Die DOAG gab nach und wies ihren Be- 
amten an der Mtonifähre an, sie zurückzugeben. Dennoch konnte 
sich die DOAG nicht enthalten, eine möglichst unauffällige Kon- 
trolle der Höhe der Einnahmen an der Fähre anzuordnen, ja man 
erwog im ersten Moment des Unmuts, eine Konkurrenzfähre 
bauen zu lassen. 

In den übrigen Kompetenzfragen kam es erst zu gar keiner 
Auseinandersetzung. Die Gesellschaft hatte sich nämlich ent- 
schlossen, auf die Ausübung ihrer Regierungsbefugnisse auch 
dann noch zu verzichten, wenn der Reichskommissar das Stand- 
recht an einigen Küstenplätzen aufheben sollte. Wissmann übte in- 
folgedessen ungehindert das Okkupationsrecht, das Landzuweisungs- 
recht, wie das Genehmigungsrecht bei Immobilien-Transaktionen. 
So wurde durch ihn anerkannt, daß die Gesellschaft ein Grund- 
stück in Daressalam »als wirkliches und unantastbares Eigentum 
besitzt«; für eine Karawanserei wurde ihr in Bagamoyo »auf Befehl 
des Kaiserlichen Kommissars« »ein Platz kostenfrei überwiesen 
und zwar als ständiges Besitztum«; Dr. Emin Pascha 1 ) erwarb 
vom Reichskommissar eine Schamba und erhielt von ihm das Vor- 
kaufsrecht auf andere Anwesen. Im Juni 1890 wurde dem Reichs- 
kommissar vom Auswärtigen Amt noch einmal ausdrücklich die 
Verfügung über die sogenannten »öffentlichen Ländereien« zuge- 
standen. Im Februar 1890 arbeiteten, ohne daß allerdings ein 
entsprechender Erlaß veröffentlicht worden war, die Reichsorgane 
auf verschiedenen Stationen bereits an der Festlegung der Besitz- 
verhältnisse. Zur Regelung dieser Materie wurde später auch die 
DOAG ersucht, alle Urkunden zu übersenden, welche über Land- 
erwerb der Gesellschaft im deutschen Interessengebiet bestanden, 



x ) Dr. Emin Pascha war Ende 1889 mit Stanley aus dem Innern in Bagamoyo 
eingetroffen. Die Engländer, welche große Hoffnungen in ihn gesetzt hatten, sahen sich 
getäuscht. Er trat ostentativ als Deutscher auf, worauf die Engländer gegen ihn zu 
intriguieren begannen. 



— 134 — 

ferner diejenigen Gebiete zu bezeichnen, für welche keine Urkunde 
ausgestellt war, auf die aber die Gesellschaft Anspruch erhob. 
Eine Gebührenverordnung, die für Abstempelung von Kaufver- 
trägen eine Gebühr von i % des Verkaufswertes stabilierte, eine 
Stempelung, die man nicht als Registrierungsbestätigung, sondern 
als Genehmigungsurkunde von privaten Immobilien-Transaktionen 
auffaßte, mußte jedoch schon nach kurzem Bestehen vom Reichs- 
kommissariat Anfang November 1890 wieder zurückgenommen 
werden, vermutlich, weil nach der ganzen Rechtslage der Anspruch 
auf Genehmigung solcher Kaufverträge nur dem Sultan zustand. 

Das Reichskommissariat ging außer in diesen Fragen auch 
auf anderen Gebieten staatlicher Betätigung über seine nächst- 
liegenden Aufgaben zur Pazifizierung der Kolonie weit hinaus. 
Unbeeinflußt von dem Gespenst der Rentabilität traf es seine 
Maßnahmen — Organisation einer Polizeitruppe, Sorge für Rein- 
lichkeit und Ordnung usw. — mit einer erhebenden Frische. 

In den eben beendeten Ausführungen beleuchteten wir das 
Verhältnis zwischen Reichskommissariat und Gesellschaft auf dem 
Gebiet der Hoheitsrechte. Welche Rechte hatte nun der Reichs- 
kommissar an dem Privateigentum der Gesellschaft und welche 
Ansprüche hatte er auf Dienstleistungen der Gesellschaftsbeamten? 

Wir skizzieren im folgenden die tatsächlichen Verhältnisse 
auf diesem Gebiete, ohne auf die Rechtslage einzugehen. In 
einem Abkommen vom 28. April 1889, von dem Vertreter der 
DO AG, Herrn von St. Paul-Illaire, und dem Reichskommissar 
geschlossen, fanden sie schriftlichen Ausdruck. Dies Abkommen 
erhielt stillschweigend die Sanktion der Berliner Organe der 
DOAG. Es wurde nach drei leitenden Gesichtspunkten für die 
beiden Plätze Bagamoyo und Daressalam getroffen: Das Reichs- 
kommissariat sollte das Oberkommando über die militärischen 
Machtmittel der Station erhalten, die Leitung und Anordnung der 
Bauarbeiten zur Verteidigung der Stationsgebäude haben und 
drittens die Zentralleitung der Verwaltungsorgane — die Zoll- 
verwaltung ausgenommen — übernehmen. In Verfolg dieser 
Grundsätze wurde im einzelnen bestimmt, das Stationshaus und 
die dazugehörigen Baulichkeiten dem Reichskommissar für seine 
Zwecke zur Verfügung zu stellen — einige Räume nur reser- 
vierte sich die Gesellschaft für ihre privatwirtschaftlichen An- 
gelegenheiten — , und bauliche Veränderungen nach Anordnung 
des Kommissars auf Kosten der Gesellschaft auszuführen. Zu 
dieser letzten Abmachung steht in bemerkenswertem Gegensatz 






— 135 — 

die andere, daß Neuanschaffungen von Inventarien dem Reiche 
zur Last fallen sollten. Das vorhandene Inventarium wurde jedoch 
dem Expeditionskorps zur unentgeltlichen Benutzung überlassen. 
Hinsichtlich der Dienstleistungen der Gesellschaftsbeamten wurde 
folgendes bestimmt: Ein Teil von ihnen sollte ohne weiteres aus 
den Diensten der DOAG entlassen werden und in die des Reichs- 
kommissars übertreten, empfing also die Besoldung fortan aus 
Reichsmitteln. Die übrigen europäischen und farbigen An- 
gestellten der Gesellschaft in den Stationen Daressalam und Baga- 
moyo unterstanden in militärischer und polizeilicher Beziehung 
dem Reichskommissar, waren jedoch nach Möglichkeit zu schonen 
und nur in Notfällen zu Dienstleistungen heranzuziehen. 

Das Abkommen zeigt, daß die DOAG, obwohl der Reichs- 
kommissar eine Hilfsaktion für sie leitete, dennoch nicht gehalten 
war, ihn mit ihrem ganzen Eigentum zu unterstützen. Darum 
wurden seitens des Reiches die Gesellschaftsbeamten nicht ohne 
weiteres zum Dienst im Expeditionskorps herangezogen, darum 
auch war die DOAG nicht verpflichtet, für Neuanschaffungen von 
Inventarien selbst zu sorgen. Daß alledem Abmachungen mit 
anderer Tendenz entgegenstehen, ist nur scheinbar der Fall. 
Es waren Zweckmäßigkeitsgründe, nicht aber die grundsätzliche 
Anerkennung der Pflicht, auch mit ihrem Privateigentum die 
Reichshilfsaktion zu unterstützen, die den Generalvertreter der 
Gesellschaft zu dem Zugeständnis bewegten, die Kosten für 
bauliche Veränderungen an den Stationen usw. zu übernehmen. 
Opportunitätsgründe waren es auch, die ihn veranlaßten, nicht 
auch noch Hausmiete für die Stationsgebäude und Abnutzungs- 
gelder für die Inventarien vom Reiche zu fordern. 

Den Berliner maßgebenden Stellen der DOAG gingen aber 
auch die so begründeten Zugeständnisse schon zu weit. Sie sahen 
darin unmotivierte Opfer, zogen allerdings aus dieser Stellung- 
nahme die praktische Konsequenz nicht und ließen den Vertrag 
stillschweigend bestehen. 

Auch in anderer Beziehung als der bisher erörterten trat die 
DOAG dem Reichskommissar gegenüber als reine private Er- 
werbsgesellschaft auf. Sie tätigte für ihn Getreidekäufe, die zu 
den üblichen Marktpreisen sofort honoriert wurden. 

Man kann diese Entwickelung der Situation in Osfafrika 
bedauern, wenn man bedenkt, wieviel mehr der Reichskommissar 
mit seinen Mitteln hätte leisten können, wenn ihm die DOAG 
mit ihrem gesamten Privateigentum beigesprungen wäre, ins- 



- 136 - 

besondere wenn die DOAG alle Lieferungen ohne Kommission 
und Handelsgewinn wenigstens zum Selbstkostenpreise über- 
nommen hätte 1 ). Man kann das bedauern, aber man wird nicht 
übersehen dürfen, daß die Konstituierung der DOAG als private 
Erwerbsgesellschaft neben dem Reickskommissariat in manchem 
Betracht eine Notwendigkeit war. Der Fortbestand der Gesell- 
schaft gab dem Reiche willkommene Gelegenheit, allen politischen 
Konsequenzen aus dem Wege zu gehen, welche sich etwa daraus 
ergeben konnten, daß es mit Übernahme der Verwaltung in 
gewagte staatsrechtliche Beziehungen zum Sultanat trat. Im 
deutschen Reichstage war von der bewilligenden Mehrheit, vor 
allem vom Zentrum, der unmittelbar zivilisatorische Charakter 
der Wissmannexpedition, der Kampf gegen Sklavenhandel und 
Sklavenjagden, immer wieder in den Vordergrund der Erörterung 
gerückt worden. Wir haben oben eingehend gezeigt, wie wenig 
diese Zweckbestimmung den tatsächlichen Verhältnissen gerecht 
wurde. Faktisch sind die Reichsmittel allein der DOAG zugute 
gekommen. Um so mehr aber galt es, nichts zu unternehmen, 
was den scharfsichtigen Zweiflern zu einem Verdacht Veranlassung 
geben konnte. Das mußte aber geschehen, wenn die DOAG 
plötzlich selbstlos dem Reichskommissar mit ihrem gesamten Ver- 
mögen beigesprungen wäre. Hatte man doch auf der linken 
Seite des Hauses eine Unterstützung der Vorlage mit der Be- 
gründung abgelehnt, daß die ganze Aktion nur der vorbereitende 
Schritt für die Konstituierung einer Reichskolonie Ostafrika sei. 
Neben den politischen Gründen gab es aber auch solche wirt- 
schaftlicher Natur, welche die Selbständigkeit der DOAG 
wünschenswert erscheinen lassen mußten. Die Kontinuität der 
rein wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft hätte gestört 
werden müssen, wenn sie in das Wissmannunternehmen auf- 
gegangen wäre, obwohl zuzugeben ist, daß mindestens bis zur 
Beseitigung Buschiris eine Gelegenheit zu kaufmännischer Tätig- 
keit fehlte. 

Die Reichsregierung hat, ob von den eben erörterten Ge- 
sichtspunkten geleitet, steht nicht fest, schon in den allerersten 
Maßnahmen erkennen lassen, daß sie keinen Anspruch auf ein 



J ) Es scheint das wegen des tatsächlichen Charakters des Reichsunternehmens 
als einer Hilfsexpedition für die DOAG nur billig. Offiziell richtete sie sich aber gegen 
Sklavenraub und Sklavenhandel und hatte nur mittelbar auch die deutschen Interessen 
zu verteidigen. Die Reichsregierung hat es aus diesen formalen Gründen, auf ein Gut- 
achten des Reichsjustizamtes hin, später abgelehnt, die DOAG regreßpflichtig zu machen. 



— 137 — 

Verfügungsrecht über das Privateigentum der DO AG zu erheben 
beabsichtige. Auch dies ist ein Grund, der Gesellschaft aus ihrem 
zweifellos privatwirtschaftlich orientierten Geschäftsgebahren gegen 
die Reichsexpedition keinen Vorwurf zu machen, wenn es auch 
einigermaßen unbegreiflich ist, daß die Berliner Direktion schon 
im Dezember 1889 beim Auswärtigen Amt die Kosten für den 
Ausbau der Stationen Bagamoyo und Daressalam, entgegen den 
Bestimmungen des Abkommens vom 28. April 1889, anforderte. 
Man wird verstehen, daß Wissmann, der veranlaßt worden war, 
sich über die Forderung gutachtlich zu äußern, unter Berufung 
auf jenes Abkommen erklärte, sie nicht anerkennen zu können. 

Während der Anwesenheit Wissmanns war die DO AG 
auch weiterhin bestrebt, mit dem Sultan Fühlung zu nehmen und 
ihn nach Möglichkeit für die deutsche Sache und die Neugestaltung 
der Verhältnisse zu gewinnen. Anfängliche Meinungsverschieden- 
heiten und Verstimmungen machten seit Ende 1889 einer besseren 
Einsicht beim Sultan Platz. Er begann die Engländer in auffälliger 
Weise zu vernachlässigen und die DOAG zu bevorzugen, so daß 
man sich in Berlin großen Hoffnungen hingab, die freilich der 
Abschluß des Zanzibarvertrages mit einem Schlage vernichten sollte. 

Schon im Dezember 1888 entstanden über die Verteilung 
der Einkünfte aus den Zöllen Streitigkeiten zwischen dem Sultan 
und der DOAG. Jener bezweifelte, daß die Gesellschaft ein Recht 
habe, die Kommission von 5 %*) auch von solchen Importen zu 
berechnen, die ihren Zoll im Sultanszollhause in Zanzibar entrichtet 
hatten, und, mit einem drawback ausgestattet, lastenfrei zur Küste 
kamen. Während das Generalkonsulat in Zanzibar sich die Auf- 
fassung des Sultans mit der Begründung zu eigen machte, daß 
doch die Kommission nur als Vergütung für eine Mühewaltung 
der Gesellschaft angesehen werden könne, eine solche aber hier 
nicht vorliege, erklärte die Gesellschaft, auf die bezüglichen Ein- 
nahmen nicht verzichten zu können, weil sie einen ganz be- 
deutenden Bruchteil der Einkünfte überhaupt ausmachten und die 
Kommission von 5 % nicht eine Vergütung, sondern den einzigen 
Nutzen aus der Zollpacht darstellte. 

Der Sultan blieb jedoch bei seiner Auffassung, und da er 
auch in einem anderen Punkte von geringerer Bedeutung große 
Hartnäckigkeit an den Tag legte, so antwortete die DOAG 
auf seine herausfordernde Haltung mit einem Angriff ihrerseits, 

2 ) Art. IX des Vertrages vom 28. April 1888. 



— 138 — 

indem sie in einer dem Reichstage Januar 1889 überreichten Ein- 
gabe die Geltendmachung gerechtfertigter Entschädigungsansprüche 
beim Sultan für den Schaden forderte, der ihr durch den Aufstand 
direkt erwachsen war. Sie berechnete ihre »direkten« Verluste 
damals auf 650000 Mk., eine Summe, die sie später aber erheblich 
einschränkte. 

Ein ganzes Jahr standen sich die beiden Parteien kampf- 
gerüstet gegenüber. Schließlich erklärte sich die Gesellschaft 
einverstanden, daß bei Berechnung der Provision wenigstens die 
vom Sultan aufgewendeten Erhebungskosten in Anrechnung zu 
bringen seien und ermäßigte und präzisierte ihre Schadenersatz- 
ansprüche. Trotzdem kam es zu keiner Einigung. Erst ein neuer 
Streitfall, der mit dem Ablauf des ersten Zolljahres, des sogenannten 
Probejahres 1 ), eintrat, ergab die willkommene Gelegenheit, alle 
schwebenden Fragen aus der Welt zu schaffen. Die auf Grund 
des Probejahres 1888/89 festgestellte jährliche Entschädigung des 
Sultans für die Überlassung der Zollpacht war infolge des Auf- 
standes so schmal ausgefallen — 10844 Rps. pro Monat bei einer 
Ausgabe des Hofhaltes Sr. Hoheit von ca. 80000 Rps. in dem 
gleichen Zeitraum — , daß der Sultan rundheraus erklärte, sich 
damit nicht zufriedengeben zu können. Es wurde darauf eine 
Neuregelung des Küstenvertrages verabredet und mit ihr die 
Ersatzansprüche der DO AG wie die Pro visionsf rage erledigt. 

Die Gesellschaft leistete Verzicht auf sämtliche Ansprüche, 
welche sie aus den ihr durch den Aufstand entstandenen indirekten 
Verlusten, 2034549,30 Mk., und direkten Verlusten, 208286,02 Mk., 
herleitete, und auf die 5-proz. Kommission von solchen Zöllen, 
welche durch Sultansorgane in Zanzibar von Importen vereinnahmt 
würden, die nach der deutschen Küste gingen. Dagegen gab der 
Sultan seine Zustimmung zur Abänderung des Artikels IX des 
Küsten Vertrages 2 ). Konsul Vohsen, der zu Beginn des Jahres 
1889 in Berlin eingetroffen war, reiste zu Ende desselben noch 
einmal nach Zanzibar zurück, um die Verhandlungen mit dem Sultan 
persönlich zum Abschluß zu bringen, was am 13. Januar 1890 ge- 
lang. Man versprach sich von dieser Reise im Auswärtigen Amt 
nicht nur einen günstigen Eindruck auf den Sultan, sondern auch 
einen Einfluß auf die Abstimmung über die Dampfersubventions- 
vorlage für Ostafrika im Reichstage und auf die öffentliche Meinung 
in Deutschland, welche schon lange von der DO AG Taten erwartete 

x ) Art. IX des Vertrages vom 28. April 1888. 
2 ) Anhang IV. 



— 139 "~ 

Wirklich war Seyyid Khalifa seit diesen Tagen für die 
DOAG gewonnen. Schon bei der Erörterung der Ursachen des 
Aufstandes wiesen wir darauf hin, daß er im Zanzibarzollhause 
eine Kontrolle seiner Beamten durch die DOAG gestattete und 
für diese Zwecke das Gebäude mietweise zur Verfügung stellte. 
Das hatte die Eifersucht der Engländer herausgefordert, die zu- 
dem fürchteten, daß Deutschland weiter zu gehen beabsichtige und 
ein Protektorat etwa oder eine Annexion des Sultanats erstrebe. 
Soweit die DOAG in Betracht kam, traf diese Vermutung auch das 
Richtige, und daß sich Bismarck gesträubt hätte, die reife Frucht 
zu ernten, ist nicht sehr wahrscheinlich. SirEuan Smith glaubte 
darum im Interesse seines Vaterlandes zu handeln, wenn er nun 
nicht nur gegen die DOAG, wie wir oben zeigten, sondern auch 
gegen den Sultan zu intriguieren begann. Im April des Jahres 
1889 wurde in Zanzibar bekannt, daß ein Inder, Pera Dawjee, 
unter einem nichtssagenden Vorwande auf zwei Jahre vom eng- 
lischen Generalkonsul ausgewiesen worden sei. Man erzählte sich, 
daß die wahre Ursache der Verbannung in anderen Dingen ge- 
sucht werden müsse. Pera Dawjee nämlich hatte die Engländer 
beim Sultan der Begünstigung des Prinzen Ali verdächtigt und 
berichtet, daß sie diesem einen Thronsessel mit der Aufschrift: 
dem Prinzen Ali, geschenkt hätten. Auch gingen die vornehmen 
Araber nach der täglichen Audienz beim Sultan zu Seyyid Ali, 
um ihn zu begrüßen. Die Folge war, daß Ali nicht mehr beim 
Sultan vorgelassen wurde und die Mißstimmung zwischen Seyyid 
Khalifa und den Engländern größer wurde. 

Obwohl die Differenzen wegen der Abänderung des Küsten- 
vertrages noch immer bestanden, glaubte die DOAG im September 
1889 doch, die Gunst des Sultans soweit zu besitzen, daß sie ernst- 
lich erwog, ihn um die Gewährung der Zollpacht für Zanzibar, 
Pemba und Mafia anzugehen. Das wäre ein bedeutsamer Schritt 
zur friedlichen Eroberung der Inseln gewesen, und der Augen- 
blick schien günstig, weil es den Engländern eben gelungen war, 
dem Sultan die Zollpacht in den Häfen der Benadirküste abzu- 
ringen. Über Erwägungen kam man jedoch nicht hinaus. Seyyid 
Khalifa aber begünstigte die DOAG namentlich nach der Ratifi- 
kation des Abänderungsvertrages im Jahre 1890 mehr als bisher. 
Sogar zu größeren Landabtretungen soll er bereit gewesen sein. 

Am' 13. Februar 1890, mittags 1 Uhr, starb er dann plötzlich 
auf seinem Landsitz Chukuani, wie man annahm, durch das Gift 
seines Bruders Ali. Ali selbst wurde Sultan und war schon am 



— 140 — 

15. Februar von den Konsuln aller Mächte anerkannt. Mit ihm 
wurde der Einfluß Englands in Zanzibar wieder stärker. Trotz- 
dem aber behauptete sich die DO AG in der am Hofe eroberten 
Position, wie im Zollhause und glaubte darum nach wie vor, daß 
bei einer Regelung der ostafrikanischen Angelegenheiten minde- 
stens die großen Inseln vor der Küste deutsch werden würden. 
Der Zanzibarvertrag, das Abkommen mit England vom 1. Juli 1890, 
erst vernichtete diese Hoffnungen. 

§ 2. 
Die Wirtschaftstätigkeit der DOÄG unter Konsul Vohsen. 

A. Stationenpolitik Vohsens. 

1. Das Vohsensche Programm. — 2. Auflassung der Binnenstationen. — 3. Zoll- 
verwaltung und Handels faktoreien der DOAG. 

Das Fiasko der Petersschen Stationenpolitik war schon lange 
vor Beginn der Amtstätigkeit Vohsens Gegenstand der eifrigsten 
Diskussion in den interessierten Kreisen und verantwortlichen 
Stellen der DOAG. Dr. Peters selbst verteidigte seine Politik mit 
dem Hinweis auf die administrativen Aufgaben der Gesellschaft. 
Er gab auch nicht zu, daß sich sein System kleiner Wirtschafts- 
stationen niemals rentieren werde, erkannte aber an, daß mit der 
Erwerbung des Küstenstreifens ein neuer, bisher naturgemäß ver- 
nachlässigter Faktor richtunggebend in die Wirtschaftspolitik der 
Gesellschaft eingegriffen habe. Prinzipiell hielt er trotz dieses 
Zugeständnisses daran fest, daß kaufmännisch-landwirtschaftliche 
Gesichtspunkte, nicht aber rein kommerzielle im Vordergrunde 
der privatwirtschaftlichen Tätigkeit zu stehen hätten. Bodenkultur, 
kein Handel! das war die Peterssche Parole. 

1. Das Vohsensche Programm. 

Handel und in zweiter Linie Bodenkultur! war das neue 
Feldgeschrei, mit dem die Tätigkeit Vohsens Mitte Mai 1888 be- 
gann. Den Umschwung veranlaßte sowohl der finanzielle Miß- 
erfolg des Petersschen Systems, als vor allem die Ratifikation 
des Küstenvertrages. Sie forderte zu einer Verlegung des Tätig- 
keitsgebietes an die Küste direkt heraus. Nicht nur, daß bei den 
primitiven Verkehrs Verhältnissen jede Meile der Küste näher sich 
merkbar in klingende Münze umsetzen mußte. Im Vertrage selbst 
übernahm die DOAG die Zollstationen des Sultanats an der See 



— 141 — 

und erhielt für ihren Ausbau und ihre Verwaltung eine Summe 
von 170000 Rps. pro Jahr. Es lag nahe, diesen Stationen gleich- 
zeitig neue privatwirtschaftliche Unternehmungen anzugliedern, 
und die finanzielle Notlage der DOAG- schien das geradezu zu 
fordern. Sie gestattete nicht, neue Beamte für die Zollstationen 
anzustellen und daneben die alten auf ihren fürs erste rentenlosen 
Plätzen im Innern zu belassen. So drängte alles, die Verkehrs- 
verhältnisse, der Küstenvertrag, die Finanzlage, zur Konzentration 
nach der Küste. Nichts aber zwang, so wird man einwenden, 
die Bodenkultur durch den Handel zu ersetzen. 

Und doch ließ sich keine wirtschaftliche Tätigkeit besser im 
Zusammenhang mit den Zollstellen an der Küste betreiben als 
der Handel. Dazu steigerten die bisherigen schlechten Er- 
fahrungen mit dem Plantagenbau die allgemeine Aversion der 
intimeren Gesellschaftskreise gegen ihn. Freilich ging man nicht 
so weit, die Pflege der Bodenkultur überhaupt abzulehnen, ver- 
warf aber die bisher geübte Praxis, in zahlreichen kleinen Wirt- 
schaftsstationen Anbau versuche zu machen, und beabsichtigte, sie 
auf einem durch Fruchtbarkeit des Bodens und günstige klimatische 
Verhältnisse besonders geeigneten Platze zu konzentrieren, daneben 
Eingeborenenkulturen ins Leben zu rufen und durch sogenannte 
Stipendien vertrage anzuregen. Daß diese landwirtschaftliche Tätig- 
keit, die sich auf Versuche und Anregungen beschränkte, keinen 
direkten Gewinn abwerfen konnte, war gewiß. Eine Rente er- 
wartete man allein vom Handel. 

Diesem neuen Wirtschaftsprogramm gemäß wurde einerseits 
die gelegentliche Auflassung der Binnenstationen, wenn möglich 
ihr Verkauf, und andererseits die Einrichtung von Handels- 
faktoreien im Anschluß an die Zollstationen ins Auge gefaßt. 

2. Auflassung der Binnenstationen. 

Von den fünfzehn bei der Ankunft Vohsens vorhandenen 
Stationen (mit Einschluß Zanzibars) sollten zehn endgültig auf- 
gelassen bzw. verkauft werden, eine Zahl, in welcher der radikale 
Bruch mit der bisherigen Stationenpolitik schon deutlich zum Aus- 
druck kommt, und vier zu Zollstationen ausgebaut werden. Von 
den ersteren zehn war Sima bereits seit langen Monaten verlassen, 
während Mafi nur noch von einem Araber bewacht wurde. 

Zwei, der drei Kinganistationen gedachte man ebenfalls ab- 
zustoßen; auf der dritten aber sollte die geplante landwirtschaft- 
liche Versuchsstation errichtet werden. Anfänglich kam dafür 



— I 4 2 — 

Madimula in Betracht, doch gab man den Plan auf, als Semler, 
einer der besten deutschen Kenner des tropischen Ackerbaues 
und Leiter der Abteilung für Bodenkultur seit Frühjahr 1888, 
den dortigen Boden für zu schlecht erklärte. Aus ähnlichen 
Gründen wurde von Dunda Abstand genommen, während Usungula 
von vornherein wegen seiner großen Entfernung von der Küste 
ungeeignet schien. So standen denn alle drei Kinganistationen 
zur Auflassung bereit. Dunda und Madimula wollte man nur 
noch bis zur Tabaksernte halten, die übrigens recht schlecht stand, 
und Usungula sollte den Vätern vom Heiligen Geist zum Kauf 
angeboten werden. 

Kiora an der Straße Morogoro — Mpapua wurde noch vor 
Ausbruch des Aufstandes verlassen und der dortige Beamte nach 
Mpapua geschickt. 

Tanganiko, dessen Lage in der englischen Interessensphäre 
sich übrigens erst nach längeren Verhandlungen hatte feststellen 
lassen, wurde gleichfalls bald nach der Ankunft des neuen General- 
vertreters aufgegeben, und jede weitere Ausgabe für Überwachung 
vermieden. 

Unterbrechen wir den begonnenen Gedankengang hier ein- 
mal, um darzulegen, in welchem Zustande sich eine größere An- 
zahl dieser Binnenstationen im Moment der Auflassung befand. 
Auf Tanganiko waren 3 ha urbar gemacht und mit Baumwolle, 
Mais, Zuckerrohr und Tabak bepflanzt, weitere 30 Morgen teils 
mit Mais, Mhogo, Ananas bestanden, teils zur Aufnahme von 
Saat bereit. Nach Analogie der anderen Stationen besaß das 
urbar gemachte Land, Hektar zu 50 Rps., einen Wert von etwa 
500 Rps., der Rest, ca. 800 — 1000 Morgen, wenn man den ehe- 
maligen Kaufpreis einsetzte — eine Wertsteigerung war ja auch 
nicht eingetreten — , einen Wert von 400 Rps. Danach belief 
sich der Gesamtwert des Grund und Bodens im Augenblick der 
Auflassung auf ca. 900 Rps. Das tote Inventar und die Magazin- 
bestände wurden mit 1200 Rps., die Gebäude mit 300 Rps., die 
Rindvieh-, Ziegen- und Schafherden mit 600 Rps. in Rechnung 
gestellt. Die letztgenannte Summe galt jedoch nur loco, da eine 
Ortsveränderung, weil mit vielen Gefahren verknüpft, die Herde 
dezimiert und ihren Wert sicherlich herabgemindert hätte, auch 
wenn es schließlich gelungen wäre, einen Teil auf einen Markt 
mit höheren Preisen, etwa Zanzibar oder Pangani, zu bringen. 

Als Handelsstation war Tanganiko ganz bedeutungslos. Nur 
selten brachten die umwohnenden Eingeborenen etwas zur Station 






— H3 — 

und dann noch zu ungewöhnlich hohen Preisen. Kopal, Gummi 
und Elfenbein waren in jener Gegend außerordentlich rar, die 
Verbindung mit Zanzibar äußerst schwierig. 

Der momentane Wert der Station belief sich danach auf 
ca. 3000 Rps., stand aber mit 6881 Rps. 7 A. 3 P. 1 ) zu Buch. Da 
sich gar keine Gelegenheit zum Verkauf bot, wurde beschlossen, 
einen zuverlässigen Aufseher gegen Nutznießung des Landes mit 
der Verwaltung zu betrauen und ihm aufzutragen, mit etwaigen Inter- 
essenten über Pacht oder Kauf nach gewissen Normen zu verhandeln 2 ). 

Die Auflassung der bis jetzt genannten sieben Stationen fand 
ohne weiteres die Zustimmung der maßgebenden Stellen in Berlin. 
Schwerer aber wurde es der Generalvertretung, sie zu überzeugen, 
daß auch Mpapua und Aruscha-Moschi, die großen und kost- 
spieligen Binnenhandelsstationen, im Interesse der Rentabilität des 
ganzen Unternehmens am besten aufgegeben würden. In den 
neun Monaten ihres Bestehens hatten sie bereits 150000 Mk. ver- 
schlungen, von denen ein unverhältnismäßiger Teil auf Transport- 
kosten und andere Ausgaben ohne werbende Kraft entfiel. Ihre 
Entstehung verdanken beide der Idee, für Pangani und Daressalam 
handelspolitische Stützpunkte im Hinterlande zu schaffen. Mit 
der Ratifikation des Küstenvertrages war diese ganze Argumen- 
tation gegenstandslos geworden. Dennoch entschloß man sich 
nur unter den besonderen Umständen, wie sie der Aufstand schuf, 
zur Auflassung dieser Plätze. 

Im Gegensatz zu diesen Stationen konnte Korogwe, wie 
Petershöhe schon früher, an die Deutsch-Ostafrikanische Plantagen- 
Gesellschaft für 3000 Rps. verkauft werden, unter gleichzeitiger 
Anerkennung der Verpflichtung der DO AG, jener die ihr aus 
einem Vertrage zustehenden 25 000 ha Land um Lewa anzuweisen 3 ). 

Zanzibar blieb als die Verwaltungszentrale bestehen; Pangani, 
Bagamoyo und Daressalam wurden Hauptzollstationen, an welche 
Handelsfaktoreien angegliedert werden sollten. Damit kommen 
wir schon zum positiven Teil des neuen Programms, in welchem 
der Handelsbetrieb neben der Zollerhebung das Feld beherrscht. 

Bevor wir jedoch in einem besonderen Abschnitt auf diese 

*) 1 Rp. (Rupie) = 16 A. (Anna) = 64 P. (Pesa). 

2 ) Andere Stationen, namentlich die Kingani-Stationen, befanden sich in weniger 
trostlosem Zustande. Die Darstellung bei Bley, Deutsche Pionierarbeit in Ostafrika, 
Berlin 1891, über Usungula erweckt jedoch Vorstellungen, hinter denen die tatsächlichen 
Verhältnisse zurückbleiben. 

3 ) Siehe S. 103. 



— i 4 4 ~ 

Programmpunkte näher eingehen, wollen wir einiges über die 
agrarischen Unternehmungen der DO AG in der Ära Vohsen mit- 
teilen. Sie standen ziemlich tief in der Wertschätzung der maß- 
gebenden Stellen der Gesellschaft, seit unter Peters in sie ohne 
Erfolg große Summen hineingesteckt worden waren. Man darf 
das aus dem Umfange schließen, in welchem sie ins Leben ge- 
rufen wurden. Dennoch aber verdient es anerkannt zu werden, 
daß man sich für die Bodenkulturarbeiten einen der ersten Sach- 
kenner des tropischen Ackerbaues, Sem ler, verschrieb, der leider 
schon nach einer Anwesenheit von nur wenigen Wochen den 
Angriffen des Klimas erlag. Die einzigen landwirtschaftlichen 
Betriebe wurden in Kikogwe bei Pangani und in der Nähe von 
Daressalam geschaffen : Jenes sollte eine Baumwollplantage 
größeren Stiles werden, dieses eine allgemeine Versuchsstation 
für Bodenkultur. Der Aufstand machte jedoch auch diese Pläne 
zu nichte, und die geringe Neigung der einflußreichsten Stellen 
der DOAG zu solchen Betrieben hat es zuwege gebracht, daß 
bis zum i.Januar 1891 neue Anlagen dieser Art nicht geschaffen 
wurden, obwohl das Auswärtige Amt zur Beruhigung der öffent- 
lichen Meinung in Deutschland stets auch auf Einrichtung von 
Plantagen drängte. 

3. Zollverwaltung und Handelsfaktoreien der DOAG. 
Der Angelpunkt der Stationenpolitik Vohsen s ist nun die 
Einrichtung von Zollstellen an der Küste unter Angliederung von 
Handelsfaktoreien. Wir gehen im folgenden auf diese Institution 
darum ausführlicher ein, weil sie in doppelter Beziehung einen 
Markstein und Wendepunkt in der Entwicklung der DOAG als 
Schutzbrief gesellschaft darstellt: es ist das erste und einzige Mal, 
daß die DOAG mit der Erhebung von Zöllen ein nutzbares 
Hoheitsrecht finanziell in großem Maßstabe auszubeuten versuchte. 
Dann aber offenbart sich in ihrer nun beginnenden und durch 
die Einrichtung der Zollverwaltung eingeleiteten Tätigkeit an der 
Küste die Tatsache, daß die Gesellschaft mit dem Sultansvertrage aus 
einer deutschen gewissermaßen eine zanzibaritische Schutzbrief- 
gesellschaft geworden war, nicht zwar im strengen Rechtssinne, 
wohl aber in wirtschaftlicher Beziehung. Die Erschließungsarbeit 
der DOAG kam nicht mehr dem deutschen Schutzbrief- 
gebiet unmittelbar, sondern dem Küstengebiet des Sultanats zu- 
gute. Eine Unzahl von Problemen und Mißverständnissen erwuchs 
aus dieser neuen Situation, und in den neuen Verhältnissen fand 



— 145 — 

die DOAG schließlich nicht die erhoffte Rentabilität, sondern den 
Damm, der ihrem Wirken ein frühes Ziel setzen sollte. Dennoch 
wird man sagen müssen, daß der mit dem Abschluß und der 
Durchführung des Küstenvertrages seitens der Gesellschaft unter- 
nommene Vorstoß ins Sultanat, wenn auch nicht nach seinen 
Motiven und ersten Wirkungen, so doch aber im Endeffekt, der 
uneingeschränkten Abtretung der Küste an das Deutsche Reich, 
von dauernder Bedeutung für die Entwicklung der ostafrikanischen 
Kolonie geworden ist. 

An dem Abkommen interessiert uns hier vor allem Art. IX, 
welcher sich auf die Pacht der Zölle bezieht. Die mit der Über- 
nahme der Verwaltung entstandenen Schwierigkeiten haben wir, 
soweit sie rein politischer Natur waren, an anderer Stelle erörtert; 
es kommt uns jetzt "darauf an, zunächst einmal die zolltechnischen 
Auseinandersetzungen mit den Sultansorganen und dann die Ein- 
richtung der Zollverwaltung selbst zu besprechen. 

Die Zollerhebung an der Küste schien anfänglich dadurch 
völlig in Frage gestellt, daß die Inder nach dem englisch-zanzi- 
baritischen Handelsvertrage die Freiheit hatten, ihren Zoll entweder 
an der Küste oder in Zanzibar zu entrichten. Da die Inder gerade 
den für die Zollerhebung in den Küstenplätzen fast ausschließlich 
in Betracht kommenden Zwischenhandel betrieben — der zentrale 
Export- und Importplatz war Zanzibar — , und man nicht erwarten 
durfte, daß der für Waren von und nach dem deutschen Pacht- 
gebiet in Zanzibar gezahlte Zoll bei der bekannten Unzuverlässig- 
keit der Sultansbeamten ohne weiteres an die Gesellschaft zurück- 
gezahlt oder doch zu ihren Gunsten in Rechnung gesetzt wurde, 
sann man auf Sicherheiten. Den bezüglichen Passus des eng- 
lischen Handelsvertrages einfach zu ignorieren, ging nicht an, so 
daß man sich zu folgendem Vorgehen entschloß. Man wollte an 
der Küste von ausgeführten Waren eine Garantiesumme in Höhe 
des Zolles verlangen, die erst zurückgezahlt werden sollte, wenn 
der Nachweis über die Entrichtung der Abgabe in Zanzibar er- 
bracht war 1 ). Leicht konnte die Maßregel als Schikane gegen die 
Inder angesehen werden, wenn man auch wird zugeben müssen, 
daß die Gesellschaft bei der herrschenden Korruption nach euro- 
päischen Begriffen durchaus berechtigt war, sich ihre Einnahmen 
mit jedem Mittel zu sichern. Aber das ist eben die Frage, ob 
die ostafrikanischen Verhältnisse für formalistisch angewandte 
europäische Begriffe reif waren, und insbesondere, ob es angängig 

x ) Später ist die Garantie abgeändert worden; s. den vorigen Paragraphen. 
Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft i. 10 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 146 — 

war, sie um jeden Preis zu oktroyieren, wo man sich doch sagen 
mußte, daß man zwar die Verwaltung in der Hand hatte, aber 
ein Exekutivorgan, eine zuverlässige Polizeitruppe oder Militär- 
macht nicht besaß, um seine Auffassung von Recht und Ordnung 
zur Geltung zu bringen. 

Auch die übrigen, an sich durchaus lobenswerten Versuche 
der Gesellschaft, sich in die zanzibaritischen Zollgepflogenheiten 
einzuleben, litten an dem Kardinalfehler, daß sie in einem Punkte 
keine Gnade kannten, und das war eben der Rechts- und Ord- 
nungsbegriff. Wir zeigten an anderer Stelle, daß die Beamten des 
Staates Zanzibar von der Korruption lebten und zeigten auch, daß 
diese Korruption öffentlich sanktioniert war. Psychologisch handeln 
— und die gute Absicht hatte die DOAG — hieß hier eben 
darum nicht, diese oder jene zweifelhafte Gepflogenheit in der 
Zollerhebung zunächst anerkennen und hernach einen Aufpasser 
hinsetzen, sondern unbekümmert um eventuelle Mindererträge 
und das Geschrei der Ordnungsfanatiker der Korruption selbst 
Konzessionen zu machen. Das klingt ja gewiß nicht nach Zivili- 
sation, so wie wir sie begreifen, aber es entbehrt der psycholo- 
gischen Rechtfertigung nicht, vermeidet das Brüchige und stets 
Unökonomische in der Entwicklung und verleugnet letzten Endes 
die prinzipielle Berechtigung höherer Formen menschlichen Gemein- 
schaftslebens nicht. Es ist nicht Unkultur, sondern temperierte 
Kultur, konsequent im Ziel und maßvoll im Tempo, die solches 
Vorgehen empfiehlt. 

Als die Vertreter der DOAG mit dem technischen Delegierten 
des Sultans die ersten Verhandlungen pflogen, mußten sie eine 
ganze Anzahl verwunderter Fragen beantworten, die deutlich genug 
zeigen, was die Situation nach der ganzen psychischen Disposition 
der Zanzibariten heischte. Die bisherigen Beamten sollen nicht 
bleiben? fragte NassrLilany erstaunt und konnte sich lange nicht 
in die Bücherkontrolle, die die Gesellschaft im Zanzibarzollhause 
beabsichtigte, und die neuartige Institution der drawbacks finden. 
Schließlich regte er an, daß die Gesellschaft Gewichts- statt der 
Wertzölle einführen möchte und erklärte sich erst, nachdem er 
ernstlichen Widerstand gefunden hatte, bereit, die Wertzölle unter 
der Bedingung anzunehmen, daß die Gesellschaft Durchschnitts- 
werte festzusetzen bereit sei. Auch hinsichtlich des Auktions- 
verfahrens bei der Zollerhebung ergaben sich große Meinungsver- 
schiedenheiten. Im Zentralzollhause in Zanzibar wurden nämlich die 
Artikel mit stark schwankenden Preisen an die Exporteure verauktio- 



— 147 — 

niert und der hier öffentlich festgestellte Wert der Verzollung zu- 
grunde gelegt. Die Befürchtung von Spekulationen und Preis- 
treibereien war gewiß berechtigt, wenn auch die Praxis nach 
Berichten des Generalkonsuls solche Machenschaften nicht kannte. 
Elfenbein war zwar einmal bedeutend über den Liverpooler Markt- 
preis hinaufgetrieben worden; wie versichert wurde, stand aber 
der Sultan, den man im Verdacht hatte, weil er an den höheren 
Zolleinnahmen interessiert war, der Sache völlig fern. Ihre an- 
fängliche Abneigung gegen die Verauktionierung gab die DO AG 
wenigstens für Elfenbein schließlich auf und vereinbarte mit Nassr 
Lilany bei Gummi einen Tarif für zwei und bei Kopal für drei Qualitäten. 

Neben diesen für zanzibaritische Verhältnisse recht verwickel- 
ten Angelegenheiten wurden im Juni 1888 schon die Entwürfe 
für die Organisation der Zollerhebung und die Einrichtung der 
Stationen der Gesellschaft ausgearbeitet. Man plante 7 Haupt- 
zollstationen (Tanga, Pangani, Bagamoyo, Daressalam, Kilwa Ki- 
windsche, Lindi und Mikindani) und wollte in den übrigen Plätzen, 
an welchen der Sultan eine Zollerhebung unterhielt (Sadani, 
Mbweni, Kikunga, Ssamanga, Chole auf Mafia, Kilwa Kissiwani 
und Sudi), Nebenstationen errichten. Die alten Küstenwachen 
sollten bestehen bleiben und besondere Maßnahmen gegen den 
Schmuggel fürs erste nicht ergriffen werden. Man berechnete im 
Etatsvoranschlage für das erste Zolljahr einen mäßigen Überschuß 
von 7840 Mk. So hatte sich die Stationenpolitik mit der Über- 
nahme der Zollverwaltung also endgültig nach der Küste konzen- 
triert. Alle etwa verfügbaren kolonisatorischen Kräfte kamen 
damit im Sultanat und nicht mehr im eigentlichen Schutzbrief- 
gebiet zur Verwendung. 

Doch setzte der Aufstand dem neuen Kurs ein frühes Ziel, 
und schon anfangs Oktober hielt man an der Küste nach kaum 
iY 2 monatiger Tätigkeit nur noch Bagamoyo und Daressalam. Der 
gesamte Zollverwaltungsapparat wurde damals in Zanzibar zu- 
sammengezogen und teilweise zur Überwachung der dortigen 
Sultanszollhebestelle verwandt, um auf diese Weise trotz der Er- 
regung auf dem Festlande von den Zöllen das mögliche zu retten. 
Wir haben im Zusammenhang mit der Entwicklung der politischen 
Verhältnisse eine Darstellung der Zollkontrolle in Zanzibar gegeben. 

Im vollen Umfange ist die Stationenpolitik Vohsens nun 
trotz der Niederwerfung des Aufstandes und der Abänderung des 
Küstenvertrages nicht wieder aufgelebt, wenn die allmählich fort- 
schreitende Pazifizierung auf dem Kontinent auch mit einer Wieder- 

10* 



— 148 — 

besetzung der Küstenstationen nach den Grundsätzen Vohsens 
Hand in Hand ging. Bis zum 1. Dezember 1889 waren neben 
Bagamoyo und Daressalam auch Pangani und Tanga wieder er- 
öffnet worden, denen nach längerer Unterbrechung, bis zum i.Juli 
1890, die drei Stationen im Süden folgten. Ihre Tätigkeit er- 
schöpfte sich in der Erhebung der Zölle. 

Eine eigentliche Stationenpolitik mit Erwerbszielen und 
Handelsbetrieb kam über schwache Anfänge nicht hinaus und 
war demgemäß weder auf der Aktiv- noch auf der Passivseite 
von Einfluß auf das finanzielle Endergebnis der Gesellschaftstätig- 
keit. Man unternahm in allen Küstenstationen Schritte zur Ein- 
richtung von Faktoreien, schickte einen Kaufmann, der mit den 
ostafrikanischen Verhältnissen vertraut war, hinaus, um den Be- 
trieb durch Anlage einer systematischen Musterkollektion der 
Exporten und Importen vorzubereiten, tätigte Getreide verkaufe 
an den Reichskommissar und beteiligte sich an den Geschäften 
des Händlers Stokes mit 30000 Mk. Auch Direktor Vohsen 
prüfte während seines zweiten Aufenthaltes in Ostafrika, Anfang 
1890, die Handelsverhältnisse und erstattete ausführlichen Bericht 
nach Berlin. Auf Vorschlag des deutschen Generalkonsuls wurde 
in Bagamoyo eine Karawanserei eingerichtet, deren Bedeutung 
nicht nur in der Unterbringung der Karawanen, sondern vor 
allem auch in der Kontrolle des Verkehrs, der wirkungsvollen 
Ausübung des Sicherheitsdienstes und der Verhinderung der Aus- 
beutung der Karawanen durch gewissenlose Inder und Araber 
lag. Direkte Gewinne versprach das Unternehmen zwar nicht; 
es war aber neben den Zollstationen ein weiteres Mittel, den Fak- 
toreibetrieb auszudehnen. In einem Bericht von Ende August 
1890 hieß es nach all diesen Vorbereitungen: Die Faktorei- 
geschäfte haben begonnen. 

B. Andere kolonisatorische Unternehmungen der DO AG. 

1. Eigene Unternehmungen der DOAG: a) Bergwerkskonzession, b) Verkehrspolitik, 
c) Stipendienverträge. — 2. Beziehungen der DOAG zu anderen wirtschaftlichen Unter- 
nehmungen im Schutzgebiet: a) Ansiedelungen, b) Plantagengesellschaften. 

i. Eigene Unternehmungen der DOAG. 
a) Berg Werkskonzession. 
Anfang 1889 hatte sich die DOAG ein Vorzugsrecht auf 
die Ausbeute von Salzen und Mineralien außerhalb ihres Ver- 
tragsgebietes erteilen lassen. Es lief vom 1. April 1889 auf fünf 



— i 4 9 — 

Jahre und bezog sich auf die Gegend zwischen dem 35. und 
32. Grad östlicher Länge und dem 5. Grad südlicher Breite und 
der Nordgrenze der deutschen Interessensphäre. Man glaubte dort 
die sagenhaften Salpeterlager zu finden und machte mehrmals An- 
sätze zur Erkundung; es kam jedoch nicht dazu, geschweige zur 
Ausbeutung, und schließlich geriet die Konzession in Vergessenheit. 

b) Verkehrspolitik. 

Schon unter Baron v. Gravenreuth, dem Vertreter des Dr. 
Peters in der Führung der ostafrikanischen Geschäfte, war die 
Eisenbahnexplorationsexpedition aus dem Innern zurückgenommen 
und beauftragt worden, die Ergebnisse ihrer Arbeiten in Baga- 
moyo zusammenzustellen. Unter Konsul Vohsen wurde sie gänz- 
lich mit der Begründung aufgehoben, daß sie den »Zwecken der 
Gesellschaft nicht mehr entspreche«, was doch wohl bedeutet, daß 
die beabsichtigte Pflege von Handelsfaktoreien an der Küste, so- 
wie die Übernahme der Zollverwaltung und die landwirtschaft- 
lichen Unternehmungen in dem geplanten bescheidenen Umfange 
eine Erschließung des Landes durch moderne Verkehrswege über- 
flüssig mache. Aus den Mitgliedern der Expedition bildete man 
ein technisches Bureau, dem die Vermessungsarbeit und die Ab- 
schätzung und Herstellung von Gebäuden übertragen wurde. 

Einzig für die Verbindung Zanzibars mit der Küste besaß 
die DO AG den Dampfer »Jühlke«. Die steigenden Ansprüche 
des Verkehrs in den Tagen der Vorbereitung der Zollübernahme 
führten zur Anforderung eines besonderen Zolldampfers, der wohl 
auch eingetroffen wäre, wenn die Ereignisse nicht jede Bemühung 
in der angegebenen Richtung überflüssig gemacht hätten. 

Est nach Niederwerfung des Aufstandes trat eine neue Ver- 
kehrspolitik zögernd in die Erscheinung. Dr. Baumann, der mit 
einer Exploration des Küstengebietes zwischen Daressalam und 
der Nordgrenze beauftragt war, erhielt unter anderem die Order, 
Erkundungen für die Anlage einer fahrbaren Straße von Tanga 
durch Bondei nach Usambara anzustellen (spätere Usambarabahn) 
und eine geeignete Trace für eine Straße von Daressalam in die 
Puguberge festzulegen. Soweit sich diese Aufträge auf Bahnen 
beziehen, lassen sie erkennen, daß man nach dem Aufstand dem 
System der Stichbahnen huldigte. Daneben glaubte man freilich 
noch immer, den Verkehr auf den Wasserstraßen ausbauen zu 
können. Die Untersuchungen Dr. Baumanns über Schiffbarkeit 
und Flößbarkeit der nördlichen Küstenflüsse zeitigten aber ein 



— 150 — 

negatives Resultat, so daß die Flußläufe alsbald wieder aus dem 
verkehrspolitischen Räsonnement verschwanden. 

An diesen Grundsätzen der Verkehrspolitik auf dem Fest- 
lande änderte auch die Subventionierung der deutschen Ostafrika- 
linie Anfang 1890 nichts. Die neue Verbindung mit dem Mutter- 
lande wurde nicht durch eine großzügige Verkehrspolitik in der 
Kolonie ergänzt. Man beschränkte sich darauf, getragen von dem 
Gedanken, die Küstenproduktion zu entwickeln und die Monopol- 
stellung Zanzibars zugunsten der Festlandshäfen zu brechen, die 
Schaffung einer Küstenzweiglinie anzuregen und für die Haupt- 
linie, außer Zanzibar, noch mindestens drei weitere Häfen auf dem 
Festlande als Anlaufsplätze zu empfehlen. 

c) Stipendienverträge. 

Ein neuer Gesichtspunkt für die Erschließungsarbeiten wurde 
unter der Generalvertretung Vohsen mit den sogenannten Stipen- 
dienverträgen gewonnen. Es war die Absicht dieser Verträge, 
»die Eingeborenen zu den Kulturen von Ölfrüchten, namentlich 
von Erdnüssen und Sesam, behufs Verkaufs an die DOAG anzu- 
spornen«. Über die hier genannten Produkte hinaus sollten die 
Verträge für jeden Handelsartikel abgeschlossen werden, den 
Neger, Suaheli oder Araber überhaupt zu Markte zu bringen ver- 
mochten. Dies geht auch aus folgender Einteilung des Schutz- 
gebietes für die Zwecke der Stipendien vertrage hervor. Man dachte 
sich die Kolonie in drei Rayons geteilt: den Küstenrayon der 
Jahreskulturen, die Landstrecken, welche man als Durchreise- 
gebiete bezeichnen könnte, weil dort keine wichtigeren oder wert- 
volleren Produkte vorhanden waren, und die Elfenbein- und 
Kautschukländer. In diesen Rayons sollten mit den eingeborenen 
Chefs auf die Eigentümlichkeit der Lieferbarkeit usw. der einzelnen 
Handelsartikel abgestimmte Stipendienverträge abgeschlossen und 
die einflußreichen Grundbesitzer der Küste, also Araber und Suaheli, 
wie die Häuptlinge des Innern für eine intensivere Kulturarbeit 
gewonnen werden. 

Eigentümlich ist diesem System der Eingeborenenkulturen, 
wie es uns hier zum ersten Male in der deutschen Kolonialpolitik 
entgegentritt, der enge Zusammenhang mit dem Faktorei- und 
Handelsbetrieb der DOAG. In jenem oben zitierten Passus des 
Geschäftsberichtes für das Jahr 1889 heißt es ausdrücklich: »Kul- 
turen von Ölfrüchten behufs Verkaufs an uns« sind anzuregen. 
Einer Monopolisierung des Handels ist dieses System der Stipen- 



— i5i — 

dienverträge doch nicht gleichzusetzen, weil es nicht ausschließt, 
daß sich andere Unternehmer die Produktion des Schutzgebietes 
in gleicher Weise dienstbar machten. Allerdings ist die Probe 
auf das Exempel niemals versucht worden, weil während der 
Herrschaft der DOAG sich eine zweite Handelsgesellschaft in 
Ostafrika nicht niederließ. 

Schon die großen Friedensschauris, welche zu Anfang des 
Jahres 1890 in einzelnen Küstenorten abgehalten wurden, brachten 
den Abschluß von Stipendienverträgen mit Jumben und Arabern. 
Dr. Baumann vermehrte sie auf seinen Reisen in Usambara und 
verabredete in ihnen namentlich den Sesamanbau und Kautschuk- 
lieferungen nach Tanga. 

2. Beziehungen der DOAG zu anderen wirtschaft- 
lichen Unternehmungen im Schutzgebiet. 

a) Ansiedelungen. 
Nach der ersten Begeisterung der für die Kolonien lebhaft 
eintretenden Kreise war durch mannigfache Ursachen hinsichtlich 
der Besiedelung ein Umschwung der Meinungen eingetreten. 
Er findet zu einem Teile in den »Hauptbedingungen über Ab- 
tretung von Gesellschaftsland an Kolonisten« einen Niederschlag. 
Da heißt es: 1. Der Landkomplex soll nicht größer und kleiner 
sein als 1000 ha. 2. Der Preis ist 4 Mk. pro Hektar; das Land 
ist aber sofort in Kultur zu nehmen. 3. Die Übergabe findet 
erst statt, wenn die Kaufsumme gezahlt ist. Vorher aber wird die 
Vermessung vollzogen, deren Kosten vom Kolonisten zu tragen 
sind. 4. In den beiden ersten Jahren sind 5 %, in den folgenden 
Jahren aber 10% des Landes urbar zu machen und zu kultivieren. 
Geschieht dies nicht, dann besteht ein Anrecht nur auf einen 
Landkomplex, der so groß ist, wie das zwanzig- bzw. zehnfache 
der urbar gemachten Strecken. Eine Rückvergütung des Kauf- 
schillings findet jedoch nicht statt. 5. Es können auch größere 
Terrains als 1000 ha abgegeben werden und zwar ohne Anwen- 
dung der unter 4. gesetzten Bedingungen. Weil solche Käufe 
jedoch nur zu Spekulationszwecken getätigt würden, werden be- 
sondere Abmachungen und höhere Preise vereinbart werden. Für 
die Sicherheit der Person und des Eigentums übernimmt die Ge- 
sellschaft keine Garantie. 7. Die DOAG hat das Recht, alljähr- 
lich vor der kleinen Regenzeit eine Inspektion des Anwesens 
vorzunehmen. 8. Zu bestimmten Zwecken, wie Anlage von Ver- 



— 152 — 

suchsplantagen, Jahresplantagen, Depotplätzen usw. kann Land auf 
die Dauer von 5 Jahren für 1 Mk. pro Hektar abgegeben werden. 

Diese allgemeinen Grundsätze sollten Interessenten als even- 
tuelle Vertragsbasis mitgeteilt werden. Eine Reklame für An- 
siedelungen vermied man aber und zwar vornehmlich aus zwei 
Gründen: Zunächst war die Rentabilität solcher kolonisatorischen 
Unternehmungen bisher für die Kolonie nicht erwiesen, und dann 
gaben die klimatischen Verhältnisse zu Bedenken Veranlassung. 

Da die DO AG aus Landabtretungsverträgen dieser Art 
Streitigkeiten voraussah, erstrebte sie gegebenenfalls die Kompe- 
tenz des Generalkonsuls. Ihre Furcht vor Verwicklungen ist be- 
zeichnend, und wohl ein Beweis, daß sie die Härte dieser »Bedin- 
gungen« nur zu deutlich fühlte. Auch der ausdrückliche Hinweis 
darauf, daß man keinem Kolonisten Leben und Eigentum garan- 
tieren könne, ist einer Schutzbriefgesellschaft wenig würdig. 

Während der Generalvertretung des Dr. Peters waren zwei 
Kolonisten, welche gemeinsam zu arbeiten gedachten, nach Ost- 
afrika gekommen. Sie sind unter der Herrschaft der DOAG die 
einzigen geblieben. Der Aufstand hat ihre Unternehmungen hin- 
weggefegt und brachte einem von ihnen den Tod. Ihre Kapital- 
kraft war außerordentlich gering, was übrigens auch von den 
wenigen Ansiedlern galt, welche im Gebiete der Witugesellschaft 
saßen. Kurz vor Beginn des Aufstandes gingen jenen beiden Ost- 
afrikanern die Betriebsmittel aus, und erst nach mancherlei Be- 
mühungen gelang es ihnen, neue Kapitalien flüssig zu machen. 
Bis August 1888 hatten sie ihre Verpflichtungen gegen die DOAG, 
welche sich auf 12000 Mk. beliefen, noch nicht eingelöst. Man 
verbot ihnen auch die Ernte von Pira, da sie an dem Artikel 
Raubbau trieben. 

b) Plantagen gesellschaften. 
Schon im Jahre 1887 war die Deutsch-Ostafrikanische Plan- 
tagengesellschaft nach Ostafrika gekommen. Es wurde schon be- 
richtet, daß sie von der DOAG die Station Petershöhe kaufte. 
Unter der Generalvertretung Vohsen wurden ihr abermals einige 
Stationen zum Kauf angeboten. Sie erwarb schließlich Korogwe 
für 3000 Rps., einschließlich 1500 Rps. für ein Holzhaus, das noch 
in Pangani lag. In dem darüber geschlossenen Vertrage wurde 
der Plantagengesellschaft gleichzeitig das Recht zugestanden, sich 
25000 ha Land, auf die sie laut Vertrag vom 24. September 1886 
Anspruch hatte, in einer Interessensphäre um Lewa auszusuchen. 



— 153 — 

Sollte sich herausstellen, daß das Gebiet, in dem sie ihre Betriebe 
zu konzentrieren gedachte, weder für Tabak, noch für Kaffee- 
kulturen geeignet war, so konnte sie es noch nach 5 Jahren 
zurückgeben. Der DOAG verblieb die Berechtigung, im Inter- 
essengebiet Wege und Verbindungsstraßen anzulegen. 

Die Pflanzungstätigkeit der Deutsch-Ostafrikanischen Plan- 
tagengesellschaft erstreckte sich anfänglich auf den Bau von Tabak. 
Kurz vor dem Ausbruch der Unruhen beschäftigte sie in Lewa 
300 Arbeiter. Nachdem der Aufstand auch ihrer Arbeit ein Ende 
gemacht hatte, begann sie ihre Wirksamkeit erst wieder gegen 
Ende des Jahres 1890. 

Zu Beginn desselben, als der nördliche Küsten streifen schon 
wieder ganz in den Händen Wissmanns war und auch Usambara 
sich zu beruhigen begann, nahm die schon 1888 gegründete 
Deutsche Pflanzergesellschaft, welche auch Tabaksplantagen plante, 
mit zwei Beamten im Hinterlande von Tanga, bei Amboni am 
Sigi, ihre Arbeiten auf. 



§ 3- 

Kompetenzkonflikte zwischen der Reichsvertretung in Zanzibar und 
dem Generalbevollmächtigten der DOÄG im Geltungsbereich des 

Küstenvertrages. 

So unentwickelt die Rechtsverhältnisse im eigentlichen Schutz - 
brief gebiet auch waren 1 ), es wäre falsch, wollte man von einer 
Verworrenheit und Unklarheit der Rechtslage sprechen. Diese 
Merkmale treffen aber auf die Situation im Küstengebiet zu, wie 
sie der Vertrag mit dem Sultan vom 28. April 1888 schuf. Nicht 
nur, daß für den Sultan sowohl subjektiv wie objektiv die im 
Küstenvertrage geschaffene Rechtslage ein Rätsel war, woraus 
sich psychologisch der Aufstand entwickelte, auch die Vertretung 
des Reiches konnte den Kontakt mit der neuen Sachlage nicht 
finden. 

Die DOAG hatte ihre Expansionspolitik mit dem Abschluß 
des deutsch-englischen Abkommens Ende 1886 aufgegeben. Ihr 
Tätigkeitsgebiet wurde damals jenes nördlich des Rufiji gelegene 
Gebiet, in welchem die 4 Landschaften des Schutzbriefes und das 
Hinterland von Tanga und Pangani sich ausdehnten, Territorien, 
die vom Sultan von Zanzibar unabhängig waren und der Ober- 

*) Siehe den Abschnitt über den Schutzbrief der DOAG. 



— 154 — 

hoheit des Reiches bzw. der DOAG unterstanden. Der Schutz- 
brief hatte hier größtenteils seine Gültigkeit und gab trotz seiner 
embryonalen, unentwickelten Gestalt zu Kompetenzkonflikten keine 
Veranlassung. Einzelne Anregungen des Dr. Peters, namentlich 
auf dem Gebiet der Rechtspflege, die Zuständigkeit des Reiches 
und der Gesellschaft zu ordnen, verfielen der Vergessenheit, noch 
ehe man sie einer ernsthaften Erwägung unterzogen hatte. So 
wenig aktuell war eben selbst dieser Gegenstand, daß man ihn 
ohne Gefahr für die guten Beziehungen zwischen der DOAG und 
dem Auswärtigen Amt ungeregelt lassen konnte. Was die Ge- 
richtsbarkeit über Nichtfarbige im Schutzgebiet anbetraf, so waren 
allerdings durch das Schutzgebietsgesetz vom 16. April 1886 An- 
sätze zu einer Neuordnung gemacht worden. Darüber hinaus aber 
blieb alles beim alten. Und das war möglich, weil das Schutz- 
briefgebiet nicht eigentlich der Markt für die großen Inlands- 
karawanen und selbständiges Wirtschaftsgebiet, sondern lediglich 
Durchgangsland war, und daß ferner außer einigen Missionaren 
kaum ein Europäer das Territorium aufsuchte, mit einem Wort, 
weil die Primitivität der ethnographischen und wirtschaftlichen 
Verhältnisse nach keiner höheren Rechtsform verlangte. 

Dies wurde mit einem Schlage anders, als das Tätigkeits- 
gebiet der Gesellschaft mit dem Amtsantritt Vohsens und dem 
Abschluß des Küstenvertrages aus dem eigentlichen Schutzbriefge- 
biet weg an die Küste verlegt wurde, wo ein international anerkannter 
arabischer Herrscher regierte und das Reich keine Souveränität 
besaß, wo arabische Rechtsanschauungen nicht nur herrschten, 
sondern sich jedem fremden Einfluß bewußt zu widersetzen suchten, 
wo zwar wenig Europäer lebten, das indische Element aber, unter 
der Jurisdiktion Englands stehend, desto stärker nicht nur numerisch, 
sondern namentlich wirtschaftlich hervortrat, wo sich endlich große 
Märkte befanden und bereits Zölle und Steuern bezahlt wurden. 
Wir sehen an dieser Stelle ganz von der Tatsache ab, daß sich 
die DOAG der Kolonisationsarbeit in dem Gebiete eines 
fremden arabischen Sultans zuwandte, obwohl sie eine deutsche 
Schutzbriefgesellschaft war. Was uns hier interessiert, sind nicht 
ihre Metamorphose aus einer deutschen Schutzbriefgesellschaft in 
eine zanzibaritische — da sie im Küstengebiet ihre Hoheitsrechte 
vom Sultan ableitete — , auch nicht die eigenartigen Begleitum- 
stände dieses Prozesses, seine Erklärung und seine wirtschaftliche 
und politische Bedeutung, es ist vielmehr nur seine Rückwirkung 
auf die Beziehungen zwischem dem Reich, seiner Vertretung in 



— 155 — 

Zanzibar und der DO AG. Mit anderen Worten, es ist die Tat- 
sache, daß der Küstenvertrag eine Reihe von Kompetenzstreitig- 
keiten zwischen der Gesellschaft und dem Generalkonsulat ge- 
schaffen hat. 

Schon die Darstellung der Entwicklung der politischen Ver- 
hältnisse nach Abschluß des Küstenvertrages gab uns Gelegenheit, 
diese Kompetenzstreitigkeiten im Vorübergehen zu erwähnen. Wir 
konnten zeigen, wie sich aus ihnen die Aktion des Reiches unter 
der Führung Wissmanns entwickelte, aus der sich schließlich 
die Übernahme der Kolonie in die Reichsverwaltung ergab. Jene 
Streitigkeiten erscheinen somit als die ersten Anzeichen der 
radikalen Wendung, welche die Entwicklung der staatsrechtlichen 
Verhältnisse in Ostafrika mit dem 20. November 1890, dem Tage, 
an welchem das Abkommen wegen Übergangs der Kolonie in 
die Verwaltung des Reiches zwischen Caprivi und der DO AG 
unterzeichnet wurde, nahm. 

Noch ehe der Küstenvertrag abgeschlossen oder gar zur 
Ausführung gekommen war, hatte er zu Auseinandersetzungen 
zwischen Reich und Gesellschaft Veranlassung gegeben. Als 
Dr. Peters gleich nach seiner Ankunft in Zanzibar die Ange- 
legenheit der Sultanszölle in persönlichen Verhandlungen mit dem 
Herrscher zu pressieren begann, konnte mit Recht die Frage 
auftauchen, ob denn nach der Absicht des Schutzbriefes, 
welcher die völkerrechtliche Vertretung des Schutzgebietes der 
Reichsregierung vorbehielt, diese Verhandlungen nicht eigentlich 
durch den Generalkonsul hätten geführt werden müssen. Offenbar 
hing eine rein sachliche Stellungnahme für oder wider davon ab, 
ob man die Angelegenheit als eine privatwirtschaftliche oder 
völkerrechtliche zu betrachten geneigt war. 

Die Opportunität forderte jedenfalls, das Reich als solches 
möglichst von den Verhandlungen fern zu halten, um nirgends 
die Meinung aufkommen zulassen, daß Seyyid Bargasch durch 
Hervorkehrung des Machtstandpunktes entrechtet werden sollte. 
Es schien politisch zweckmäßig, die DOAG mit der Aufgabe zu 
betrauen, und hinter dieser Zweckmäßigkeit mußten andere Gründe 
zurücktreten, so daß beim Entschluß des Fürsten Bismarck, die 
Führung der Zollverhandlungen mit dem Sultan Dr. Peters zu 
übertragen, die Alternative: Privatwirtschaftlich oder völkerrecht- 
lich? wohl überhaupt nicht diskutiert worden ist. 

Noch einmal also war der DOAG, nachdem sie ihre Expeditions- 
politik aufgegeben hatte, Gelegenheit geboten, sich auf dem Felde 



— 156 — 

politischer Expansion, dem ureigensten Arbeitsgebiete moderner 
Schutzbriefgesellschaften, zu betätigen. Doch sollten diesmal nicht 
tollkühne Züge ins Innere eines fast unbekannten Erdteils unter- 
nommen, sondern der Erfolg mit den Künsten der Diplomatie am 
Hofe eines verschlagenen arabischen Herrschers errungen werden. 

In seiner Instruktion war Dr. Peters nach Bismarcks 
Willen ausdrücklich beauftragt worden, die Erledigung der Küsten- 
angelegenheit persönlich in direkten Verhandlungen mit dem 
Sultan herbeizuführen. Der Generalkonsul sollte erst eingreifen, 
wenn Peters' Bemühungen erfolglos blieben. Diese klare Schei- 
dung erwies sich aber in der Praxis als undurchführbar, so daß 
man bald eine neue Autorisation des Generalbevollmächtigten 
vom Auswärtigen Amt forderte. In dieser Note, welche vom 
13. August 1887 datiert ist, wurde Dr. Peters die Erledigung 
aller »geschäftlichen Angelegenheiten« mit dem Sultan in direkten 
Verhandlungen übertragen. Die Generalvertretung legte den 
Ausdruck »geschäftliche Angelegenheiten« dahin aus, daß er eine 
Erweiterung der Vollmacht bedeute, welche das Auswärtige Amt 
für die speziellen Verhandlungen zum Küstenvertrage vor der 
Ausreise erteilt habe. Die Auffassung des Konsulats wich von 
dieser Interpretation aber nicht unerheblich ab, indem es sich auf 
den Standpunkt stellte, daß Angelegenheiten, welche rein privat- 
wirtschaftlich-geschäftlichen Charakter trügen, allerdings von der 
Gesellschaft direkt beim Sultan angebracht, solche aber, die be- 
hördlicher Natur seien, allein durch die Reichsvertretung erledigt 
werden könnten. Die schließliche Übertragung der Küsten Ver- 
tragsverhandlungen an den Generalkonsul trug dieser Aus- 
legung Rechnung. Er führte die Verhandlungen allerdings im 
Auftrage der Gesellschaft und nicht im Namen, sondern nur mit 
Genehmigung des Reiches. 

Einen ähnlichen Ausweg aus der gleichen Situation hatten 
die Engländer schon früher gefunden. Die British East-Africa 
Association ließ die Abmachungen mit dem Sultan wegen der 
Mombaszölle auch durch den englischen Generalkonsul treffen, 
der aber gleichzeitig ihr erster Beamter und Generalbevollmäch- 
tigter in Ostafrika war. 

Mit dem Abschluß des Sultansvertrages im April 1888 war 
der Kompetenzstreit jedoch erst recht entfesselt. Die DO AG war 
im Küstengebiet eine zanzibaritische Schutzbriefgesellschaft ge- 
worden und stand insoweit unter der allerdings nur noch 
nominellen Oberhoheit des Sultans. Indem sie nun gleichzeitig 



— 157 — 

ihre Tätigkeit im eigentlichen Schutzbriefgebiet aufgab und sich 
auf den zanzibaritischen Küstenstreifen beschränkte, wurde einer- 
seits der ganze Schutzbrief, den sie von der Reichsregierung er- 
halten hatte, zunächst praktisch bedeutungslos, und teilte sie 
andererseits ihre an der Küste faktisch ausgeübten Hoheitsrechte 
nun nicht mehr mit dem Reich, sondern mit dem Sultan von 
Zanzibar. Für das Reich war die DOAG von diesem Augen- 
blick an nicht mehr durch den Schutzbrief erreichbar, dessen 
Gültigkeit sich natürlich auf deutsche Territorien beschränkte, 
sondern nur durch die Konsulargerichtsbarkeit in ihrer Eigen- 
schaft als Reichsangehöriger. Jeder staatsrechtliche Einfluß auf 
die im Sultanat arbeitende DOAG war der Reichsregierung ver- 
sagt, wenn ihr auch die privatrechtliche Jurisdiktion über sie er- 
halten blieb. 

Ohne also Einfluß auf das gouvernementale Gebahren der 
DOAG im Küstengebiet zu haben, blieb dem Reiche doch die 
volle Verantwortung dafür aus mancherlei Gründen. Die Gesell- 
schaft einfach fallen zu lassen, wenn sie zu irgendwelchen Kon- 
flikten im Küstenstreifen Veranlassung geben sollte, ging schon 
darum nicht, weil man sich dann der Anwartschaft auf die Küste 
begeben und somit den bereits begonnenen Vorstoß gegen das 
Sultanat wieder problematisch gemacht hätte. Für das Deutsche 
Reich war die DOAG also nunmehr ein Reichsan gehöriger ohne 
irgendwelche besondere Eigenart. Sie besaß, nach dem General- 
konsul, die Rechte einer physischen Person und hatte insbesondere 
auch Anspruch auf konsularischen Schutz. Die Ausübung ge- 
wisser Hoheitsrechte an der Küste sollte nichts an der Gleich- 
stellung mit anderen Reichsan gehörigen ändern. Das hatte zur 
Folge, daß ihre Flagge nicht als Hoheitszeichen angesehen wurde, 
sondern als Handelsflagge, wie sie viele Privathäuser führten, daß 
ihre Gesuche an die Kaiserliche Marine nicht als behördliche 
Requisitionen gelten konnten, daß sie politische Angelegenheiten 
mit dem Sultan nicht direkt erörtern durfte, obwohl sie der 
einzige wirklich den Staatswillen repräsentierende Faktor im 
Küstengebiet war. 

Von diesen Beschränkungen war in dem Augenblick, als 
die Auffassung des Generalkonsuls bekannt wurde, für die DOAG 
besonders verhängnisvoll, daß sie sich nicht mit Requisitionen an 
die Marine wenden durfte; denn damals brach an der Küste der 
Aufstand aus. Weniger einschneidend wirkte der andere Grundsatz, 
in politischen Dingen nicht direkt mit dem Sultan verhandeln zu 



- 158 - 

dürfen. Seit langem war der Generalvertreter gewöhnt, sich des 
Konsuls als Mittler zu bedienen, es war keine Überraschung, wenn 
die Tatsache im vorliegenden Zusammenhang noch einmal kon- 
statiert wurde. Dennoch schuf sie staatsrechtlich völlig unhaltbare 
Verhältnisse. Die DOAG war Mandatar des Sultans in Staats- 
geschäften in einem Gebiet, das ihm allein Untertan war; sie war 
unmittelbar von ihm beauftragt und direkt von ihm abhängig. 
Daß zwischen ihr und dem Sultan in politischen Angelegen- 
heiten der Generalkonsul stand, war rechtlich eine unmögliche 
Konstruktion. Auch vor diesem Problem haben die Engländer 
in Afrika gestanden. Sie ernannten den Bevollmächtigten der 
British East-Africa Association zum Political- Agent im Gebiet der 
Gesellschaft und schalteten damit ihren Generalkonsul aus den Be- 
ziehungen zwischen der pachtenden Gesellschaft und dem Sultan 
aus. Diese Dehnbarkeit und Modulationsfähigkeit der britischen 
konsularischen Rechtsordnung ist überhaupt einer der Faktoren, 
deren England seine bewundernswerten weltpolitischen Erfolge in 
den letzten anderthalb Jahrhunderten verdankt. Was nützt der 
deutschen Expansionspolitik alle sachliche Tüchtigkeit und An- 
passungsfähigkeit unserer Industrie und Kaufmannschaft, wenn 
jeder von diesen wirtschaftlichen Mächten errungene politische 
Erfolg durch starre und formalistisch angewandte Rechtsbegriffe 
wieder in Frage gestellt werden kann. 

An dieser Stelle möchten wir auch eines Vorschlages der 
Generalvertretung hinsichtlich der Rechtspflege im Küstengebiet 
gedenken. Sie interessiert uns hier, weil sie ein neuer Beweis 
der außerordentlich verwickelten Staats- und völkerrechtlichen 
Beziehungen ist, in welche die DOAG mit Übernahme der Ver- 
waltung an der Küste versetzt wurde. In einer Verordnung 
übertrug der Generalvertreter die Rechtspflege in Straf- und 
Zivilsachen den Leitern der Zollstationen. Wegen einer Anzahl 
unerledigter Formfragen trug die Verfügung jedoch nur provi- 
sorischen Charakter. Es fehlte die Genehmigung des Auswärtigen 
Amtes, welches möglicherweise eine Ergänzung der Verfügung 
fordern konnte, dahingehend, daß die Stationschefs als Richter 
vom Konsul zu deligieren seien. Nach der Verordnung blieb es 
sodann eine offene Frage, ob auch die Inder sich der Recht- 
sprechung der Gesellschaft zu unterwerfen hätten, ein Zustand, 
der die Quelle tiefgehender Mißverständnisse werden konnte. 
Endlich aber fehlte in der Verfügung die Abgrenzung des 
Kompetenzgebietes der Stationschefs gegen die Kadis Sr. Hoheit. 



— 159 — 

Mißgriffe mußten sich aber gerade hier, bei dem empfindlichen, 
durch das Sektenwesen 1 ) besonders reizbar verschärften Rechts- 
bewußtsein der Araber schwer rächen. 

Trotz aller Instruktionen seitens des Reiches und der Ge- 
sellschaft an ihre Organe trat eine unzweideutige Regelung der 
Kompetenzen erst mit Beginn der Tätigkeit Wissmanns ein 2 ). 
Die erörterten Konflikte aber haben auch ihr Teil dazu beigetragen, 
daß die Verdrossenheit und der Mißmut über die Verhältnisse in der 
Kolonie auf beiden Seiten, bei dem Reich und der DO AG, wuchsen 
und sind somit auch eine Ursache der schließlichen Ablösung 
der Gesellschaft geworden. 

x ) Prof. Dr. Hartmann in »Koloniale Rundschau«, 1910. 

2 ) Siehe den Abschnitt über die Entwicklung der politischen Verhältnisse nach 
Abschluß des Küsten Vertrages. 






III. Abschnitt. 
Ablösung der Hoheitsrechte der DOAO. 



i. Kapitel. 

Der Vertrag vom 20. November 1890. 

Die dargelegten Verhältnisse drängten zur Auseinandersetzung 
der Gesellschaft mit dem Reich. Sie erfolgte am 20. November 
1890. Für eine richtige Einschätzung des Vertrages ist es nötig, 
einen Blick auf die Entwickelung des Gesellschafts Vermögens und 
die alljährlich seitens der DO AG für die Kolonie gemachten Auf- 
wendungen zu werfen. Wir stellen darum eine summarische Be- 
trachtung dieser Dinge an die Spitze dieses Abschnittes. 

Die Gesamtbeteiligung bei der DOAG belief sich bei ihrer 
Konstituierung am 26. Februar 1887 auf 3484000 Mk., wovon 
150000 Mk. Freianteile und 1 254000 Mk. buchmäßiges Vermögen 
der ehemaligen Kommanditgesellschaft, welches »mit allen Rechten 
und Pflichten auf die DOAG überging«, waren. Bis zum 
31. Dezember 1887 wurden noch 24 Anteile ä 10 000 Mk. ge- 
zeichnet, so daß die Gesellschaft zu diesem Zeitpunkte auf dem 
Papier insgesamt ein Vermögen von 3 724000 Mk. besaß 1 ). Diesem 
stand am Ende 1887 ein Landbesitzkonto — d. h. der Saldo der 
seit 1885 gemachten Aufwendungen, einschließlich der Abschrei- 
bungen usw. — von 1 612 079,99 Mk. un< ^ nicht eingezahlte 50 % 
auf 232 Anteile ä 10 000 Mk. = 1 160000 Mk. gegenüber, so daß 
die übrigen Aktiva sich auf ca. 1 000 000 Mk. beliefen , wovon 
ungefähr 700000 Mk. liquide Mittel waren (Bestand an zinstragenden 
Effekten und Guthaben bei den Bankiers der Gesellschaft). Im 
Jahre 1888 wurden auf die Anteilscheine a 10 000 Mk. weitere 

*) Nach einer Anmerkung zum Satzungsentwurf vom 28. September 1888, 
während die Berlin-Bilanz für 31. Dezember 1887 3727600 Mk. angibt. 



— i6i — 

2 5 % (580000 Mk.) eingefordert; 1889 blieb der Status unverändert, 
und 1890 erfuhr die finanzielle Organisation der Gesellschaft eine 
radikale Umgestaltung, auf die wir nicht näher eingehen, weil 
sie wegen der bald darauf eintretenden Ablösung der Hoheits- 
rechte für die kolonisatorische Tätigkeit der Schutzbriefgesellschaft 
DOAG ohne Bedeutung blieb. 

Im Jahre 1887 beliefen sich die Aufwendungen der Gesell- 
schaft »zur Befestigung des Besitzes in Ostafrika«, einschließlich 
der Abschreibungen, Kursverluste etc., nach dem Jahresbericht 
auf 378518,99 Mk., 1888 auf 422919,31 Mk. Wie wenig man 
aber aus diesen Zahlen für die wirtschaftliche oder gouvernemen- 
tale Tätigkeit der Gesellschaft eigentlich entnehmen kann, geht 
beispielsweise daraus hervor, daß die Entschädigungsansprüche 
an den Sultan von Zanzibar in Höhe von 208286,20 Mk., die nie 
realisiert worden sind, als Gewinn in 1888 verbucht wurden und 
demgemäß auch auf den buchmäßigen Verlustsaldo von Einfluß 
waren. Allerdings wurden sie in 1889 wieder in Abzug gebracht, 
wodurch sich die Aufwendungen für dieses Jahr erheblich ver- 
minderten. Als nicht direkte Ausgaben für Ostafrika sind dann 
ferner noch 60000 Mk. außerordentliche Ausgaben, davon 30000 Mk.. 
Beitrag zur Emin-Pascha-Expedition, und 8767,43 Mk. dem 
Sultan zurückgezahlte Kommission 1 ) abzuziehen, so daß der Verlust- 
saldo pro 1889 nur 92686,28 Mk. betrug. Im Jahre 1890 erreichte 
er eine Höhe von 123 193,14 Mk. Ohne die Zahlen im einzelnen 
nachzuprüfen läßt sich doch allgemein ein erheblicher Rückgang 
der Aufwendungen seit 1889 konstatieren, der in engem Zu- 
sammenhang mit der beginnenden Eliminierung der Gesellschaft 
und der ganzen Entwicklung der politischen Verhältnisse infolge 
des Eingreifens der Reichsregierung stand. Aufwendungen zur 
Entwicklung der Kolonie wurden, wie wir in den vorhergehen- 
den Kapiteln zeigten, in diesen Jahren so gut wie gar nicht 
gemacht. Die trotzdem die 100 000 erreichenden Verluste erklären 
sich durch andere Momente (Gehälter, namentlich auch Abschrei- 
bungen etc.). 

Nach diesen Feststellungen kommen wir nunmehr zum Ab- 
lösungsvertrage vom 20. November 1890. Wir haben im Verlauf 
der bisherigen Erörterungen zeigen können, wie die Reichsregie- 
rung allmählich alle obrigkeitlichen Funktionen der DOAG an 
sich zog. Am 1. Januar des Jahres 1891 fand dieser Vorgang 



!) Siehe S. 138. 
Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft i. 11 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



IÖ2 

mit der Konstituierung einer Reichskolonie Ostafrika seinen Ab- 
schluß. Wenn auch der Abgeordnete Oechelhäuser, ein Mitglied 
des Verwaltungsrats der DOAG, am 5. Februar 1891 im Reichs- 
tage von der »patriotischen Resignation« sprach, mit der die Ge- 
sellschaft sich die »Fettfeder des Zollvertrages mit dem Sultan 
habe ausziehen lassen«, so ist es doch eine Tatsache, daß sie die 
Ablösung ihrer Hoheitsrechte direkt angeregt und die Regierung 
des Reichs zu wiederholten Malen über ihre Stellungnahme dazu 
sondiert hat. Schon im Oktober 1888 erörterte Konsul Vohsen 
von Zanzibar aus in einer ausführlichen Denkschrift die Frage: 
Reichskolonie oder Fortbestand des Sultansvertrages? Er kam 
zu dem Schluß, daß es drei Möglichkeiten einer gedeihlichen 
Weiterentwicklung gäbe: Entweder nimmt das Reich, so sagt er, 
während der Sultan sich seiner sämtlichen Hoheitsrechte begibt, 
Besitz von Zanzibar und der Küste und zahlt dem Sultan dafür 
aus den Staatseinkünften eine jährliche Rente von 500000 Mk., 
oder das Reich erklärt nur den Küstenstreifen, wie er im Zoll- 
vertrage mit der DOAG begrenzt ist, zur Reichskolonie, hand- 
habt die dortige Verwaltung unabhängig vom Sultanat und 
bestreitet die Kosten aus den dortigen Revenuen, Zöllen, 
Steuern, Lizenzen etc. Sollte es aber das Reich verschmähen, 
sich zum Souverän an der Küste zu machen, so müsse der Küsten- 
vertrag auf einige Jahre suspendiert und der Sultan gezwungen 
werden, die gesamte Zollverwaltung in Zanzibar und im Küsten- 
gebiet der Oberleitung der DOAG zu unterstellen. Auf diese 
Weise würde eine Garantie dafür geschaffen werden, daß später 
einmal der Küstenvertrag vollständig zur Ausführung käme. Es 
ist anzunehmen, daß der Abgeordnete Oechelhäuser in der Denk- 
schrift, die er am 8. Dezember 1888 dem Staatssekretär des Aus- 
wärtigen Amtes überreichte, und auch in dem Vortrage, den er 
dem Reichskanzler bald darauf in Gegenwart seines Parteifreundes 
Dr. v. Bennigsen hielt 1 ), dieselbe Alternative stellte. Wir haben 
an anderer Stelle gezeigt, daß Bismarck darauf mit der Aussen- 
dung der Wissmann -Expediti on antwortete. In wieweit diese Maß- 
nahme den Vorschlägen der DOAG in dem einen oder anderen Sinne 
gerecht zu werden versuchte, oder ob sie etwa die bestehenden 
staatsrechtlichen Zustände im Küstengebiet entgegen jenen Propo- 
sitionen konservieren wollte, wird sich schwer entscheiden lassen, 
während wohl als sicher anzunehmen ist, daß ihre offizielle Moti- 
vation vor dem Reichstage, die auf die moralische Verpflichtung 

x ) Verhandlungen des Reichstages vom 5. Februar 1891. 



- i6 3 - 

Deutschlands ging, gegen die Barbarei des Sklavenhandels einzu- 
schreiten, nur gebraucht wurde, um den Reichsboten die ganze 
Vorlage annehmbar zu machen. Die Tätigkeit Wissmanns, welche 
die DO AG ihrer Verpflichtungen aus dem Küstenvertrage, ab- 
gesehen von der Erhebung der Zölle, enthob, war eben darum 
geeignet, die Klagen der Gesellschaft über ihre prekäre Lage auf 
einige Zeit verstummen zu lassen. Schon Ende des Jahres 1889 
aber, bevor Konsul Vohsen zum zweiten Male und zwar mit einer 
Spezialmission, welche die Abänderung des Küstenvertrages vom 
28. April 1888 bezweckte, nach Ostafrika ging, fragte er gelegent- 
lich eines Besuchs im Auswärtigen Amt vorsichtig beim Staats- 
sekretär Herbert Bismarck an, wie sich der Kanzler jetzt zur 
Übernahme der Kolonie auf das Reich stelle, erhielt aber eine 
ausweichende Antwort. Ob ernstliche Erwägungen in dieser 
Richtung dann noch unter Bismarck angestellt worden sind, läßt 
sich nach den zugänglichen Quellen nicht sagen. Der Fürst 
leitete aber Verhandlungen mit England über Ostafrika ein, die 
jedoch noch nicht begonnen hatten, als er seinen Platz verließ. 

Es scheint nun, daß eine reinliche Scheidung zwischen Eng- 
land und Deutschland die Vorfrage war, von deren Lösung die 
zukünftige Stellung Ostafrikas zum Reich abhing. Für die be- 
vorstehenden Besprechungen mit England wurden in einer Kaiser- 
lichen Entscheidung vom 2. Mai 1890 1 ) dem Reichskanzler von 
Caprivi Richtlinien gegeben. In ihr heißt es, 

»1. daß die für Kolonialzwecke verfügbar zu machenden Mittel 
in erster Linie auf Ostafrika zu verwenden sind; 

2. daß in den jetzt beginnenden Verhandlungen mit England 
auf Anerkennung der deutschen Ansprüche auf die strit- 
tigen Interessensphären, zunächst auf die nördliche, dann 
die südliche hingewirkt werde, und daß im Notfall das 
Preisgeben von Wituland bis Kismaju, vorbehaltlich der 
Befriedigung etwaiger berechtigter Ansprüche der dort 
interessierten Deutschen, als Kompensation zulässig sei; 

3. daß der Übergang der Hoheitsrechte in dem innerhalb 
der deutschen Zone liegenden Küstenstriche auf das 
Deutsche Reich angestrebt werde; 

4. daß die Umwandlung der Truppen des Reichskommissars 
Wissmann in eine Kaiserlich deutsche Truppe zu be- 
wirken sei; 



*) Reichskanzler v. Caprivi in der Sitzung des Reichstages am 5. Februar 1891. 

11* 



- i6 4 - 

5. daß die Schaffung einer über dem Reichskommissar und 
den sonst beteiligten deutschen Behörden und Korpora- 
tionen stehenden Zentralstelle mit dem Sitz auf dem Fest- 
lande ins Auge zu fassen, und 

6. daß die Übernahme der Verwaltung des Küstenstriches 
und des Schutzgebietes in die unmittelbare Reichsver- 
waltung zu betreiben sei.« 

Nach diesen Direktiven wurde mit England am 1. Juli 1890 
der deutsch-englische Vertrag, der sogenannte Zanzibarvertrag, ge- 
schlossen, durch welchen das deutsche Protektorat über Witu 
aufgegeben wurde, Zanzibar unter englischen Schutz kam und 
England sich verpflichtete, die Reichsregierung bei ihren Ver- 
handlungen mit dem Sultan zwecks endgültiger Aufgabe seiner 
Hoheitsrechte im deutschen Küstenstreifen zu unterstützen; dem 
Sultan sollte dafür eine billige Entschädigung gezahlt werden. 

Witu gehörte damals schon der DOAG. 1889 war die 
Deutsche Witu-Gesellschaft an sie mit der Anregung auf Abtre- 
tung ihres gesamten Vermögens und ihrer Rechte gegen Anteil- 
scheine herangetreten. Verlockend war das Angebot nicht, wenn 
man die Übernahme des Sultanats Witu und der dortigen An- 
lagen der Witu-Gesellschaft als Selbstzweck betrachtete. Sie 
besaß in Lamu ein Haus mit Mobiliar und dazu eine Anzahl 
Schuldner, die nicht zur Einlösung ihrer Verpflichtungen zu be- 
wegen waren. Auf dem Festlande hatte sie zwei kleine Zoll- 
stellen, Kimbo und Dumbwe, eingerichtet und eine Kokos- 
plantage Kiongwe von mäßiger Größe angelegt, während eine 
zweite Schamba bereits wieder verlassen und gänzlich verwildert 
war. Andere Schambas oder Faktoreien existierten nicht, und 
eine Vermehrung der Zollstellen war im Süden des Gebiets, gegen 
Kau und Kipini, durch die Askaris und Akidas des Sultans von 
Zanzibar verhindert worden. 

Nur eine Niederlassung, die eines deutschen Missionars, der 
20 Stück Rindvieh und 40 Ziegen auf seinen Feldern hielt, be- 
fand sich Anfang 1890 in dem ganzen 25 deutsche Quadrat- 
meilen großen Gebiet, welches vom Meere bis zur Stadt Witu im 
Innern reichte und in welchem nur die Städte Kipini und Kau 
dem Sultan von Zanzibar gehörten. 

Seit anStelle der Denhardts, welche Versuche zur Besied- 
lung des Landes gemacht hatten, die jedoch über Anfänge nicht 
hinausgekommen und schließlich gescheitert waren, Kurt Toeppen 
als Generalbevollmächtigter draußen getreten war, hatte die 



- i6 5 - 

Deutsche Witu-Gesellschaft den Getreidehandel, besonders auch 
die Ausfuhr von Sesam, gepflegt. Export und Import gingen 
über Lamu, das hier eine ähnliche Stelle einnahm, wie Zanzibar 
in Deutsch-Ostafrika. Seyyid Said von Maskat war über Lamu 
Protektor gewesen, während Seyyid Bargasch schon Souveräni- 
tätsrechte ausübte. Die Sultane von Zanzibar erhoben dort natür- 
lich Ein- und Ausfuhrzölle, hatten aber erst 1889 den Suaheli- 
sultanaten an der gegenüberliegenden Küste eine neue Abgabe 
von 5 % für Import und Export auferlegt, so daß alle Güter, welche 
aus dem zanzibaritischen Küstengebiete kamen und in Lamu ver- 
laden wurden, zweimal verzollt wurden.. Für Sesam kam auf diese 
Weise eine Gesamtabgabe von 27 %, für Mtama, Bohnen, Reis von 
21 — 23 % zustande, wenn man den Zoll für die eingeführten Tausch- 
waren, der auch zweimal gezahlt wurde, mit einrechnet. Unter 
solchen Bedingungen mußten die Suahelisultanate der Küste natür- 
lich konkurrenzunfähig — hatten sie doch nicht etwa ein Monopol 
in der Ausfuhr von Lebensmitteln — , und auch der von ihnen 
teilweise abhängige Getreidehandel der Witu-Gesellschaft stark in 
Mitleidenschaft gezogen werden. 

Nur die genannten billigen Produkte wurden ausgeführt; der 
Handel mit Elfenbein, Kautschuk, Nilpferdzähnen und selbst Häuten 
hielt sich in ganz mäßigen Grenzen, weil ein Karawanenverkehr 
wegen der das Hinterland bewohnenden kriegerischen Galla und 
Somali nahezu unmöglich war. 

Für die Witu-Gesellschaft gewann ihr ostafrikanischer Besitz 
erst einigen Wert, wenn sich die Reichsregierung dazu verstand, 
die Mandabucht mit den Inseln Patta und Manda zu annektieren; 
denn mit der letzteren kam man in den Besitz eines an ihrem 
Nordende gelegenen vorzüglichen Hafens und konnte sich von 
den Lamuzöllen unabhängig machen. 

Als die DOAG dem Projekt der Übernahme näher trat, war 
diese Annektion immer noch nur ein heißer Wunsch, was sie ja 
auch bleiben sollte. In Ansehung des torsohaften und un- 
entwickelten Zustandes des Gebietes wollte die DOAG auf den 
Kauf nur eingehen, wenn eine Abrundung vorgenommen würde, 
und wollte auch dann das Gesamtgebiet nicht als Kolonie dauernd 
in Verwaltung und Bewirtschaftung nehmen, sondern nur als Tausch- 
objekt etwa gegen die Gewährung der Zollpacht auf Zanzibar und 
Pemba gelten lassen. Die DOAG dachte sich die Abrundung 
nicht durch Annektion der Mandabucht und ihrer Dependenzen, 
welche man berechtigterweise, wie der Zanzibarvertrag später 



— i66 — 

bestätigte, für undurchführbar hielt, sondern durch Erteilung eines 
Schutzbriefes für diejenige Küstenstrecke, welche von den Grenzen 
Witus bis zu einem Punkte nördlich der Jubmündung und von 
dieser bis Barawa sich ausdehnte (Verträge Dr. Jühlkes), und 
durch Anwartschaften auf das Hinterland von Witu am Tana, 
das Gebiet der Bareta-Galla (Verträge v. Änderten s), welches 
im Londoner Abkommen dem Sultan von Zanzibar zugesprochen 
worden war. Es liegt auf der Hand, warum man als Kompen- 
sationsobjekt für eventuelle spätere Aufgabe dieser Territorien 
gerade die Zollpacht von Zanzibar und Pemba bezeichnete. Als 
besonderer Stimulus kam in jenem Moment (Sept. 1889) hinzu, 
daß es den Engländern eben gelungen war, die Häfen der Be- 
nadirküste vom Sultan zu pachten. 

Die Reichsregierung machte sich die Kompensationsidee zu 
eigen, wie aus Erklärungen des Reichskanzlers v. Caprivi 1 ) her- 
vorgeht, und gab ihre nach den Satzungen der Gesellschaft er- 
forderliche Zustimmung zur Fusion mit der Deutschen Witu-Gesell- 
schaft. Diese brachte der DOAG eine Mehrbelastung in Höhe 
von 292 757,45 Mk., wenn man das aus dem Posten Landbesitz- 
konto Witu in der Berlin-Bilanz per 31. Dezember 1890 erschließen 
darf. Wie weit das Reich den Plan eines Tausches im Detail 
akzeptierte, läßt sich freilich nicht sagen; daß der DOAG aber 
auch in den Einzelheiten gewisse Versprechungen gemacht worden 
sein müssen, dürfte man aus der Enttäuschung schließen können, 
welche der Zanzibar vertrag bei ihr hervorrief. 

Außer durch die Abtretung Witus wurde der Zanzibar -Ver- 
trag für die DOAG dadurch von Bedeutung, daß der Sultan von 
Zanzibar veranlaßt werden sollte, den der deutschen Interessen- 
sphäre vorgelagerten Küstenstreifen mit seinen Dependenzen, in 
dem Umfange, wie ihn der Vertrag von 1888 kennzeichnete, mit 
sämtlichen Hoheitsrechten an das Deutsche Reich abzutreten. 

Eine Schwierigkeit, die es der Reichsregierung leicht hätte 
verleiden können, die entscheidenden Schritte zur Ablösung des 
Sultans zu tun, lag in den durch den Küstenvertrag geschaffenen 
staatsrechtlichen Verhältnissen 1 ). Er hatte dem Sultan im Küsten- 
gebiete nur eine nominelle Staatshoheit gelassen, ja manche Last 
zugunsten der Gesellschaft auferlegt. Diese Erbschaft anzutreten, 
konnte dem Reich nicht zugemutet werden, wenn es nicht gelang, 
mit der Ablösung des Sultans die der DOAG zu verknüpfen. 

x ) Verhandlungen des Reichstages vom 5. Februar 1891, Rede des Reichs- 
kanzlers v. Caprivi. 



- i6 7 — 

Der starke Wille der Reichsregierung zu solchem Vorgehen war 
schon in der Kaiserlichen Entscheidung vom 2. Mai 1890 zum 
Ausdruck gekommen, und wir haben oben gezeigt, daß die DO AG 
schon lange auf dasselbe Ziel hindrängte. 

Nun gab es zu diesem Ziel zwei Wege: Entweder entschä- 
digte die Reichsregierung den Sultan aus Reichsmitteln für die 
von ihm in einem besonderen Staatsvertrage an sie abgetretenen 
Souveränitätsrechte, oder man überließ der DOAG die Zahlung 
der Abfindungssumme, wenn auch der Staatsvertrag selbst für 
das Reich abgeschlossen wurde, und ersetzte der DOAG ihre 
Auslagen später und im Zusammenhang mit der Entschädigung, 
welche sie für die Überlassung ihrer Rechte aus dem Küsten- 
vertrage erhalten sollte. Der erste Weg hatte den Nachteil, daß 
zuvor die Reichsboten um Bewilligung der Abfindungssumme an- 
gegangen werden mußten. Wie der Reichskanzler v. Caprivi 
später darlegte 1 ), fehlte dazu auch die nötige Zeit. Das Geld 
mußte spätestens am 1. Januar 1891 in London gezahlt sein und 
bis dahin noch eine Vorlage an den Reichstag zu bringen und 
ordnungsmäßig durchzusprechen, war unmöglich. Zudem schien 
es ungewiß, ob sich die Reichsboten zu einer Bewilligung der 
Summe überhaupt würden bereit finden lassen. 

Aus diesen Gründen wandte sich der Kanzler an die DOAG 
wegen Zahlung der Entschädigung und beschritt damit den oben 
skizzierten zweiten Weg. Es wurde mit der Gesellschaft der 
Vertrag vom 20. November 1890 geschlossen 2 ), in welchem sie sich 
bereit erklärte, 1. den Sultan abzufinden, 2. ihre Rechte aus dem 
Küstenvertrage an das Reich abzutreten. Für beides, wie auch, 
ohne daß es ausgesprochen wurde, für ihre bisherige Tätigkeit 
im eigentlichen Schutzbriefgebiet und die dort in beträchtlicher 
Höhe erlittenen Verluste, sollte sie mit einer Anzahl Privilegien 
und mit barem Gelde entschädigt werden. 

Eigentümlich ist dem Vertrage zunächst, daß in ihm der 
Schutzbrief der DOAG überhaupt keine Erwähnung findet. 
Offenbar hat ihn die Reichsregierung ganz autonom und ohne 
jede vertragliche Übereinkunft zurückgezogen 3 ). Daß sie damit 
aber die Aufwendungen der DOAG im Schutzbriefgebiet, wie 
auch die großen für die zahlreichen Expeditionen vorher aus- 

*) Verhandlungen des Reichstages vom 5. Februar 1891, Rede des Reichs- 
kanzlers v. Caprivi. 

2 ) Abgedruckt im Anhang VIII. 

3 ) Vgl. dazu v. Stengel, Annalen des Deutschen Reichs. Jahrg. 1895. 



— i68 — 

geworfenen Summen nicht einfach ignorierte, ergibt sich aus den 
weitgehenden Vorrechten, welche ihr verliehen wurden — und 
erklärt sie zugleich. Nichts jedenfalls konnte das Reich zu 
solchen Konzessionen veranlassen, wenn man lediglich den Küsten - 
vertrag kompensieren oder etwa die an der Küste in Ausführung 
desselben seit 1888 geleistete Arbeit oder die getätigten Kapital- 
investitionen entschädigen wollte. 

Eigentümlich ist dem Übereinkommen ferner, daß es nur für 
»das Küstengebiet, dessen Zubehörungen, die Insel Mafia und das 
Gebiet des Kaiserlichen Schutzbriefes« Gültigkeit haben sollte. 
Dadurch ergab sich beispielsweise hinsichtlich der künftigen 
Landgerechtsame der DOAG eine absonderliche Situation. In den 
Gebieten, in welchen die Gesellschaft Trägerin von Hoheits- 
rechten gewesen war — d. i. also im ehemaligen Schutzbrief- 
gebiet und in den Gegenden, für welche der Küstenvertrag 
Gültigkeit gehabt hatte — , stand ihr fernerhin ein ausschließliches 
Okkupationsrecht zu, während sie volle Eigentumsrechte am ge- 
samten Grund und Boden in denjenigen Territorien der deutschen 
Interessensphäre besaß, welche zwar außerhalb der vorhin genann- 
ten Gebiete lagen, in welchen die DOAG aber durch ihre auf 
den Erwerbungsexpeditionen geschlossenen Verträge diesbezüg- 
liche privatrechtliche Ansprüche erworben hatte. In diesem Sinne 
ist jedenfalls der Passus in § 7, 1 des Vertrages von 1890 zu inter- 
pretieren, wonach die ausschließlichen Okkupationsrechte von der 
Kaiserlichen Regierung »unbeschadet der von der Gesellschaft 
außerhalb des Küstengebietes, seiner Zubehörungen, der Insel 
Mafia, sowie außerhalb des Gebietes, für welches der Kaiserliche 
Schutzbrief erteilt ist, vertragsmäßig erworbenen Rechte« zediert 
wurden. 

Im übrigen zerfällt das Abkommen in zwei Teile: Die 
§§ 1 — 3, 5 und 6, in welchen die Beteiligung der DOAG an der 
Abfindung des Sultans erörtert wird, und die §§ 4 und 7 — 9, in 
welchen die Entschädigungen der DOAG für die Aufgabe des 
Küsten Vertrages festgesetzt werden. Was die Abfindung betrifft, 
so war die DOAG gehalten, im Wege der Begebung einer An- 
leihe 10556000 Mk. aufzubringen, deren Amortisation und Ver- 
zinsung das Reich übernahm, indem es sich verpflichtete, der 
Gesellschaft halbjährlich 30000 Mk. aus den »Bruttozollerträgen 
der Ein- und Ausfuhr ohne jeden Abzug und ohne jede Auf- 
rechnung« zur Verfügung zu stellen. 

Die an den Sultan zu zahlende Entschädigung belief sich, 



— 169 — 

wie in Besprechungen mit England schließlich vereinbart worden 
war 1 ), auf 4 Millionen Mk., die der englischen Regierung über- 
wiesen werden sollten, welche an Zanzibar alljährlich den Nutzen 
der Summe abzuführen hat 2 ). Mit den ca. 6 Millionen Mark, 
welche übrig blieben, sollte die DO AG (nach § 3 des Vertrages) 
zunächst die Betonnung der Häfen — eine Pflicht, welche durch 
Zahlung von 100 000 Mk. an das Reich abgelöst wurde — und 
die Schaffung von Beleuchtungsanlagen im Höchstbetrage von 
250000 Mk. in die Wege leiten, dann aber gehalten sein, den 
Rest in längstens 10 Jahren für »Herstellung dauernder wirtschaft- 
licher Anlagen im deutschostafrikanischen Gebiet und zur Be- 
förderung des Verkehrs nach demselben« zu verwenden. Wenn 
sich die Reichsregierung auch ein in engen Grenzen gehaltenes 
Aufsichtsrecht über die Verwendung vorbehielt 3 ), so ist diese 
Summe ihrer Zweckbestimmung nach ein großartiges Geschenk 
an die Gesellschaft. Wieweit man es etwa mit den seit 1885 
gemachten Aufwendungen in Zusammenhang zu bringen und 
demgemäß als Kompensation und nicht als Geschenk anzusehen 
hat, entzieht sich der Beurteilung. 

Auffallend bleibt die Kontrahierung einer Schuld von 
10556000 Mk. statt 4000000 Mk. Die Reichsregierung muß es 
doch für nötig gehalten, bzw. die DO AG es für die Voraussetzung 
zu ihrer Einwilligung zum Vertragsabschluß angesehen haben, daß 
der Gesellschaft neben einer Entschädigung in Rechten auch eine 
solche in barem Gelde gegeben wurde. Im Interesse der wirt- 
schaftlichen Entwicklung der Kolonie lag eine solche Maßnahme 
gewiß. Wir wagen jedoch nicht zu entscheiden, wieweit die DO AG 
auf Grund ihrer bis dato gemachten Aufwendungen außer auf die 
ihr zedierten umfangreichen Privilegien auch darauf noch einen 
Rechtsanspruch hätte geltend machen können. 

Was nun die Amortisation und Verzinsung der 10% Mill. Mk. 
durch das Reich betrifft, indem es sich verpflichtete, halbjährlich 
300000 Mk. aus den Bruttozollerträgen an die DO AG zu diesem 
Zweck abzuführen, so scheint uns die auch im Reichtag gehegte 
Befürchtung 4 ) übertrieben, daß das Reich damit ein weitgehendes 
Risiko lief. Theoretisch ist ja zwar nicht zu leugnen, daß sich 



x ) Verhandlungen des Reichstages vom 5. Februar 1891, Rede des Reichs- 
kanzlers v. Caprivi. 

2 ) Lyne, a. a. O., S. 159. 

3 ) § 3 des Abkommens vom 20. November 1890. 

4 ) Verhandlungen des Reichstages vom 4., 5., 6. Februar 1891. 



— 170 — 

die Regierung, wie auch an vielen anderen Stellen des Vertrages, 
große Verpflichtungen auferlegte 1 ); praktisch erscheinen sie jedoch 
nicht so groß, wenn man die bisher erzielten Zolleinnahmen be- 
rücksichtigt. Schon im Zolljahre 1888/89 hatte die Gesamtzoll- 
einnahme 431765 Rps. 11 A. 2 P. betragen 2 ), was, wenn man 
den Durchschnittswert der Rp. für die angegebene Zeit in Rechnung 
setzt (etwa 1,40 Mk.), ca. 600000 Mk. entspricht. Nun gingen 
gerade in der Zeit von August 1888 bis dahin 1889 (das Zolljahr) 
die Wogen des Aufstandes am höchsten, und der Handelsumsatz 
des Jahres bezeichnet infolgedessen einen Tiefstand. Bei vorsich- 
tigster und maßvollster, pessimistischer Berechnung kann man auf 
Grund der Zollstatistik, welche die DOAG herausgegeben hat, 
für 1889/90 mindestens eine Verdoppelung des Warenverkehrs 
konstatieren; ja, die Erhebungen der Gesellschaft für die Zeit vom 
18. August 1890 bis 31. Dezember 1890 berechtigen dazu, für das 
mit diesem Zeitraum begonnene Zolljahr eine weitere Steigerung 
zu erwarten 3 ). Da die prozentuale Beteiligung der einzelnen Pro- 
dukte am Gesamtverkehr in dieser Zeit kaum eine Änderung er- 
fahren hat, so ergibt sich auch für die Bruttoeinnahmen aus den 
Zöllen — genaue Zahlen sind leider nicht vorhanden — eine ent- 
sprechende Steigerung und damit die Tatsache, daß, im Lichte 
dieser Zahlen betrachtet, das Risiko, welches die Reichsregierung 
mit der Zahlung von 600000 Mk. jährlich aus den Bruttozöllen 
übernahm, nicht so groß war, wie es von manchen Rednern im 
Reichstage dargestellt wurde. 

Als Entgelt nun für die Aufgabe der Rechte aus dem 
Küsten vertrage wurden der DOAG weitgehende Privilegien ver- 
liehen, insbesondere das ausschließliche Okkupationsrecht an 
herrenlosen Grundstücken und Wäldern, mit der Maßgabe jedoch, 
daß erstens wohlerworbene Rechte Dritter, zweitens das Okku- 
pationsrecht der Regierung im Interesse öffentlicher Bauten und 
das Recht derselben, Gesetze und Verordnungen für die Aus- 
nutzung der Wälder zu erlassen, unberührt bleiben sollten (§ 7, 1). 
Ferner wurden der DOAG Meistbegünstigung bei der Verleihung 
von Schür ff eidern, das Erträgnis einer Abgabe von 5 % von ge- 
förderten Mineralien (§ 7, 2), unter gewissen Bedingungen ein 
Vorrecht vor anderen Bewerbern bei der Konzessionierung des 

*) § 6 des Vertrages vom 20. November 1890. 

2 ) Jahresbericht der DOAG von 1888. 

3 ) Für genauere Vergleichungen der Ergebnisse der einzelnen Zolljahre sind die 
Statistiken aus manchen Gründen unbrauchbar. S. darüber »Koloniales Jahrbuch«, 1894. 



Baues und Betriebes von Eisenbahnen (§ 7, 3), das Notenbank- 
privileg (§ 7, 4) und das Münzregal (§ 7, 5) zugesichert. Man 
wird ja nun nicht sagen können, daß die DOAG mit alledem 
materiell viel mehr erhielt, als sie schon durch den Küstenvertrag 
in ihren Besitz gebracht hatte. Bei der Beurteilung aller jener 
Konzessionen kommt es aber auch gar nicht auf das Mehr oder 
Weniger gegenüber dem Küstenvertrage an, als vielmehr darauf, 
daß für die DOAG diese ihre Gerechtsame, nachdem sie von der 
Reichsregierung und für ein von dieser verwaltetes Gebiet garantiert 
worden waren, erst recht eigentlich Wert erhielten, und zwar einen 
solchen, dessen ständige Steigerung man mit Recht erwarten 
durfte. Man kann darum die Größe der Privilegierung der DOAG 
erst ermessen, wenn man nicht nur die Vorrechte selbst, sondern 
die Wertsteigerung ins Auge faßt, welche sie erfahren hatten in 
dem Moment, als die Regierung des Deutschen Reiches sich an 
die Stelle derjenigen des Sultans von Zanzibar setzte, und sodann 
die Wertsteigerung in Rechnung setzt, welche sie in Zukunft mit 
Sicherheit erfahren würden. Von hieraus gesehen war die DOAG 
für ihre zweifellos aufopferungsvolle Tätigkeit in den schwersten 
Jahren der deutschen Kolonialpolitik reichlich belohnt. 

Auch vergesse man bei einem Vergleich des Küstenvertrages 
mit diesem uns vorliegenden Auseinandersetzungsvertrage das andere 
nicht, daß jener neben Gerechtsamen auch Verpflichtungen, nament- 
lich hinsichtlich der Verwaltung des Landes enthielt, welche bei diesem 
ganz in Fortfall kamen, und ferner, daß die Reichsregierung durch Ent- 
sendung der Wissmann-Expedition die DOAG in der Ausübung 
ihrer vertraglichen Pflichten aus dem Küstenvertrage mit bedeutenden 
Summen unterstützt hatte, ohne jedoch die Gesellschaft regreßpflichtig 
zu machen. In der deutschen Öffentlichkeit ist ein solches Vorgehen 
des Reiches gegen die DOAG, eventuell auch gegen den Sultan 
öfters angeregt worden. Der Anregung folgend, befragte das Aus- 
wärtige Amt das Reichsjustizamt über die Regreßpflicht des Sultans 
bzw. der DOAG. Jene wurde verneint, weil der Küstenvertrag keine 
Handhabe dazu bot, diese, weil die lex Wissmann vom 2. Februar 
188g formell nicht im Interesse der DOAG, sondern zur Bekämpfung 
von Sklavenhandel und Sklavenjagden erlassen worden war 1 ). Ob- 
wohl also an die Gesellschaft rechtlich keine Ansprüche auf Ersatz der 
Kosten der Expedition gestellt werden konnten, kann es doch keinem 
Zweifel unterliegen, daß sie moralisch berechtigt gewesen wären. 

*) Rede des Reichskanzlers v. Caprivi in den Verhandlungen des Reichstages 
vom 5. Februar 1891. 



— 172 — 

Zusammenfassend wird man sagen können, daß der Ausein- 
andersetzungsvertrag der DOAG nicht nur die von ihr auf- 
gewendeten Kapitalien überreichlich ersetzte und verzinste, son- 
dern darüber hinaus auch den »Unternehmergewinn« sicher stellte, 
auf welchen die Gesellschaft durch ihre aufopferungsvolle Tätig- 
keit bei Erwerbung, Erweiterung und Erhaltung des ostafrika- 
nischen Kolonialbesitzes gegen äußere Feinde und die Gegner in 
der deutschen Öffentlichkeit gewiß Anspruch hatte. 



2. Kapitel. 

Die fernere Entwicklung der Privilegien der DOÄG. 

Damit sind wir am Ende unserer Aufgabe, eine Darstellung 
der Tätigkeit zu geben, welche die Gesellschaft auf Grund des 
Schutzbriefes in den Jahren 1885 — 90 entfaltete, und wollen ab- 
schließend einen Blick auf die Entwicklung derjenigen Rechte 
werfen, die ihr als Sonderrechte auch nach dem Vertrage vom 
20. November 1890 noch verblieben. 

Dieser Auseinandersetzungsvertrag trat mit dem 1. Januar 
1891 in Kraft, jedoch führte die DOAG im Namen und für 
Rechnung des Reiches die Zollverwaltung noch bis zum 1. Juli 
1891. Dann übernahm das Gouvernement auch auf diesem Ge- 
biete seine Funktionen, und es blieben der Gesellschaft fortan nur 
die oben genannten einzelnen Privilegien. Auch sie erfuhren in 
den folgenden Jahren manche Einschränkung, nicht alle wurden 
tatsächlich ausgeübt und der größte Teil in einem Vertrage mit 
der Kaiserlichen Regierung vom 15. November 1902 abgelöst. Ob 
die DOAG auch nach dieser Abmachung noch den Namen einer 
Konzessionsgesellschaft oder privilegierten Unternehmung verdient 
oder ob sie heute als eine einfache Erwerbsgesellschaft angesehen 
werden muß, ist eine Frage, deren Beantwortung je nach dem 
Standpunkt des Beurteilers verschieden ausfallen dürfte. 

Wir sehen hier von einer Untersuchung dieser Spezialfrage 
ab und wenden uns zu einer kurzen Erörterung der einzelnen 
Privilegien und des Gebrauchs, den die Gesellschaft bis zum 
1. April 1903 von ihnen machte. 

Wie wir bereits feststellen konnten, waren die Bodengerecht- 
same im sogenannten Vertragsgebiet 1 ) anderer Art als außerhalb 

J ) Unter »Vertragsgebiet« ist im folgenden immer das ehemalige Schutzbriefgebiet 
und das Territorium, für welches der Küsten- oder Zollvertrag Gültigkeit besessen hatte, 
zu verstehen. 



— 173 — 

seiner Grenzen. Hier Eigentumsrechte, die aus den mit den 
Negerhäuptlingen auf den Erwerbungsexpeditionen direkt ge- 
schlossenen Verträgen hergeleitet wurden, dort Okkupationsrechte 
auf Grund des Auseinandersetzungsvertrages. Jene ersteren aber 
standen, wie sich bald herausstellte, auf schwachen Füßen. Man 
hatte mit Negern kontrahiert, die niemals Verfügungsrecht über 
das Land besessen, das sie freiwillig abtraten. Dieser Erkenntnis 
konnte man sich schon 1891 namentlich in bezug auf Usambara 
nicht mehr verschließen, und so erklärt es sich, daß die DOAG 
in einem Übereinkommen mit der Kaiserlichen Regierung vom 
3. August 1891 1 ) ihre Landeigentumsrechte in Usambara und 
Bondei (im Vertrage genau begrenzt), die ihr aus Erwerbungs- 
Verträgen ihrer Beauftragten »zustehen möchten«, an das Reich 
weitergab. Das geschah ohne Vorbehalt, aber auch ohne Gewähr 
für Inhalt oder Umfang dieser Rechte, und aus ihrer Übernahme 
sollten dem Reich keine Verpflichtungen gegen die DOAG er- 
wachsen, die auch keine Entschädigung erhielt, was die Wert- 
losigkeit des Objektes am besten illustriert. Wie hier wohl aus 
formal-rechtlichen Gründen mit vielen Worten, so sind später ganz 
still und ohne vertragliche Abmachung auch die übrigen in 
gleicher Weise fundierten Landrechte, die in Khutu und anderen 
südlich gelegenen Landschaften bestanden, begraben worden. 
Auf sicherem Rechtsgrunde dagegen ruhten die Okkupations- 
befugnisse im Vertragsgebiet. Sie erfuhren ein erstes Mal, am 
5. Februar 1894 2 ), bedeutende räumliche Einschränkungen, und 
ein zweites Mal durch die Allerhöchste Verordnung vom 26. No- 
vember 1895 3 ). In dieser Verordnung und den dazu ergangenen 
Ausführungsbestimmungen wurde auch die Abgrenzung der ein- 
zelnen Negersiedelungen gegen das Kronland befohlen und 
damit andererseits erst endgültig festgelegt, was nur als okkupa- 
tionsfähiges Land im Sinne des Auseinandersetzungsvertrages 
angesehen werden könne. Selbstverständlich bedeutete dieses 
Vorgehen der Regierung keine Schmälerung der Vertragsrechte 
der Gesellschaft. Demgemäß hatte sie auch keinen Anspruch auf 
Entgelt. Anders aber war die Situation bei Abschluß des Über- 



*) Mitgeteilt im Jahresbericht der DOAG von 1891. 

2 ) Vertrag zwischen der Kaiserl. Regierung und der DOAG betr. herrenloses 
Land. Mitgeteilt Deutsche Kolonialgesetzgebung (DKG.), VI. Teil, S. 70 ff. 

3 ) Allerhöchste Verordnung über die Beschaffung, Besitzergreifung und Ver- 
äußerung von Kronland und über den Erwerb und die Veräußerung von Grundstücken 
in Deutsch-Ostafrika. DKG., II. Teil, S. 200 ff. 



— 174 ~ 

einkommens vom 5. Februar 1894. Die hier getätigten Zessionen 1 ) 
durfte und hat sich die DOAG bezahlen lassen, indem sich 
die Reichsregierung verpflichtete, vom 1. April 1894 an ohne 
Abzug der Erhebungskosten die Hälfte der Einnahmen an die 
Gesellschaft abzuführen, welche durch Nutzung der im Vertrage 
aufgegebenen Wälder der Gouvernementskasse zufließen sollten. 
Der Anteil der DOAG betrug: 

1899 ... . 2397 Rps., 

1900 .... 2805 Rps., 

1901 .... 2036 Rps. 2 ) 

Außer durch die genannten Abkommen hat das Okkupa- 
tionsrecht keine wesentliche räumliche Beschränkung erfahren. 
Der Gegenstand der Vereinbarung vom 10. April 1900 3 ) ist jeden- 
falls zu unbedeutend, als daß es sich verlohnte, im gegebenen 
Rahmen näher darauf einzugehen. 

Es ist jedoch nötig, in diesem Zusammenhange einer anderen 
Erwerbung zu gedenken, obwohl sie mit dem Auseinandersetzungs- 
vertrage und den dort verliehenen Bodenrechten in keiner direkten 
Beziehung steht. Als die DOAG im Jahre 1891 es übernahm, 
eine Usambara-Eisenbahngesellschaft ins Leben zu rufen 4 ), wurden 
ihr von der Regierung Okkupationsrechte in den nördlichen Land- 
schaften des Schutzgebietes, welche die Bahn durchschneiden sollte, 
überlassen. Diese Usambararechte gingen aber schon 1899 wieder 
verloren, als das Unternehmen mit allen Aktiven und Passiven 
vom Reich angekauft wurde. Nur 6800 ha, über die bereits 
»anderweitig verfügt« war 5 ), verblieben im Eigentum der DOAG, 
so daß der gesamte Landbesitz in Usambara nach dem Jahres- 
bericht von 1 900 einen Umfang von 1 1 000 ha hatte. 

Der Ablösungsvertrag vom 15. November 1902 beschäftigte 
sich dann wieder mit den Okkupationsrechten im Vertragsgebiet, 
die allein noch im Eigentum der Gesellschaft waren. Eine radikale 
Beseitigung des Privilegs brachte auch er nicht, schränkte die 

x ) Es handelte sich um Ländereien in der Umgebung der Zoll- und Militär- 
stationen, Wälder usw. 

2 ) Siehe die Denkschrift zum Vertrage vom 15. November 1902. Drucksachen 
des Reichstages, Beilage zum Etat 1903. 

3 ) DKG., VI. Teil, S. 2431. 

4 ) Verträge vom 5. August und I. Dezember 1891. Mitgeteilt im Jahresbericht 
der DOAG 1891. 

5 ) Vgl. dazu die Denkschrift betr. Usambara-Eisenbahn, Beilage B zum Entwurf 
eines Gesetzes betr. die Feststellung des Haushaltsetats für die Schutzgebiete auf das 
Rechnungsjahr 1899 und die Verhandlungen des Reichstages vom 13. März 1899. 



— 175 — 

Okkupationsbefugnis aber bedeutend ein und knüpfte sie vor allem 
an die Voraussetzung, daß im Vertragsgebiet Bahnen gebaut 
würden 1 ). Da bald darauf die Zentralbahn in Angriff genommen 
wurde, konnte die DO AG ihre Rechte geltend machen und okku- 
pierte, wie das vorgesehen war, die ihr zustehenden Parzellen auf 
Grund eines Verteilungsmodus, der dem amerikanischen Schach- 
brettsystem nachgebildet war. In diesen Tagen hat sie in Ge- 
meinschaft mit der Zentralbahngesellschaft, die ihre Grundstücke 
längs der Bahn einbrachte, eine Gesellschaft zum Zweck der Ver- 
wertung jener Parzellen gebildet. 

Neben dem Bodenprivileg spielte dann in den neunziger 
Jahren noch das Vorrecht auf bergbaulichem Gebiete eine Rolle. 
Im Zusammenhang mit den Glimmer- und Granatfunden und den 
Erwartungen, welche man anknüpfend an die allzu optimistischen 
Berichte eifriger Prospektoren um die Mitte des Jahrzehnts hegte, 
wurde am 9. Oktober 1898 eine Bergordnung für Ostafrika er- 
lassen, die jedoch für das »Vertragsgebiet« zunächst nicht in Kraft 
trat 2 ). Erst als die entgegenstehenden Rechte der DO AG am 
25. September 1900 3 ) beteitigt waren, wurde die Verordnung 
auch auf jenes Territorium ausgedehnt. In diesem Abkommen 
verzichtete die Gesellschaft auf ihr Privileg gegen die Versiche- 
rung, daß bis zum 31. Dezember 1935 die Hälfte der Felder- 
steuern und Förderungsabgaben, welche auf Grund der §§ 54 — 56 
der Verordnung vom 9. Oktober 1898 erhoben werden würden, 
an sie abgeführt werden sollte. Ihren Anteil bezog sie erst seit 
dem 1. Januar 1902 und erhielt im ersten Quartal dieses Jahres 
145 Rps. 4 ). Die Berechtigung blieb im vollen Umfange auch 
nach dem Vertrage vom 15. November 1902 5 ) bestehen und ist 
bis heute noch nicht aufgehoben worden. 

Bezüglich der Münzrechte und ihrer Ausübung sei nur hervor- 
gehoben, daß im Anfang verhältnismäßig wenig Silberrupien ge- 
prägt, dagegen Kupferpesas in größerer Zahl auf den Markt 
geworfen wurden. Als jedoch im Jahre 1897 der Kurs der Rp. 
sich zu befestigen begann, während der Silberwert dauernd und 



L ) Einzelheiten in §§ 5 und 6 des Vertrages vom 15. November 1902. DKG., 
VI. Teil, S. 547ff. 

2 ) Vgl. § 80 der Bergordnung vom 9. Oktober 1898. DKG., III. Teil, S. 138 ff. 

3 ) Vereinbarung zwischen der Kaiserl. Regierung und der DOAG betr. Bergbau- 
rechte. DKG!, V. Teil, S. 148 f. 

4 ) Denkschrift zum Vertrage vom 15. November 1902, a. a. O. 

5 ) Siehe diesen a. a. O. 



- i 7 6 - 

stark weiter sank, gab die DO AG auch ihre »Gesellschaftsrupie«, 
die mit der indischen in Gewicht und Feingehalt übereinstimmte, 
häufiger aus. Der Umfang der Ausprägungen, die teilweise 
beträchtliche Kursgewinne einschlössen 1 ), ist aus der folgenden 
Übersicht zu ersehen: 

I. Silbermünzen 2 ). 





2- 


1- 


Vz- 


&" 




Jahr 


Rps. -Stücke. 


Rp.- Stücke. 


Rp.- Stücke. 


Rp.- Stücke. 


Zusammen 




Rps. 


Rps. 


Rps. 


Rps. 


Rps. 


1890 


_ 


78 000 


_ 





78 000 


1891 


— 


202 652 


30 000 


15 000 


247 652 


1892 


— 


359 735 


— 


— 


359 735 


1893 


7 008 


88 724 


— 


— 


95 732 


1894 


94 700 


101 831 


— 


— 


196 53 1 


1895 


— 


— 


— 


— 


— 


1896 


— 


— 


4 171 


4172 


8 343 


1897 


— 


244 030 


25 000 


— 


269 030 


1898 


— 


318 000 


— 


12 500 


330 500 


1899 


— 


226 754 


— 


— 


226 754 


1900 


— 


209 289 


12 500 


12 500 


234 289 


1901 3 ) 


— 


319 022 


107 500 


87 500 


514022 


Summe 


101 708 


2 148037 


179 171 


131 672 


2 560 588 



47 P. 



II. Kupfermünzen. 
Die Prägung von Pesas belief sich insgesamt auf 41092335 Stück 
Sie sind allein in den Jahren 1890 — 93 zur Ausgabe gelangt. 



642067 Rps. 



Die Münzrechte sind im Jahre 1902 ohne Vorbehalt abgelöst 
worden. Das gleiche gilt übrigens von dem Notenbankprivileg 
und dem Vorrecht bezüglich des Baues und Betriebes von Eisen- 
bahnen, von dem die DOAG einmal, bei der Usambarabahn, Ge- 
brauch machte, während sie das Recht der Notenausgabe ignorierte; 
es gilt auch von kleineren Berechtigungen, die wir unerwähnt lassen. 

Neben den Privilegien verdient noch das Schicksal der 
ca. 6 Mill. Mk. unsere Beachtung, die der DOAG 1890 aus der 
Zehnmillionenanleihe nach Auszahlung der Entschädigung an den 
Sultan verblieben, ob als Kaufpreis oder als Geschenk, war ein 

J ) Nach der in Anmerkung 3 genannten Denkschrift war der Nominalwert der 
Rupie in der letzten Zeit vor dem Ablösungsvertrag um 90% höher als der Metallwert. 

2 ) Vgl. die Denkschrift zum Vertrage vom 15. November 1902, a. a. O. 

3 ) Vom 1. Januar 1902 bis zur endgültigen Übertragung des Regals an das 
Reich am 1. April 1903 war die Ausgabe von Münzen im Wege der Vereinbarung 
auf 150000 Rps. kontingentiert. 



— 177 — 

ewiger Streitpunkt zwischen dem Abgeordneten Richter und 
Vertretern der rechtsstehenden Parteien des Reichstages. Was 
die Verwendung der Summe betrifft, so erklärte Freiherr von 
Richthof en am 12. Februar 1898, daß der Regierung kein Recht 
zustände, in dieser Beziehung einen Zwang auszuüben, und Kolonial- 
direktor v. Buchka ein Jahr später 1 ), daß die DO AG Recht daran 
getan hätte, das Geld »zur Entwicklung und Ausdehnung ihrer 
Plantagen« auszuwerfen. Nur einmal, bei der Finanzierung der 
Usambara-Eisenbahngesellschaft, dürften die Mittel auch einem 
anderen Zweck zugeführt worden sein. 

Wir sind am Ende dieser Betrachtung. Der flüchtige Blick 
auf den Gang der Ereignisse zeigt uns in den ersten 12 Jahren 
nach dem Auseinandersetzungsvertrag ein langsames Abbröckeln 
der 1890 verliehenen Privilegien, mit dem eine allmähliche Klärung 
der Rechtslage zwischen Regierung und Gesellschaft Hand in 
Hand geht. Einen Markstein in dieser Entwicklung bildet das 
Abkommen vom 15. November 1902. Es beseitigte jedoch nicht 
alle Vorrechte der Gesellschaft, ja, die folgenden Jahre brachten 
einmal mit der Wiederverleihung des Notenbankprivilegs, 1905, 
die entgegengesetzte Tendenz von neuem zur Geltung. Die 
Eventualrechte an okkupationsfähigem Land, der Anspruch auf 
Beteiligung an den Einkünften aus den Bergwerksabgaben, der 
fernere Anspruch auf halbjährliche Zahlung von je 300000 Mk. 
aus den Zöllen, wie das Recht der Notenausgabe, alles das sind 
die noch heute vorhandenen Zeugen der Herrschaftsstellung, welche 
die DOAG ehemals in den Werdejahren der deutschen Kolonial- 
politik im ostafrikanischen Schutzgebiet unter Opfern innehatte. 



*) Verhandlungen des Reichstages vom 10. März 1899. 



Abhandlungen d. staatsw. Seminars z.Jena, Bd. XII, Heft i. 12 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



Anhang. 



Anlage I. 

Drei Verträge, welche auf der Usagara-Expedition mit Neger- 
häuptlingen geschlossen wurden. 

i. Mafungu Biniani, Herr von Quatunge Quaniani usw., Sultan von Nguru, 
tritt hiermit durch sein Handzeichen und unter Zuziehung der mitunterschriebenen 
Zeugen das ihm widerspruchslos als alleinigem Souverän gehörige Land Quaniani 
Quatunge in Nguru mit allen ihm widerspruchslos und unbestritten gehörigen 
Rechten für ewige Zeiten und zu völlig freier Verfügung an Herrn Dr. Peters 
als den Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, Herrin von Use- 
guha, ab. 

Die Rechte, welche mit dieser Abtretung auf Herrn Dr. Carl Peters 
als den Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, Herrin von Useguha, 
übergehen, sind die dem Sultan von Nguru einzeln und mündlich dargelegten 
Rechte, welche nach den Begriffen des deutschen Staatsrechtes die Staatsober- 
hoheit sowie den privatrechtlichen Besitz des Landes bedeuten; unter anderem: 
das Recht überall, wo es Herrn Dr. Carl Peters oder der von ihm vertretenen 
Gesellschaft für deutsche Kolonisation gefällt, Farmen, Häuser oder Straßen, Berg- 
werke usw. anzulegen; das alleinige Recht, Grund und Boden, Forsten und Flüsse 
usw. in jeder ihm beliebenden Weise auszunutzen; das alleinige Recht, Kolonisten 
in das Land zu führen, eigene Justiz und Verwaltung einzurichten, Zölle und Steuern 
aufzulegen. 

Dafür übernimmt die Gesellschaft für deutsche Kolonisation, Herrin von 
Useguha, und verspricht durch ihren Vertreter Dr. Carl Peters, den Sultan 
Mafungu Biniani und sein Volk zu schützen gegen jedermann, soweit es in ihren 
Kräften steht, sein ihm privatrechtlich reserviertes Eigentum als solches zu respek- 
tieren und ihm außer den am heutigen Tage übermittelten Geschenken eine jähr- 
liche, mündlich vereinbarte Rente, in Vieh und Handelsartikeln zahlbar, zu ge- 
währen. 

Dieser Vertrag ist unter den in Nguru üblichen Rechtsformen, und nach- 
dem Herr Dr. Carl Peters mit dem Sultan Mafungu Biniani Blutsbrüderschaft 
gemacht hatte, unter Zuziehung rechtsgültiger Zeugen als für ewige Zeiten gültig 
und beide Teile ohne Widerruf bindend, am 23. November Eintausendachthundert- 
undvierundachtzig in Quaniani abgeschlossen und von beiden Teilen durch bindende 



— 179 — 

Unterschrift gezeichnet worden, nachdem er dem Sultan Mafungu Biniani durch 
den Dolmetscher Ramassani sachgemäß und wortgetreu mitgeteilt war. 

Dr. Carl Peters. (Handzeichen des Sultans Mafungu Biniani.) 

Für die Richtigkeit der wortgetreuen Übersetzung: 
Ramassani. 
Zeugen: Osmani. 

(Handzeichen von Bori, Neffen des Sultans Mafungu.) 

(Handzeichen des Dieners Hamisi Adi Osmani.) 

(Handzeichen des Dieners Sururu.) 

(Handzeichen des Dieners Ali, früheren Begleiters des Majors Cambier.) 

(Handzeichen des Dieners Marabu, früheren Begleiters von Stanley.) 

Dr. Karl Jühlke. 

J. F. Graf Pfeü. 

August Otto. 

2. Kwindokaniani, den 24. November 1884. Zweiter Vertrag zwischen Sr. Ho- 
heit dem Sultan Mafungu von Nguru, Besitzer von Kwamkungu, Kwindokaniani 
usw. usw. und Herrn Dr. Carl Peters, Vertreter der Gesellschaft für deutsche 
Kolonisation, Herrin von Useguha und Nguru. 

Der Sultan von Nguru, Mafungu, nachdem er gestern, Sonntag den 23. No- 
vember 1884, sein Land mit allen Hoheitsrechten an Herrn Dr. Carl Peters, 
Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, auf ewige Zeiten abgetreten 
hat, fühlt das Bedürfnis, mit seinem Blutsfreund und Bruder Dr. Carl Peters, 
Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, eine noch engere Verbin- 
dung zu schaffen. Zu diesem Zweck erklärt er am 24. November 1884, abends 6 Uhr, 
vor versammeltem Volke in seiner Nebenresidenz Kwindokaniani, daß er die Ge- 
sellschaft für deutsche Kolonisation, welche er als Herrin von Useguha anerkennt, 
in deren Vertreter, seinem Blutsfreund und Bruder, Herrn Dr. Carl Peters, 
auf ewige Zeiten als alleinige und ausschließliche Oberherrin seiner selbst und 
seines ganzen Volkes anerkennt. 

Insbesondere verspricht er die Bestrebungen des Herrn Dr. Carl Peters 
und der von ihm vertretenen Gesellschaft in Ostafrika mit allen Mitteln und in 
jeder Weise zu unterstützen. Er verspricht auf Wunsch Arbeitsleistungen und 
militärische Gefolgschaft gegen jedermann. 

Dafür verspricht Herr Dr. Carl Peters, im Namen der von ihm ver- 
tretenen Gesellschaft, Sr. Hoheit dem Sultan von Nguru, seinem Blutsfreund, 
nach Kräften Schutz und dauernde Freundschaft. 

Dr. Carl Peters. (Handzeichen des Sultans von Nguru.) 

Daß Se. Hoheit der Sultan von Nguru, Mafunga Biniani, mit Herrn Dr. Carl 
Peters durch dieses sein eigenes Handzeichen den vorstehenden Kontrakt rechts- 
gültig abgeschlossen hat, bezeugen: 

(Handzeichen des Dolmetschers Ramassan.) 

(Handzeichen von Marabu, Stanleys Begleiter.) 

(Handzeichen von Ali, Begleiter Cambiers.) 

(Handzeichen von Sururu, v. Schölers Begleiter.) 

(Handzeichen von Hamissi, Ramassans Bruder.) 

(Handzeichen von Semdi, Neffen Sr. Hoheit des Sultans von Nguru.) 

Osmani. 

12* 



— 180 — 

(Handzeichen des Mariko, Schwagers Sr. Hoheit des Sultans von Nguru.) 
(Handzeichen des Sekoromo, Schwagers Sr. Hoheit des Sultans von 

Nguru.) 
Dr. Karl Jühlke. 
J. F. Graf Pfeil. 
August Otto. 

3. Muinin Sagara, den 4. Dez. 1884. Muinin Sagara, Herr von Muinin Sagara 
usw., alleiniger und absoluter Herr von ganz Usagara, und Dr. Carl Peters, 
als Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, schließen hierdurch einen 
ewigen Freundschaftsvertrag ab. 

Sultan Muinin Sagara erhält eine Reihe von Geschenken; weitere Geschenke 
für die Zukunft werden ihm versprochen, und er tritt hierdurch unter den Schutz 
der Gesellschaft für deutsche Kolonisation resp. deren Vertreter. 

Dafür tritt der Sultan Muinin Sagara an Herrn Dr. Carl Peters, als 
den Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, kraft seiner absoluten 
und unumschränkten Machtvollkommenheit das alleinige und ausschließliche Recht, 
Kolonisten nach ganz Usagara zu bringen, ab. 

Dr. Carl Peters, als Vertreter der Gesellschaft für deutsche Koloni- 
sation, verspricht, von diesem Rechte Gebrauch zu machen. 

Zu diesem Behufe tritt Sultan Muinin Sagara das alleinige und ausschließ- 
liche Recht völliger und uneingeschränkter privatrechtlicher Ausnutzung von 
ganz Usagara an Herrn Dr. Carl Peters, als den Vertreter der Gesellschaft 
für deutsche Kolonisation, hierdurch ab. 

Ferner tritt der Sultan Muinin Sagara an Herrn Dr. Carl Peters, als 
den Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, alle diejenigen Rechte 
ab, welche nach dem Begriff des deutschen Staatsrechts den Inbegriff staatlicher 
Oberhoheit ausmachen; unter anderem: das alleinige und uneingeschränkte Recht 
der Ausbeutung von Bergwerken, Flüssen, Forsten; das Recht, Zölle aufzulegen, 
Steuern zu erheben, eigene Justiz und Verwaltung einzurichten, und das Recht, 
eine bewaffnete Macht zu schaffen. 

Dafür bleibt der Titel Muinin Sagara erblich in der Familie des Sultans 
Muinin Sagara. 

Der privatrechtliche Besitzstand des Sultans wird von Herrn Dr. Carl 
Peters, als Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation, anerkannt 
und garantiert, und die Vertreter der Gesellschaft für deutsche Kolonisation werden 
angewiesen werden, diesen Besitzstand mit allen Kräften mehren zu helfen. 

Die Gesellschaft für deutsche Kolonisation wird mit allen Kräften dahin 
wirken, daß Sklaven aus dem Gebiet des Sultans Muinin Sagara nicht mehr fort- 
geschleppt werden dürfen. 

Dieser Vertrag ist heute, am 4. Dezember 1884, vor versammeltem Volk 
von Usagara unter Zuziehung einer Reihe rechtsgültiger Zeugen von Muinin Sa- 
gara, alleinigem und uneingeschränktem Oberherrn von ganz Usagara, und Herrn 
Dr. Carl Peters, als dem Vertreter der Gesellschaft für deutsche Koloni- 
sation, durch Namensunterschrift und Namenszeichnung von beiden Seiten in 
durchaus rechtsverbindlicher Form vollzogen worden. 
(Handzeichen des Sultans Muinin Sagara.) 

(Handzeichen von Kibuana, Sohn des Sultans Muinin Sagara.) 
Dr. Carl Peters. 



— IÖI — 

Daß dieser Vertrag völlig rechtsgültig und auf ewige Zeiten verbindlich 
von beiden Kontrahenten, dem Sultan Sagara, Herrn von Muinin Sagara usw. 
einerseits und dem Herrn Dr. Carl Peters, als dem rechtmäßigen Vertreter 
der Gesellschaft für deutsche Kolonisation andererseits, heute am 4. Dezember 1884 
vor versammeltem Volke abgeschlossen ist und wortgetreu dem Sultan Muinin 
Sagara, Oberherrn von ganz Usagara, durch den Dolmetscher Ramassan vorge- 
tragen war, bezeugen hiermit durch Namens- reps. Zeichenunterschrift: 

(Handzeichen des Sohnes des Sultans Muinin Sagara, Maheneko ade 
Muinin Sagara.) 

(Handzeichen des Sohnes des Sultans Muinin Sagara, Sefo ade Muinin 
Sagara.) 

(Handzeichen des Salim, Beamten des Sultans Muinin Sagara.) 

(Handzeichen des Dolmetschers Ramassan.) 

(Handzeichen des Dieners Hamisi.) 

(Handzeichen des Dieners Marabu.) 

(Handzeichen des Dieners Ali.) 

(Handzeichen des Dieners Sururu.) 

Osmani. 

Dr. Karl Jühlke. 

J. F. Graf Pfeil. 

August Otto. 

Am Sonnabend, den 6. Dezember, erscheint Masengo, ältester Sohn des 
Sultans Muinin Sagara, Herr von Sima, und erklärt seine besondere Freude über 
die in Aussicht stehende Kolonisation Usagaras und erbittet auch für sich Freund- 
schaft und den Schutz der Gesellschaft für deutsche Kolonisation. Er bezeugt 
dies durch seine eigenhändige Unterschrift. 
(Handzeichen des Masengo.) 



Anlage II. 

Das deutsch-englische Abkommen vom 29. Oktober/1. November 1888. 

I. Deutschland und Großbritannien erkennen die Souveränität des Sultans 
von Zanzibar über die Inseln Zanzibar und Pemba, sowie über diejenigen 
kleineren Inseln an, welche in der Nähe der ersteren innerhalb eines 
Umkreises von 12 Seemeilen liegen; desgleichen über die Inseln Lamu 
und Mafia. 

Dieselben erkennen in gleicher Weise als Besitz des Sultans auf 
dem Festlande eine Küstenlinie an, welche ununterbrochen von der Mün- 
dung des Mininganiflusses am Ausgang der Tunghibucht bis Kipini 
reicht. Diese Linie beginnt im Süden des Mininganiflusses, folgt dem 
Laufe desselben fünf Seemeilen und wird dann auf dem Breitenparallel 
bis zu dem Punkte verlängert, wo sie das rechte Ufer des Rovumaflusses 
trifft, durchschneidet den Rovuma und läuft weiter an dem linken Ufer 
entlang. 

Die Küstenlinie hat eine Tiefe landeinwärts von zehn Seemeilen, 
bemessen durch eine gerade Linie ins Innere von der Küste aus bei dem 



— 182 — 

höchsten Wasserstande zur Flutzeit. Die nördliche Grenze schließt 
den Ort Kau ein. Im Norden von Kipini erkennen die genannten Re- 
gierungen als dem Sultan gehörig an die Stationen von Kismaju, Ba- 
rawa, Marka, Makdischu mit einem Umkreis landeinwärts von je zehn 
Seemeilen und Warscheik mit einem Umkreis von fünf Seemeilen. 

2. Großbritannien macht sich verbindlich zur Unterstützung derjenigen 
Verhandlungen Deutschlands mit dem Sultan, welche die Verpachtung 
der Zölle in den Häfen von Daressalam und Pangani an die Deutsch- 
Ostafrikanische Gesellschaft gegen eine dem Sultan seitens der Gesell- 
schaft zu gewährende jährliche Zahlung bezwecken. 

3. Beide Mächte kommen überein, eine Abgrenzung ihrer gegenseitigen 
Interessen- Sphären in diesem Teile des ostafrikanischen Festlandes vor- 
zunehmen, in gleicher Weise, wie dies früher bei den Gebieten am Golf 
von Guinea geschehen ist. 

Das Gebiet, auf welches dieses Übereinkommen Anwendung 
findet, soll begrenzt sein im Süden durch den Rovumafluß und im Norden 
durch eine Linie, welche, von der Mündung des Tanaflusses ausgehend, 
dem Laufe dieses Flusses oder seiner Nebenflüsse bis zum Schneidepunkt 
des Äquators mit dem 3 8° östlicher Länge folgt und dann in gerader 
Richtung fortgeführt wird bis zum Schneidepunkt des i° nördlicher 
Breite mit dem 37 östlicher Länge, wo die Linie ihr Ende erreicht. 

Die Demarkationslinie soll ausgehen von der Mündung des Flusses 
Wanga oder Umbe, in gerader Richtung nach dem Jipe-See laufen, 
dann entlang an dem Ostufer und, um das Nordufer des Sees führend, 
den Fluß Lumi überschreiten, um die Landschaften Taveta und Dschagga 
in der Mitte zu durchschneiden und dann entlang an dem nördlichen 
Abhang der Bergkette des Kilima-Ndscharo in gerader Linie weiter 
geführt zu werden bis zu demjenigen Punkte am Ufer des Victoria-Nianza- 
Sees, welcher von dem io° südlicher Breite getroffen wird. 

Deutschland verpflichtet sich, im Norden dieser Linie keine Ge- 
bietserwerbungen zu machen, keine Protektorate anzunehmen und der 
Ausbreitung englischen Einflusses im Norden dieser Linie nicht entgegen- 
zutreten, während Großbritannien die gleiche Verpflichtung für die süd- 
lich von dieser Linie gelegenen Gebiete übernimmt. 

4. Großbritannien wird seinen Einfluß geltend machen, um den Abschluß 
eines freundschaftlichen Übereinkommens hinsichtlich der konkurrieren- 
den Ansprüche des Sultans von Zanzibar und der Deutsch-Ostafrikanischen 
Gesellschaft auf das Kilima-Ndscharo- Gebiet zu befördern. 

5. Beide Mächte erkennen als zu Witu gehörig die Küste an, welche nördlich 
von Kipini beginnt und sich bis zum Nordende der Mandabucht erstreckt. 

6. Deutschland und Großbritannien werden gemeinschaftlich den Sultan 
von Zanzibar zum Beitritt zu der General-Akte der Berliner Konferenz 
auffordern, vorbehaltlich der bestehenden Rechte Sr. Hoheit gemäß den 
Bestimmungen des Artikels I der Akte. 

7. Deutschland macht sich verbindlich, der Erklärung beizutreten, welche 
Großbritannien und Frankreich am 10. März 1862 mit Bezug auf die 
Anerkennung der Unabhängigkeit von Zanzibar gezeichnet haben. 



Anlag e III. 




u Stamdr v C 1 Keller Berltfi 2 



- i8 3 - 

Anlage IV. 

Küstenvertrag. 

(Übersetzung.) 

Seine Hoheit Seyyid Khalifa ben Said, Sultan von Zanzibar, 

und 
die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, 

welche mit Genehmigung Seiner Durchlaucht des Fürsten von B i s- 
marck, Kanzlers des Deutschen Reiches, den deutschen Generalkonsul 
Dr. juris Gustav Michahelles zu ihrem Bevollmächtigten ernannt hat, 

haben den nachstehenden Vertrag geschlossen. 

Artikel I. 
Seine Hoheit der Sultan überträgt der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft 
alle Gewalt, welche Ihm auf dem Festlande (Mrima) und in Seinen Territorien 
und Dependenzen südlich vom Umbafluß zusteht, und Er überläßt und übergibt 
derselben die gesamte Verwaltung dieser Gebiete. Die Verwaltung soll von der Ge- 
sellschaft im Namen Seiner Hoheit und unter Seiner Flagge sowie unter Wahrung 
Seiner Souveränitätsrechte geführt werden. Es versteht sich hierbei jedoch, daß 
die Gesellschaft für alle Angelegenheiten und für die gesamte Verwaltung der in dieser 
Abtretung (concession) eingeschlossenen Gebiete Seiner Hoheit verantwortlich 
ist, und daß Seiner Hoheit dem Sultan weder aus den damit verbundenen Ausgaben, 
noch aus Krieg und Diya (Blutgeld), noch aus hiermit im Zusammenhang stehenden 
Ansprüchen Verbindlichkeiten erwachsen sollen ; und daß Er zu einer Regelung 
dieser Angelegenheiten nicht herangezogen werden darf. Niemand außer der Ge- 
sellschaft soll das Recht haben, öffentliche Ländereien auf dem Festlande oder sonst- 
wo in den Gebieten, Besitzungen und Dependenzen Seiner Hoheit innerhalb der 
obengenannten Grenzen zu kaufen, es sei denn, daß der Erwerb durch Vermittlung 
der Gesellschaft, wie jetzt durch Vermittlung Seiner Hoheit geschieht. Der Sultan 
gewährt der Gesellschaft auch die Befugnis, von der Bevölkerung des Festlandes 
innerhalb der bezeichneten Gebietsgrenzen Steuern zu erheben. Seine Hoheit 
willigt ferner ein, alle Akte und Handlungen, welche erforderlich sind, um die Be- 
stimmungen dieses Vertrages zur Ausführung zu bringen, vorzunehmen und der 
Gesellschaft mit seiner ganzen Autorität und Macht zu helfen und beistehen, damit 
die gewährten Rechte und Gewalten sichergestellt werden; die vertragschließenden 
Teile sind ferner darüber einig, daß der Inhalt der folgenden Artikel des Vertrages 
die Rechte, welche von Seiner Hoheit den Untertanen oder Bürgern von Deutsch- 
land, Frankreich, Großbritannien, von den Vereinigten Staaten von Amerika oder 
anderen mit Seiner Hoheit in Vertragsverhältnissen stehenden Mächten bewilligt 
sind, in keiner Weise beeinträchtigen oder schmälern soll; ebensowenig sollen 
die Verpflichtungen berührt werden, welche Seiner Hoheit infolge Seines Beitrittes 
zur Generalakte der Berliner Konferenz auferlegt sind oder auferlegt werden mögen. 

Artikel II. 
Seine Hoheit ermächtigt die Gesellschaft, vorbehaltlich der unten vorgesehenen 
Ausnahmen, in Seinem Namen und an Seiner Statt überall in den obenbezeichneten 
Gebietsgrenzen Beamte für die Verwaltung Seiner Besitzungen zu bestellen; die 



— 184 — 

erforderliche Anzahl von Unterbeamten zu ernennen; Gesetze für die gedachten 
Gebiete zu erlassen; Gerichtshöfe einzurichten und überhaupt alle Maßnahmen 
zu treffen, welche zum Schutze der unter ihrer Regierung stehenden Gebiete und 
Interessen notwendig sind. Seine Hoheit ermächtigt die Gesellschaft ferner, Ver- 
träge mit ihm unterstehenden oder anderen Häuptlingen der Eingeborenen zu 
schließen, und sollen solche Verträge und Abmachungen in denjenigen Fällen, in 
welchen sie im Namen Seiner Hoheit abgeschlossen werden, von Ihm ratifiziert und 
bestätigt werden. Seine Hoheit willigtauch ein, abgesehen von Seinen Privatländereien 
und Schambas, alle die Grundgerechtsame, welche Ihm auf dem Festlande von Afrika 
innerhalb der obenbezeichneten Grenzen zustehen, der Gesellschaft abzutreten 
und ihr alle Forts und nicht im Gebrauch befindlichen öffentlichen Gebäude zu 
übergeben, sofern Er sie nicht für Seinen Privatgebrauch zurückzubehalten wünscht. 
Ein Verzeichnis solcher Gebäude, Pflanzungen oder Besitzungen soll aufgestellt 
und von Seiner Hoheit und der Gesellschaft genehmigt werden. Ferner ermächtigt 
Er die Gesellschaft, alles noch nicht in Besitz genommene Land zu erwerben und 
Bestimmungen über die Okkupation von solchem Land zu treffen; lokale sowie 
andere Steuern, Abgaben und Zölle auszuschreiben und zu erheben und alle Maß- 
nahmen zu treffen, welche zur Einrichtung und Unterhaltung der Verwaltung, 
des Justizwesens, zur Verbesserung der Wege oder Wasserstraßen oder anderer 
öffentlicher Arbeiten, sei es für Verteidigungs- oder sonstige Zwecke, zur Zahlung 
von Schulden und von Zinsen des aufgewendeten Kapitals notwendig sind. Die 
Richter sollen von der Gesellschaft vorbehaltlich der Zustimmung des Sultans 
bestellt, alle „Kadis" dagegen sollen von Seiner Hoheit ernannt werden. 

In den von Ureinwohnern besiedelten Landstrichen ist die Rechtspflege 
Sache der Gesellschaft und ihrer Beamten. Die Gehälter der Gouverneure und aller 
anderen Beamten in den von der Gesellschaft in Besitz genommenen und verwalteten 
Territorien sollen von derselben bezahlt werden. 



Artikel III. 

Seine Hoheit gewährt der Gesellschaft das Recht, innerhalb der durch diesen 
Vertrag bezeichneten Gebietsgrenzen Handel zu treiben, Eigentum zu haben, Ge- 
bäude zu errichten und mit Zustimmung der Eigentümer Ländereien oder Häuser 
durch Kauf oder sonstiges Rechtsgeschäft zu erwerben. 



Artikel IV. 

Seine Hoheit erteilt der Gesellschaft das besondere und ausschließliche Recht 
und die Befugnis, Vorschriften für den Handel und Verkehr, die Schiffahrt auf Flüssen 
und Seen, die Kontrolle der Fischerei, den Bau von Wegen, Straßen und Eisenbahnen, 
Kanälen und Telegraphen zu erlassen und hierfür Zölle und Abgaben zu erheben. 
Insoweit Seine Hoheit nicht Verpflichtungen gegen die anderen Mächte eingegangen 
ist, überträgt Er der Gesellschaft ferner die Befugnis, die Einfuhr von Waren, Waffen, 
Munition, berauschenden Getränken jeglicher Art und allen anderen Gütern, welche 
nach ihrer Ansicht der öffentlichen Ordnung oder Sittlichkeit schädlich sind, zu 
beaufsichtigen oder zu verhindern. Es versteht sich indessen, daß bei Ausübung 
dieser Privilegien und Befugnisse die Verträge, welche zwischen Seiner Hoheit 
und anderen Mächten abgeschlossen sind, beobachtet werden sollen. 



- i8 5 - 

Artikel V. 
Seine Hoheit ermächtigt die Gesellschaft, in Seinem Namen alle Häfen, 
welche an den Flußmündungen oder an anderen Stellen Seiner obenbezeichneten 
Besitzungen gelegen sind, in Besitz zu nehmen, und Er verleiht ihr das Recht, Zoll- 
häuser zu errichten und von Schiffen, Gütern usw., welche in den Häfen ankommen 
oder aus denselben abgehen, Abgaben zu erheben und alle zur Verfolgung des 
Schmuggels erforderlichen Maßregeln zu treffen, jedoch sollen hier in allen Fällen 
die Bestimmungen der obengenannten Verträge gewahrt bleiben. 

Artikel VI. 
Seine Hoheit verleiht der Gesellschaft das ausschließliche Recht, in allen 
Teilen der Territorien Seiner Hoheit innerhalb der obenbezeichneten Gebietsgrenzen 
Blei, Kohlen, Eisen, Kupfer, Zinn, Gold, Silber, Edelsteine, sonstige Metalle und 
Mineralien, sowie Mineralöle aller Art aufzusuchen und zu gewinnen, hierauf be- 
zügliche Verordnungen zu erlassen und die gedachten Bergwerksrechte zu ver- 
pachten oder zu überweisen; ebenso soll die Gesellschaft allein berechtigt sein, mit 
den gewonnenen Metallen usw., frei von Steuern und Abgaben, Handel zu treiben. 
Nur an Seine Hoheit hat die Gesellschaft eine mäßige Abgabe (royalty) für Mineralien 
zu entrichten; dieselbe soll 5% des ersten Preises der Artikel, von welchen die für 
Gewinnung des Minerals aufgewendeten Kosten in Abzug gebracht sind, nicht 
übersteigen und später zwischen dem Sultan und der Gesellschaft vereinbart werden. 
Auch wird der Gesellschaft das Recht eingeräumt, alle Waldbäume, sonstiges Holz, 
sowie Materialien aller Art für die vorgenannten Arbeiten wie auch zum Handels- 
betriebe zu benutzen. Das Bau- und Brennholz indessen, welches unter dem Namen 
„Burti" bekannt ist, darf auf dem Festlande auch von anderen, wie bisher, geschlagen 
werden, falls sie hierfür die mit der Gesellschaft zu vereinbarenden Abgaben be- 
zahlen; solche Abgaben sollen jedoch nicht für Holz gefordert werden, welches für 
den Gebrauch Seiner Hoheit gefällt wird. 

Artikel VII. 

Seine Hoheit gewährt der Gesellschaft das Recht, in Seinen obenerwähnten 
Territorien ein oder mehrere Bankinstitute mit dem ausschließlichen Privileg der 
Notenausgabe einzurichten. 

Artikel VIII. 

Alle zuvor genannten Befugnisse und Privilegien sollen verliehen werden 
und der Gesellschaft zur Verfolgung ihrer Zwecke und Ziele zustehen für die Zeit 
von fünfzig (50) Jahren, welche von dem Tage der Unterzeichnung dieses Vertrages 
zu laufen beginnt. Mit dem Ablauf der bezeichneten Zeit fallen alle öffentlichen 
Werke, Gebäude usw. an den Sultan, Seine Erben oder Nachfolger zu einem 
Schätzungswerte zurück, welcher auf Verlangen von beiderseits bestellten Taxa- 
toren festzustellen ist. 

Artikel IX. 

Seine Hoheit gewährt der Gesellschaft die „Regie" oder Pacht der Zölle 
in sämtlichen Häfen des oben bezeichneten Teils Seiner Territorien für eine gleiche 
Zeitperiode, wie die vorher erwähnten anderen Rechte (concessions), und zwar unter 
den folgenden Bedingungen: fünfzigtausend (50000) Rupien in bar; dieser Betrag 
ist in gleichen Monatsraten binnen der ersten sechs Monate zurückzuerstatten. 
Im ersten Jahre liefert die Gesellschaft am Ende eines jeden Monats europäischer 



— 186 — 

Zeitrechnung den ganzen Betrag der in den oben bezeichneten Territorien erhobenen 
Ein- und Ausfuhrzölle an Seine Hoheit ab. Abgezogen wird nur eine gewisse Summe 
für die Ausgaben, welche durch die Zollerhebung erwachsen. Diese Ausgaben dürfen 
die Summe von einhundertundsiebenzigtausend (170000) Rupien in dem ersten 
Jahre nicht übersteigen, und wenn die Gesellschaft nicht in der Lage ist, durch ihre 
Bücher nachzuweisen, daß sie in Wirklichkeit die obenerwähnte Summe verausgabt 
hat, so hat sie an Seine Hoheit auch die Differenz zwischen ihren wirklichen Aus- 
gaben und dem Betrage von 170 000 Rupien zu zahlen. Der einzige Nutzen, welchen 
die Gesellschaft im ersten Jahre haben soll, besteht in einer Kommissionsgebühr 
von fünf (5) Prozent der an Seine Hoheit gezahlten Nettoeinkünfte. 

Auf Grund der im ersten Jahre gemachten Erfahrungen soll die Durchschnitts- 
summe, welche von der Gesellschaft jährlich an Seine Hoheit zu zahlen ist, festge- 
stellt werden; die Gesellschaft soll jedoch das Recht haben, am Ende eines jeden 
dritten Jahres auf Grund der in den letzten drei Jahren erzielten Ergebnisse, welche 
durch ihre Bücher nachzuweisen sind, in neue Unterhandlungen mit Seiner Hoheit ein- 
zutreten, um die Durchschnittssumme zu revidieren und neu festzusetzen, und Seine 
Hoheit ist berechtigt, einen Beamten zu bestellen, welcher die Zolleinnahmen in den 
Häfen des hier in Betracht kommenden Gebietes zu kontrollieren hat. 

Ferner versteht es sich, daß Seine Hoheit von keinem Zweige des Handels 
den Zoll zum zweiten Male beanspruchen darf. Der Gesellschaft steht daher das 
Recht zu, über die Zollbeamten Seiner Hoheit in Zanzibar zu diesem Behuf eine 
Kontrolle auszuüben und die Rückvergütung aller Zollbeträge zu verlangen, welche 
künftighin etwa von der Einfuhr nach den in diesem Vertrage (concession) be- 
zeichneten Häfen oder von der Ausfuhr aus denselben direkt an Seine Hoheit be- 
zahlt werden. Die Gesellschaft verspricht ferner Seiner Hoheit fünfzig (50) Prozent 
von dem weiteren Reineinkommen zu zahlen, welches ihr aus der Zollabgabe der 
in Rede stehenden Häfen zufließen wird. Seine Hoheit überträgt der Gesellschaft 
alle Rechte an den Territorialgewässern, welche innerhalb der oben bezeichneten 
Grenzen Seines Gebietes liegen oder zu demselben gehören; insbesondere soll sie 
die Befugnis haben, die Beförderung, die Durchfuhr, das Landen und Verschiffen 
von Waren und Produkten innerhalb der genannten Gewässer durch Küstenwächter 
zu Lande und zu Wasser zu beaufsichtigen und zu kontrollieren. 

Artikel X. 
In Anbetracht der Konzessionen, Befugnisse und Privilegien, welche der 
Gesellschaft im Vorstehenden eingeräumt sind, sichert dieselbe dem Sultan die Zah- 
lung der Dividende von zwanzig (20) Anteilscheinen der Deutsch-Ostafrikanischen 
Gesellschaft zu je zehntausend (10 000) Mark, das heißt die Zahlung der Dividende 
eines Kapitalbetrages von ungefähr zehntausend (10 000) Pfund Sterling zu; diese 
Zusicherung soll Ihm den Anspruch auf den einem solchen Anteil an dem Gesell- 
schaftsvermögen zukommenden Teil desjenigen Reingewinnes geben, welcher aus- 
weislich der Bücher der Gesellschaft vorhanden ist, nachdem Zinsen in Höhe von acht 
(8) Prozent auf das eingezahlte Kapital der Anteilscheinbesitzer bezahlt worden sind. 

Artikel XL 
Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft soll alle Rechte, Privilegien, Ab- 
gabenfreiheiten und Vorteile genießen, welche anderen Gesellschaften oder Personen 
eingeräumt sind oder künftig eingeräumt werden, denen für einen anderen Teil 
des Herrschaftsgebietes Seiner Hoheit ähnliche Rechte wie die in diesem Vertrage 
gewährten übertragen sind oder übertragen werden mögen. 



- i8 7 - 

Artikel XII. 
Die im Vorstehenden bezeichneten Rechte (concessions) erstrecken sich 
nicht auf die Besitzungen Seiner Hoheit auf den Inseln von Zanzibar und Pemba 
noch auf Seine Territorien nördlich des Umbaflusses, und es versteht sich, daß alle 
öffentlichen, richterlichen oder Regierungsbefugnisse und Funktionen, welche der 
Gesellschaft in diesem Vertrage übertragen sind, von derselben nur im Namen 
und unter der Autorität des Sultans von Zanzibar ausgeübt werden sollen. 

Artikel XIII. 
Beide Teile sind darüber einig, daß die hier in Rede stehenden Rechtsüber- 
tragungen (concessions) und die denselben entsprechenden Verpflichtungen, sowie 
sie im Vorstehenden dargelegt sind, für beide Teile, ihre Erben und Rechtsnach- 
folger für den vereinbarten Zeitraum von fünfzig (50) Jahren bindend sein sollen. 

Artikel XIV. 
Seine Hoheit ist bereit, die im Vorstehenden bezeichneten Zölle, Ländereien 
und Gebäude der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft an einem von ihr zu wählen- 
den Tage nach dem fünfzehnten (15.) August eintausendachthundertachtund- 
achtzig (1888) zu übertragen. 

Artikel XV. 

Der gegenwärtige Vertrag ist in vier Abschriften ausgefertigt worden, von 
denen zwei in englischer und zwei in arabischer Sprache abgefaßt sind. 

Alle diese Abschriften haben denselben Sinn; sollten gleichwohl später 
Meinungsverschiedenheiten über die richtige Auslegung des englischen und arabischen 
Textes der einen oder der anderen der Vertragsbestimmungen entstehen, so soll die 
englische Abschrift als die maßgebende betrachtet werden. 

Zur Beglaubigung dessen haben Seine Hoheit Seyyid Khalifa ben Said und 
Dr. G. Michahelles diesen Vertrag gezeichnet und demselben ihre Siegel angeheftet. 

Geschehen in Zanzibar den achtundzwanzigsten Tag des April in dem Jahre 
unseres Herrn 1888 (eintausendachthundertachtundachtzig), entsprechend dem 
sechszehnten Schaban eintausenddreihundertundfünf der Hedschra. 
(Folgen Unterschriften und Siegel.) 

Abgeänderter Artikel IX des Küstenvertrages nach 
Abmachung vom 13. Januar 1890. 

Artikel IX. 

Seine Hoheit gewährt der Gesellschaft die „Regie" oder Pacht der Zölle 
in sämtlichen Häfen des oben bezeichneten Teils Seiner Territorien für eine gleiche 
Zeitperiode, wie die vorher erwähnten anderen Rechte (concessions), und zwar 
unter den folgenden Bedingungen: 

Die Gesellschaft liefert am Ende eines jeden Monats europäischer Zeit- 
rechnung den ganzen Betrag der in den oben bezeichneten Territorien erhobenen 
Ein- und Ausfuhrzölle an Seine Hoheit ab. Abgezogen wird nur eine gewisse Summe 
für die Ausgaben, welche durch die Zollerhebung erwachsen; diese Ausgaben dürfen 
die Summe von einhundertundsiebenzigtausend (170000) Rupien per Jahr für die 
ersten 3 Jahre des Vertrages nicht übersteigen, und wenn die Gesellschaft nicht in 



— 188 — 

der Lage ist, durch ihre Bücher nachzuweisen, daß sie in Wirklichkeit die obener- 
wähnte Summe verausgabt hat, so hat sie an Seine Hoheit auch die Differenz zwi- 
schen ihren wirklichen Ausgaben und dem Betrage von 170000 Rupien zu zahlen. 

Auf Grund der in den ersten 3 Jahren durch die Gesellschaft direkt gemachten 
Nettozolleingänge (das sind die eingenommenen Jahres-Zollgelder weniger 1 70 000 
Rupien) soll am 18. August 1891 europäischer Zeitrechnung die Durchschnittssumme, 
welche von der Gesellschaft jährlich an Seine Hoheit zu zahlen ist, festgesetzt werden; 
die Gesellschaft soll jedoch das Recht haben, am Ende eines jeden dritten Jahres 
auf Grund der in den letzten drei Jahren erzielten Ergebnisse, welche durch ihre 
Bücher nachzuweisen sind, in neue Unterhandlungen mit Seiner Hoheit einzu- 
treten, um die Durchschnittssumme zu revidieren und neu festzusetzen. Seine 
Hoheit ist berechtigt, einen Beamten zu bestellen, welcher die Zolleinnahmen in den 
Häfen des hier in Betracht kommenden Gebietes zu kontrollieren hat. 

Ferner versteht es sich, daß Seine Hoheit von keinem Zweige des Handels 
den Zoll zum zweiten Male beanspruchen darf. Der Gesellschaft steht daher das 
Recht zu, über die Zollbeamten Seiner Hoheit in Zanzibar zu diesem Behuf eine 
Kontrolle auszuüben und die Rückvergütung aller Zollbeträge zu verlangen, welche 
künftighin etwa von der Einfuhr nach den in diesem Vertrage bezeichneten Häfen 
oder von der Ausfuhr aus denselben direkt an Seine Hoheit bezahlt werden. Die 
Gesellschaft verzichtet hierbei ausdrücklich auf Rückerstattung solcher Zölle, welche 
durch Seine Hoheit auf von Europa oder dem Auslande kommende Waren in Zanzibar 
vereinnahmt worden sind und die nachträglich von Zanzibar nach dem der Ver- 
waltung der Gesellschaft unterstellten Gebiete ausgeführt werden. Die Gesellschaft 
verspricht ferner, Seiner Hoheit fünfzig (50) Prozent von dem weiteren Reineinkom- 
men zu zahlen, welches ihr aus den Zollabgaben der hier in Rede stehenden Häfen 
zufließen wird. Seine Hoheit überträgt der Gesellschaft alle Rechte an den Terri- 
torialgewässern, welche innerhalb der oben bezeichneten Grenzen Seines Gebietes 
liegen oder zu denselben gehören; insbesondere soll sie die Befugnis haben, die 
Beförderung, die Durchfuhr, das Landen und Verschiffen von Waren und Produkten 
innerhalb der genannten Gewässer durch Küstenwächter zu Lande und zu Wasser 
zu beaufsichtigen und zu kontrollieren. 






Anlage V. 

Zur Übernahme der Zollverwaltung. 

Bekanntmachung. 
In Gemäßheit des zwischen Seiner Hoheit dem Sultan von Zanzibar, Seyyid 
Khalifa ben Said, und der Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft abgeschlossenen 
Vertrages übernimmt die letztere mit dem sechszehnten August des Jahres acht- 
zehnhundertundachtundachtzig im Namen Seiner Hoheit die gesamte Verwaltung 
an der Küste südlich des Umba-Flusses bis zum Rovuma-Fluß. 

Es wird bekannt gemacht, daß die nachstehende Verordnung mit dem oben- 
genannten Datum innerhalb der oben näher bezeichneten Grenzen in Kraft treten 
wird. 

Für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft: 
gez. Ernst Vohsen. 



- i8g - 

Verordnung Nr. i . 
Der Zoll auf alle von der Küste zwischen dem Umba-Fluß und dem 
Rovuma-Fluß ausgeführten Waren und Produkte jeglicher Art, welcher 
vertragsmäßig an der Küste bezahlt werden muß, wird bis auf weiteres 
in den Hauptzollstationen 

Tanga, 

Pangani, 

Bagamoyo, 

Daressalam, 

Kiloa Kiwindje, 

Lindi und 

Mikindani 
bezahlt. 

Jeder, welcher Waren oder Produkte von oder nach einem dieser Orte 
ausführt oder einführt, ist verpflichtet, dieselben an dem für diesen Zweck 
bestimmten Platz beim Zollhause zu untersuchen und abzuschätzen, 
und es ist nicht erlaubt, an einer andern als den in diesen Häfen dazu 
bestimmten Landungs- oder Verschiffungsstellen zu landen oder zu 
löschen. 

Nach Untersuchung und Verwiegung der Waren und Produkte ist der 
Zollbetrag in Gemäßheit des Vertrages in, bar oder in Produkten oder 
in Waren am Zollhause zu bezahlen. Der Wert jeder Klasse von Waren 
oder Produkten, auf welche vertragsgemäß Zoll zu erheben ist, wird durch 
eine im Zollhause angeschlagene Liste bekannt gegeben. Diese Liste 
wird monatlich aufgestellt und soll mit den Zanzibar-Zollhauspreisen 
übereinstimmend sein. 

Nach Entrichtung des Zollbetrages erhält der Verlader eine Deklaration, 
deren Besitz allein ihn zum Verlassen des Hafens berechtigt. Bei der 
Ankunft in Zanzibar ist diese Deklaration vorzuzeigen und dem Zoll- 
beamten Seiner Hoheit des Sultans als ein Beweis der richtigen Zahlung 
der Zölle abzuliefern. 
Nebenzollstationen werden in 

Saadani, 

Bweni, 

Kikunya, 

Samanga, 

Kiloa Kisiwani und 

Sudi 
eingerichtet werden. Nur solche Waren oder Produkte, welche nach 
Zanzibar oder einem Küstenpunkt innerhalb der Zollgrenzen vom Umba- 
Fluß bis zur Rovuma-Bai bestimmt sind, dürfen auf diesen Stationen 
verschifft werden. 

Der Verlader hat die Waren zum Zollhaus zu bringen, woselbst sie 
eingeschrieben werden, und erhält einen Schein, ohne welchen er die Sta- 
tion nicht verlassen darf. 

Der Zoll auf diese oben erwähnten Waren und Produkte wird nach An- 
kunft des Schiffes in Zanzibar an die Zollbeamten bezahlt, welche die 
Waren und Produkte auf Übereinstimmung mit dem Passagierschein 
prüfen und bei Richtigbefund dem Eigentümer erlauben, seine Güter 



— 190 — 

vom Zollhaus zu entfernen. Zur Genehmigung hierzu ist die Zuziehung 
der Beamten der Deutschen Gesellschaft erforderlich. 

7. In gleicher Weise ist der vorgeschriebene Zoll auf alle Waren und Pro- 
dukte, welche von einer Hauptzollstation nach einer anderen innerhalb 
der Zollgrenze vom Umba-Fluß bis zur Rovuma-Bai verschifft werden, 
an dem Verschiff ungsorte zu zahlen. Dieser Zoll wird indessen zurück- 
erstattet werden, sobald ein hinreichender Nachweis beigebracht ist, daß 
die Waren und Produkte loco verbraucht und nicht wieder exportiert 
worden sind. 

8. Alle Waren und Produkte, welche von den oben erwähnten Nebenzoll- 
stationen verschifft werden und nicht nach Zanzibar oder der Küste inner- 
halb der oben erwähnten Zollgrenzen bestimmt sind, müssen zur Ver- 
zollung nach einer Hauptzollstation gebracht werden. Versäumt der 
Verschiff er dies, so unterliegt er den Bestimmungen des § 14 dieser Ver- 
ordnung. 

9. Außer von den oben erwähnten Haupt- und Nebenzollstationen dürfen 
W T aren oder Produkte von keinem Punkt der Küste verschifft werden. 

10. Waren oder Produkte, welche nicht von Zanzibar, sondern von außer- 
halb kommend in das Küstengebiet innerhalb der oben genannten Zoll- 
grenzen eingeführt werden sollen, dürfen nur an den sieben Hauptzoll- 
stationen eingeführt und gelöscht werden und entrichten hier den vor- 
geschriebenen Zoll. 

11. Verlader von Waren und Produkten, welche ihren Zoll in Zanzibar zu 
entrichten wünschen, müssen bei der Ausklarierung ihrer Produkte an 
der Küste eine schriftliche Erklärung ihrer Absicht einreichen, welche 
die Bezeichnung der Art und des Wertes ihrer Güter enthält. 

Der Zoll ist dann bei der Ankunft auf dem Bureau der Deutschen 
Gesellschaft zu zahlen. 

12. Waren und Produkte, auf welche bereits Zoll in Zanzibar gezahlt ist, 
bedürfen, wenn sie an der Küste eingeführt werden, um zollfrei zu passieren, 
eines Passierscheines des Zollbeamten in Zanzibar. Jeder, der also 
derartige Waren oder Produkte von Zanzibar nach der Küste expor- 
tieren will, muß dies dem Zanzibarer Zollvorsteher oder dem Beamten 
der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft ordnungsgemäß anzeigen 
und erhält einen Erlaubnis- oder Passierschein. Waren oder Produkte 
indes, auf welche kein Zoll in Zanzibar gezahlt ist, müssen in derselben 
Weise wie die unter Nr. 10 dieser Verordnung genannten Güter an der 
Küste verzollt werden. Der Erlaubnis- oder Passierschein ist den Zoll- 
beamten der Küstenstationen, wo die Güter eingeführt werden sollen, 
abzuliefern. 

13. Nur die Vorzeigung eines derartigen Erlaubnis- oder Passierscheines 
berechtigt zur zollfreien Einführung von Waren oder Produkten an der 
Küste. 

Wird ein derartiger Erlaubnis- oder Passierschein an der Küsten- 
zollstation nicht vorgelegt, so sind die Güter, ebenso wie die unter Nr. 10 
dieser Verordnung erwähnten, nach den Tarifen zu verzollen und unter- 
liegen denselben Bestimmungen wie Güter, welche direkt von außerhalb 
an der Küste eingeführt werden. 



— IQI — 

14. Jeder Verlader von Waren oder Produkten hat die Verpflichtung, so- 
wohl Ausfuhrdeklaration wie Erlaubnis- oder Passierschein auf Verlangen 
den Beamten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft vorzuzeigen. 
Jedes von Zanzibar oder von der Küste innerhalb der Zollgrenzen der 
Gesellschaft kommende Schiff, welches im Widerspruch zu dieser Ver- 
ordnung keinen Erlaubnis- oder Passierschein besitzt, kann als schmuggel- 
treibend betrachtet und mit Beschlag belegt werden. 

Verlader sowohl wie Schiffsbesitzer und Kapitäne in Zanzibar 
und der Küste werden daher auf das dringendste aufgefordert, genaue 
Kenntnis von diesen Bestimmungen zu nehmen und ihnen Folge zu 
leisten. 

15. Bei allen Fällen schwer zu entscheidender Streitigkeiten über die Höhe 
der vertragsgemäß zu zahlenden Zölle ist die Angelegenheit zur Ent- 
scheidung den zuständigen Behörden in Zanzibar zu unterbreiten. Bis 
zur Entscheidung durch dieselben sollen die streitigen Güter entweder 
in dem Zollhause, wo der Streit entstanden, zurückbehalten werden, 
oder der Verlader soll, wenn er seine Güter frei zu bekommen wünscht, 
beim Zollbeamten unter Protest die volle Summe des geforderten Zolles 
gegen eine Quittung, welche ihm dafür ausgestellt wird, hinterlegen. 

gez. : Ernst Vohsen, gez. : von St. Paul, 

Generalbevollmächtigter der Deutsch- Chef der Zollverwaltung. 

Ostafrikanischen Gesellschaft. 



Anlage VI. 

Zur Übernahme der Verwaltung an der Küste. 

Verordnung II. 

In Ausführung des Artikels II des Vertrages vom 28. April ds. Js. betr. die 
Übernahme der Verwaltung des dem Sultan gehörigen Küstengebietes durch die 
Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft wird in Hinblick auf die uns hiermit über- 
tragene Ausübung der Gerichtsbarkeit in diesem Küstengebiete verordnet, wie folgt: 

Es wird jede Woche zweimal und zwar jeden Dienstag und Samstag nach- 
mittag von 2 — 4 Uhr von dem Bezirkschef unter Beisitz des Wali und mit Zu- 
ziehung einiger vom Bezirkschef zu berufenden Indier oder Araber eine Gerichts- 
sitzung abgehalten. Alle Klagen, welche unter die Jurisdiktion einer europäischen 
Macht oder in den Wirkungskreis des vom Sultan zu ernennenden Kadi fallen, sind 
bei diesen Sitzungen vorzubringen und zwar nach der Ordnung, welche der Bezirks- 
chef zu bestimmen für gut hält. 

Jede Anzeige in Strafsachen ist sofort und unmittelbar an den Bezirkschef 
zu erstatten, welcher hierüber mit tunlichster Beschleunigung das Nötige zu ver- 
fügen haben wird. 

Zanzibar, den 16. August 1888. 

Für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 

Der Generalbevollmächtigte: 

gez.: Ernst Vohsen. 



— 192 — 

Verordnung III. 
In Ausführung des Artikels II des Zoll- und Küsten- Vertrages vom 28. April 
ds. Js., welchem zufolge Se. Hoheit der Sultan alle Rechte auf das in seinem Küsten- 
gebiete befindliche Land südlich des Umba-Flusses, mit Ausnahme der Privat- 
Ländereien und Schambas und öffentlichen Gebäude und mit Ausnahme der für 
seinen Privatgebrauch reservierten Baulichkeiten, auf die Deutsch-Ostafrikanische 
Gesellschaft überträgt, wird hiermit verordnet, wie folgt: 

Alles Eigentum an Ländereien und Gebäuden in dem Sr. Hoheit 
dem Sultan gehörigen Gebiete jedes einzelnen Bezirkes ist von dem be- 
treffenden Besitzer in einem Zeitraum von sechs Monaten vom 16. August 
1888 an in einem bei dem Bezirkschef aufzulegenden Grundbuche einzu- 
tragen, wobei von den Eigentümern die Grenzen zu bezeichnen sind und 
ein genügender Nachweis des Ankaufes oder Besitzes zu liefern sein wird. 
Alles Eigentum an Häusern oder Land, welches binnen sechs Monaten 
nach Veröffentlichung dieser Verordnung nicht als Privatbesitz nach- 
gewiesen werden kann oder nicht eingetragen ist, wird als öffentliches 
Gut betrachtet. 

Die Haus- oder Landbesitzer, welche an dem Sitze eines Bezirks- 
chefs wohnen, haben ihre Häuser einfach anzuzeigen, und erhält jedes 
ihrer Häuser oder Grundstücke, die innerhalb des Ortsrayons liegen, 
eine Nummer. 

Die Eintragungen können jeden Morgen von 8 — 9 Uhr auf dem 
Bureau des Bezirkschefs erfolgen. 

Zanzibar, den 16. August 1888. 

Für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 

Der Generalbevollmächtigte : 

gez. : Ernst Vohsen. 



Anlage VII. 

Instruktion Wissmanns. 

(Auszug.) 

Berlin, den 12. Febr. 1889. 
Was Ihr Verhältnis zu den Beamten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesell- 
schaft in Ostafrika betrifft, so ist daran festzuhalten, daß die Rechte der Gesellschaft, 
welche sich aus dem zu Ihrer Information abschriftlich anliegenden Vertrage der- 
selben mit dem Sultan vom 28. April v. Js. ergeben, unverändert fortbestehen. 
Die Verwaltung bleibt unter Ihrer, in meiner Vertretung nach Art. 41 u. 42 des 
anliegenden Statuts geübten Aufsicht den Organen der Gesellschaft in den ihr 
unterstellten Gebieten, insoweit nicht durch militärische Rücksichten Einschrän- 
kungen beziehungsweise eine zeitweilige Suspension geboten erscheinen und mit 
dem Standrecht die Civil-Befugnisse auf das Militär übergehen. Eine Einmischung 
in die geschäftlichen Angelegenheiten der Gesellschaft und namentlich auch in die 
Zollverwaltung wollen Sie vermeiden. Dagegen übertrage ich Ihnen die Ausübung 
der mir statutenmäßig zustehenden Aufsicht über die Gesellschaft, soweit es sich 
um die Tätigkeit derselben auf dem ostafrikanischen Festlande handelt. Euer 
Hochwohlgeboren werden sich daher für befugt zu erachten haben, Abänderung 



— 193 — 

etwaiger Anordnungen der Gesellschaft zu verlangen, welche geeignet scheinen, 
die einheimische Bevölkerung zu beunruhigen oder welche im Widerspruch mit den 
vertragsmäßigen Rechten anderer europäischer Nationen stehen. 

Wird Ihrem Verlangen keine Folge geleistet, können Sie die von Ihnen ange- 
fochtenen Verordnungen zeitweilig außer Kraft setzen. 

Desgleichen sind Euer Hochwohlgeboren berechtigt, in dringenden Fällen 
die Entfernung von Beamten der Gesellschaft herbeizuführen, deren Verbleiben 
mit der Aufrechterhaltung der Sicherheit und der guten Beziehungen zu der ein- 
heimischen Bevölkerung nicht vereinbar erscheint. 

gez. von Bismarc k. 

Seiner Hochwohlgeboren dem Reichskommissar für Ostafrika, 
Herrn Hauptmann Wissmann, 

hier. 



Anlage VIII. 

Vertrag zwischen der Kaiserlichen Regierung und der Deutsdi- 
Ostafrikanischen Gesellschaft vom 20. November 1890. 

Zwischen der Kaiserlichen Regierung einerseits und der Deutsch-Ostafrika- 
nischen Gesellschaft mit dem Sitz zu Berlin, vertreten durch ihren Vorstand, anderer- 
seits, wird, nach erfolgter Zustimmung der Hauptversammlung der Mitglieder der 
Gesellschaft, folgender Vertrag abgeschlossen, in dessen Text unter der „Gesell- 
schaft" stets die ,, Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft" verstanden wird. 

§ i. 
Die Kaiserliche Regierung beabsichtigt den Abschluß eines Staatsvertrages, 
durch welchen die Hoheitsrechte über das der deutschen Interessensphäre in Ost- 
afrika vorgelagerte Küstengebiet samt dessen Zubehörungen und der Insel Mafia 
gegen Entschädigung Seiner Hoheit des Sultans von Zanzibar an Seine Majestät 
den Deutschen Kaiser abgetreten werden sollen. Das gegenwärtige Übereinkommen 
tritt nur unter der Voraussetzung in Rechtswirkung, daß der vorgedachte Vertrag 
spätestens am i. Dezember 1890 zum Abschluß gelangt ist, und daß in diesem Ver- 
trage der Übergang der Hoheitsrechte von seiten des Sultans von Zanzibar auf 
keinen späteren Zeitpunkt als den 1. Januar 1891 festgesetzt wird. 

§ 2. 

Zum Zweck der Bezahlung der dem Sultan von Zanzibar für die Abtretung 
Seiner Hoheitsrechte zu gewährenden Entschädigung verpflichtet sich die Gesell- 
schaft, der Kaiserlichen Regierung spätestens am 28. Dezember 1890 den Betrag 
von vier (4) Millionen Mark deutscher Reichswährung in Gold zur Verfügung zu 
stellen und auszuzahlen. 

Die Kaiserliche Regierung wird dafür besorgt sein, daß der Gesellschaft 
zum Zwecke der Aufbringung der Mittel für diese Zahlung sowie zu den in § 3 
dieses Vertrages bezeichneten weiteren Zwecken rechtzeitig die nach dem Preußi- 
schen Gesetz vom 17. Juni 1833 (Ges.-Slg. 1833, S. 75) erforderliche landesherr- 
liche Genehmigung zur Aufnahme einer mit 5 Prozent jährlich verzinslichen und 

Abhandlungen d. staatsw. Seminars z. Jena, Bd. XII, Heft 1. 13 

Kurtze, Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. 



— 194 — 

halbjährlich mit 0,3257 Prozent ihres Nennbetrages zuzüglich der aus den er- 
sparten Zinsen tilgbaren Nominalbeträge zu amortisierenden, zum Kurse von 105 
Prozent rückzahlbaren Darlehnsschuld in auf jeden Inhaber lautenden Schuld- 
verschreibungen und die nach § 37, Ziffer 4 und § 42, Ziffer 3 der Satzungen der 
Gesellschaft nötige Genehmigung ihrer Aufsichtsbehörde erteilt werden. 

§ 3- 

Zur Aufbringung der Mittel für die nach § 2 an die Kaiserliche Regierung 
zu leistende Zahlung, sowie zur Verwendung für dauernde wirtschaftliche Anlagen 
in dem deutsch-ostafrikanischen Gebiet und zur Beförderung des Verkehrs nach 
demselben verpflichtet sich die Gesellschaft gegenüber der Kaiserlichen Regierung, 
eine Anleihe im Gesamtbetrage von 10556000 Mark zu schaffen. 

Die Gesellschaft ist gehalten, aus dem Erlöse der Anleihe, soweit sie die in 
§ 2 vorgesehene, sofort zu leistende Zahlung übersteigt, die Betonnung der Häfen im 
Küstengebiete nach Maßgabe des unter dem 27. Mai 1890 von Seiten des Reichs- 
Marineamts ausgearbeiteten Planes auszuführen, sowie Beleuchtungs-Anlagen im 
Höchstbetrage von 250 000 Mark zu machen. Mit dieser Arbeit wird spätestens 
am 1. April 1891 begonnen werden. 

Eine Verwendung des Erlöses der Anleihe muß, sofern diese Verwendung 
sich nicht innerhalb der in Abs. 1 gedachten Zweckbestimmung hält, auf Verlangen 
der Kaiserlichen Regierung unterbleiben. 

Die Verwendung muß innerhalb der ersten 10 Jahre erfolgen, soweit die 
Kaiserliche Regierung eine Verlängerung nicht eintreten läßt. 

§ 4- 

Der von der Gesellschaft am 28. April 1888 mit Sr. Hoheit dem Sultan von 
Zanzibar abgeschlossene und durch das Nachtrags- Übereinkommen vom 13. Januar 
1890 modifizierte Vertrag wird mit dem Zeitpunkt der Zahlung der Abfindungs- 
summe (§ 2) außer Kraft gesetzt, insoweit seine Festsetzungen nicht durch den 
gegenwärtigen Vertrag ausdrücklich aufrecht erhalten werden. 

Die Kaiserliche Regierung übernimmt von diesem Zeitpunkt ab die Ver- 
waltung des Küstengebietes und seiner Zubehörungen, der Insel Mafia, sowie des 
Schutzgebietes. 

Der Kaiserlichen Regierung fallen dementsprechend alle vom Zeitpunkte 
der Übernahme der Verwaltung ab eingehenden Zölle, sowie die etwa zur Hebung 
gelangenden Steuern und sonstigen öffentlichen Gefälle jeder Art zu. 

§ 5- 

Dagegen verpflichtet sich die Kaiserliche Regierung, vom 1. Januar 1891 
ab bis dahin, daß die von der Gesellschaft aufzunehmende Anleihe (§§ 2 u. 3) zur 
völligen planmäßigen Tilgung gelangt ist, an die von der Gesellschaft zu bezeich- 
nende Stelle zum Zweck der Verzinsung und Amortisation der aufzunehmenden 
Anleihe aus den von der Kaiserlichen Regierung vereinnahmten Brutto-Zoller- 
trägen der Ein- und Ausfuhr in das Küstengebiet bezw. aus demselben ohne jeden 
Abzug und ohne jede Aufrechnung unter allen Umständen den Jahresbetrag von 
Sechshunderttausend (600 000) Mark zu zahlen. 

Die Zahlung erfolgt in halbjährlichen Raten von je 300 000 Mark an jedem 
20. Juni und 20. Dezember. 



— 195 — 

Vier Wochen nach Abschluß jeder Monatsauf Stellung der Zolleingänge 
wird der Gesellschaft von ihrem Betrage Kenntnis gegeben. 

§ 6. 

Solange die Verpflichtung der Kaiserlichen Regierung zu der in § 5 bedun- 
genen Zahlung besteht, wird die Kaiserliche Regierung Änderungen der zur Zeit 
des Vertragsabschlusses an der Küste geltenden Zollsätze nicht eintreten lassen, 
sofern eine solche Änderung das Aufkommen eines Brutto-Zollerträgnisses von min- 
destens 600 000 Mark jährlich gefährdet. 

Werden Zollstellen seitens der Kaiserlichen Regierung außerhalb des Küsten- 
gebietes errichtet, s'o werden für die Dauer der Vertragszeit auch die Erträgnisse 
dieser Zollstellen zur Aufbringung der vorerwähnten 600 000 Mark verwendet 
werden. 

Falls in einem Jahre oder in einer Mehrheit von Jahren der für den Dienst 
der Anleihe erforderliche Betrag von 600 000 Mark durch die Brutto-Erträgnisse 
der Zölle nicht erbracht werden sollte, ist die Differenz aus den den Betrag von 
600000 Mark überschreitenden Erträgnissen späterer Jahre nachzuzahlen (§ 5). 

§ 7- 

Die Kaiserliche Regierung räumt der Gesellschaft als ein ferneres Entgelt 

28. April 1888 

für die Aufgabe ihrer Rechte aus dem Vertrage vom die folgenden 

13. Januar 1890 

Befugnisse ein: 

1. Unbeschadet der von der Gesellschaft außerhalb des Küstengebietes, 
seiner Zubehörungen und der Insel Mafia (§ 1), sowie außerhalb des Ge- 
bietes, für welches der Kaiserliche Schutzbrief erteilt ist, vertragsmäßig 
erworbenen Rechte tritt die Kaiserliche Regierung der Gesellschaft für 
das Küstengebiet, dessen Zubehörungen, die Insel Mafia und das Ge- 
biet des Schutzbriefes das ausschließliche Recht auf den Eigentums- 
erwerb durch Ergreifung des Besitzes (Okkupationsrecht) an herrenlosen 
Grundstücken und deren unbeweglichen Zubehörungen, vornehmlich 
also auch das Okkupationsrecht an Wäldern ab, jedoch mit dem Vor- 
behalt 

a) der wohlerworbenen Rechte Dritter an dergleichen herrenlosen Grund- 
stücken; 

b) des Rechts der Kaiserlichen Regierung, herrenlose Grundstücke, in- 
soweit solche nach ihrem Ermessen zu öffentlichen Bauten im Inter- 
esse der Verwaltung und der Sicherung des Küsten- und des Schutz- 
gebietes erfordert werden, durch Okkupation für das Reich zu Eigen- 
tum zu erwerben; 

c) des Rechts der Kaiserlichen Regierung, für die Ausnutzung der 
Wälder auch für die Gesellschaft verbindliche Gesetze und Verord- 
nungen im Interesse der Landes- und Forstkultur zu erlassen. 

2. In bezug auf die Gewinnung von Mineralien werden der Gesellschaft 
für. das Küstengebiet, dessen Zubehörungen, die Insel Mafia und das 
Gebiet des Kaiserlichen Schutzbriefes, gleichviel ob die Gesellschaft 
selbst oder ein Anderer der Finder ist, die gleichen Vorteile, insbesondere 
auf die Verleihung von Feldern, eingeräumt, welche die in jenen Ge- 

13* 



— 196 — 

bieten jeweilig geltende Gesetzgebung dem Finder zugesteht. Außer- 
dem verpflichtet sich die Kaiserliche Regierung, bei Verleihung von Fel- 
dern an Andere als die Gesellschaft, dem Beliehenen, insofern er nicht 
der Finder ist, eine Abgabe von fünf (5) Prozent der von ihm geförderten 
Mineralien zugunsten der Gesellschaft aufzuerlegen. 

3. Bei der Konzessionierung des Baues und des Betriebes von Eisenbahnen 
im Küstengebiet, dessen Zubehörungen, auf der Insel Mafia und in dem 
Gebiet des Kaiserlichen Schutzbriefes soll der Gesellschaft im Falle der 
Übernahme und der Erfüllung der gestellten Konzessions-Bedingungen 
ein Vorrecht vor anderen Bewerbern zustehen. Die ihr, im Falle sie von 
diesem Vorrecht Gebrauch macht, zu erteilende Bau- und Betriebs- 
Erlaubnis soll übertragbar sein. 

4. Der Gesellschaft wird das Recht auf Errichtung einer Bank mit dem 
Privilegium der Ausgabe von Noten erteilt werden. 

5. Die Gesellschaft verbleibt im Besitz der ihr zur Zeit des Vertragsschlusses 
zustehenden Befugnis, Kupfer- und Silber-Münzen, welche an den öffent- 
lichen Kassen des Küstengebietes, dessen Zubehörungen und der Insel 
Mafia, sowie des Gebietes des Kaiserlichen Schutzbriefes in Zahlung 
genommen werden müssen, zu prägen und auszugeben. 

§ 8. 

Vor dem Erlaß von Gesetzen und Verordnungen für das Küstengebiet, 
dessen Zubehörungen, die Insel Mafia und das Gebiet des Kaiserlichen Schutz- 
briefes wird die Kaiserliche Regierung die Gesellschaft zur gutachtlichen Äußerung 
auffordern, sofern nicht die Dringlichkeit des Falles eine Abweichung von der 
Regel erheischt. 

§ 9- 

Insoweit es sich nicht um Rechte handelt, welche die Gesellschaft auf Grund 
der ihr hier eingeräumten Befugnisse während der Dauer dieses Vertrages erworben 
hat (vgl. § 7), tritt das gegenwärtige Übereinkommen außer Geltung, sobald die 
aufzunehmende Anleihe (§§ 2 u. 3) getilgt ist. 

Berlin, 20. November 1890. 

Der Reichskanzler. Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, 

(gez.) v. Caprivi. Die Vors. d. Verwaltungsrats. Der Vorstand. 

(gez.) K. v. d. Heydt. (gez.) Lucas, 

(gez.) H. Oppenheim. (gez.) Bourjau. 



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der Geschichte des Fürsten Bismarck in Einzeldarstellungen. Herausge- 
geben von Johannes Penzier. 






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